Posts Tagged ‘TV’

Kino-Abend

Mai 16, 2016

Neulich überlegten meine Frau und ich, wie wir unseren freien Samstag gestalten wollten. Das Wetter war nicht so toll, um auf’s Motorrad zu steigen, aber in der Wohnung zu hocken, hatten wir auch keine Lust.

Wir könnten ja ins Kino gehen“, schlug meine Liebste vor.

Gute Idee. Ich gehe gern ins Kino. So mancher Film kommt doch erst auf der großen Leinwand zur Geltung. Dazu haben wir in Hannover ein richtig tolles Kino mit Bedienung am Platz. Das macht Spaß!

Welchen Film wollen wir denn schauen?“, fragte ich.

Weiß nicht“, antwortete sie. „Was läuft denn?“

Wie gut, dass es Internet gibt. Bei Google kennen sie sogar das Kinoprogramm einer so unbedeutenden Provinzhauptstadt wie Hannover.

Batman vs. Superman läuft“, sagte ich.

Hör mir auf mit diesem Marvel-Sch…“, schimpfte meine Frau.

Marvel? Batman ist doch nicht Marvel. Batman ist DC. Ganz andere Baustelle.Außerdem mochtest du die letzten Batman-Filme.“

Ich will aber keine Superhelden gucken!“, schmollte meine Frau. „Und schon gar nicht Marvel!“

Das ist nicht …“ Ruhig bleiben, Michael, dachte ich. Nicht aufregen.

Dschungelbuch läuft auch“, sagte ich. „Ist eine Neuverfilmung von Disney.“

Der ist bestimmt ganz witzig“, entgegnete sie.

Ich hab schon ein bisschen darüber gelesen. Soll teilweise ganz schön gruselig sein.“

Zeichentrick von Disney – gruselig?“

Ist ja kein Zeichentrick. Sind animierte Echtaufnahmen.“

Ach, diese Animationsfilme mag ich auch nicht.“

Okay. Keine Helden, keine Animation. Also kann ich Zoomania auch gleich streichen.

Ich erinnerte mich gerade an meinen letzten Versuch, mit meiner Liebsten ins Kino zu gehen. Der letzte Film von Quentin Tarantino. Den Regisseur findet sie auch nicht schlecht. Dummerweise hat er einen Western gedreht. Ohne Christoph Waltz.

Den möchte ich unbedingt im Kino sehen!“, hab ich damals gesagt. „Kommst du mit?“

Ja, können wir uns anschauen“, war die wenig begeisterte Antwort.

Hey!“, sagte ich. „Django fandest du doch toll.“

Da hat ja auch der Waltz mitgespielt. Den mag ich sowieso.“

Lange Rede – kurzer Sinn! Nach mehreren Anläufen hab ich’s dann aufgegeben. Habe mir jetzt die DVD bestellt und hoffe auf einen Abend, an dem sie Dienst hat, damit ich den Film in Ruhe schauen kann.

Also rätselte ich weiter über dem aktuellen Programm, was man denn am Samstag anschauen könnte.

Wir müssen das ja nicht heute entscheiden“, sagte meine Frau schließlich. „Sind ja noch ein paar Tage hin.“

So blieb mir noch ein bisschen Zeit, das Kino-Programm zu studieren – und zwar von allen Kinos in der Gegend. Man muss ja flexibel sein.

Superhelden und Animation schieden von vornherein aus. Liebesfilm? Nicht meins! Komödie? Ist das Leben nicht eine einzige Komödie? Dafür muss ich nicht ins Kino. Action? Muss ich meiner Liebsten nicht mit kommen. Drama? Bitte nicht. Ich möchte unterhalten werden. und nicht bis zur Mitte des Films darüber nachdenken, warum der Protagonist in den ersten Minuten gestorben ist.

Es war nicht leicht, etwas für uns beide zu finden.

Wir müssen auch nicht ins Kino gehen“, sagte meine Frau dann am Freitag. „Wir waren ja gerade erst.“

Hallo? Das war letztes Jahr vor Weihnachten!“

Sag ich doch! Ist noch gar nicht so lange her.“

Aber du wolltest doch ins Kino!“

Ja, wollte ich“, sagte sie schnippisch. „Wir müssen aber nicht.“

Und so sah unser Samstagabend am Ende aus: Puschen-Kino mit Pizza-Bringdienst, Bier aus dem Kühlschrank, Shopping-Queen und DSDS. Schön war’s. Machen wir wieder!

Werbeanzeigen

Fernsehabend

Februar 4, 2013

Erinnern Sie sich noch an die Fernsehabende früher? Ich meine jetzt: Richtig früher! Als es nur drei Programme gab und das Programm mit der Nationalhymne beendet wurde. Anschließend kam das Testbild und man ging ins Bett. Für die Jüngeren unter Ihnen wahrscheinlich unglaublich, aber so war es damals tatsächlich.

Am Samstag fand sich die gesamte Familie vorm Fernseher ein. Nach der Tagesschau hingen wir begeistert vor der Glotze und sahen uns meist die Samstagabendshow an. Wer erinnert sich nicht an solche tollen Formate wie »Musik ist Trumpf« mit Peter Frankenfeld oder »Am laufenden Band« mit Rudi Carell. Mutti saß dann meist mit Strickzeug lächelnd auf dem Sofa und Papa fragte spätestens beim ersten Musikstück »Was ist das denn für’n Lärm?« und verschwand in seiner Hobby-Werkstatt. Wir Kinder saßen irgendwo im Wohnzimmer und starrten fasziniert in den Flimmerkasten. Gab ja auch nichts anderes – es war ja Kr . . . Nee! Falsch, das war noch früher. Und da hab ich auch keine Erinnerung. Wie dem auch sei, es war für die ganze Familie ein schöner Abend.

Vor einigen Tagen wollte ich mir dieses Feeling zurückholen. Zwar lebe ich derzeit nicht mit einer Familie zusammen, sondern nur mit meiner hinreißenden zukünftigen Ex-Verlobten, aber wir hatten ein freies Wochenende, keine Verabredungen und sonst auch nichts vor. Also setzten wir uns mit einem Gläschen Wein vor den Fernseher.

Doch leider musste ich feststellen, dass die heutigen Shows im Fernsehen nicht mehr das Format von damals haben. Liegt wahrscheinlich an den Gebühren, denn bei den öffentlich-rechtlichen haben wir jetzt nicht geschaut. Aber auch bei denen soll ja seit dem Austausch von Tommy – Lockenkopf – Gottschalk gegen Cindy aus Marzahn – oder war es der Lanz? – nicht mehr alles so sein, wie es einmal war.

Vorherrschend bei den heutigen Shows ist wohl das Casting-Formt, angeführt von Bohlens „Deutschland sucht den Super-Dinges“ oder so ähnlich. Mehr oder weniger meist noch weniger begabte junge Menschen stellen sich einer illustren Jury, von der man sich ebenfalls fragen muss, ob sie überhaupt eine Ahnung haben, was sie da machen. Und dieses Format hat inzwischen das 10. Jahr erreicht. So langsam muss doch auch der letzte Hirnbefreite erkannt haben, was ihm da blüht. Aber wahrscheinlich haben ihn die »besten« Freunde dazu überredet. Genau jene Freunde, die dann lauthals lachend vor dem Fernseher den Vollhorst begrüßen. Anders ist der stetige Strom neuer Gehirnspender nicht zu erklären.

Offensichtlich auch immer beliebter sind Bums-Anbahnungsshow wie zum Beispiel »Der Bachelor«. Zwanzig auf der Strecke gebliebene Frauen buhlen um einen angeblich schönen und reichen Mann und ganz Deutschland sitzt gebannt vorm Fernseher! Ganz Deutschland? Nein. In einer kleinen Wohnung in Langenhagen leistet einer erbitterten Widerstand gegen diese Unterhaltungsoffensive.

Zwischendurch musste ich auf ein Comedy-Format umschalten, aber hier hüpfte auch nur ein des notwendigen Retalins beraubter kleiner Mann durch den Bildschirm, dessen Flachwitze per Lachen vom Band begleitet wurden.

Endlich begann das schon seit Wochen angekündigte Show-Highlight des Jahres: „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ Elf Prominente kämpfen um die Krone von König Costa I. Wobei man den Begriff Prominenz schon sehr weit dehnen muss. Bei der Vorzeige-Transe Olivia aus Hamburg lass ich das ja noch gelten. Aber ist ein Ex-Erpresser ein Star? Der Kandidat einer Casting-Show? Oder die Mutter einer Doku-Soap-Darstellerin? Vielleicht finden sich auch nicht so viele tatsächliche Stars, die sich zwei Wochen lang mit Kakerlaken, Spinnen und Schlangen anfreunden wollen. Und wer ernährt sich schon gern von Schafshirn oder Känguruh-Pimmel. Da sag sogar ich als Nicht-Prominenter »Nein, danke!« Und solche Schauspiel-Ikonen wie Brigitte Nielsen oder Michaela Schaffrath, die ein bisschen Publicity brauchen, sind halt selten.

Am Ende war das Show-Programm nicht gerade berauschend. Weit entfernt vom damaligen Feeling. Zum Glück läuft das sogenannte Highlight nur zwei Wochen im Jahr. Der Sender hat auch schon eine Nachfolge-Show angekündigt, um seine Zuschauer bei der Stange zu halten. »7 Tage Sex« heißt die Show, in der kopulationsunwillige Paare zum täglichen Beischlaf gezwungen werden sollen. Na toll. Wenn du glaubst, es geht nicht schlimmer – die Privaten schaffen’s. Immer!

Werbung

April 2, 2012

Werbung ist allgegenwärtig. Keine Zeitung, die sich nicht zum großen Teil aus Anzeigen finanziert. Halb verhungerte Models schauen uns von Litfaßsäulen herab lasziv-verstört an. Bushaltestellen erklären uns, dass geil einfach geil ist oder dass sie nicht blöd sind. Auch sonst werden unsere schönen Städte mit Plakaten zugekleistert, die einen auffordern, dieses oder jenes Produkt zu kaufen.

Im Radio ertönt stündlich Werbung, gefolgt von einem Jingel, der mir klar macht, welchen Sender ich gerade eingeschaltet habe und vor allem, warum? Und das meist noch in einem grauenvollen deutsch.

Doch die wahre Werbehölle ist und bleibt das Fernsehen. Aufgefallen ist es mir neulich beim Boxen. Früher konnte man noch zwischen den Runden verfolgen, wie der Trainer seinen Schützling ob der schlechten Leistung zur Sau macht. „Lass ihn nicht an dich ran!“ oder „Hau doch auch mal zu!“ waren die Bonbons einer jeden Box-Übertragung.

Heute muss ich mir anhören, dass eine alkoholfreie Plörre immerhin Vitali-sierend ist oder ich versagt habe, weil ich mir noch nicht alle Autos gekauft habe, die ich mir jemals wünschte, obwohl doch eine Website über eine Million Fahrzeuge anbietet.

Spaß macht da höchstens der Spot, in dem Dieter Bohlen von einem unbeholfenen Handwerker einen Balken an den Kopf geschlagen bekommt. Aufgrund der kurzen Kampfpausen hat auch das Wegzappen keinen Zweck, also schau ich mir die Spots zwangsweise an, wenn ich nicht gerade damit beschäftigt bin, mir ein weiteres Bier aus dem Kühlschrank zu holen.

So mancher Werbespot bleibt sogar im Gedächtnis haften. So habe ich gelernt, dass Koffein gut für den Haarwuchs sein soll. Ich habe schon darüber nachgedacht, meinen Kaffee morgens nicht mehr zu trinken. Da auch mein Haupthaar immer lichter wird, könnte ich ihn ja kalt werden lassen und mir dann über die Haare kippen. Vielleicht hilft’s und ich muss mir dieses teure Shampoo nicht kaufen. Denn wenn ich immer alles kaufen würde, was laut Werbung gut ist, wäre ich ein armer Mann oder hätte diverse easy-Kredite und am Ende den Zwegart im Haus.

Außerdem geht’s ja um das Koffein – sagt zumindest dieser komische Professor an seinem Computer.

Werbung kann nicht nur lehrreich sein, sie ist zudem auch in der Lage, Massen zu bewegen. Sie kennen sicherlich den Spot, in dem Dirk Nowotzki eine Metzgerei betritt. Die zunächst in Ehrfurcht erstarrte Metzgersfrau („Jessas, der Dirk!“) reicht dem Profi schließlich eine Scheibe Schinkenwurst mit der Frage „Was haben wir früher immer gesagt?“ „Damit du groß und stark wirst“, antwortet der Dirk.

Nun kann man geteilter Meinung sein, ob eine Schinkenwurst, von der wahrscheinlich nur der Schlachter weiß, was wirklich drin ist, gesund ist oder nicht. Ob man davon groß und stark wird, mag vielleicht auch dahingestellt sein. Ich finde den Spot auf jeden Fall witzig. Tausende Vegetarier und Veganer waren da anderer Meinung. Sie bombardierten die für den Spot verantwortliche Bank mit empörten Mails, so dass diese ihren Internetauftritt kurzzeitig vom Netz nehmen musste. Und warum?

Wahrscheinlich, weil der Gemüsehändler versagt hat. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich als kleiner Stepke vom Schlachter immer eine Scheibe Wurst bekommen habe. Hatte er gute Laune, gab’s auch schon mal ’ne Wiener auf die Hand. Das war so üblich, ist es heute teilweise noch. Das können auch Millionen Vegetarier nicht ändern. Woran ich mich nicht erinnern kann, ist der Umstand, dass mir der Gemüsehändler ’ne Möhre in die Hand gedrückt und gesagt hat „Damit du später mal keine Brille brauchst.“

Aber Werbung kann nicht nur lehrreich oder bewegend sein. Werbung klärt auch auf. So kommen wir nun zu meinem Lieblingswerbespot für ein angeblich gesundheitsfördernden Yoghurt. Sie kennen den sicherlich auch: Da ist diese komische Frau, die so tut, als richte sie ihre eigene Kamera aus. Dann stellt sie sich vor und kommt gleich zur Sache, denn sie muss uns etwas gaaaaaaanz privates erzählen. Und sie berichtet, dass sie sich manchmal so unwohl fühlt, so aufgebläht. Dabei verzieht sie die Nase derart, dass sie Ähnlichkeit mit einem wohlschmeckenden rosa Tierchen bekommt. Aber das nur nebenbei. Sie dachte auf jeden Fall immer, dass sei normal.

Und ich bin um eine Erkenntnis reicher, denn ich dachte immer, die Frau sei dick und nicht nur aufgebläht. Da bin ich doch froh, dass sie uns das endlich mal gesagt hat.