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Neulich bei Bares für Rares

Oktober 3, 2017

Herbert Meier ist auf dem Weg zum Puhlheimer Walzwerk, um den Händlern ein echtes Kleinod deutscher Kulturgeschichte anzubieten. Doch vor die Händler hat der Regisseur die Vorsprache bei den Experten gesetzt, die bewerten sollen, was das Feilgebotene Wert ist.

Oh, da haben wir ja einen neuen Kandidaten. Mein Name ist Horst Lichter. Und wie darf ich Sie nennen?“

Meier. Herbert Meier. Für Sie Herr Meier!“

Na, ja. Ich bin immer noch der Horst. Und Sie haben uns da ja was ganz tolles mitgebracht. So etwas sieht man heutzutage kaum noch.

Mein lieber Sven, was kannst du uns denn zu diesem Stück sagen?“

Sven pustet die Backen auf. „Schwierig!“

Wo haben Sie das überhaupt her, wenn ich fragen darf?“, wendet sich Horst wieder an Herrn Meier.

Von meinem Vater.“

Aha, also quasi ein Familien-Erbstück. Und der hat es wahrscheinlich von seinem Vater, oder?“

Da geh ich mal von aus – ja.“

Sven, nun sag doch auch mal was“, spricht Horst den Experten an.

Na ja, also ich würde es auf die späten 50er, frühe 60er Jahre datieren. Es hat aber auch Elemente aus einer noch früheren Zeit“, antwortet Sven.

Und was ist es wert?“, fragt Horst.

Früher gab es das ja fast überall. Da hätte man dafür nichts bekommen. Aber heute kommt es so selten vor. Da würde ich sagen: das ist unbezahlbar!“

Unbezahlbar?“, staunt Horst. „Das nenn ich mal eine Herausforderung für unsere Händler.“

Er zückt das Händlerkärtchen und reicht es Herrn Meier.

Da vorne geht es zum Händlerraum. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, Herr Meier.“

Wenig später im Händlerraum.

Ein interessantes Stück haben Sie uns da mitgebracht“, sagt Wolfgang und schaut in die Runde. „Wer will anfangen?“

Tu mich den Prügel mal rüber. Ich muss mir das mal angucken“, sagt Walter.

Er schaut über den Rand seiner Brille. „Braucht heute kein Mensch mehr. Aber ich sage mal achtzisch Euro.“

Ich biete Ihnen zwoahundertfuffzige“, sagt Ludwig von der anderen Seite des Tisches.

Susanne, was sagst du?“, fragt Wolfgang.

Ich kaufe nur Schmuck“, antwortet sie.

Fabian, was ist mit dir?“, fragt Wolfgang zur anderen Seite.

Ich steh zwar auf Antikes, aber ich glaube, das passt nicht in mein Schloss. Ich bin raus.“

Walter? Sagst du noch was?“

Mit Zwohundertfuffzisch ist das Teil schon mehr als gut bezahlt. Ich bin raus.“

Verkaufen Sie es dem Ludwig für Zweihunderfünfzig?“, fragt Wolfgang den Anbieter.

Was ist denn mit Ihnen?“, fragt Herr Meier zurück.

Ich?“ Wolfgang schüttelt den Kopf. „Da muss ich passen. Wenn ich mir das zulege, bin ich als Händler und Auktionator ruiniert. Ich kaufe es auf keinen Fall!“

Plötzlich betritt Horst Lichter den Raum. „Na, meine Lieben? Wo stehen wir denn?“

Der Ludwig hat Zweihundertfünfzig Euro geboten“, sagt Wolfgang.

Du lieber Himmel“, sagt Horst erschrocken. „Da hat unser Experte aber einiges mehr an Wert genannt. Bedenkt doch bitte, dass man so etwas heutzutage kaum noch bekommt.“

Du musst aber auch bedenken“, sagt Walter, „dass das kein Mensch mehr braucht.“

Aber das gibt es doch nicht. Es wird da draußen noch ein paar Menschen geben, die das haben, und auch ein paar, die das noch haben wollen.“

Horst, du bist nen Träumer“, entgegnet Walter. „Kein Mensch da draußen will noch Anstand haben. Damit kommste doch nicht vorwärts.“

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