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Wie man einen Finanzbeamten bewegt

Februar 18, 2010

Mein Kollege Herbert hat sich eine Photovoltaik-Anlage auf das Dach seines Hauses setzen lassen. Er erzeugt sozusagen seinen eigenen Strom. Allerdings muss er diesen zunächst in das allgemeine Stromnetz einspeisen, wofür ihm der örtliche Stromversorger einen ordentlichen Obulus zahlt. Er sagte mit, dass sich die Anlage in etwa 10 Jahren soweit amortisiert habe, dass er dann anfange, richtig Geld zu verdienen – wenn nichts dazwischen kommt.
Ansonsten ist Herbert für neumodischen Kram nicht zu haben. Er benutzt zwar das dienstlich gelieferte Handy, nach Jahren hat er sich daran gewöhnt, hat aber kein eigenes. „Das brauch ich nicht“, sagt er. „Wenn ich nicht da bin, bin ich nicht da. Und wer unbedingt was von mir will, ruft auch noch mal an.“
Natürlich hat er auch keinen Computer. Diese Dinger sind ihm suspekt. Im Dienst arbeitet er zwar damit, aber privat muss er sich mit diesen grauen Kästen nicht abgeben. Und trotz seiner Verweigerung gegenüber moderner Technik kommt er gut durchs Leben, wenn es auch manchmal mit ein paar Schwierigkeiten behaftet ist.
So wie neulich. Da er mit seiner Solaranlage Geld verdient, muss er dies natürlich bei seiner Steuererklärung angeben. Dazu benötigte er ein spezielles Formular, dass man bei unserem Bürgerbüro nicht bekommt. Also rief er bei seinem Sachbearbeiter im Finanzamt an und fragte nach dem speziellen Formular.
„Das ist doch kein Problem“, antwortete der Sachbearbeiter. „Das können Sie doch über ihren Computer regeln.“
„Über den Computer“, wiederholte Herbert. „Ja. Kann ich den denn absetzen?“
„Wie, absetzen?“
„Na, wenn Sie sagen, ich kann das über den Computer machen, dann würde ich mir einen kaufen. Unter der Voraussetzung, dass ich den absetzen kann.“
„Ne“, antwortete der Finanzbeamte. „Das geht natürlich nicht.“
„Und jetzt?“, fragte Herbert.
„Also wenn Sie keinen Computer haben, können Sie das Formular natürlich auch hier beim Finanzamt bekommen. Holen Sie sich das doch einfach raus.“
„Das mach‘ ich“, sagte Herbert. „In welchem Zimmer finde ich Sie denn?“
„Was wollen Sie denn bei mir?“, fragte der Sachbearbeiter. „Die Formulare finden Sie in einem Ständer unten im Foyer. Da müssen Sie doch nicht zu mir raufkommen.“
„Aber natürlich muss ich das“, entgegnete Herbert lachend. „Ich muss doch wissen, wo ich mir das Geld für die Busfahrkarte wiederholen kann.“
Schweigen am anderen Ende der Leitung. Nach ein paar Sekunden kam dann: „Jaaaaa, also, wenn Sie das so sehen …“
„Ja“, sagte Herbert. „Das sehe ich so.“
„Ach wissen Sie“, entgegnete der Finanzbeamte, „ich glaube, es ist das einfachste, ich schicke Ihnen das Formular einfach per Post zu. Dann haben Sie es morgen in Ihrem Briefkasten.“
„Na bitte“, lachte Herbert. „Es geht doch.“

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