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Der Hunde-Retter

Juli 3, 2017

Eigentlich wissen wir es ja alle: Wenn es draußen sonnig und heiß ist, lässt man seinen Hund nicht im Auto, während man anderweitig beschäftigt. Gleiches gilt übrigens auch für andere Tiere und nicht zuletzt für Menschen. Ausnahme ist vielleicht noch die Schwiegermutter – Drachen mögen Hitze.

Wenn es nicht so warm ist, kann man durchaus mal für kurze Zeit einen Hund im Auto lassen. Nur leider gibt es immer wieder Menschen, die glauben, es besser zu wissen. So einen hatte ich Anfang des Jahres am Telefon.

Notruf, Polizei!“

Ja, hallo. Ich hab hier ein Auto gefunden, in dem ein Hund eingeschlossen ist. Dem scheint es nicht gut zu gehen.

Ich überlegte kurz, schaute aus dem Fenster und dachte: An der Wärme kann es nicht liegen. Es ist bewölkt, und es sind gerade mal 10 Grad draußen.

Wie kommen Sie darauf, dass es dem Hund nicht gut geht?“, wollte ich wissen.

Na, der sitzt da und bellt die ganze Zeit, seit ich hier stehe.“

Aber wenn er bellt, dann scheint er doch ganz munter zu sein“, entgegnete ich.

Am besten kommen Sie mal hierher. Dann zeige ich Ihnen das“, sagte der Mann.

Nein, ich komme nicht zu Ihnen.“

Wie? Sie kommen nicht? Wollen Sie dem Tier nicht helfen? Sie sind doch als Polizist verpflichtet, sich um solche Dinge zu kümmern.“

Na, prima, dachte ich, wieder einer, der mir erklären will, wie ich meinen Job zu machen habe.

Freundlich sagte ich ihm: „Natürlich will ich dem Tier gerne helfen, aber ich sitze hier in der Notrufzentrale und kann nicht zu Ihnen rauskommen.“

Ach so! Dann schicken Sie mir also einen Kollegen?“

Nein, auch das werde ich nicht tun“, sagte ich.

Also, das ist doch …“, brauste er am Telefon auf.

Jetzt hören Sie mir bitte mal zu!“, unterbrach ich ihn. „Es ist bewölkt draußen. Wir haben gerade mal 10 Grad. Da kann es dem Hund eigentlich nicht schlecht gehen. Das Auto wird sich nicht überhitzen.“

Aber der Hund bellt doch. Der ist die ganze Zeit mit der Schnauze an dem kleinen Spalt der Seitenscheibe, den der Fahrer offen gelassen hat.“

Und sie stehen da auch an der Seite?“, fragte ich.

Ja, natürlich. Sonst wäre mir das ja gar nicht aufgefallen.“

Dann ist es kein Wunder, dass der Hund bellt“, sagte ich. „Haben Sie selbst einen Hund? Oder schon mal einen gehabt?“

Nein“, antwortete der Mann. „Da ist man ja zu sehr gebunden.“

Okay. Der Mann hatte also keine Ahnung von Hunden beziehungsweise deren Verhalten.

Aber dennoch weiß ich, dass das hier Tierquälerei ist! Und das ist strafbar! Sie müssen was tun!“, setzte er fort.

So gesehen hatte er Recht. Bei einem Fall von Tierquälerei sind Polizeibeamte verpflichtet, etwas zu tun. Nur wer war der „Tierquäler“?

Passen Sie auf, guter Mann“, begann ich, „Sie werden sich jetzt von dem Auto entfernen.“

Auf keinen Fall!“, schimpfte er. „Ich bleibe hier so lange stehen, bis Ihre Kollegen endlich hier sind.“

Hören Sie! Um die Situation richtig einschätzen zu können, möchte ich Sie bitten, sich nur ein klein wenig von dem Auto zu entfernen. Dann sehen wir weiter.“

Na gut! Wie weit soll ich denn weg?“

Etwa 10 bis 15 Meter“, antwortete ich ihm.

Kurz darauf sagte er: „Also ich bin jetzt ein paar Meter weg. Aber der Hund hat aufgehört zu bellen.“

Ich weiß“, sagte ich grinsend.

Hä?“

Na, ja. Sie sind weitergegangen, nun muss der Hund sein Eigentum nicht mehr verteidigen. So gesehen, haben wir jetzt gemeinsam Ihre Tierquälerei beendet.“

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Mehr Schein als Sein

April 29, 2013

Für viele Menschen – auch für mich – ist das Auto ein Mittel zum Zweck. Es bringt mich von A nach B oder transportiert mehr oder weniger zuverlässig meine Kiste Bier vom Getränkemarkt nach Hause. Was anderes kann ich von dem 13 Jahre alten Italiener auch kaum erwarten. Wenigstens ist er durch diverse Unfallschäden schon fast refinanziert. Das einzige, was mich so ein bisschen stolz macht, ist der Umstand, dass er als einziges Modell aus seinem Hause sich komplett dem ökologischen E10-Wahn entzieht. Das Zeug verträgt das sympathische kleine Kerlchen halt nicht.

Gerne erinnere ich mich auch an mein erstes Auto. Ein marsroter VW Derby mit sagenhaften 40 PS unter der Motorhaube. Dennoch sorgte dieses Auto immer für Aufmerksamkeit. Vor allem, wenn ich mit voll besetzter Karre auf der A7 durch die Kasseler Berge fuhr – auf der Kriechspur mit 40 km/h, während die großen Brummer wild hupend an mir vorbeizogen. Was für eine herrliche Zeit war das doch.

Für manche Menschen aber ist das Auto mehr. Es ist ein Status-Symbol. Frei nach dem Motto »Das Leben ist nur im SUV zu ertragen« geht es kaum größer, schöner oder schneller. Je mehr der Wagen einmal gekostet hat, desto stolzer ist der Besitzer. Und wenn noch etwas Geld übrig ist, kann man das geliebte Gefährt auch ein kleines bisschen aufmotzen.

In unserer schönen Landeshauptstadt Hannover gibt es dafür eine eigene Szene, die jetzt im Frühjahr wieder zum Leben erwacht. Jedes Wochenende treffen sich an der Vahrenwalder Straße Menschen, um ihre aufgemotzten Karren zur Schau zu stellen oder aber, wenn die Schmiere nicht guckt, auch mal ein kleines Rennen mit ihren PS-Boliden zu starten.

Manchmal trifft man diese Leute aber auch einzeln an. Erst neulich hatte ich während meiner Streifenfahrt wieder so ein Kompensationsgerät für zu klein geratene Geschlechtsorgane vor mir. Ursprünglich war es wohl mal ein kleiner VW gewesen, aber davon war kaum noch etwas zu erkennen. Der Besitzer hatte kaum Kosten und Mühen gescheut, seine Karre aufzumotzen. Er hatte breite Walzen auf chromblitzenden Felgen aufgezogen. Dazu kamen natürlich Front- und Heckspoiler, veränderte Scheinwerfer und die schon obligatorische Tieferlegung. Zu guter Letzt hatte er sich noch zwei Katzenschlafplätze als Auspuffendrohre unter das Chassis montiert, die mit ihrem Sound starke Leistung suggerierten. Es sah schon nach einem heißen Flitzer aus.

Da mich solche Fahrzeuge immer wieder reizen, entschloss ich mich zu einer Kontrolle, um zu schauen, ob die ganzen Veränderungen am Fahrzeug auch den Vorschriften entsprachen. Gleich nachdem ich das Haltezeichen gegeben hatte, wurde der Wagen langsamer.

»Oh verdammt!«, dachte ich, »der will doch wohl hoffentlich nicht auf dem Bahnübergang da vorne anhalten?«

Doch das Fahrzeug rollte in Schrittgeschwindigkeit weiter und hielt schließlich hundert Meter hinter dem Bahnübergang an.

Als ich an den Wagen herantrat, konnte ich erkennen, dass auch das Innere nicht mehr dem Original glich. Die Rückbank hatte zwei Querverstrebungen weichen müssen. Zwischen diesen thronte eine gewaltige Lautsprecherbox, deren Schalldruck wahrscheinlich das Hirn des Fahrers im Beatrhytmus an die Stirninnenseite schlagen ließ.

Nachdem ich mein Sprüchlein aufgesagt hatte, sprach ich ihn auf die Szene am Bahnübergang an.

»Ne, ne, Herr Wachtmeister«, antwortete der junge Mann. »Ich kann nur nicht schneller über so Unebenheiten fahren. Sonst reißen mir die Endtöpfe ab.«

Ein Grinsen konnte ich mir bei diesen Worten nicht verkneifen. »Na, dann geben Sie mir doch mal den Fahrzeugschein. Mal schauen, ob alles eingetragen ist.«

»Klar doch!«, sagte der Mann und reichte mir drei zusammengetackerte Fahrzeugscheine. »Viel Spaß beim Durchsehen!«

»Scheint ja alles eingetragen zu sein«, murmelte ich nach einer Weile.

»Natürlich! Der Wagen ist mein ganzer Stolz. Hab da mein ganzes Geld reingesteckt. Dann muss auch alles korrekt sein.«

»Da sind Sie bestimmt der Star der Tuning-Szene, oder?«

Der junge Mann schaute verlegen zu Boden. »Na ja, das eher nicht«, sagte er.

Ich sah es. Grinsend reichte ich ihm die Papiere zurück.

»Was soll ich machen?«, fragte er. »So’n Motor kostet ’n Heidengeld. Da muss ich mich halt mit 55 PS zufrieden geben.«