Archive for the 'Allgemeines' Category

Grüße aus dem Irrenhaus

Juni 3, 2019

Mal wieder Nachrichten geschaut. Sollte man das tun? Ich weiß es nicht, aber ich wollte erfahren, ob es außer dem Klimawandel noch andere weltbewegende Themen gibt. Aber aus der Glotze schaut mich Greta mit traurig-zornigen Augen an. Das Bild wechselt. Der einsame Eisbär, der es seit den 80ern nicht von seiner Scholle geschafft hat, treibt durch das Bild. Im Hintergrund liest Claus Kleber mit brüchiger Stimme vor, dass eine Million Tierarten vom Aussterben bedroht sind – als Folge des Klimawandels.

Eigentlich nichts neues. Der Club of Rome hat uns schon in den 70er Jahren versprochen, dass die Hälfte aller Tierarten bis 2010 ausgestorben sein wird. Jetzt haben wir 2019. Und was ist passiert? Inzwischen tauchte ein Meeresforscher auf den Grund des Marianengrabens und entdeckt zwei neue Tierarten. So wird das nichts! Immerhin hat er auch eine Plastiktüte gefunden. Das macht Hoffnung.

Äääähhh – Moment!

Nein. Natürlich müssen wir etwas tun. Es kann so nicht weiter gehen, denn wir leben über unsere Verhältnisse und schaden unserer Umwelt.

Das Monster unserer Zeit ist das CO2, ein unsichtbares Gas, dass zu 0,038% in unserer Atmosphäre dümpelt, wovon 96% natürlichen Ursprungs aus den Weltmeeren stammt. Ich will jetzt nicht die alte Rechnung aufmachen, wie viel Anteil an der Atmosphäre wir überhaupt beeinflussen, wenn wir unseren CO2-Ausstoß reduzieren (und an China verkaufen). Nein, ich bleibe beim allgemeinen Konsens, dass wir unseren CO2-Ausstoß reduzieren müssen.

Nur wie? Auf das Auto kann ich leider nicht verzichten. Ich arbeite viel nachts und am Wochenende – wenn unsere Straßenbahnen ihren Betrieb extrem eingeschränkt haben. Unter der Woche und am Tage nutze ich natürlich das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs.

Und dazu kommt gerade die persönliche Katastrophe: Seit einigen Tagen ist unser Aufzug defekt und meine CO2-Bilanz im Ar… Wir wohnen im fünften Stock. Das ist nicht witzig, liebe Leser! Man lacht nicht über Dicke!

Also das mit dem CO2 und dem Klima überlasse ich dann lieber anderen, zum Beispiel unserer Jugend. Die haben schon bewiesen, dass sie es können. Am Freitag, dem 3. Mai, marschierte „Friday for future“ durch die deutschen Innenstädte. Unter anderem hatte ein Mädchen ein Pappschild mit der Aufschrift: „Oma! Zeig mir einen Schneemann!“ dabei. Samstag, den 4. Mai, fuhr vielerorts der kommunale Räumdienst durch die Gegend, um die Straßen zu pökeln.

Geht doch!

Während in China ein Kohlekraftwerk nach dem nächsten aus dem Boden gestampft wird, haben Umweltaktivisten und Berufsdemonstranten in Deutschland den Hambacher Forst gerettet. Hambi! Ein klitzekleines Wäldchen am Rande eines Braunkohleabbaus. Aber ein Riesensymbol für die Umwelt- und Klimaschützer. Dass RWE am anderen Ende des Abbaugebietes bereits das Mehrfache wieder aufgeforstet hat – völlig irrelevant.

Dass in Deutschland 2018 die dreifache Fläche des Hambi an Wald gerodet wurde, will auch keiner wissen. War ja auch für den guten Zweck der CO2-Vermeidung. Dort hat man Windräder aufgestellt! Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen: Anstatt die Pflanzen, die CO2 verarbeiten und in lebenswichtigen Sauerstoff verwandeln, zu erhalten, werden sie umgeholzt, um CO2-vermeidende Windräder zu installieren. Krass!

Jetzt kann mir so ein Öko-Verfechter gerne vorrechnen, dass ein Windrad mehr CO2 vermeidet, als das kleine Stückchen Wald, das es braucht, verarbeiten kann. Aber der lässt wieder den Brasilien-Faktor außer acht.

Das ist hip und machen unsere Europa-Grünen auch. Einer ihrer Slogans lautet: „Wer die Welt retten will, muss auf dem eigenen Kontinent anfangen.“ Deswegen ist es für sie auch nur dezent relevant, dass für europäische CO2-Vermeider hektarweise brasilianischer Urwald brandgerodet wird. Die neuen Balsaholz-Plantagen sind eben zwingend notwendig für Windräder.

Das konnten wir früher schon. Für den Bioethanol! Plantagen auf Borneo und Sumatra. Das muss der Orang-Utan verstehen. Wir wollen die Welt retten! Also weiche von uns! Stirb endlich aus, so wie es der Club of Rome gesagt hat! Ist doch für einen guten Zweck. Und für Nutella!

Inzwischen glaube ich, dass das Klima gar nicht unser Problem ist. Unser Problem ist der Fachkräftemangel – vor allem in der Politik. Wenn wir den beseitigt haben … ich möchte da gar nicht drüber nachdenken.

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Gruß an Lise

April 3, 2019

Irgendwo im Nirgendwo.

Kann mir mal einer erklären, was das soll?“

Krachend flog ein Stapel Zeitungen auf den Tisch.

Was denn?“, fragte der Sekretär zurück. „Ich kann da nichts erkennen, was Sie so aufbringen könnte. Da steht doch nichts über Sie!“

Eben. Das ist es doch. Keine Sau spricht oder schreibt mehr über mich. Und das schon seit Wochen. Nicht der kleinste Störfall.“

Das wird schon wieder, Chef. Keine Bange.“

Das wird schon wieder, das wird schon wieder“, äffte der Chef nach. „Was soll denn werden?“ Er nahm eine Zeitung auf. „Greta Thunberg und Friday for future! Seitenweise lassen die sich über diese skandinavische Göre aus. Klimaschutz! Da könnte ja jeder kommen.“

Kommt ja auch!“

Genau! Alle kommen da hin, weil sie dann nicht zur Schule müssen. Und dann hinterlassen sie ihren Müll auf der Straße. Wollen das Klima retten, aber kriegen ihr eigenes Zimmer nicht sauber. Ha! Da lob ich mir meine Gegner von früher. ‚Nein, Danke!‘, haben sie gerufen. Das waren wenigstens noch Demonstranten mit Überzeugung. Mit rußendem Bulli sind die überall hingefahren, um gegen mich zu sein.“

Aber man hat die nicht für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, so wie Greta“, versuchte der Sekretär einen Einwand.

Man hat was?“

Na, man möchte der Greta den Friedensnobelpreis überreichen. Äh, ist aber auch nur ein Vorschlag.“

Greta!“, kochte der Chef. „Greta! Dann gebt den doch der von der Leyen!“

Äh? Wieso jetzt der? Die ist doch Verteidigungsministerin.“

Eben! Und in diesem Amt hat sie es immerhin geschafft, fast eine komplette Armee außer Gefecht zu setzen – ohne auch nur einen Schuss abzugeben. Das ist preiswürdig. Mehr kann man nicht für den Frieden tun. Aber doch nicht mit Klima. Als ob man das so genau beeinflussen kann.“

Führende Wissenschaftler behaupten zumindest, dass …“

Führende Wissenschaftler? Das sind Klimatologen, die Betonung liegt auf den letzten beiden Silben. Die berechnen anhand irgendwelcher Modelle, was so gar nicht eintreffen kann, weil sie immer irgendwas außer acht lassen. Das ist keine Wissenschaft.“

Aber das Klima verändert sich doch“, begehrte der Sekretär auf.

Das macht es schon seit Millionen von Jahren!“

Wieder wühlte der Chef im Zeitungsstapel und zog ein Blatt hervor.

Hier genau das gleiche: Tote durch Feinstaub!“

Ja, das ist schlimm“, sagte der Sekretär. „Da muss am Diesel dringend nachgebessert werden.“

Bist du jetzt völlig bescheuert geworden?“

Wieso?“

Das sind virtuelle Tote!“

Ach, die leben noch?“

Nein! Die hat es nie gegeben. Die sind nur auf dem Papier tot, weil man da wieder zwei völlig unterschiedliche Dinge statistisch in einen Topf geworfen hat. Tod durch Diesel, ha! Wie lange muss ich wohl an einem Auspuff schnüffeln, bis ich tot umfalle?“

Äh, Moment – Euro 4 oder Euro 5?“

Also, bitte … Und schau hier!“ Wieder fischte er eine Zeitung hervor. „Kaminöfen und Kerzen produzieren Feinstaub. Werden jetzt auch verteufelt. Dabei machen die Menschen schon seit zigtausend Jahren Feuer. Verdammt! Ich war mal das Arschloch der Nation. Nicht mal eine Riesenherde furzender Kühe war so schlimm wie ich. Und jetzt? Alles aus!“

Aber in Fukushima haben Sie doch ordentlich …“

Das war das Wasser, der Tsunami, du Honk. Ich hab gar nichts.“

Aber die Grünen sagen doch …“

Ja die sagen immer alles mögliche. Ich sag‘ dir: Wenn das so weiter geht, dann sind die eines Tages für mich. Windkraft tötet Vögel! Windkraft tötet Insekten! Baut Atomkraftwerke – die sind klimaneutral! Mein Gott, nicht auszudenken!“

In der Straßenbahn

März 4, 2019

Ich hatte es schon mal erwähnt: Ich fahre ungern mit dem Auto in die große Stadt. Der gestresste Pendler im Stau, Mutti im SUV auf dem Weg zum Kindergarten, der termingeplagte Aldi-Lieferant – diese Menschen machen mir Angst. Sie stressen mich. Ich bekomme Verkehrs-Tourette und habe nach spätestens zehn Minuten mein Repertoire an Schimpfworten und Flüchen aufgebraucht.

Da lob‘ ich mir, dass ich in unmittelbarer Nähe eine Straßenbahn-Haltestelle vor meiner Haustür habe. Zumindest wenn ich tagsüber zum Dienst muss, nutze ich den öffentlichen Personennahverkehr, und auch privat fahre ich lieber mit der Bahn als mit dem Auto in die Stadt.

Keine gestressten Pendler im Stau – nur welche, die sich im Gang der Bahn zusammenquetschen und sich gegenseitig in den Nacken husten. Keine Mutti im SUV, es sei denn, sie kommt auf die Idee, im Gleisbett zu parken. Und keine Lieferanten – Pizzaboten fahren nicht mit der Straßenbahn.

Nein, innerhalb von 22 Minuten bringt mich die Bahn mit einem Umsteigen zur Arbeitsstelle, entspannt, ohne Aufregung, umwelt- und klimaschonend.

In der Zeit hole ich eines meiner Lieblings-Raketenheftchen aus dem Rucksack und entschwinde in ein Paralleluniversum, in dem der Held ohne Tourette für das Gute im Universum kämpft.

Nur neulich war es anders. Ein kleines blondes Mädchen zupfte plötzlich an meinem Ärmel und fragte. „Was machst du da?“

Ich lese“, sagte ich lächelnd.

Aber warum?“, fragte das Mädchen, zog ihren Finger aus der Nase und minderte mit diesem den Wert meiner Perry-Rhodan-Jubiläumsausgabe um einiges. „Meine Mama sagt immer, dass man keine Bücher lesen muss. Man muss nur sein Handy bedienen können.“

Während ich noch überlegte, der Kleinen ob ihres unverzeihlichen Frevels die Finger zu brechen, schaute ich auf und entdeckte ihre Mutter auf der anderen Seite sitzend.

Eine etwas in die Jahre gekommene Blondine – das ließ sich bei der Aufmachung nicht so genau sagen – mit Kopfhörern in den Ohren und den Blick starr auf das Handy gerichtet. Ihr Kopf wippte auf und ab, während ihre Finger stakkato-artig auf das Display trommelten. Kein Wunder, dass sich das Kind jemand anderen suchte, um Spaß zu haben. Leider heutzutage kein Einzelfall mehr.

Mit einem gequälten Lächeln schob ich die Kleine zur ihr rüber und sagte: „Geh mal wieder zu deiner Mami. Da bist du besser aufgehoben.“ Ich weiß, man soll nicht lügen, aber nach einem anstrengenden Dienst hab ich wenig Lust, mich noch mit verzogenen Kindern zu beschäftigen.

Unterdessen stürmte eine Horde Jugendlicher den Waggon. Alle hielten Flaschen in den Händen, bei deren Anblick ich mich unweigerlich fragte, welche Kassiererin da wohl vergessen hatte, nach dem Ausweis zu fragen. Party-Stimmung machte sich breit. Warum auch nicht? Es war schließlich Freitagabend.

Heute Abend werden wir ein paar Bitches aufreißen!“, brüllte plötzlich einer aus der Gruppe.

Ich betrachtete mir den Rufer etwas näher, schaute in seine geröteten von einem pickligen Gesicht umrandeten Augen und schüttelte leicht den Kopf.

Ich hörte davon, dass die Anzahl der Frauen, die auf eine Intimrasur beim Mann stehen, stetig wächst. Wobei die Betonung wohl auf Rasur liegt. Da schien mir der Junge oben wie unten weit von entfernt zu sein. Ich vermutete eher, dass das einzige, was er heute aufreißt, die Tür vom Taxi auf der Heimfahrt sein wird, wenn er es denn noch schafft, um sich zu übergeben.

Mir gegenüber saß älteres Paar. Sie schätze ich auf Mitte bis Ende 60, er war, wie ich ihrem Gespräch entnehmen konnte, schon weit über 80, aber noch rüstig. Sie freuten sich darüber, dass es ihnen gelungen war, einen Bekannten nach langer Zeit dazu zu bewegen mal wieder außer Haus zu gehen, das Leben zu genießen.

Während des Gesprächs stützte der Mann plötzlich seine Hände auf die Bank, lupfte seinen Hintern an und entließ eine Flatulenz, die jeden Wikinger-Häuptling vor Neid hätte erblassen lassen.

Stille breitete sich aus. Selbst die Gruppe überschwänglicher Jungen wurde merklich ruhiger. Nur die Dame daneben redete unaufhörlich weiter, als sei nichts passiert.

Mein Raketenheftchen verwandelte ich in einen Fächer, um von irgendwoher frischere Luft an meine Nase zu führen.

Warum?“, röchelte ich leise.

Was keine Miete zahlt, muss raus!“, antwortete der Alte lapidar.

Zum Glück konnte ich die Bahn an der nächsten Station verlassen und überlegte ernsthaft, künftig wieder mit dem Auto zum Dienst zu fahren.

Visionen

Januar 5, 2019

Ein sehr schätzenswerter, sozialdemokratischer Bundeskanzler hat einmal gesagt: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!“ Nun, wenn es denn um Politik geht, mag er Recht gehabt haben, aber manchmal hat man halt Visionen. Und die haben nichts mit psychischen Störungen zu tun.

Es ist der 1. Januar. Ich wache früh auf. Der Wecker zeigt erst 19:55 Uhr. Na, ja. Relativ früh für jemanden, der direkt nach dem Nachtdienst zur Blaulicht-Party gegangen ist.

Das Schlafzimmer ist in ein eigenartiges Licht getaucht, und …

Vor mir steht plötzlich Anton Hofreiter! Er hat sich die Haare geschnitten, sieht nicht mehr aus wie „Prinz Eisenherz für Arme“, eher wie jemand mit einem schlechten Schneider beziehungsweise einem mittelmäßigen C&A-Verkäufer.

Ab heute!“, ruft Anton, „ab heute schwöre ich den Ideologien ab! Nur noch wissenschaftlich erarbeitete Fakten werden mich leiten!“

Fein, denke ich. Ein Lichtblick! Hinter ihm schwebt eine rothaarige Elfe mit Pagenschnitt durch das Bild, schwingt die Lyra und singt: „Ich find‘ Sonne, Mond und Sterne schön …“

Von unten schiebt sich Hans-Christian Ströbele vor, die Augenbrauen zu einem festen grauen Balken zusammengekniffen. „Wissenschaft!“, ätzt er. „Gollum! Gollum! Komm auf die grüne Seite der Ideologie!“

Jetzt merke ich: Ich bin noch nicht wach! Ich versuche mich wachzurütteln.

Währenddessen betritt Annegret Kramp-Karrenbauer mein Schlafzimmer und sagt: „Ich werde es besser machen. Es wird sich einiges ändern.“ Zeitgleich verschiebt sie ihre zur Raute verklebten Hände in eine Art Quadrat.

Immerhin, denke ich. Es wird nicht besser, aber irgendwie anders.

Haaalllloooo!, rufe ich in Gedanken. 2019! Kommst du bitte mal und machst das weg!

Noch während ich versuche, wach zu werden, betritt Angela Merkel die Bühne und sagt: „Du, Anne, hab ich dir eigentlich schon gesagt, wie ich mir deine Führung der Partei vorstelle?“

Nein, hast du nicht!“, antwortet AKK schnippisch.

Also pass auf! Du musst …“ Der Rest vergeht in einem bewusstseinsabtötenden Rauschen.

Ich frage mich, ob mir nicht irgendjemand mit einem herzhaften Tritt in den Allerwertesten in die Wirklichkeit verhelfen könnte.

Über mir schwebt ein Engel mit blonder Elvis-Tolle und singt. „Amerika! Amerika!“

Ein Typ mit markantem Schädel und entblößtem Oberkörper reitet auf einem schnaubendem Gaul darunter her und sagt: „Junge! Trinkst du Wodka! Dann du hast keine Visionen!“

Von hinten brüllt ein alter Mann: „Oder du gibst Gas! Ha! Ha! Ha! Kannst auch eine Vietnamesin heiraten! Das macht Spaß!“

Jetzt wird es skuril. Hab ich wirklich so viel getrunken? Mein Gott, bis 5 Uhr morgens Dienst geschoben, und dann zur Party! Okay. Blaulichtler können schon heftig feiern, aber wenn ich mich recht erinnere, hab ich doch nur Bier getrunken …

Anton fängt an mit Hans-Christian über CO2 und Menschenmassen zu diskutieren. „Je mehr Menschen, desto mehr CO2!“ „Der Mensch ist der Klimakiller!“ Ja, ne! Is‘ klar!

Das ist Punsch, du dusselige Kuh! Punsch! Punsch! Punsch!“ Ein kleiner Mann im Feinripp-Look schwenkt einen heißen Topf vor sich her.

2019? Kannst du mich jetzt bitte erlösen? Das muss doch hier mal ein Ende haben! Was hat der jetzt in meinem Kopf zu suchen?

Ein weißhaariger, alter Mann beugt sich über mich und fragt: „The same procedure as last year?“

Neeeiiiinnn!!!“ schreie ich auf.

Angela Merkel taucht wieder auf: „Meine lieben Mitbürgerinnen und Mitbürger, ich wünsche mir für das Jahr 2019 mehr Respekt …“

Moment! Das hatte sie sich doch schon für 2018 gewünscht. Ändert sich tatsächlich nichts? Bleibt alles so wie es war?

Mein Handy klingelt und reißt mich aus dem Schlaf. Ich schaue mich um. Keiner mehr da. Also muss ich wach sein.

Ohne auf die Nummer zu achten, nehme ich das Gespräch an: „Schön, dass du ran gehst“, sagt eine mir bekannte Stimme. „Wir brauchen morgen noch jemanden für den Spätdienst.“

Jetzt bin ich wach. Und 2019 wird genauso wie 2018. Es ändert sich nichts. Eine beruhigende Vorstellung?

Was wird werden?

Januar 8, 2018

Schon wieder ist ein Jahr vorüber, das neue hat begonnen. So mancher wird sich fragen: „Was bringt mir das neue Jahr?“ Jeder macht sich Gedanken. Einige haben auch Angst vor 2018 – obwohl es aufgrund neuester Experten-Einschätzungen völlig unbegründet ist. 2019 wird schlimmer! Und wenn Sie das überlebt haben, kommt auch noch 2020.

Also kein Grund zur Sorge, trotz allem, was man immer lesen muss: Fluglinien fliegen in die Pleite. Ein ICE vergisst einen Halt auf der Strecke – das sogar mehrmals. Ein Regionalzug biegt falsch ab, weil der Lokführer ein seltenes Pokemon entdeckt hat. Alles schlimm!

Dazu kommen die ganzen weltpolitischen Probleme: Ein tumber Blondschopf aus Amerika setzt neue diplomatische Maßstäbe. Ein kleiner, korpulenter Diktator schießt Raketen durch die Gegend. Auf dem Bosporus, verdreht jemand demokratische Grundwerte und droht mit Konsequenzen, wenn wir ihm nicht die Füße küssen. Das ist herb!

Jetzt hat auch noch unsere Nachbarland Österreich einen neuen Dik … äh … Kanzler. Unsere Presse läuft Amok: „Kann der das überhaupt? Der ist doch erst 31 – viel zu jung, um Erfahrung zu haben!“ Es wird gefragt, warum die Österreicher so gewählt haben. Dabei ist die Antwort ganz einfach: Weil sie es können! Das nennt man Demokratie und ist nicht gefährlich!

Machen Sie sich lieber Gedanken über Ihre eigene Umgebung. Was wird sich ändern? Nichts, wenn Sie es nicht wollen. Also genießen Sie das neue Jahr.

Schauen Sie nach Berlin. Da ändert sich auch nichts. Unsere Bundesregierung dümpelt vor sich. Es ändert sich nichts. Auch der Schönefelder Flughafen bleibt weiter in Betrieb. BER verschlingt immer noch Unsummen. Alles bleibt beim Alten.

Na ja, vielleicht entdecken sie irgendwo in Kreuzberg noch ein Pärchen, das gerne auf dem Kopf stehend pinkelt und man wird eine neue öffentliche Toilette installieren, weil Unisex- und Transgender-Toiletten nicht die Möglichkeit bieten.

Aber hat das Auswirkungen auf Ihr persönliches Leben? Nein! Das Geld für die öffentliche Toilette hätten Sie sowieso nie zu Gesicht bekommen, weil es entweder nie da war, oder anderweitig verbrannt werden würde.

Auch im Süden unseres Landes wird alles beim Alten bleiben. In Stuttgart wird weiterhin am Bahnhof gebaut. Solch eine Panne wie Anfang 2017 in Hamburg, dass plötzlich ein öffentliches Großbauprojekt beendet und eröffnet wird, passiert so schnell nicht wieder. Zum Glück konnte bereits im April mit der Sanierung begonnen werden. Nicht dass sich da noch öffentliche Gelder ungenutzt ansammeln.

Nein, wir befinden uns auf einem guten Weg und deshalb sollten Sie voller Hoffnung auf das Jahr 2018 blicken.

Selbst unsere Innenstädte werden sich wieder beleben. Nachdem der Online-Handel den Einzelhandel systematisch ausgerottet hat, plant Amazon, in den leerstehenden Geschäften eigene Shops zu installieren. Das ist zwar nicht konsequent durchdacht, weil der typische Amazonkunde immer noch online bestellen wird, aber die Post wird in einer beispiellosen Kooperations-Personal-Einsparungs-Aktion erwirken, dass sich zumindest in der Vorweihnachtszeit die Amazon-Shops mit Paketabholern füllen.

Da können Sie vielleicht mit einem kleinen Glühweinstand vor dem Laden etwas vom Kuchen abgreifen.

Also grämen Sie sich nicht – planen Sie einen längeren Urlaub. Keine Bange vor den Kosten, auch wenn die Billigflieger von AirBerlin oder Niki nicht mehr unterwegs sind. Es gibt noch Stehplätze bei Ryan Air.

Auch Türkei-Urlaube sind wahnsinnig preiswert geworden. Buchen Sie ein Wochenende und sprechen Sie am Flughafen Antalya die richtigen Worte aus. Werden Sie gehört, wird Ihr Urlaub automatisch auf Staatskosten um mindesten drei Monate verlängert. Mit ein bisschen Glück können Sie aus dem vergitterten Fenster Ihrer Unterkunft sogar das Meer sehen. Und die Anteilnahme unserer Bundesregierung ist Ihnen gewiss.

Sie sehen, die Möglichkeiten sind auch 2018 nahezu unbegrenzt.

Ich selbst habe mir einen Selbstfindungsprozess für 2018 vorgenommen. Ich werde mich selbst suchen. Sollten Sie mich 2018 also antreffen, bevor ich von meiner Suche zurückgekommen bin, dann sagen Sie mir doch bitte, dass ich auf mich warten soll, bis ich wieder da bin.

Gesundheit

Juni 5, 2017

Das höchste Gut, das wir besitzen, so propagieren es zumindest unsere Politiker, ist die Freiheit. Nur was nützt es mir, frei zu sein, wenn ich nicht gesund bin und meine Freiheit genießen kann?

Dann haben Sie immerhin die Freiheit, Ihren Arzt zu wählen“, würde jetzt ein Politiker antworten. Ach ja? Ob das so stimmt?

Neulich ereilte mich eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse. Erst wurde sie dick, dann fing sie an, weh zu tun. Ich fuhr also zu meiner Hausärztin, die ich mir immerhin frei gewählt hatte, um mich untersuchen zu lassen. Nur leider war sie nicht da, so dass ein anderer Arzt der Gemeinschaftspraxis sich meiner annahm.

Das ist entzündet!“, stellte er fachkundig fest und verschrieb mir als erstes ein Antibiotikum und Ibuprofen. Dann stellte er mir noch eine Überweisung an einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aus und trug seiner Sprechstundenhilfe auf, mir sofort einen Termin dort zu verschaffen.

Der Wunsch-HNO des Arztes hatte natürlich geschlossen, so dass sie mich an einen anderen verwies, mit der Auflage, sofort dort vorzusprechen, weil die Praxis auch gleich schließen würde – so in etwa fünf Minuten.

Etwa zwanzig Minuten später stand ich dann vor der dortigen Sprechstundenhilfe, die mir sagte: „Das dauert aber mindestens zwei Stunden, bis Sie dran sind.“

Auf die Frage, ob ich zu Hause warten könne, keine zwei Minuten Fußweg von hier entfernt, antwortete sie mir: „Nein, wir schließen ja gleich ab. Wenn Sie rausgehen, kommen Sie heute nicht mehr rein.“ Also ergab ich mich meinem unfreiwilligen Schicksal.

Nach etwa zweieinhalb Stunden wurde ich aufgerufen und stand – der eigentliche Arzt dieser Praxis hatte Urlaub – vor einer Vertretungsärztin, die mit fachkundiger Miene feststellte: „Das ist entzündet!“

Ach was!

Danach tastete sie ein bisschen auf der Schwellung herum und meinte dann: „Das könnte ein Stein sein oder eine Zyste. Genaueres kann ich erst nach einer Ultraschallaufnahme sagen. Ich stell‘ Ihnen mal eine Überweisung aus und dann müssen Sie ein bisschen rumtelefonieren, damit das so schnell wie möglich erledigt wird.“

Gesagt, getan! Es gibt ja einige radiologische Praxen in der Umgebung. Das sollte zu schaffen sein. Am Ende des Tages hatte ich dann die Gewissheit: Der früheste Termin für eine Ultraschallaufnahme war in sechs Wochen!

Immerhin sprach das Antibiotikum an und die Entzündung ging zurück. Bis letzte Woche, da flammte sie wieder auf und wurde sogar noch ein bisschen schlimmer. Also wieder zum Arzt. Aber kann der Hausarzt helfen? Soll ich gleich beim HNO anrufen und mir sagen lassen: „Kommen Sie übermorgen vorbei!“

Ich entschied mich für die Ambulanz der HNO-Klinik in unserer Nähe. Nach nur viereinhalb Stunden – es war wenig los – stand ich einer jungen Ärztin gegenüber, die völlig verblüfft war, dass mein Spezialist zu Hause nicht in der Lage ist, eine Ultraschalluntersuchung zu machen.

Das machen wir gleich“, sagte sie mir.

Also muss ich dann rüber in die Radiologie?“, fragte ich.

Nein, nein“, sagte sie lachend. „Wir gehen nach nebenan. Da steht das Ultraschallgerät.“

Nach fünfzehn Minuten war ich im Bilde: Eine Zyste hatte sich in der Ohrspeicheldrüse gebildet und dann entzündet. Und weil sie sich zum zweiten Mal entzündet hatte, wurde ich auch gleich stationär aufgenommen: Drei Tage lang bekam ich nun das Antibiotikum intravenös verabreicht, morgens, mittags, abends. Wahrscheinlich konnte man mit meinem Blut einen ganzen Watussi-Stamm von Ebola heilen.

Tja, und irgendwann kommt dann die operative Entfernung der Zyste. Das hätte vielleicht auch schon eher erfolgen können, wenn … Tja, wenn!

Liebe Politiker, anstatt als Reaktion auf einen durchgeknallten Unifomträger mit unschönen Plänen in völliger Freiheit jeglicher Sachkenntnis eine ganze Truppe zu verurteilen und Bilder eines verdienten Bürgers als Namensgeber einer Bundeswehr-Universität abzuhängen, weil sich jemand an der Uniform stoßen könnte: Wir wäre es mal mit einer wesentlichen Verbesserung unserer Gesundheitsversorgung? Mehr Ärzte, mehr Diagnose-Technik. Da muss dringend was getan werden.

Und am Krankenhaus-Kaffee könnte man auch arbeiten. Der ist extrem verbesserungswürdig.

Bahnfahren 1. Klasse

März 9, 2017

Neulich bin ich mal wieder mit der S-Bahn unterwegs gewesen. Ein schönes Verkehrsmittel, das einen im Großraum Hannover schnell von A nach B bringt und dabei trotzdem an fast jeder Milchkanne hält.

So wie früher halt – nur eben moderner und mit Strom, Öko-Strom, um genauer zu sein. Wobei ich mich immer frage, woher der ganze Ökostrom kommt, der so angeboten und verbraucht wird. Aber das ist ein anderes Thema.

Die S-Bahn zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass es nur Großraum-Abteile gibt, in denen man mit vielen Menschen zusammen sitzt – ob man will oder nicht. Wer schon mal an einem heißen Sommertag zur Feierabendzeit in so einem Abteil gesessen hat, weiß, was ich meine.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Ganz vorn im Zug sind sechs Sitzplätze mittels einer Glastür abgetrennt. Auf dieser Glastür prangt ganz groß eine 1, um klar zu machen, dass es sich hierbei um die 1. Klasse im Zug handelt.

Meistens sind diese Plätze nicht besetzt. Wie denn auch? Wer die S-Bahn nutzt, fährt mit einem Ticket des Großraumverkehrs Hannover. Das ist nur für die 2. Klasse.

Neugierig, wie ich nun mal bin, habe ich versucht, auf bahn.de ein Ticket erster Klasse für die S-Bahn zu buchen. Was soll ich sagen? Es geht nicht. Nach Auswahl von Start und Ziel und des Zuges kann ich zwar noch das Feld „1. Klasse“ anwählen, aber dann ist Schluss. Danach streikt die Web-Seite der Bahn. Bezahlen und Ausdrucken des Tickets ist nicht möglich.

Warum also gibt es in der S-Bahn eine 1. Klasse, wenn ich kein Ticket dafür bekomme? Wahrscheinlich eines der großen Rätsel der Menschheit, größer noch als das deutsche Steuerrecht.

Tatsächlich waren bei der nächsten Fahrt zwei dieser sechs Plätze besetzt. Und wie es der Zufall wollte, war auch ein Fahrkartenkontrolleur anwesend.

Nachdem er sich die Fahrkarten der beiden angeschaut hatte, blaffte er: „Das ist hier 1. Klasse. Da haben sie keinen Fahrschein für. Setzen Sie sich da drüben hin oder Sie müssen den erhöhten Fahrpreis zahlen!“

Missmutig trollten sich die beiden Fahrgäste.

Ich aber nutzte die Gelegenheit, um den Kontrolleur anzusprechen: „Sagen Sie, warum ist das hier die 1. Klasse?“

Weil es an der Tür steht!“, kam die knappe, nicht sehr hilfreiche Antwort.

Und was ist an diesen sechs Plätzen 1. Klasse?“, bohrte ich weiter.

Er schaute mich verwundert an. „Ich verstehe die Frage nicht“, sagte er dann.

Na, schauen Sie sich doch mal die Sitze an!“, erwiderte ich.

Was soll mit den Sitzen sein?“

Das sind die gleichen Sitze wie in der 2. Klasse, nur halt ein bisschen sauberer, weil dort keiner sitzt. Kein bisschen bequemer, kein bisschen mehr Komfort.“

Ich konnte genau sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete.

Und wo ist der Service?“, fragte ich weiter. „In der 1. Klasse sollte es doch einen Service geben, wie beispielsweise in einem ICE, wo Ihre Kollegen einem den Kaffee an den Platz bringen.“

Das sind keine Kollegen, das ist ein Caterer!“, korrigierte er mich. „Hier in der S-Bahn gibt es keinen Kaffee.“

Sehen Sie? Also kein Service.“

Aber wir haben eine Zeitschriften-Box in der ersten Klasse, konterte er.

Stimmt. Hinter einem der Sitze war eine solche Box angebracht. Nur war sie leer.

Und die Zeitschriften?“

Wie? Und die Zeitschriften.“

Na, wo sind die? Da ist doch nichts drin.“

Was weiß denn ich?“, erwiderte der Mann angesäuert. „Ich kontrollier‘ hier nur die Fahrkarten.“

Apropos, Fahrkarten“, da hatte er mir ein gutes Stichwort geliefert. „Wo kriege ich denn ein 1.-Klasse-Ticket für die S-Bahn?“

Zum Beispiel im Internet.“, antwortete er.

Als ich ihm dann erklärte, dass das nicht funktioniert, wurde er pampig: „Sie glauben ja auch, dass das hier keine richtige 1. Klasse ist. Was wollen Sie dann mit so einem Ticket?“

Wollte ich gar nicht. Eigentlich wollte ich nur wissen, warum in einem Zug, der oftmals überfüllt ist, Plätze existieren, für die man kein Ticket kaufen kann. Doch das wird wohl weiterhin ein Rätsel bleiben.

Vorsätze

Januar 9, 2017

Sie kennen das sicher auch: Draußen ist es nass und kalt. Die Weihnachtsbeleuchtung der Nachbarn haut einen auch nicht gerade vom Hocker. Also macht man es sich auf dem Sofa gemütlich. Und während man so aneinander gekuschelt da liegt, fragt sie plötzlich: „Sag mal, hast du dir für das nächste Jahr schon was vorgenommen?“

Ja, natürlich!“, antwortete ich. „So oft es geht mit dir nach La Gomera fahren, zum Beispiel.“

Nein, das meinte ich nicht.“

Was denn?“

Na, gute Vorsätze“, antwortete sie. „Macht doch jeder so im Angesicht des neuen Jahres.“

Ich bin nicht jeder!“

Könnte aber nicht schaden“, konterte sie mit einem Blick auf meinen Bauch. „Du könntest dir zum Beispiel vornehmen, weniger zu essen.“

Wenn ich Hunger habe, muss ich was essen. So einfach ist das!“, sagte ich.

Das ist kein Hunger. So viel Hunger kann kein Mensch haben. Und außerdem könntest du ja auch mehr Gemüse essen.“

Mach ich doch!“

Wann?“

Naja, aus zweiter Hand sozusagen. Kuh und Schwein essen Grünzeug, ich ess‘ Kuh und Schwein.“

Das zählt nicht!“

Außerdem hatten wir letztens erst Grünkohl. Das zählt doch wohl! – Hey, ich bin ja ein kleiner Poet“, lachte ich.

Zu dem du dir noch die fetten Bregenwürste reingezogen hast. Und lenk‘ nicht vom Thema ab.“

Den Bauch hatte ich aber schon, als wir uns kennen gelernt haben. Und du hast mal gesagt, dass du den magst.“

Da war der aber noch kleiner“, entgegnete sie schnippisch.

Also wenn Gutes mehr wird, kann das doch nicht verkehrt sein.“

Blödmann!“

Was hast du dir denn vorgenommen?“, fragte ich sie nach einer Weile.

Abnehmen!“

Warum wollt ihr Frauen eigentlich immer abnehmen?Akzeptiert euch doch mal, so wie ihr seid!“

Machen wir doch!“, antwortete sie.

Und warum willst du dann abnehmen?“

Das verstehst du nicht.“

Nein!“, entgegnete ich. „Das verstehe ich wirklich nicht.“

Sie schwieg.

Und hast du dir noch was vorgenommen?“, fragte ich nach einer Weile.

Auf jeden Fall mehr Bewegung, sportlicher werden“, antwortete meine Frau.

Da fällt mir was ein“, lächelte ich. „Wir können gleich damit anfangen.“

Du denkst auch immer nur an das eine!“, sagte sie.

Das stimmt nicht!“

Stimmt. Manchmal denkst du auch ans Essen!“

Plötzlich musste ich lachen.

Was ist denn jetzt los?“, fragte meine Frau.

Ist dir nicht aufgefallen“, antwortete ich. „Das wir letztes Jahr um diese Zeit eine ähnliche Diskussion geführt haben.“

Und so ist es tatsächlich. Eigentlich bei fast allen. Jedes Jahr kurz vor Silvester, fängt man an zu überlegen, was man im nächsten Jahr besser machen könnte. Gute Vorsätze für das neue Jahr fassen. Gesünder Leben, mehr Sport, kein Alkohol. Viele dieser guten Vorsätze haben eine Halbwertzeit von wenigen Wochen. Der Vorsatz, keinen Alkohol zu trinken, sogar noch weniger. Der hält gerade mal bis kurz nach dem Aufstehen an Neujahr, wenn man mit dem Konterbier den Wahnsinns-Kater von der Silvestersause bekämpft.

Aber das ist auch gut so. Man muss sich dann am kommenden Jahresende nicht nochmal neue Dinge überlegen, die man unbedingt ändern will. Die alten guten Vorsätze sind ja immer noch aktuell.

Interview mit Santa

Dezember 1, 2016

Irgendwo am Nordpol. Eine kleine Hütte, in deren Wohnzimmer das Feuer im Kamin prasselt. Aus der Küche erklingen geschäftige Geräusche. In den beiden Sesseln vor dem Kamin sitzen der Weihnachtsmann und ein Reporter.

Herr Weihnachtsmann“, beginnt der Reporter.

Ho, ho, ho! Nennen Sie mich doch einfach Santa“, lacht der Weihnachtsmann.

Okay, Santa“, erwidert der Reporter. „Bald beginnt ja Ihre große Zeit. Wie bereiten Sie sich darauf vor?“

Die Vorbereitungen mache ich nicht. Dafür habe ich meine Wichtel.“

Claus?“, tönt eine weibliche Stimme aus der Küche, „Warst du mit Rudolf schon beim Veterinär-Wichtel?“

Natürlich!“, ruft der Weihnachtsmann zurück. „Also ein paar Kleinigkeiten muss ich schon selbst erledigen“, sagt er dann zum Reporter.

Was motiviert Sie, jedes Jahr in einer Nacht um die ganze Welt zu reisen?“

Haben Sie sich schon mal das Gesicht eines Kindes gesehen, dass die ganze Nacht auf mich gewartet hat und dann am Morgen ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum findet?“

Nein. Sie?“

Nein! Wie soll ich denn? Ich muss ja weiter! Aber ich stell es mir einfach vor.“

Also haben Sie nie diese leuchtenden Kinderaugen gesehen?“

Doch, doch! Ab und an fahre ich hinaus in die Welt und schaue mir Kinder an ihren Geburtstagen an. Da sehe ich dann …“

Claus?“, tönt es aus der Küche, „Hast du deinen Mantel aus der Reinigung geholt?“

Hab ich!“, brummelt der Weihnachtsmann.

Aber in einer Nacht um die ganze Welt zu reisen, bedeutet doch sicherlich auch Stress, oder nicht?“, fragt der Reporter.

Na ja“, antwortet Santa Claus, „die Weihnacht hat ja etwas magisches. Und soll ich Ihnen was verraten?“

Gerne! Was denn?“

Natürlich benutze ich Magie! Oder dachten Sie, Rentiere können wirklich fliegen? Hohoho! Überlegen Sie mal, wie ein so beleibter Mann wie ich durch einen Kamin rutschen kann.“

Da haben Sie Recht. Das ist mit Physik nicht zu erklären.“

Claus?“, tönte es wieder aus der Küche, „hast du auch alle Wunschzettel gelesen? Erinnere dich an den kleinen Kevin im letzten Jahr!“

Ja doch!“, rief Santa Claus zurück. „Verdammt noch mal! Das war auch eine Sauklaue von dem Jungen – und voller Fehler. Oder wissen Sie was eine Blehsteeschen ist?“

Santa Claus! Du bist ein braver Mann. Und als solcher sollst du nicht fluchen!“, keift es aus der Küche.

Ja, doch!“, seufzt Santa. „Na, ja, vielleicht muss ich im nächsten Jahr nicht mehr die ganze Welt bereisen.“

Warum das?“

Schauen Sie doch mal in die USA! Wer weiß denn schon, was diesem neuen Präsidenten so alles einfällt?“

Aber Sie! Santa Claus! Sie sind doch eine ur-amerikanische Figur!“, erwidert der Reporter.

Ich wohne aber am Nordpol. Nachher hält mich dieser Typ für einen illegalen Einwanderer. Oder befürchtet einen Luftangriff. Weiß man das?“

Na ganz so schlimm wird es wohl nicht kommen“, wendet der Reporter ein.

Claus? Hast du den Schlitten geputzt?“, erschallt die Frage aus der Küche.

Ja! Verd … „

Claus! Du sollst nicht fluchen!“

Kommen Sie mal mit“, sagt der Weihnachtsmann, steht auf und geht zur Tür. „Ich muss Ihnen draußen was zeigen.“

Draußen angekommen holt Santa Claus tief Luft: „So! Jetzt mal Klartext. Sie haben es ja eben erlebt: Claus, mach dies. Claus mach das. Hast du schon! So geht das das ganze Jahr. Tagein, tagaus. Und deswegen freue ich mich auf Weihnachten. Das hat nichts mit Helfersyndrom oder leuchtenden Kinderaugen zu tun. Ich will einfach nur eine Nacht im Jahr meine verdammte Ruhe haben!“

Urlaub mit Hindernissen

August 1, 2016

Man stelle sich vor: Endlich hat man das Urlaubs-Domizil gefunden, was einen bis an das Lebensende begleiten wird. Man hat ein Ziel gefunden, dass einem quasi die Heimat ersetzt. So geht es mir mit La Gomera. Eine traumhafte Insel. Manche Menschen fahren dorthin, um ihre innere Reinigung zu erfahren – mit Bongo-Trommeln, Ayurveda und Joga. Manchmal auch zum Wandern und Singen. Ich reise zu dieser Insel, um mich zu entspannen. Innere Reinigung? Mit so ’nem esoterischen Scheiß kann ich nix anfangen.

Und was passiert? Ich fahre nach La Gomera und unterziehe mich einer inneren Reinigung. Anders als erwartet – zugegeben. Aber gebraucht hätte ich es nicht.

Über zwei Stunden hat Dr. Francisco an mir geschnippelt. Nur weil mein Blinddarm sich gedacht hat, er könne sich mal eben verabschieden und das gesamte Bauchfell entzünden. Und weil ich einer der wenigen glücklichen Menschen bin, die nichts merken, habe ich das zunächst für einen quer sitzenden Furz gehalten. So fand er dann eine „grande porceria“ in meinem Bauchraum vor, die er zu beseitigen hatte.

Tja, da lag ich nun. In einem der modernsten Krankenhäuser Europas. Kompetenter Arzt, freundliche Schwestern. Aber mal ehrlich: Ich habe nicht ein Wort verstanden. Die haben alle spanisch gesprochen. Kann man das als deutscher Tourist ahnen? Umgekehrt ging es meiner Frau, die ein wenig Spanisch kann, und von dem freundlichen Mitarbeiter der Notrufzentrale immer wieder darauf hingewiesen wurde: „Sie können auch deutsch mit mir sprechen!“ Kann man ja auch nicht ahnen.

Okay. Verstanden habe ich die Mitarbeiter im Krankenhaus schon irgendwie. Was nicht sprachlich funktionierte, hat man halt mit Händen und Füßen geregelt. Aber was ich da alles unterschrieben habe? Einverständniserklärungen, Formulare, die mich auf die Gefahren von irgendwelchen Allergien hingewiesen haben und eventuell auch noch das Formular für den Verkauf einer Niere? Vielleicht sollte ich hier zu Hause mal zu einem Internisten gehen. Möglicherweise fehlen mir auch noch fünf Meter Darm? Der Typ, der jeden Tag auf der Terrasse des Nebenzimmers telefoniert hat, kam mir schon ein bisschen suspekt vor.

Apropos Zimmer: Das war mit Meerblick! Was ich allerdings erst nach zwei Tagen bemerkt habe, als ich mich endlich vom Bett trennen konnte. Mit dem Tropf-Ständer in der Hand auf die Terrasse und den Ausblick auf einen kleinen Hafenausschnitt genießen, war so ziemlich der Höhepunkt meines „Urlaubs“. Eigentlich sollte das mein dritter Hochzeitstag sein, doch der ging mit einer Rose im Wasserglas so ziemlich klanglos vorüber.

Aber ich will mich ja nicht beschweren. Es waren alle immer sehr nett zu mir, auch der Krankenhaus-Pfarrer, der eines Abends bei mir im Zimmer stand. Verdammt! Letzte Ölung? Nein, er wollte einfach nur freundlich sein, hat mich aber schon erschreckt.

Der Tropf war auch so eine Sache. Die Flüssigkeit, die einem da zugeführt wird, muss ja auch wieder raus aus dem Körper. Das wurde überprüft. Solange ich ans Bett gefesselt war, kein Problem. Da musste ich in so eine Ente pieseln, die dann in einen Messbehälter ausgeschüttet wurde. Als ich wieder aufstehen durfte, war das vorbei. Endlich wieder normal auf Toilette gehen! Die Quittung bekam ich dann am Abend, als drei Schwestern in meinem Zimmer erschienen, den Messbehälter prüften und lautstark schrien: „Pipi?“ Jetzt versuch mal diesen Damen zu erklären, dass du auf Toilette gegangen bist. Ich hab’s versucht und jeden Abend ein riesen Gezeter geerntet. Erst am letzten Tag, als ich sagen konnte: „Tomorrow I go home!“ Da war Ruhe.

Aber kann man dann den Rest-Urlaub genießen? Natürlich fühlt man sich erst mal so richtig Kacke. Mit zwölf Tacker-Nadeln auf dem Bauch kannst du auch nicht baden gehen. Also war Schattenparken angesagt.

Dazu hatte ich jeden Tag im Centro de Salud zur Wundversorgung aufzuschlagen, was der Dame von der Autovermietung schon ein Grinsen ins Gesicht zauberte, als wir zum dritten Mal den Vertrag für den Wagen verlängerten.

Aber auch einer der Ärzte, die die Wundversorgung übernahmen, bewies seinen Sinn für Komik, als er mich fragte: „Vacaciones?“

Als ich das bejahte, grinste er und sagte: „Muy bien! Enjoy!“