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Ein Witz in der WG

September 28, 2014

Neulich in einer grün-alternativen WG. Man sitzt gemütlich im Schein der ökologischen Wachskerze (mundgezogen vom handgestreichelten Bienenvolk) bei einem Gläschen Bio-Merlot zusammen und sinniert so vor sich hin, wie die Welt zu verbessern sei. Die Themen sind natürlich vielfältig: Bio-Sprit, Ökostrom, die nächste Anti-Atom-Demo, die Nachteile des kapitalistischen Systems und die Sinnlosigkeit der Religion. Plötzlich fängt Christoph an zu lachen.

Ey, was is’n mit dir?“, fragt Norbert. „Wo ist dein Ernsthaftigkeit geblieben?“

Ach“, sagt Christoph, „mir ist da grad ein Witz eingefallen, den ich neulich gehört habe.“

Ein Witz?“ Norbert ist entgeistert. „Wir diskutieren hier ernsthafte Themen!“

Och, Norbert“, mischt sich Angela ein. „Lass ihn doch erzählen. Lockert die Runde ein bisschen auf.“

Also“, fängt Christoph an. „Ein Rabbi und ein Priester gehen spazieren.“

Das ist doch total unrealistisch“, mischt sich Jürgen ein, der bis eben nur in seinen Rotwein gestarrt hat.

Was ist daran unrealistisch?“, fragt Norbert.

Ein Katholischer lässt sich doch nicht mit einem Juden ein“, antwortet Jürgen. „Die sind sich doch spinnefeind. Und hast du mal an den Israel-Konflikt gedacht bei deinem Witz?“

Was hat das denn jetzt mit Israel zu tun? Ich denke, die gehen hier spazieren“, fragt Angela.

Äh, darf ich weitererzählen?“, fragt Christoph.

Okay, Mann. Alles cool!“ Die Runde nickt.

Die beiden gehen also spazieren“, fährt Christoph fort. „Es ist Hochsommer und brüllend heiß.“

Das ist das global warming“, wirft Angela ein. „Wird ja immer schlimmer. Und wir schauen tatenlos zu. Bald sind die Polkappen weg. Und dann?“

Da müsste man mal ’ne Aktion starten“, sagt Jürgen. „Irgend sowas spontanes. Damit die Menschen aufwachen.“

Das wär‘ geil“, kichert Norbert. „Aber erzähl weiter, Christoph!“

Es ist also brüllend heiß und die beiden schwitzen wie Sau.“

Warum sagt man eigentlich ’schwitzen wie Sau‘?“, fragt Angela. „Das ist doch irgendwie auch diskriminierend, oder? Was können Säue dafür?“

Jetzt lass doch den Christoph erzählen“, meckert Jürgen.

Als sie an einen Fluss kommen“, fährt Christoph fort, „fragt der Rabbi, ob sie nicht schwimmen gehen wollen. ‚Ich hab aber keine Badehose dabei‘, sagt der Priester. ‚Dann lass uns so, wie Gott uns geschaffen hat, ins Wasser gehen‘, erwidert der Rabbi. Gesagt, getan; die beiden springen also nackt in den Fluss“

Einfach so?“, fragt Norbert. „Also das wär‘ mir ja viel zu riskant. Wer weiß denn schon, was da alles so eingeleitet wird?“

Das weiß man natürlich nicht, aber ist auch egal“, sagt Christoph.

Du, das finde ich jetzt unüberlegt von dir“, erwidert Norbert.

Genau!“, stimmt Angela zu und Jürgen nickt.

Denk mal drüber nach, was du dir da alles einfangen kannst“, fährt Norbert fort. „Da ist doch die allergische Reaktion noch das geringste Problem.“

Aber für den Witz ist das egal“, entgegnet Christoph.

Na, wenn du meinst“, sagt Christoph. „Ist ein sehr unrealistischer Witz.“

Dann ist er eben unrealistisch. Darf ich jetzt fortfahren.“

Die anderen drei nicken.

Als die beiden mit dem Schwimmen fertig sind und aus dem Wasser steigen, geht eine Wandergruppe am Ufer vorbei. Der Priester bedeckt sofort seine Blöße mit den Händen …“

Alter, was für ein verklemmter Spießer“, lacht Jürgen.

Der Witz ist noch nicht zu Ende“, sagt Christoph, der inzwischen ein wenig genervt wirkt.

Ach, so.“

Der Priester bedeckt also seine Blöße und der Rabbi bedeckt sein Gesicht mit den Händen. Da fragt der Priester: ‚Warum nimmst du deine Hände nach oben und bedeckst nicht deine Blöße?‘ ‚Tja‘, sagt der Rabbi, ‚meine Gemeinde erkennt mich am Gesicht!’“

Ach, und was ist der Witz?“, fragt Norbert.

Man, bist du begriffsstutzig?“, schimpft Christoph. „Den Rabbi erkennt man am Gesicht und den Priester am …“

Aha!“, sagt Angela. „Wann war noch mal der Aktionstag zur Rettung des Panda-Bären?“

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Ostern ökologisch

April 7, 2014

Es gibt Menschen, die haben mit Traditionen nicht viel am Hut. Vielmehr sind sie darauf bedacht, ihren ökologischen Fußabdruck auf der Welt so klein wie möglich zu halten. Je geringer ihre CO2-Bilanz, desto glücklicher sind sie. Aber wie feiern solchen Menschen Ostern?

Irgendwo, in irgendeinem Wohnzimmer in Deutschland:

Er: „Sag mal, meinst du nicht, dass wir in diesem Jahr unseren Kindern ein normales Osterfest bescheren sollten?“

Sie: „Wie kommst du denn jetzt darauf? Du weißt doch, dass ich von diesen kirchlichen Festen nichts halte.“

Ich meinte jetzt ja auch nicht, dass wir mit ihnen in die Kirche gehen sollten.“

Und was meinst du dann?“, fragte sie.

Naja, Manuel-Joaquin kam gestern aus der Schule nach Hause und hat mir erzählt, dass sein Freund Kevin-Pasquale sich schon auf den Osterhasen freut.“

Osterhase?“, fragte sie entsetzt. „Bist du verrückt? Wir sind Vegetarier! Oder isst du etwa heimlich Fleisch?“

Mein Gott, dass du mir das zutraust.“ Er schüttelte den Kopf. Aber so eine Currywurst ab und an, dachte er im Stillen. „Der Osterhase soll nicht gebraten werden, sondern der versteckt die Eier für die Kinder im Garten.“

Im Garten!“, stellte sie fest. „Womöglich noch zwischen den Mohrrüben, die er nebenbei genüßlich knabbert.“

Oh, man!“, stöhnte er. „Der Osterhase ist doch nur ein Symbol. Natürlich verstecken wir die Eier für unsere Kinder. Allerdings müssten wir die vorher noch färben.“

Wie färben?“

Na, mit Lebensmittelfarbe. Gibt’s doch extra zu kaufen.“

Bist du verrückt. Ich kauf‘ doch keine Eier vom Ökobauern, um sie dann mit Lebensmittelfarbe zu vergiften. Denkst du eigentlich auch mal an unsere Kinder?“

Natürlich. Deswegen frage ich doch, ob wir Ostern traditionell begehen wollen.“

Ach, Traditionen sind mir doch schnuppe“, erwiderte sie.

Wir können ja auch Schokoeier nehmen“, schlug er vor.

Aber nur, wenn sie aus Fair-Trade-Kakaobohnen hergestellt wurden. Und nicht so viele. Du weißt doch, dass Lisa-Evelyn gerade eine Laktose-Intoleranz entwickelt.“

Ja, doch!“, antwortete er. Ich frage mich, wann ich eine Intoleranz gegen dich entwickele?, dachte er bei sich.

Und an was für traditionelle Dinge hast du sonst noch gedacht?“, fragte sie.

Wir könnten zum Osterfeuer am Samstag gehen“, schlug er vor.

Osterfeuer!“ Sie musterte ihn mit einem mitleidigen Blick. „Hast du denn gar nichts gelernt?“

Warum?“

Warum? Ein solches Feuer ist doch ökologischer Wahnsinn!“, ereiferte sie sich. „Hast du dir mal überlegt, wieviel CO2 durch so ein Feuer freigesetzt wird? Und dass alles nur zu unserem Vergnügen? Abgesehen vom Rauch und der Asche, die dabei in die Luft geblasen wird. Das erhöht doch nur die Feinstaub-Belastung.“

Sie schüttelte den Kopf. „Manchmal hab ich echt das Gefühl, dass du nur rücksichtslos auf dein Vergnügen aus bist.“

Können wir denn wenigstens den Ginster im Garten österlich schmücken?“, fragte er kleinlaut.

Klar!“, antwortete die schnippisch. „Womöglich noch mit Plastikeiern, die von irgend so einem Chemiekonzern unter einer erschütternden Ökobilanz hergestellt werden.“

Kommt gar nicht in Frage!“, sagte sie nach einer kurzen Pause.

Tja, so wie es scheint, wird’s bei dieser Familie ein trostloses Osterfest – aber immerhin CO2-neutral.

Also da bin ich doch lieber von der traditionellen Sorte. Ich hab für meine Kinder Plastikeier in irgendeinen Strauch gehängt und Eier mit Lebensmittelfarbe „vergiftet“. Sie haben es trotzdem überlebt. Und auch die Feinstaub-Belastung beim Osterfeuer hat ihre Entwicklung nicht beeinträchtigt. Dafür haben sie sich auf das Osterfest gefreut, nicht nur wegen der damit einhergehenden Ferien.

Zum Ausgleich verzichte ich auf das Tanken von E10. Für den Tankinhalt unseres Autos wird kein Regenwald auf Borneo gerodet, was ich jetzt auch irgendwie total ökologisch finde.