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Eine Stadt im Taumel

Juni 20, 2016

Es war einmal ein nubischer Prinz, der nicht müde wurde, die Errungenschaften seines zivilisierten Reiches in alle Welt zu tragen, auf dass es den Menschen besser ergehe. Und so bestieg er eines schönen Tages seinen fliegenden Teppich um einer fernen Provinz und seiner holden Herrscherin seine Aufwartung zu machen.

Die Prinzessin aus der Provinz, nicht weniger müde anderen zu gefallen, versammelte ihrerseits sämtliche Gelehrten ihres Landes und anderer Reiche um sich, um den Nubier gebührend zu empfangen und mit allerlei Ausgeklügeltem zu beeindrucken.

Als der Prinz dann seinen Teppich in der fernen Provinz zu Boden gleiten ließ, jubelte das Volk ihm zu und alle waren glücklich.“

So oder ähnlich müsste es klingen, hätte Wilhelm Hauff die Ereignisse beschrieben, die sich kürzlich in unserer beschaulichen Landeshauptstadt Hannover abgespielt haben. Barack Obama, die am besten geschützte Person der Welt, gab sich ein Stelldichein, um mit Mutti die Industrie-Messe zu eröffnen.

Na ja, holde Prinzessin ist in diesem Rahmen vielleicht übertrieben, aber den nubischen Prinzen kann man Barack durchaus abkaufen.

Und die Stadt war im Taumel, die einen bekamen sich vor Begeisterung nicht mehr ein, andere waren der Ohnmacht nahe. Wie sollte man das nur bewerkstelligen? Schon Monate vorher traten die ersten Planungsstäbe zusammen. Hinter verschlossenen Türen machte man sich Gedanken, wie diesem Ereignis zu begegnen sei. Pläne wurden geschmiedet, wieder verworfen, neu entwickelt, um am Ende vom Secret Service abgelehnt zu werden.

So auch bei der Polizei. Unter den gestrengen Augen des Polizeivizepräsidenten von Hannover, trat der Stab zusammen und begann Einsatzszenarien zu entwerfen, Sperrzonen einzurichten und mehr oder weniger hilfreiche Informationsschreiben für die Bevölkerung zu entwickeln. Das Ganze natürlich so geheim, dass selbst ich, der seinen Dienst im Nebenraum des Stabes versieht, bis zum Tag X nicht mitbekam, was da geplant wurde, obwohl es auch meine Arbeit unmittelbar berührte.

Selbst die BILD-Zeitung benötigte doch mehr als acht Stunden, um in Erfahrung zu bringen, in welchem Hotel El Presidente nun zu nächtigen gedachte.

Apropos Zeitung. Natürlich waren auch die Medien voll von diesem Ereignis. Wochenlang schien es kein anderes Thema in Schrift, Ton und Film zu geben.

Am Ende die Ernüchterung. Zwar gelang es noch vielen Plane-Spottern das heißbegehrte Foto vom Einflug der Airforce One zu ergattern, doch das war’s dann auch. Die heroische Maschine auf einem Provinzflughafen neben einer Baugrube abgeparkt, das Wetter scheiße und das Empfangskomitee angeführt von unserem Ministerpräsidenten in einem schlecht sitzenden alten Mantel. Hat Barack das wirklich verdient? Immerhin gelang ihm beim Aussteigen noch ein Lächeln.

Der Rest war wie immer: Reden, Essen, Fahren, Reden, Essen, Schlafen, wieder Fahren, Reden, Essen und Abflug. So langsam ging es dem Bürger auch auf die Nerven. Man beschwerte sich, dass man nicht weiterkam, weil Strecken oder ganze Areale abgesperrt waren. Aber die Krönung dessen war folgendes Telefonat:

Polizei, Notruf!“

Ja, Meier, guten Tag. Sagen Sie mal, warum fliegen denn hier seit einer halben Stunde Hubschrauber über meinem Garten in Alt-Garbsen. Das nervt so langsam.“

Schauen Sie Nachrichten, Herr Meier?“, fragte ich.

Nein! Warum?“

Barack Obama ist in der Stadt!“

Schweigen

Wer?????“

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama eröffnet heute die Industrie-Messe Hannover. Und er hält sich gerade in Ihrer Nähe auf. Deswegen die Hubschrauber.“

Aber da hätte man mich ja mal informieren können.“

Herr Meier, seit Wochen berichten die Medien über nichts anderes. Wenn Sie das nicht mitbekommen, kann ich Ihnen leider auch nicht helfen.“

Was hatte er sich vorgestellt? Dass 1000 Polizisten Tage vorher durch die Stadt stromern und bei jedem Klingeln, um ihn zu informieren.

Okay, vielleicht beim nächsten Mal. Dann ist es ja auch nicht mehr Obama sondern eventuell Trump. Da könnte es sogar sinnvoll sein, jeden zu warnen.

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Die mediale Katastrophen-Sau

Februar 7, 2011

Die Leere meines Vorratsschranks trieb mich letztens wieder in den örtlichen Discounter. Und hier begegnete ich ihm, dem Durchschnitts-Nachrichtenkonsumenten, der sofort unhinterfragt verinnerlicht, was die Medien ihm vorsetzen.

Ungeduldig zuppelte er einer der Angestellten am Kittel. „Sagen Sie mal, junge Frau“, rief er dabei lautstark. „Haben Sie hier auch Bio-Eier? Die da kann man ja nicht essen, seit dieser Seveso-Sache!“

Seveso? Das war doch in den 70ern. So alt sollten die Eier selbst in diesem Markt nicht sein.

Aber halt! Wir haben es derzeit wieder mit Dioxinen zu tun, die irgendein gewinngieriger Futtermittelhersteller in Form von technischen Fetten ins Hühner- und Schweinefutter gemischt hatte. Natürlich ist das nicht in Ordnung. Darüber bedarf es auch keiner Diskussion. Aber was uns da wieder einmal von der Presse geboten wurde, war auch nicht das Gelbe vom Ei.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass jeder von uns bei der Erwähnung des Wortes „Dioxin“ sofort an Seveso denkt. Aber wussten sie, dass es 200 verschiedene Dioxine gibt? Und keines der 199 anderen ist so toxisch wie das Seveso-Gift. Aber da schweigt sich die Presse einmal mehr aus, denn nach wie vor gilt: Je dramatischer die Sache aufgezogen wird, desto besser sind die Verkaufszahlen.

Die Politik tut dazu ein übriges, um das Thema warm zu halten. Die Parteien werfen sich gegenseitiges Versagen vor und Minister, die noch nicht mal im Amt sind, werden zum Rücktritt aufgefordert, weil der eigentliche Minister fieser weise zurücktrat, ohne dass die Opposition sich entsprechend vorbereiten konnte.

Auf der anderen Seite haben Experten aber schon ausgerechnet, wie viele Frühstückseier Sie noch essen dürfen, bevor Sie den Grenzwert an Giftbelastung erreicht haben. Vielleicht sollten Sie vorher aber mit Ihrem Hausarzt reden. Der hat bestimmt eine andere Meinung zum täglichen Konsum von fünf Frühstückseiern. Und womit? Mit Recht!

Aber zurück zum Durchschnittskonsumenten. Natürlich gab es im Discounter auch Bio-Eier, bei denen er beherzt zugriff. Wussten Sie übrigens, dass auch ohne entsprechende Futtermittel Eier aus Freilandhaltung oder Bio-Eier eine höhere Dioxin-Konzentration enthalten als Batterie-Eier? In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen werden die Grenzwerte bei diesen Eiern auch ohne weiteres zutun überschritten. Einfach weil Hühner ihr Futter vom Boden aufpicken und dementsprechende Stäube aufnehmen, die allgegenwärtig sind. Aber das war unserem Durchschnitts-Verbraucher egal oder nicht bewusst.

Dafür hatte er an der Fleischtheke seinen nächsten Aufreger, als er eine Packung Schweinegulasch in der Hand hielt. „Auch alles verseucht!“, schimpfte er. „Man kann ja nichts mehr essen!“ Eine Behauptung, die mir angesichts seiner Figur irgendwie aus der Luft gegriffen zu sein schien. Er führte sich auch selbst ad absurdum, indem er zum Rindergulasch griff.

Dass auch Kühe mit Dioxin belastetes Gras fressen, steht ja nirgends. Außerdem ist BSE schon lange abgeschafft, jedenfalls medial. Und das gleiche Schicksal wird auch den Dioxin-Skandal ereilen.

Schon jetzt ist die Presse krampfhaft bemüht, etwas neues zu finden. Da ließt man plötzlich wieder von drei Menschen, die an der Schweinegrippe gestorben sind. Die vielen, die an der schnöden Influenca eingegangen sind, werden nicht erwähnt. Das passiert jedes Jahr und ist normal.

Schön ist auch, dass mit der Schneeschmelze die Sau von der Jahrhundertflut durchs Dorf beziehungsweise die Zeitungen getrieben werden kann. Doch leider ist es ein vergängliches Thema. Im Sommer kräht kein Hahn mehr danach.

Wirkungslos verpuffte auch die Erklärung der VOLKS-Zeitung, warum der harte Wintereinbruch auf die Erderwärmung zurück zu führen sei. Es war arschkalt! Wer will da was von Erwärmung hören?

Apropos VOLKS-Zeitung. In einer der Januar-Ausgaben titelte sie auf der ersten Seite: „Alle Horoskope falsch? Der Astro-Schock!“

Das ist natürlich eine Katastrophe, die wirklich an den Grundfesten unserer Zivilisation rüttelt. Angesichts solcher Meldungen, erscheint mir fast alles andere nebensächlich. Und deshalb werde ich mir auch morgen noch ein Frühstücksei kochen.

Das Schlagloch als Chance

März 18, 2010

So. Nun scheint er ja vorbei zu sein, der Winter. Die ersten beiden Tage mit einer Temperatur deutlich über 10 Grad sind vorüber und die Eisdielen haben wieder Zulauf wie nie. Überall fröhliche Gesichter.

Apropos Eis: Das hat uns in den letzten Monaten extrem zugesetzt, zumindest auf den Straßen. Die Auswirkungen des langen Winters mit ungewohnten Temperaturen sind jetzt um so deutlicher zu spüren. Keinen Meter kann man fahren, ohne nicht in irgendeine Unebenheit zu geraten, über eine Spalte zu hoppeln oder ein Schlagloch auszukosten.

Deswegen können wir auch nicht überall fröhliche Gesichter sehen. Der gemeine Autofahrer schaut eher verkniffen angesichts der Unebenheiten und den daraus resultierenden Geschwindigkeitsbeschränkungen. Eine der Landesstraßen, die durch unsere kleine Gemeinde führt, ist dermaßen entstellt, dass hier durchgängig Tempo 30 außerhalb geschlossener Ortschaften angeordnet wurde.

Diese Tempobegrenzungen sind nur eine Notlösung, eher eine Verzweiflungstat der zuständigen Straßenbaulastträger, denn auch sie haben mit Löchern zu kämpfen – im Haushalt. Für die Straßensanierung ist kaum ein Euro übrig. Damit nicht irgendwer auf die Idee kommt, seine verhunzte Achse dem Staat in Rechnung zu stellen, wurde die Höchstgeschwindigkeit so weit herabgesetzt, dass auch ein ungeübter Autofahrer dieses On-the-Road-Offroad-Adventure schadlos überstehen kann.

Teilweise macht es auch Spaß. Hand auf’s Herz: Wann haben Sie sich das letzte Mal an einem Ortseingang gewünscht, so richtig auf’s Gaspedal treten zu können. Bei uns ist das möglich – bis Sie 20 Stundenkilometer schneller geworden sind. Mehr ist leider wegen der Straßenverkehrsordnung nicht drin. Aber witzig ist es dennoch.

Abgesehen davon hält sich aber kaum einer an das Tempolimit. Es sei denn, wir sind mit unserem Streifenwagen in der Nähe, also selbst auf der Strecke. Es versteht sich, dass wir als Vorbilder mit unserem bunten Auto das Tempolimit einhalten. Wenn ich dann in den Rückspiegel schaue, kommen mir allerdings Zweifel, ob der Fahrer hinter mir meine Vorbildfunktion zu schätzen weiß. So manches Mal dachte ich: „Wenn der jetzt kein Lenkrad in der Hand hätte sondern einen Knochen, würde er damit auf mich schmeißen!“

Aus dem gleichen Grund kamen Kollegen auch schon auf die Idee, sich mit der Laserpistole an einen dieser Streckenabschnitte zu stellen. Innerhalb von vier Wochen hätten wir das Geld für die Sanierung dieses Teilstücks zusammen. Aber das ist zynisch. So sind wir nicht. Schließlich wollen wir mit den Bürgern in unserer Gemeinde weiterhin auskommen. Und nur auswärtige Fahrzeuge anzumessen, wäre ungerecht.

Da ist es wenig tröstlich, dass wir nicht die einzige Nation Europas sind, die mit diesem Problem auf den Straßen zu kämpfen hat. Auch Englands Straßen sind durch den Winter schwer gebeutelt. Doch man hört wenig von den dortigen Autofahrern. Dem Engländer ist eine Gelassenheit eigen, von der sich der Deutsche allgemein eine gehörig große Scheibe abschneiden könnte. So wundert es nicht, dass auf der Insel das Schlaglochproblem ganz anders angegangen und auch gelöst wird. Dabei sind die Mittel so einfach und billig, dass wir gar nicht drauf kommen konnten. Nicht Teer und Split ließen die Löcher auf den Inselstraßen verschwinden sondern die Definition!

Richtig gelesen. In England wurde das Schlaglochproblem zum größten Teil per definitionem gelöst. Ein Loch zum Beispiel in den Straßen Gloucestershire ist kein Loch, zumindest kein Schlagloch, wenn es nicht den Durchmesser eines Suppentellers und die Tiefe eines Golfballs besitzt. Alle Löcher darunter sind kein Problem und somit nicht sanierungsbedürftig. Eine wunderbare Lösung, die zudem noch eine Menge Geld spart. Der Engländer wird damit zurechtkommen. Er ist Kummer gewohnt.

Tja, so einfach kann die Welt sein, wenn man nur will. Das geht bei uns freilich nicht. Bei uns müssen klare Fakten geschaffen werden, und zwar bundeseinheitlich, sonst ist der Deutsche nicht zufrieden.

Ich hätte auch eine Idee, wie wir unsere Schlaglöcher kostengünstig und zudem gewinnbringend behandeln können. Und das hat nichts mit Privatisierung und Mauterhebung zu tun. Die Idee ist so ebenso einfach effizient. Warum ist noch kein Ökonom drauf gekommen?

Zunächst erlässt die Bundesregierung ein Gesetz, dass eine Haftung der Straßenbaulastträger für Fahrzeugschäden aufgrund schlechter Straßenverhältnisse ausschließt. Das muss man noch nicht mal an die große Glocke hängen. Die Regierungen unseres Landes haben schon viele solcher Gesetze auf den Weg gebracht, ohne dass wir davon wussten. Fast jeder Schadensfall hat auch etwas mit Erkenntnis zu tun: „Ach! Das wird nicht bezahlt?“

Durch ein solches Gesetz würde der Staat nicht nur Geld sparen, er könnte auch daran verdienen. Nicht nur, dass er ad hoc keine Milliarden, die er sowieso nicht hat, in die Straßensanierung schießen müsste, könnten alle Kfz-Werkstätten, die im Zuge der Abwrackprämie pleite gingen, ihre Pforten wieder öffnen, Arbeiter einstellen, Gewerbesteuer zahlen und vor allem die Wirtschaft ankurbeln.

Derlei Straßenzustände sind Gift für jedes Auto. Irgendwann gibt jeder Hobel auf. Es muss ja nicht gleich der Achsbruch sein, aber eine verwurstete Felge oder eine gerissene Achsmanschette müssen auch repariert werden.

Für Null Euro Nullundnullzig könnte die Bundesregierung ein milliardenschweres Konjunkturprogramm auf den Weg bringen, wenn sie nur will. Mit den Gewinnen aus den zusätzlichen Steuereinnahmen und den eingesparten Sozialleistungen könnte man so nach und nach die Straßen wieder in Ordnung bringen. Natürlich langsam, und immer auf den Winter achtend, damit genug Schäden übrig bleiben und die Sanierung sich selbst trägt.

Gleich und gleich

März 1, 2010

Heute schon gegendert (sprich: gedschendert)? Gender Mainstreaming ist ein Trend, der vor einiger Zeit auf den Markt der Gleichberechtigung geworfen wurde und sich immer größerer Beliebtheit erfreut, liebe LeserInnen. Ausgehend von These, dass MännerInnen und FrauInnen grundsätzlich gleich sind, wird dies sogar in die Welt der KinderInnen übertragen. So musste vor einiger Zeit ein Pixi-Buch, das Kindern die Welt der Schule erklären sollte, in Hamburg vom Markt genommen werden, weil PolitikerInnen (kann in diesem Fall auch mit kleinem i geschrieben werden) aufgefallen war, dass die Aspekte des Gender Mainstreaming eklatant missachtet worden waren. Gab es doch beispielsweise lediglich Schuldirektoren in diesem Buch aber keine Schuldirektorinnen.
Natürlich bin ich ein Freund der Gleichberechtigung. Ich begrüße ausdrücklich, dass unser mittlerweile etwas angestaubtes Grundgesetz die gesetzliche Gleichheit von Mann und Frau in den Grundrechten festgeschrieben hat, auch wenn dies in Teilbereichen noch nicht konkret umgesetzt wurde. Vor einigen Wochen konnten wir der Presse entnehmen, dass fast ausschließlich Frauen outgesourct und lohngedumpt in den Arbeitsmarkt geschickt werden. Oder haben Sie in bestimmten Drogeriemärkten schon mal männliche Verkäufer gesehen? Dass hier dringend etwas getan werden muss, dürfte jedem von uns klar sein.
Ich frage mich allerdings, ob „Gleichberechtigung“ wirklich in allen Bereichen sein muss? Und bevor mir jetzt die Frauen Gleichstellungsbeauftragte auf ’s Dach steigt, will ich das erläutern.
In Einzelfällen gibt es zwar Haushalte, in denen die Frau das Bier kalt und ansonsten den Mund zu halten hat, aber in der Masse begegnet Mann der Frau mit ausgewiesenem Respekt und Höflichkeit.
Dabei kann es vorkommen, dass Mann plötzlich die Welt nicht mehr versteht. Gerade hat er als Zeichen seines Respekts der Dame vor dem Supermarkt die Tür aufgehalten und fängt sich dafür von der eingefleischten Emma-Leserin eine verbale Klatsche ein, dass ihm Hören und Sehen vergeht, bis hin zur Unterstellung rein sexistischer Motivation. (Bei diesem Szenario entsprang lediglich das Lesen der Emma der Phantasie des Autors).
Auch meine Frau musste sich schon dem Unmut ihrer Bekannten aussetzen. Sie hatte vor einigen Jahren ein Namensschild für unser Haus bestellt. Weil sie nach den allgemein gültigen Regeln des menschlichen Miteinanders erzogen war und der Esel sich immer zuletzt nennt, unterlief ihr der Lapsus, ihren eigenen Vornamen hinter meinen, also ans Ende zu setzen, was einer Gleichberechtigten eigentlich egal sein könnte, komischerweise aber nicht ist.
Ganz ehrlich: Hier muss in Sachen gesunder Menschenverstand dringend nachgebessert werden.
Ob dies allerdings mit dem Gender Mainstreaming geschafft werden kann, wage ich zu bezweifeln. Diese Theorie geht in ihren extremen Auswüchsen davon aus, dass ein jedes Menschenwesen zunächst geschlechtslos auf die Welt kommt. Dabei ist es völlig egal, ob dem Kind ein Schniepelchen zwischen den Beinen hängt oder nicht. Zum Manne wird es erst durch seine Umwelt. Höchstwahrscheinlich durch den biersaufenden Fußballfan, der als Erzeuger zeichnet und sich Vater nennt. Wird es ein Mädchen, hatte die Mutter den größeren Einfluss. Doch wie sieht das eigentlich aus, wenn die alleinerziehende Mutter einen Jungen groß zieht? Hat sie ihn zu sehr der Umgebung ausgesetzt? Hat sie sich selbst bei der Erziehung falsch verhalten? Oder zahlt am Ende die Krankenkasse das Entfernen des Schniepelchens, weil Frau sich im falschen Körper wähnt? So richtig durchdacht erscheint mir das Extrem-Gendering noch nicht.
Unlängst war Gender Mainstreaming auch Thema in einer Mitarbeiter-Konferenz unseres Aus- und Fortbildungsdezernats. Die einzelnen MitarbeiterInnen sollten sich Gedanken machen, wie Aspekte des Genderings in ihren speziellen Bereichen umgesetzt werden können.
Einer der Schießausbilder regte daher an, neue Filme als Zieldarstellung für das Schusswaffen-Einsatztraining zu drehen. In seinen Augen ist es sehr auffällig, dass in den dargestellten Situationen ausschließlich Männer als Täter auftreten. Allein die Praxis zeige doch, dass auch Frauen durchaus kriminelle Energie aufweisen. Sie können sich wahrscheinlich denken, dass dieser Vorschlag nicht die ungeteilte Zustimmung der Dezernatsleiterin fand.
Fazit: Gleichberechtigung ist ein Muss – aber nicht um jeden Preis.

Schlauer Denken mit links

Februar 28, 2010

Seit Oskar Lafontaines legendärem Buch wissen wir: Das Herz schlägt links. Neuerdings müssen wir aber auch zur Kenntnis nehmen, dass das Hirn offensichtlich ebenfalls links schlägt oder tickt.
Das hat nichts mit den beiden Gehirnhälften zu tun, so dass man davon ausgehen kann, dass nur die linke Hälfte denkt und die rechte inaktiv ist. Nein, das Linksphänomen des Gehirns kommt aus einer ganz andere Ecke.
Forscher in Amerika haben nämlich festgestellt, dass linksliberale Menschen im Durchschnitt intelligenter sind.
Es ist ja kein Geheimnis, dass sich vornehmlich in der rechten Ecke viele Dumpfbacken sammeln, deren persönlicher Intelligenzgrad selbst bei Fieber leicht unter ihrer Körpertemperatur liegt. Aber muss man deshalb gleich eine Studie vom Zaun brechen?
Einfach vom Zaun gebrochen ist diese Studie natürlich nicht. Es war ein Langzeitprojekt, an dem mehr als 15.000 Menschen teilgenommen haben. Dabei wurde festgestellt, dass diejenigen, die sich als „sehr konservativ“ bezeichneten, unterdurchschnittlich intelligent waren, wohingegen liberale Amerikaner, die nach unserem Verständnis eher progressiv eingestellt sind, mit einem IQ über dem Durchschnitt glänzen konnten.
Dies nahm nun die Süddeutsche Zeitung zum Anlass, mit der Schlagzeile „Konservative sind weniger intelligent“ aufzuwarten. Und gleich im ersten Absatz wird dieses Ergebnis auch noch als einleuchtend hingestellt, weil Traditionen ohne Denken auskommen!

Aha! Wer also Traditionen pflegt, denkt nicht. Mit einer konservativen Einstellung ist es somit möglich, ohne große Hirnleistung durchs Leben zu kommen. Das leuchtet ein. Das deutsche Nachkriegswirtschaftswunder ist ja auch mehr durch harte Arbeit als durch intellektuelle Leistungen entstanden. Oder sehe ich das jetzt wieder falsch?
Angesichts dieser Studie muss man wahrscheinlich die Aktion der Linksfraktion neulich im Bundestag in anderem Licht betrachten. Es war dann nicht die Unfähigkeit, sich sachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nein, vielmehr müssen wir davon ausgehen, dass die Linke nach einer Möglichkeit gesucht hat, dem einfach strukturierten politischen Gegner auf eindringliche Weise ihre Argumente darzulegen.
Und Herr Lammert hat dies nicht erkannt. Kein Wunder, er ist ein Konservativer.

Dass Guido Westerwelle, den man zur Zeit ruhigen Gewissens als den erzkonservativsten Politiker Deutschlands bezeichnen kann, kürzlich Werbung für eine Deutsch-Kampagne des Goethe-Instituts macht, erscheint im Lichte der Studie auch nachvollziehbar. „Man, red‘ deutsch!“, ist also nichts anderes als der fromme Wunsch nach einer für ihn verständlichen Sprache. Dass er als Minister des Auswärtigen Probleme mit dem Auswärts-Sprechen hat, wissen wir auch nicht erst seit gestern.

Aber wie passt es beispielsweise in dieses Bild, dass kürzlich in einer amerikanischen High-School alle Lehrer wegen Unfähigkeit entlassen wurden? Waren die alle konservativ und deshalb unfähig, ihren Schülern zum Abschluss zu verhelfen? Oder denke ich in Bahnen eines Vorurteils, weil ich glaube, dass die meisten Lehrer doch eher politisch links einzuordnen sind.

Wie dem auch sei. Der Psychologe Satoshi Kanazawa versteht es, die Ergebnisse dieser Studie ins rechte äh linke Licht zu rücken. Für ihn erlaube die Intelligenz den Menschen, sich anders zu verhalten, als die Evolution es in ihnen angelegt habe. Eine höhere Geistesleistung gebe die Freiheit neue Wege zu beschreiten, sich mit Menschen außerhalb der Verwandtschaft abzugeben. Intelligente Menschen seien für eine staatliche Wohlfahrt, die höhere Steuern brauche.
Beim Wohlfahrtsstaat fiel mir unweigerlich ein alter Witz ein, bei dem sich zwei Jungen unterhalten, wer der intelligentere von beiden sei. Da sagt der eine: „Ich konnte schon mit einem halben Jahr laufen.“ Und der andere erwidert: „Das nennst du intelligent? Ich hab mich mit fünf noch tragen lassen.“
Die soziale Hängematte ist also demnach ein Ausdruck von Intelligenz. Wer hätte das gedacht? Dass im Gegenzug Steuersenkungen, wie sie die FDP fordert, unklug sind, ist eigentlich auch nicht neu.

Um das Bild abzurunden und nicht nur politisch auszuwerten, versteht es Kanazawa am Ende noch, auch den Gläubigen einen Hieb zu versetzen. So sei es für ihn nicht verwunderlich, dass auch Menschen, die „sehr religiös“ eingestellt sind, im Durchschnitt von niedrigerer Intelligenz sind als solche, die nicht glauben.
Verständlich, denn Glaube hat auch etwas mit Traditionen zu tun.

Wir können also festhalten, dass einige Menschen, die unsere heutige Welt entscheidend geprägt haben, wie beispielsweise Helmut Kohl oder der Papst, eigentlich geistig nicht ganz so fit waren, wie wir es uns hätten wünschen sollen. Da grenzt es an ein Wunder, dass sie so viel zustande gebracht haben.

Eine Wintergeschichte

Februar 11, 2010

„Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!“, lautet ein altes Sprichwort. Doch auch Gott hat seine Grenzen. Womit ich natürlich nicht an irgendwelchen Glaubensfragen rütteln möchte, aber unlängst musste eine Schar Eltern feststellen, dass dieses alte Sprichwort nicht immer zutrifft.

Wie wir aus den Medien entnehmen können, fordert der Winter seinen Tribut. Die Salzvorräte sind zur Neige gegangen, und der Winterdienst an sich lässt vielerorts zu Wünschen übrig. Dabei betrifft dies nicht nur die faulen Nachbarn, die mal wieder ihren Gehweg nicht geräumt haben und lieber in der warmen Stube hocken, sondern auch die öffentlich bestellten Personen kommen ihrer Arbeit nicht nach. Was natürlich keine Kritik an diesen Menschen sein soll. Es liegt nicht an ihrem Willen. Sie könnten durchaus sofort etwas gegen glatte Wege und Plätze unternehmen, aber leider dürfen sie nicht.

„Wieso das?“, werden Sie sich fragen, zu Recht. Es betrifft auch nicht alle Bereiche des öffentlichen Lebens aber zum Beispiel die Schulen in Hannover.

Hannover hat für den Winterdienst eine geschickte Regelung getroffen. Die Stadt selbst hält keine Bediensteten vor, die sich um die Säuberung der Straßen und Plätze kümmern oder hier den Winterdienst übernehmen. Diese Aufgabe wurde an die private Abfallentsorgungsgesellschaft der Region Hannover übertragen. Man hat also schon im Sommer pauschal einen Winterdienst von einem privaten Anbieter eingekauft. Getreu dieses Einkaufs hat die Gesellschaft ihre Arbeitspläne erstellt. Allerdings hat dieser Einkauf eine kleine Einschränkung. Die zuständige Schuldezernentin der Stadt Hannover muss wohl eine treue Anhängerin des globalen Erwärmungsglaubens sein, denn sie vertrat den Standpunkt: „So schlimm wird der Winter schon nicht werden. Für die Schulhöfe brauchen wir keinen Räum- und Streudienst.“

So haben wir nun die Situation, dass die Stadt Hannover selbst keine Arbeitskräfte hat, die Abfallentsorgungsgesellschaft es gerne tun würde, wenn man ihnen denn den Auftrag gäbe und den jeweiligen Hausmeistern das Räumen der Schulhöfe verboten ist. Das steht nämlich nicht in ihren Arbeitsverträgen also dürfen sie aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen die Schulhöfe nicht angehen.

Also bleiben die Schulhöfe nach Schnee und Antauen vereist. Das hatte wiederum zur Folge, dass in den Schulen sogenannte Regenpausen angeordnet wurden. Die Schüler durften den Schulhof nicht betreten, in einigen Schulen mussten sie in den Klassenräumen und sogar auf ihren Plätzen sitzen bleiben, weil die Schulordnung dies so fordert.

Natürlich könnte man noch einen Winterdienst nachbestellen. Die Entsorgungsgesellschaft würde dies – gegen Aufpreis – organisieren. Nur schreckt der Aufpreis angesichts leerer Kassen. Also lässt man es bleiben.

An einer dieser Schulen wollte die Elternschaft das nicht einsehen und ihren Kindern Erleichterung verschaffen. Man traf sich am letzten Wochen auf einem Schulhof mit Flachschaufel, Schabeisen und diversen anderen Gerätschaften und befreite einen Schulhof in einer gemeinsamen Aktion vom Eis. Anschließend belohnte man sich selbst mit Bratwurst, heißem Kakao, Tee und Kaffee und zog am Abend fröhlich von dannen, stolz darauf, für die Kinder etwas gutes getan zu haben.

Doch leider kam es anders als sie dachten. Als am Montag die erste große Pause eingeläutet wurde, die Kinder sich schon zwei Stunden darauf gefreut hatten, endlich wieder ihren Schulhof betreten zu dürfen, trat die Ernüchterung ein: Regenpause!

Trotz aller Bemühungen war es den Eltern nicht gelungen, den Schulhof komplett vom Eis zu befreien. An einigen Stellen erwies sich das gefrorene Nass derart hartnäckig, dass ihm nicht beizukommen war. So verblieben knapp 10% des Schulhofes mit Rutschgefahr, meist an den Rändern. Dies erschien nun der Schulleiterin immer noch zu gefährlich. Wie leicht könnte da etwas passieren, wenn die Kinder erstmal den Freuden des Winters nachkommen und möglicherweise allzu wild über das verbliebene Eis schlittern. Oder noch schlimmer: Sie könnten sich auch von den aufgehäuften Eisbergen Brocken herunter nehmen, um damit andere zu beschmeißen.

Da ein Absperren der gefährlichen Bereiche mit ein paar Stäben und ein bisschen Flatterband offensichtlich nicht möglich und es grundsätzlich der überlasteten Lehrerschaft nicht zuzumuten ist, in der großen Pause an die frische Luft zu gehen, um ihrer Aufsichtspflicht vermehrt nachzugehen, bleibt der Schulhof weiterhin gesperrt.

„Hilf die selbst, dann hilft dir Gott!“ Aber wenn Gott gegen Lehrer antreten muss, sind ihm offensichtlich die Hände gebunden.

Da mutet es am Ende geradezu als Farce an, dass die Stadt Hannover seit gestern sogenannte „Eis-Sheriffs“ ausschickt, um gegen die Bürger vorzugehen, die ihrer Räum- und Streupflicht nicht nachkommen. Aber hier ist vielleicht noch ein wenig Geld in die Kassen zu holen – damit im nächsten Jahr der Winterdienst besser organisiert werden kann.