Posts Tagged ‘Sperrung’

Straßensperre

Mai 3, 2015

Vor ein paar Tagen ist es wieder passiert: Auf einer unsere Hauptdurchgangsstraßen trafen sich vier Fahrzeuge. Das Problem dabei war nur, dass sie sich nicht nebeneinander trafen sondern ineinander. Dabei wurden zwei Autos so stark deformiert, dass man sie beim besten Willen nicht mehr bewegen konnte. Wenn ein solcher Zusammenstoß dann auch noch direkt unter einer Brücke geschieht, kann sich jeder vorstellen, dass es schwierig wird, den Verkehr, wenn auch nur einspurig, an der Unfallstelle vorbeizuführen.

Man konnte es drehen und wenden, wie man wollte: Es blieb nichts anderes, als die Unfallstrecke zu sperren und den Verkehr irgendwie umzuleiten. Meinem Streifenpartner und mir fiel die Aufgabe zu, die Strecke an der Kreuzung zur zweiten Hauptdurchgangsstraße zu sperren, auf die dummerweise auch noch der Verkehr von der Autobahn strömte, um genau auf die gesperrte Strecke fahren zu wollen.

Allen meinen Befürchtungen zum Trotz lief die Sperrung nahezu reibungslos – wenn man von den üblichen Kleinigkeiten absah.

Ist hier gesperrt?“, fragte mich eine Dame, die kurz zuvor noch versucht hatte, mich zwischen ihrem Auto und dem Streifenwagen einzuklemmen.

Oder: „Ach, jetzt komm‘ ich hier gar nicht durch, oder?“

Nicht unerwartet aber dennoch spannend war auch der Versuch eines Taxifahrers, sich auf dem linken Fahrstreifen durch den zurückgeleiteten Gegenverkehr zu manövrieren, nur um kurze Zeit später festzustellen, dass da wirklich kein Durchkommen war. Vielleicht eine neue Geschäftsstrategie? Wer weiß schon, was der Mindestlohn so alles an spontanen Eingebungen hervorbringt.

Aber dann kam ER! ER trug die Jogginghose, mit der er eben noch bei World of Warcraft, dreizehn Orks geschlachtet hatte. Auf dem Sweatshirt prangte der Joghurt-Fleck, der vom kleinen Missgeschick am gestrigen Abend zeugte. Und dazu die obligatorischen Hausschuhe, die auch gern mal für den Kauf eines Six-Packs am Kiosk Verwendung finden.

Sein Gesicht sprach Bände: Gewappnet mit dem Substrat aus den letzten sechs Folgen „Toto und Harry“, gewürzt mit der Essenz aus mindestens drei Staffeln „Mein Revier“, drapiert auf dem Exzerpt aus diversen Sendungen „Achtung Kontrolle“ trat er an, um dreißig Jahre Berufserfahrung eines Polizeibeamten in Frage zu stellen. Ach, was sage ich? Ad absurdum zu führen!

Sagen Sie mal“, fuhr er mich an. „Was machen Sie hier eigentlich?“

Ich sah zu meinem Streifenwagen, der quer zur Fahrbahn mit eingeschaltetem Blaulicht auf der Straße stand. „Wonach sieht’s denn aus?“, fragte ich.

Sie sperren hier die Straße!“, schrie er.

Das hatte er gut erkannt. Man kann also durchaus sagen, dass Fernsehen immerhin ein bisschen zur Bildung beiträgt. „Genau!“, antwortete ich nur.

Aber warum?“

Sie werden sicherlich bemerkt haben, dass da oben unter der Brücke“, dabei deutete ich die Straße hinauf, „ein Unfall passiert ist. Und weil man da nicht durchkommt, leiten wir hier den Verkehr ab.“

Die Fahrzeuge kann man doch wegschieben. Da muss man doch nicht über Stunden den Verkehr aufhalten.“

Haben Sie sich die Unfallstelle angesehen?“, fragte ich.

Natürlich! Schieben Sie doch die Wracks bei Seite. Dann müssen Sie hier auch nicht sperren. Das ist doch total unwirtschaftlich. Haben Sie daran mal gedacht?“

Verdammt! Vor mir stand der Hulk. In der Lage, mehr als 1.000 Kg scharfkantiges Metall über rauen Asphalt zu schieben – und das auch noch mit abgeschlossenem BWL-Studium.

Da half auch kein Argumentieren mehr. Wirtschaftlichkeit ist nicht unbedingt ein Thema der Polizei. Sicherheit und Ermittlungen in Sachen Gesetzesbruch ist nicht unbedingt mit Geld aufrechenbar.

Wer hat das hier eigentlich angeordnet?“, fragte er mich schließlich.

Also ich hab‘ den Auftrag über Funk erhalten, da kann ich nicht sagen, wer das jetzt war.“

Das hat ein Nachspiel. Ich will mich beschweren!“, schrie der Mann jetzt noch aufgebrachter.

Okay“, antwortete ich, „das machen Sie ja gerade.“

Doch nicht bei Ihnen! Über Sie!“, schrie er wieder. „Ich will den Namen eines Verantwortlichen!“

Dann rufen Sie doch Herrn Pistorius an“, antwortete ich.

Warum soll ich jetzt in Südafrika anrufen? Das ist ja eine Frechheit von Ihnen!“

Da zeigte es sich: Sein Wissen nur aus Doku-Soaps und „Prominent“-Sendungen zu holen, kann hilfreich sein – muss aber nicht!

Werbeanzeigen

Der Autofahrer und die Verkehrsregelung

September 3, 2012

Im allgemeinen kann man den Autofahrer als pfiffiges Kerlchen betrachten. Gelingt es ihm doch, drei verschiedene Farben und ihre Bedeutung zu erkennen, sowie statistisch alle siebzehneinhalb Meter eines von fast 400 Verkehrszeichen erfolgreich zu ignorieren, und das auch noch aus der Bewegung heraus.

Kritisch wird es erst, wenn der Autofahrer aus seinem gewohnten Trott gerissen wird – beispielsweise durch einen Schutzmann auf der Kreuzung, der den Verkehr regelt, weil die Ampel ausgefallen ist. Zunächst noch über die arme Sau im weißen Mantel lächelnd, die da die giftigen Abgase einatmet, wird er zusehends nervöser, wenn es nicht weiter geht. Da der gemeine Schutzmann nicht mit einer Präzisionsuhr gekoppelt ist und seine Entscheidung, wer nun fahren darf, nach der Auslastung der Straßen richtet, kann es sich schon mal ein wenig länger hinziehen.

Das macht den Autofahrer nervös. „Man! Was fuchtelt der da vorne rum? Kann der sich nicht mal beeilen?“, denkt er dann möglicherweise und hat die Hand gefährlich nahe über der Hupe schweben.

Kurz bevor er jedoch endgültig die Nerven verliert, geht es weiter. Dennoch kann er sich eine Bemerkung im Vorbeifahren nicht verkneifen: „Na, junger Mann! Das müssen wir aber noch mal üben.“ Und wundert sich die kommenden Tage, warum er immer wieder angehalten und ausgiebig kontrolliert wird.

Nun ist es möglich, die Verwirrung des Autofahrers noch zu steigern. Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Auf der Kreuzung ist ein Unfall geschehen. Der Verkehr kann nur einspurig an der Unfallstelle vorbeigeführt werden und – die Ampel funktioniert noch!

Da versteht so mancher die Welt nicht mehr. Die Ampel zeigt grün und der Verkehr steht? Das gibt’s doch gar nicht! Endlich entdeckt er den regelnden Schutzmann. Fieberhaft überlegt er, was der Fahrlehrer damals erzählt hat. „Siehst du Brust oder Rücken, musst du auf die Tube drücken?“ Das würde er jetzt am liebsten tun. Er hat’s schließlich eilig und der Typ da vorn auf der Kreuzung nervt sowieso nur. Aber leider stehen noch ein paar Fahrzeuge vor ihm.

Dabei sind die Kollegen noch nicht einmal so gemein, die Kreuzung völlig zu sperren. Denn das wäre die Katastrophe. Damit würde der Autofahrer nicht zurechtkommen. Vor einiger Zeit brannte bei uns die Filiale einer großen Schuhgeschäft-Kette. Um den Rettungskräften einen vernünftigen Aufstellungsort und Platz für ihre Arbeiten zu schaffen, wurden von uns kurzerhand die Straße gesperrt. Also Streifenwagen quer zur Fahrbahn gestellt, Warnblinker und Blaulicht an – das sollte eigentlich jeder begreifen.

Nun schrieb ich bislang immer von DEM Autofahrer. Allgemein heißt es ja auch, dass Frauen besser fahren, aber hier war es dann doch eine Vertreterin der weiblichen Zunft, die bis vor unseren Streifenwagen fuhr – also mitten auf der Kreuzung stand – und fragte: „Komme ich hier nicht durch?“

Mein Streifenpartner und ich sahen uns an. Gleichzeitig drehten wir uns um und betrachteten das Heer von Feuerwehrleuten, die zwischen zwei kompletten Löschzügen hin und her wuselten, sahen uns wieder an und schüttelten den Kopf.

Aber ich könnte doch da über den Gehweg fahren“. Sie zeigte nach rechts auf den breiten Gehsteig.

Wen möchten Sie denn umfahren?“, fragte ich. „Die beiden Typen mit dem gelben Helm, die den Schlauch halten? Oder den Dicken da hinten, der gerade einem Opfer Sauerstoff gibt?“ Und nach einem tiefen Atemholen: „Gute Dame! Hier ist gesperrt! Sie kommen hier nicht durch!“

Trotzdem gab die Frau nicht auf. Sie startete einen neuen Versuch. Erst der Hinweis, dass sie dort vorn wohl nie wieder Schuhe wird kaufen können, wenn sie die Rettungskräfte bei der Arbeit stört, brachte sie zum Umkehren.

Neulich brach bei uns früh morgens an mehreren Stellen durch schadhafte Wasserleitungen die Fahrbahndecke auf. Die in der Nähe liegende Hauptstraße sah aus wie nach Regenfällen in Bangladesh, war also unpassierbar. Wieder einmal wurden ein paar Kreuzungen und Einmündungen gesperrt. Da die eine Kreuzung recht groß war, stellten wir diesmal nicht nur den Streifenwagen quer auf, sondern markierten noch mit Leitkegeln und Nissenleuchten die nun vorgeschriebene Fahrtrichtung nach rechts.

Dennoch schaffte es nach kurzer Zeit ein Autofahrer, direkt vor unserem Streifenwagen anzuhalten und die bezeichnende Frage zu stellen: „Ist hier gesperrt?“

Nein!“, sagte ich lächelnd. „Meine Kollegin möchte nur die Morgensonne ein wenig genießen. Deswegen stehen wir hier.“

Sein verblüfftes Gesicht war unbezahlbar. Und während wir ihn über die Situation aufklärten, hörten wir, wie einer unserer Leitkegel knirschend unter der Frontschürze eines BMW zerbrach. Kaum war dieses Geräusch verklungen, erscholl auch schon das Lamento: „Hören Sie mal! Ich muss da durch. Und außerdem können Sie doch nicht einfach solche Dinger auf die Straße stellen. Das wird ein Nachspiel haben!“

Wie schon gesagt: Der Autofahrer ist ein pfiffiges Kerlchen. Und dieser hatte immerhin schon erkannt, dass wir nicht einfach so „solche Dinger“ auf die Straße stellen.