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Schlauer Denken mit links

Februar 28, 2010

Seit Oskar Lafontaines legendärem Buch wissen wir: Das Herz schlägt links. Neuerdings müssen wir aber auch zur Kenntnis nehmen, dass das Hirn offensichtlich ebenfalls links schlägt oder tickt.
Das hat nichts mit den beiden Gehirnhälften zu tun, so dass man davon ausgehen kann, dass nur die linke Hälfte denkt und die rechte inaktiv ist. Nein, das Linksphänomen des Gehirns kommt aus einer ganz andere Ecke.
Forscher in Amerika haben nämlich festgestellt, dass linksliberale Menschen im Durchschnitt intelligenter sind.
Es ist ja kein Geheimnis, dass sich vornehmlich in der rechten Ecke viele Dumpfbacken sammeln, deren persönlicher Intelligenzgrad selbst bei Fieber leicht unter ihrer Körpertemperatur liegt. Aber muss man deshalb gleich eine Studie vom Zaun brechen?
Einfach vom Zaun gebrochen ist diese Studie natürlich nicht. Es war ein Langzeitprojekt, an dem mehr als 15.000 Menschen teilgenommen haben. Dabei wurde festgestellt, dass diejenigen, die sich als „sehr konservativ“ bezeichneten, unterdurchschnittlich intelligent waren, wohingegen liberale Amerikaner, die nach unserem Verständnis eher progressiv eingestellt sind, mit einem IQ über dem Durchschnitt glänzen konnten.
Dies nahm nun die Süddeutsche Zeitung zum Anlass, mit der Schlagzeile „Konservative sind weniger intelligent“ aufzuwarten. Und gleich im ersten Absatz wird dieses Ergebnis auch noch als einleuchtend hingestellt, weil Traditionen ohne Denken auskommen!

Aha! Wer also Traditionen pflegt, denkt nicht. Mit einer konservativen Einstellung ist es somit möglich, ohne große Hirnleistung durchs Leben zu kommen. Das leuchtet ein. Das deutsche Nachkriegswirtschaftswunder ist ja auch mehr durch harte Arbeit als durch intellektuelle Leistungen entstanden. Oder sehe ich das jetzt wieder falsch?
Angesichts dieser Studie muss man wahrscheinlich die Aktion der Linksfraktion neulich im Bundestag in anderem Licht betrachten. Es war dann nicht die Unfähigkeit, sich sachlich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nein, vielmehr müssen wir davon ausgehen, dass die Linke nach einer Möglichkeit gesucht hat, dem einfach strukturierten politischen Gegner auf eindringliche Weise ihre Argumente darzulegen.
Und Herr Lammert hat dies nicht erkannt. Kein Wunder, er ist ein Konservativer.

Dass Guido Westerwelle, den man zur Zeit ruhigen Gewissens als den erzkonservativsten Politiker Deutschlands bezeichnen kann, kürzlich Werbung für eine Deutsch-Kampagne des Goethe-Instituts macht, erscheint im Lichte der Studie auch nachvollziehbar. „Man, red‘ deutsch!“, ist also nichts anderes als der fromme Wunsch nach einer für ihn verständlichen Sprache. Dass er als Minister des Auswärtigen Probleme mit dem Auswärts-Sprechen hat, wissen wir auch nicht erst seit gestern.

Aber wie passt es beispielsweise in dieses Bild, dass kürzlich in einer amerikanischen High-School alle Lehrer wegen Unfähigkeit entlassen wurden? Waren die alle konservativ und deshalb unfähig, ihren Schülern zum Abschluss zu verhelfen? Oder denke ich in Bahnen eines Vorurteils, weil ich glaube, dass die meisten Lehrer doch eher politisch links einzuordnen sind.

Wie dem auch sei. Der Psychologe Satoshi Kanazawa versteht es, die Ergebnisse dieser Studie ins rechte äh linke Licht zu rücken. Für ihn erlaube die Intelligenz den Menschen, sich anders zu verhalten, als die Evolution es in ihnen angelegt habe. Eine höhere Geistesleistung gebe die Freiheit neue Wege zu beschreiten, sich mit Menschen außerhalb der Verwandtschaft abzugeben. Intelligente Menschen seien für eine staatliche Wohlfahrt, die höhere Steuern brauche.
Beim Wohlfahrtsstaat fiel mir unweigerlich ein alter Witz ein, bei dem sich zwei Jungen unterhalten, wer der intelligentere von beiden sei. Da sagt der eine: „Ich konnte schon mit einem halben Jahr laufen.“ Und der andere erwidert: „Das nennst du intelligent? Ich hab mich mit fünf noch tragen lassen.“
Die soziale Hängematte ist also demnach ein Ausdruck von Intelligenz. Wer hätte das gedacht? Dass im Gegenzug Steuersenkungen, wie sie die FDP fordert, unklug sind, ist eigentlich auch nicht neu.

Um das Bild abzurunden und nicht nur politisch auszuwerten, versteht es Kanazawa am Ende noch, auch den Gläubigen einen Hieb zu versetzen. So sei es für ihn nicht verwunderlich, dass auch Menschen, die „sehr religiös“ eingestellt sind, im Durchschnitt von niedrigerer Intelligenz sind als solche, die nicht glauben.
Verständlich, denn Glaube hat auch etwas mit Traditionen zu tun.

Wir können also festhalten, dass einige Menschen, die unsere heutige Welt entscheidend geprägt haben, wie beispielsweise Helmut Kohl oder der Papst, eigentlich geistig nicht ganz so fit waren, wie wir es uns hätten wünschen sollen. Da grenzt es an ein Wunder, dass sie so viel zustande gebracht haben.

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