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Omas Topflappen mit Pommes

August 4, 2017

Es ist allgemein bekannt, dass die EU-Kommission unermüdlich auf der Suche nach Möglichkeiten ist, unser aller Leben zu verbessern, bequemer zu machen und vor allem gesünder zu gestalten.

So bescherte sie uns schon vor einigen Jahren mit einem umweltfreundlichen Licht, das keine Energie in Wärme verschwendet. Gut, dass Quecksilber in den neuen Lampen ist hochgradig giftig, aber Sie sollen die ja auch nicht essen.

In diesem Jahr greift dann auch endlich die Verbrauchsobergrenze für Staubsauger. Ihre Wohnung wird mit den neuen Geräten zwar nicht sauber, aber immerhin fühlt sich Ihr Nachbar durch Ihre Hausarbeit nicht mehr so belästigt, was das Verhältnis zu ihm wesentlich entlasten dürfte.

Fast unbemerkt blieb der letzte Eingriff in die europäischen Haushalte: die Verbannung von Omas Topflappen.

Wer hat sie nicht, diese schön gehäkelten Stoffquadrate, mit denen uns Oma jahrein jahraus eine Freude machte?

Aber damit ist jetzt Schluss! Der Topflappen unterliegt nunmehr einer EU-Norm. Größe, Form und Hitzebeständigkeit sind genauestens vorgegeben, damit man sich nicht mehr die Flossen verbrennt, wenn man die Pizza aus dem Ofen holt.

Pech für Oma, muss sie sich halt ein anderes Hobby suchen.

Und es geht weiter. Vor wenigen Wochen veröffentlichte die EU-Kommission ein 21-seitiges Papier, das sich mit der korrekten Zubereitung von Pommes Frites beschäftigt. Sie schreiben die Kartoffelsorten vor, bei welcher Temperatur Tiefkühl- oder frische Pommes gebacken werden sollen. Und natürlich auch, wie lange die Kartoffelstäbchen im heißen Fett bleiben dürfen.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Menschen, für die Kartoffeln schälen und würfeln ein und der selbe Arbeitsgang ist, befinden darüber, wie gesunde Pommes zubereitet werden müssen.

Und warum? Weil der EU-Kommission unsere Gesundheit am Herzen liegt. Pommes, vor allem wenn sie zu knusprig sind, können Krebs verursachen. Also nicht die Pommes selbst, sondern das Acrylamid, welches beim Backen im heißen Fett entsteht.

Es ist zwar nachweislich noch kein Mensch durch Acrylamide an Krebs erkrankt, aber bei Laborratten hat es funktioniert. Denen hat man jeden Tag ihr eigenes Körpergewicht an Kartoffel-Chips zu fressen gegeben. Und siehe: Bei einigen Tieren bildete sich ein Karzinom.

Ich erwähnte es schon an anderer Stelle: Wenn Sie täglich ihr eigenes Körpergewicht an Pommes oder Chips zu sich nehmen, dann haben Sie ein gesundheitliches Problem. Das wird Ihnen auch Ihr Hausarzt bestätigen. Aber wenn es Sie beruhigt: Krebs wird es vermutlich nicht sein!

Was soll also diese neue Vorschrift? Wie schon erwähnt soll auch sie unsere Lebensqualität steigern. Gut, labberige Pommes sind nicht gerade ein Genuss, werden Sie sagen. Aber da denken Sie einfach zu kurz.

Die Steigerung der Lebensqualität erfolgt erst im nächsten Schritt. Der Imbiss, der zukünftig Pommes nach EU-Norm anbietet, wird sie leider nicht verkaufen, denn labberige Pommes sind nicht nur kein Genuss sonder einfach ekelig.

Infolgedessen bleiben die Kunden weg. Wer will schon weiche Pommes essen, wenn er nicht Engländer ist? Der Imbiss geht pleite und muss schließen.

Jetzt ist die Steigerung der Lebensqualität erreicht – für die Nachbarn, die bis dato ständig den Geruch von verbranntem Fett in den Gardinen hatten. Endlich wieder das Fenster öffnen und frei durchatmen zu können, ist doch einfach toll. Auch der Ehemann der Pommesbuden-Angestellten wird sich freuen, dass seine Frau nicht mehr nach Currywurst und Schaschlik riecht.

Na gut, werden Sie denken, wenn es dann den Imbiss nicht mehr gibt, mach ich mir die Pommes halt im Backofen.

Doch auch da steckt der Teufel im Detail.

Stellen Sie sich vor, sie haben Besuch. Die Pommes brutzeln im Ofen. Sie sind gerade dabei, den Tisch zu decken, haben alle Hände voll, und plötzlich steigt Ihnen der Geruch von Verbranntem in die Nase. Natürlich wollen Sie jetzt nicht das gute Geschirr aus den Händen gleiten lassen und bitten Ihren Besuch, schnell die Pommes aus dem Ofen zu ziehen. Der greift zu Omas Topflappen, den Sie als gesetzestreuer Bürger natürlich nur noch zu Deko-Zwecken in der Küche hängen haben, und verbrennt sich am heißen Backblech die Flossen.

Gott sei Dank haben Sie eine gute Haftpflicht.

Wie bitte? Haben Sie nicht? Keine Sorge, ich denke die EU-Kommission wird uns auch irgendwann vorschreiben, welche Versicherungen wir abzuschließen haben.

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Neulich in Brüssel

Mai 5, 2014

Herr Dr. Schönfärber, Sie sind Abgeordneter der Grünen im Europaparlament und somit auch verantwortlich für …“

Also da muss ich Sie doch gleich mal unterbrechen, Herr Schulze. Nur weil ich Abgeordneter bin, können Sie mich hier nicht für irgendetwas verantwortlich machen. Da weise ich jede Schuld von mir.“

Äh, ja. Vielleicht könnten Sie mich ausreden lassen?“

Bitte sehr!“

Danke. Sie haben also mit über die neue EU-Verordnung entschieden, die ab dem 01. 01. 2015 Kaffeemaschinen derart regelt, dass sie sich fünf Minuten nach dem Brühvorgang abschalten müssen, also den Kaffee nicht mehr warm halten dürfen.“

Wenn Sie damit meinen, dass ich für diese Verordnung gestimmt habe, dann haben Sie recht.“

Befürchten Sie nicht, dass Sie sich mit einer solchen Verordnung, den Unmut der Wähler zuziehen?“

Ach, wissen Sie, mit meinem Listenplatz bei den Wahlen, habe ich eigentlich nichts zu befürchten.“

Aber man wirft der EU schon eine Reglementierungswut vor. Wenn man sich allein überlegt, dass die 10 Gebote nur 279 Worte umfassen, die EU-Verordnung zum Import von Karamellbonbons aber schon knapp 26.000 Worte.“

Also von Wut kann da keine Rede sein. Und auch der Umfang solcher Verordnungen lässt sich kaum vermeiden. Schließlich muss man ja erst einmal definieren, was ein Karamellbonbon ist, bevor man …“

Sie meinen wie bei den Gurken und Bananen?“

Genau. Das alles dient letztendlich dem Schutz der Verbraucher.“

Dem Verbraucherschutz …“

Richtig. Sehen Sie mal, wenn es die EU beispielsweise damals schon gegeben hätte, wäre die Vertreibung aus dem Paradies gar nicht passiert.“

Wie darf ich das verstehen?“

Nun ja, gerade weil wir die Gurke und die Banane für den EU-Bereich genau definiert haben, weiß der Verbraucher, dass er tatsächlich eine Banane oder Gurke angeboten bekommt. Und Adam hätte damals erkannt, dass der von Eva angebotene Apfel gar kein Apfel ist.“

Aber es war doch ein Apfel.“

Eben nicht. Denn laut EU-Richtlinie dürfen Äpfel keine psychoaktiven Substanzen enthalten.“

Äh … gut. Zurück zur Kaffeemaschine. Was ist der Sinn hinter dieser neuen Verordnung?“

Angesichts schwindender Ressourcen und des drohenden Klimawandels, sahen wir uns gezwungen, etwas dazu beizutragen, den Energieverbrauch flächendeckend zu senken.“

Bei einer Kaffeemaschine ist das doch eher der Tropfen auf den heißen Stein, finden Sie nicht?“

Also bei einer Kaffeemaschine würde ich Ihnen Recht geben, aber bedenken Sie, wieviele Millionen Kaffeemaschinen allein in Deutschland benutzt werden. Wenn Sie das dann auf Europa hochrechnen, haben wir mit der neuen Verordnung einen entscheidenden Teil zu einer sparsamen Energiepolitik beigetragen.“

Dann muss man diese Verordnung also im Zusammenhang mit der Staubsaugerverordnung und dem Verbot der Glühbirne sehen?“

Genau so. Letzten Endes tragen wir damit alle ein Stück zu einer sauberen Umwelt bei. Und wenn unsere Umwelt sauber ist, dann ist der Mensch gesund. Es hilft also jedem von uns.“

Wenn Sie von Gesundheit sprechen, muss ich in puncto Energiesparlampen noch einmal nachhaken. Die enthalten Quecksilber, was ja nun absolut gesundheitsschädlich ist.“

Da haben Sie natürlich Recht. Deshalb arbeiten wir auch derzeit an einer Verordnung, die ab dem 1. 1. 2018 sämtliche Leuchtmittel in Privathaushalten verbieten wird.“

Aber dann sitzt der Verbraucher im Dunkeln!“

Richtig. Und ist damit geschützt!“

Vor dem Quecksilber?“

Auch. Aber vor allem vor einer kompletten Überschuldung! Oder dachten Sie, Sie könnten sich den Strom noch leisten, wenn wir erstmal vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt haben?“