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Fernsehabend

Februar 4, 2013

Erinnern Sie sich noch an die Fernsehabende früher? Ich meine jetzt: Richtig früher! Als es nur drei Programme gab und das Programm mit der Nationalhymne beendet wurde. Anschließend kam das Testbild und man ging ins Bett. Für die Jüngeren unter Ihnen wahrscheinlich unglaublich, aber so war es damals tatsächlich.

Am Samstag fand sich die gesamte Familie vorm Fernseher ein. Nach der Tagesschau hingen wir begeistert vor der Glotze und sahen uns meist die Samstagabendshow an. Wer erinnert sich nicht an solche tollen Formate wie »Musik ist Trumpf« mit Peter Frankenfeld oder »Am laufenden Band« mit Rudi Carell. Mutti saß dann meist mit Strickzeug lächelnd auf dem Sofa und Papa fragte spätestens beim ersten Musikstück »Was ist das denn für’n Lärm?« und verschwand in seiner Hobby-Werkstatt. Wir Kinder saßen irgendwo im Wohnzimmer und starrten fasziniert in den Flimmerkasten. Gab ja auch nichts anderes – es war ja Kr . . . Nee! Falsch, das war noch früher. Und da hab ich auch keine Erinnerung. Wie dem auch sei, es war für die ganze Familie ein schöner Abend.

Vor einigen Tagen wollte ich mir dieses Feeling zurückholen. Zwar lebe ich derzeit nicht mit einer Familie zusammen, sondern nur mit meiner hinreißenden zukünftigen Ex-Verlobten, aber wir hatten ein freies Wochenende, keine Verabredungen und sonst auch nichts vor. Also setzten wir uns mit einem Gläschen Wein vor den Fernseher.

Doch leider musste ich feststellen, dass die heutigen Shows im Fernsehen nicht mehr das Format von damals haben. Liegt wahrscheinlich an den Gebühren, denn bei den öffentlich-rechtlichen haben wir jetzt nicht geschaut. Aber auch bei denen soll ja seit dem Austausch von Tommy – Lockenkopf – Gottschalk gegen Cindy aus Marzahn – oder war es der Lanz? – nicht mehr alles so sein, wie es einmal war.

Vorherrschend bei den heutigen Shows ist wohl das Casting-Formt, angeführt von Bohlens „Deutschland sucht den Super-Dinges“ oder so ähnlich. Mehr oder weniger meist noch weniger begabte junge Menschen stellen sich einer illustren Jury, von der man sich ebenfalls fragen muss, ob sie überhaupt eine Ahnung haben, was sie da machen. Und dieses Format hat inzwischen das 10. Jahr erreicht. So langsam muss doch auch der letzte Hirnbefreite erkannt haben, was ihm da blüht. Aber wahrscheinlich haben ihn die »besten« Freunde dazu überredet. Genau jene Freunde, die dann lauthals lachend vor dem Fernseher den Vollhorst begrüßen. Anders ist der stetige Strom neuer Gehirnspender nicht zu erklären.

Offensichtlich auch immer beliebter sind Bums-Anbahnungsshow wie zum Beispiel »Der Bachelor«. Zwanzig auf der Strecke gebliebene Frauen buhlen um einen angeblich schönen und reichen Mann und ganz Deutschland sitzt gebannt vorm Fernseher! Ganz Deutschland? Nein. In einer kleinen Wohnung in Langenhagen leistet einer erbitterten Widerstand gegen diese Unterhaltungsoffensive.

Zwischendurch musste ich auf ein Comedy-Format umschalten, aber hier hüpfte auch nur ein des notwendigen Retalins beraubter kleiner Mann durch den Bildschirm, dessen Flachwitze per Lachen vom Band begleitet wurden.

Endlich begann das schon seit Wochen angekündigte Show-Highlight des Jahres: „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ Elf Prominente kämpfen um die Krone von König Costa I. Wobei man den Begriff Prominenz schon sehr weit dehnen muss. Bei der Vorzeige-Transe Olivia aus Hamburg lass ich das ja noch gelten. Aber ist ein Ex-Erpresser ein Star? Der Kandidat einer Casting-Show? Oder die Mutter einer Doku-Soap-Darstellerin? Vielleicht finden sich auch nicht so viele tatsächliche Stars, die sich zwei Wochen lang mit Kakerlaken, Spinnen und Schlangen anfreunden wollen. Und wer ernährt sich schon gern von Schafshirn oder Känguruh-Pimmel. Da sag sogar ich als Nicht-Prominenter »Nein, danke!« Und solche Schauspiel-Ikonen wie Brigitte Nielsen oder Michaela Schaffrath, die ein bisschen Publicity brauchen, sind halt selten.

Am Ende war das Show-Programm nicht gerade berauschend. Weit entfernt vom damaligen Feeling. Zum Glück läuft das sogenannte Highlight nur zwei Wochen im Jahr. Der Sender hat auch schon eine Nachfolge-Show angekündigt, um seine Zuschauer bei der Stange zu halten. »7 Tage Sex« heißt die Show, in der kopulationsunwillige Paare zum täglichen Beischlaf gezwungen werden sollen. Na toll. Wenn du glaubst, es geht nicht schlimmer – die Privaten schaffen’s. Immer!

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