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Die Winter-Verschwörung

Februar 1, 2016

Neulich saß ich mit meiner Frau bei uns in der Markthalle. Wir genossen einen leckeren Lambrusco, als plötzlich jemand an der Tür rief: »Alter, schau dir das an! Geht die Scheiße schon wieder los?«

Ich warf einen Blick aus dem Fenster und sah, dass es zu schneien begonnen hatte. »Es ist halt Winter. Da muss man mit rechnen«, sagte ich laut.

»Winter? Man, du hast ja überhaupt keine Ahnung!«, sagte der Typ und kam zu unserem Tisch. »Aber vom Klimawandel hast du schon gehört, oder?«

»Yepp! Aber es ist dennoch Winter!«, beharrte ich auf meiner Meinung.

»Pass auf! Ich erklär’ dir jetzt mal was«, sagte der Typ, setzte sich an unseren Tisch und nahm einen kräftigen Schluck von meinem Lambrusco.

»Den Winter gibt es schon seit Jahren nicht mehr.«

»Aber es schneit. Wasser kristallisiert aufgrund der Kälte in den Wolken, fällt als Pulver auf die Erde, ist kalt, und wenn du es in die Hand nimmst, schmilzt das Zeug wieder zu Wasser.«

»Das da draußen«, mit dem Daumen deutete er über seine Schulter zum Fenster, »ist kein Schnee, kein Wasser.« Dann beugte er sich nach vorne, legte verschwörerisch seine Hand an den Mund und flüsterte: »Das ist die neue Waffe!«

Aha, dachte ich. Jetzt wird’s aber wirklich verrückt.

»Ich seh’ schon«, sagte der Typ und trank meinen Lambrusco aus, »dir fehlen ein paar Hintergrundinformationen.« Er winkte dem Kellner zu: »Der Herr hier«, dabei deutete er auf mich, »hätte gern noch einen Lambrusco!« Dann lehnte er sich zurück und fragte: »Du hast doch sicherlich schon von Chemtrails gehört, oder?«

Chemtrails! So langsam ahnte ich, in welche Richtung das Gespräch laufen würde.

»Schon zu Kohls Zeiten waren Chemtrails im Gebrauch«, fuhr er fort. »Hätten sich die Bundesdeutschen gegen die Wiedervereinigung gestemmt, wären ihnen die Chemtrails zum Verhängnis geworden. Eine elegante Waffe gegen Regime-Gegner. Und das da draußen ist die Weiterentwicklung!«

»Also wenn das eine Waffe gegen Regime-Gegner ist«, entgegnete ich, »warum schneit es dann hier und nicht in Dresden? Laufen da nicht jeden Montag Tausende auf der Straße herum, die gegen die Merkel sind?«

»Ach, es geht doch schon lange nicht mehr um die Merkel«, winkte er ab und griff nach dem Glas, das mir der Kellner gerade hingestellt hatte. »Die ist doch nur eine Marionette der NWO. Glaubst du wirklich, dass eine ehemalige FdJ-Funktionärin soweit in der Hierarchie hätte aufsteigen können, dass man sie zur Kanzlerin wählt? Alles ein abgekartetes Spiel. Kannste alles im Internet nachlesen.«

Bestimmt. Im Internet kann man eine Menge lesen, das muss aber nicht immer richtig sein.

»Es gibt den Plan der UN, dass die Bevölkerung in Europa, vor allem in Frankreich, Großbritannien und Deutschland, ausgetauscht werden muss. Deswegen kommen jetzt die ganzen Flüchtlingsströme. Und weil wir nicht freiwillig weichen, werden wir halt nach und nach vergiftet.«

»Ein Plan der UN? – Ach was!«, sagte ich.

»Na klar! Das hat der Ulfkotte doch aufgedeckt. Lies den Artikel!«

Ausgerechnet den musste er ins Spiel bringen. Einen Enthüllungsjournalisten, der mehr Fantasie entwickelt als sämtliche Schreiberlinge des großen Springerschen Boulevard-Blattes zusammen.

»Und wir haben halt keine Möglichkeit, uns zu wehren. Weil uns der Status eines legitimen Staates fehlt. Die BRD ist ja eigentlich nur eine GmbH. Frag den Xavier! Der weiß das schon lange.«

»Aber die Waffe würde doch auch gegen die Flüchtlinge wirken, die schon hier sind«, startete ich eine letzten Versuch.

»Nein, nein!« Er schüttelte entschieden den Kopf. »Die wirkt nur im Zusammenhang mit den Impfungen, die man uns aufzwingt!«

Jetzt wurde es richtig schwurbelig. Ich warf einen verstohlenen Blick zu meiner Frau. Rann da schon ein kleiner Blutfaden aus ihrem Ohr? Auch mein Hirn fühlte sich ob des verbreiteten Schwachsinns nur noch wie eine breiige Masse an. Da half nur eines: Flucht!

Ich schob dem Typen mein Glas zu, schnappte meine Frau, rief dem Kellner ein »Er zahlt!« zu und wir verließen fluchtartig die Halle.

Am nächsten Tag erzählten meine Kollegen, dass sie einen Zechpreller festgenommen hatten. Sein Basecap war mit Alu ausgeschlagen und er weigerte sich partout, als Reichsbürger die Gesetze der »angeblichen« Bundesrepublik anzuerkennen.

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