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Reformen? – Bitte politisch korrekt!

Februar 6, 2017

Herr Müller, Sie sind Mitglied des Verkehrsausschusses des Bundestages, der heute umfassende Reformen des Verkehrsrechts beschlossen hat. Auf was dürfen wir uns als Autofahrer einstellen?“

Wie Sie vielleicht wissen stammt unser heutiges Verkehrsrecht aus einer Zeit, in der wir – sagen wir mal – noch kein so großes Geschichtsbewusstsein wie heute hatten. Wir sind daher zu dem Schluss gekommen, dass bestimmte Grundsätze neu beziehungsweise moderner gestaltet werden müssen.“

Und was bedeutet das im Einzelnen?“

Nun zum einen möchten wir natürlich auf die Eigenverantwortung des Verkehrsteilnehmers hinaus. Er soll in bestimmten Fällen selbst entscheiden, wie er sich verhält.“

Und Sie glauben, dass das gut ist? Die Regelungen sind doch dazu da, Gefahren zu minimieren.“

Das ist richtig. Aber wir sollten darauf vertrauen, dass die Verkehrsteilnehmer auf sich selbst achten.“

Welche Regel wollen Sie beispielsweise ändern?“

Als erstes werden wir die Vorfahrtregel ,Rechts vor Links‘ streichen.“

Also sollen alle Kreuzungen zukünftig beschildert werden?“

Um Gottes Willen, nein. Das ist doch viel zu teuer. Wie wollen Sie das dem Steuerzahler und vor allem Herrn Schäuble vermitteln? Ich sagte doch: Der Verkehrsteilnehmer soll selbst entscheiden.“

Und was passiert, wenn jemand im Vertrauen auf die anderen in so eine Kreuzung hineinfährt und dann von einem BMW-Fahrer von der Straße gefegt wird?“

Haben Sie was gegen BMW-Fahrer?“

Nicht grundsätzlich. Aber wer zahlt den Schaden?“

Na der, der nicht aufgepasst hat.“

Also der BMW-Fahrer!“

Sie haben doch was gegen diese Leute, oder?“

Nein, natürlich nicht. Aber ich finde, dass die Rechts-vor-Links-Regel ganz hilfreich in solchen Fällen ist.“

Wissen Sie eigentlich, was Sie da sagen?“

Äh, wieso?“

Sie können doch in der heutigen Zeit nicht mehr rechts bevorzugen! Wie sieht das denn aus? Überlegen Sie, was sie vor allem unseren jungen Mitbürger mit dieser Aussage vermitteln: Rechts geht vor!“

Dass es unter bestimmten Umständen Regeln geben muss, an die man sich halten sollte?“

Ja, Regeln müssen unter bestimmten Umständen sein, aber bitte politisch korrekt abgefasst. Keine Richtung – vor allem nicht die!“

Dann hätten Sie die Regel ja auch in Links-vor-Rechts umändern können. Oder wir steigen ganz auf den Linksverkehr um – wie in Großbritannien.“

Damit geben Sie der anderen Richtung den Vorzug. Das wollen wir gerade nicht.“

Links ist doch in der heutigen Zeit nicht verkehrt.“

Heute schon. Aber was ist morgen? Was wenn sich der Trend verändert? Plötzlich ist die Mitte das Maß aller Dinge. Was dann? Nein, wir wollen schon zukunftsweisend mit unseren Änderungen sein.“

Also auf keinen Fall festlegen – ganz so, wie sich der Trend in der Politik abzeichnet.“

Richtig! Die letzten Jahre haben gezeigt, dass es funktioniert.“

Verstehe! Haben Sie noch weitere Änderungen beschlossen?“

In der Tat wollen wir uns auch von alten Begrifflichkeiten, wie etwa dem Fahrzeugführer verabschieden. Führer! Das hatten wir mal – und es ging nicht gut! Fahrzeuglenker trifft es genauso, ist aber nicht negativ belastet.“

Und was ist mit dem Führerschein?“

Der fällt selbstverständlich der Reform zum Opfer. Der Verkehrsteilnehmer erwirbt zukünftig einen Kraftfahrzeug-Lenker-Berechtigungs-Nachweis!“

Mein Gott! Geht das auch kürzer?“

Natürlich: KraftfahrLenkBeNa!“

Hä???“

Genial, oder? KraftfahrLenkBeNa. Auf so etwas kommt kein normal denkender Mensch.“

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