Archive for the 'Allgemeines' Category

Was wird werden?

Januar 8, 2018

Schon wieder ist ein Jahr vorüber, das neue hat begonnen. So mancher wird sich fragen: „Was bringt mir das neue Jahr?“ Jeder macht sich Gedanken. Einige haben auch Angst vor 2018 – obwohl es aufgrund neuester Experten-Einschätzungen völlig unbegründet ist. 2019 wird schlimmer! Und wenn Sie das überlebt haben, kommt auch noch 2020.

Also kein Grund zur Sorge, trotz allem, was man immer lesen muss: Fluglinien fliegen in die Pleite. Ein ICE vergisst einen Halt auf der Strecke – das sogar mehrmals. Ein Regionalzug biegt falsch ab, weil der Lokführer ein seltenes Pokemon entdeckt hat. Alles schlimm!

Dazu kommen die ganzen weltpolitischen Probleme: Ein tumber Blondschopf aus Amerika setzt neue diplomatische Maßstäbe. Ein kleiner, korpulenter Diktator schießt Raketen durch die Gegend. Auf dem Bosporus, verdreht jemand demokratische Grundwerte und droht mit Konsequenzen, wenn wir ihm nicht die Füße küssen. Das ist herb!

Jetzt hat auch noch unsere Nachbarland Österreich einen neuen Dik … äh … Kanzler. Unsere Presse läuft Amok: „Kann der das überhaupt? Der ist doch erst 31 – viel zu jung, um Erfahrung zu haben!“ Es wird gefragt, warum die Österreicher so gewählt haben. Dabei ist die Antwort ganz einfach: Weil sie es können! Das nennt man Demokratie und ist nicht gefährlich!

Machen Sie sich lieber Gedanken über Ihre eigene Umgebung. Was wird sich ändern? Nichts, wenn Sie es nicht wollen. Also genießen Sie das neue Jahr.

Schauen Sie nach Berlin. Da ändert sich auch nichts. Unsere Bundesregierung dümpelt vor sich. Es ändert sich nichts. Auch der Schönefelder Flughafen bleibt weiter in Betrieb. BER verschlingt immer noch Unsummen. Alles bleibt beim Alten.

Na ja, vielleicht entdecken sie irgendwo in Kreuzberg noch ein Pärchen, das gerne auf dem Kopf stehend pinkelt und man wird eine neue öffentliche Toilette installieren, weil Unisex- und Transgender-Toiletten nicht die Möglichkeit bieten.

Aber hat das Auswirkungen auf Ihr persönliches Leben? Nein! Das Geld für die öffentliche Toilette hätten Sie sowieso nie zu Gesicht bekommen, weil es entweder nie da war, oder anderweitig verbrannt werden würde.

Auch im Süden unseres Landes wird alles beim Alten bleiben. In Stuttgart wird weiterhin am Bahnhof gebaut. Solch eine Panne wie Anfang 2017 in Hamburg, dass plötzlich ein öffentliches Großbauprojekt beendet und eröffnet wird, passiert so schnell nicht wieder. Zum Glück konnte bereits im April mit der Sanierung begonnen werden. Nicht dass sich da noch öffentliche Gelder ungenutzt ansammeln.

Nein, wir befinden uns auf einem guten Weg und deshalb sollten Sie voller Hoffnung auf das Jahr 2018 blicken.

Selbst unsere Innenstädte werden sich wieder beleben. Nachdem der Online-Handel den Einzelhandel systematisch ausgerottet hat, plant Amazon, in den leerstehenden Geschäften eigene Shops zu installieren. Das ist zwar nicht konsequent durchdacht, weil der typische Amazonkunde immer noch online bestellen wird, aber die Post wird in einer beispiellosen Kooperations-Personal-Einsparungs-Aktion erwirken, dass sich zumindest in der Vorweihnachtszeit die Amazon-Shops mit Paketabholern füllen.

Da können Sie vielleicht mit einem kleinen Glühweinstand vor dem Laden etwas vom Kuchen abgreifen.

Also grämen Sie sich nicht – planen Sie einen längeren Urlaub. Keine Bange vor den Kosten, auch wenn die Billigflieger von AirBerlin oder Niki nicht mehr unterwegs sind. Es gibt noch Stehplätze bei Ryan Air.

Auch Türkei-Urlaube sind wahnsinnig preiswert geworden. Buchen Sie ein Wochenende und sprechen Sie am Flughafen Antalya die richtigen Worte aus. Werden Sie gehört, wird Ihr Urlaub automatisch auf Staatskosten um mindesten drei Monate verlängert. Mit ein bisschen Glück können Sie aus dem vergitterten Fenster Ihrer Unterkunft sogar das Meer sehen. Und die Anteilnahme unserer Bundesregierung ist Ihnen gewiss.

Sie sehen, die Möglichkeiten sind auch 2018 nahezu unbegrenzt.

Ich selbst habe mir einen Selbstfindungsprozess für 2018 vorgenommen. Ich werde mich selbst suchen. Sollten Sie mich 2018 also antreffen, bevor ich von meiner Suche zurückgekommen bin, dann sagen Sie mir doch bitte, dass ich auf mich warten soll, bis ich wieder da bin.

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Gesundheit

Juni 5, 2017

Das höchste Gut, das wir besitzen, so propagieren es zumindest unsere Politiker, ist die Freiheit. Nur was nützt es mir, frei zu sein, wenn ich nicht gesund bin und meine Freiheit genießen kann?

Dann haben Sie immerhin die Freiheit, Ihren Arzt zu wählen“, würde jetzt ein Politiker antworten. Ach ja? Ob das so stimmt?

Neulich ereilte mich eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse. Erst wurde sie dick, dann fing sie an, weh zu tun. Ich fuhr also zu meiner Hausärztin, die ich mir immerhin frei gewählt hatte, um mich untersuchen zu lassen. Nur leider war sie nicht da, so dass ein anderer Arzt der Gemeinschaftspraxis sich meiner annahm.

Das ist entzündet!“, stellte er fachkundig fest und verschrieb mir als erstes ein Antibiotikum und Ibuprofen. Dann stellte er mir noch eine Überweisung an einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aus und trug seiner Sprechstundenhilfe auf, mir sofort einen Termin dort zu verschaffen.

Der Wunsch-HNO des Arztes hatte natürlich geschlossen, so dass sie mich an einen anderen verwies, mit der Auflage, sofort dort vorzusprechen, weil die Praxis auch gleich schließen würde – so in etwa fünf Minuten.

Etwa zwanzig Minuten später stand ich dann vor der dortigen Sprechstundenhilfe, die mir sagte: „Das dauert aber mindestens zwei Stunden, bis Sie dran sind.“

Auf die Frage, ob ich zu Hause warten könne, keine zwei Minuten Fußweg von hier entfernt, antwortete sie mir: „Nein, wir schließen ja gleich ab. Wenn Sie rausgehen, kommen Sie heute nicht mehr rein.“ Also ergab ich mich meinem unfreiwilligen Schicksal.

Nach etwa zweieinhalb Stunden wurde ich aufgerufen und stand – der eigentliche Arzt dieser Praxis hatte Urlaub – vor einer Vertretungsärztin, die mit fachkundiger Miene feststellte: „Das ist entzündet!“

Ach was!

Danach tastete sie ein bisschen auf der Schwellung herum und meinte dann: „Das könnte ein Stein sein oder eine Zyste. Genaueres kann ich erst nach einer Ultraschallaufnahme sagen. Ich stell‘ Ihnen mal eine Überweisung aus und dann müssen Sie ein bisschen rumtelefonieren, damit das so schnell wie möglich erledigt wird.“

Gesagt, getan! Es gibt ja einige radiologische Praxen in der Umgebung. Das sollte zu schaffen sein. Am Ende des Tages hatte ich dann die Gewissheit: Der früheste Termin für eine Ultraschallaufnahme war in sechs Wochen!

Immerhin sprach das Antibiotikum an und die Entzündung ging zurück. Bis letzte Woche, da flammte sie wieder auf und wurde sogar noch ein bisschen schlimmer. Also wieder zum Arzt. Aber kann der Hausarzt helfen? Soll ich gleich beim HNO anrufen und mir sagen lassen: „Kommen Sie übermorgen vorbei!“

Ich entschied mich für die Ambulanz der HNO-Klinik in unserer Nähe. Nach nur viereinhalb Stunden – es war wenig los – stand ich einer jungen Ärztin gegenüber, die völlig verblüfft war, dass mein Spezialist zu Hause nicht in der Lage ist, eine Ultraschalluntersuchung zu machen.

Das machen wir gleich“, sagte sie mir.

Also muss ich dann rüber in die Radiologie?“, fragte ich.

Nein, nein“, sagte sie lachend. „Wir gehen nach nebenan. Da steht das Ultraschallgerät.“

Nach fünfzehn Minuten war ich im Bilde: Eine Zyste hatte sich in der Ohrspeicheldrüse gebildet und dann entzündet. Und weil sie sich zum zweiten Mal entzündet hatte, wurde ich auch gleich stationär aufgenommen: Drei Tage lang bekam ich nun das Antibiotikum intravenös verabreicht, morgens, mittags, abends. Wahrscheinlich konnte man mit meinem Blut einen ganzen Watussi-Stamm von Ebola heilen.

Tja, und irgendwann kommt dann die operative Entfernung der Zyste. Das hätte vielleicht auch schon eher erfolgen können, wenn … Tja, wenn!

Liebe Politiker, anstatt als Reaktion auf einen durchgeknallten Unifomträger mit unschönen Plänen in völliger Freiheit jeglicher Sachkenntnis eine ganze Truppe zu verurteilen und Bilder eines verdienten Bürgers als Namensgeber einer Bundeswehr-Universität abzuhängen, weil sich jemand an der Uniform stoßen könnte: Wir wäre es mal mit einer wesentlichen Verbesserung unserer Gesundheitsversorgung? Mehr Ärzte, mehr Diagnose-Technik. Da muss dringend was getan werden.

Und am Krankenhaus-Kaffee könnte man auch arbeiten. Der ist extrem verbesserungswürdig.

Bahnfahren 1. Klasse

März 9, 2017

Neulich bin ich mal wieder mit der S-Bahn unterwegs gewesen. Ein schönes Verkehrsmittel, das einen im Großraum Hannover schnell von A nach B bringt und dabei trotzdem an fast jeder Milchkanne hält.

So wie früher halt – nur eben moderner und mit Strom, Öko-Strom, um genauer zu sein. Wobei ich mich immer frage, woher der ganze Ökostrom kommt, der so angeboten und verbraucht wird. Aber das ist ein anderes Thema.

Die S-Bahn zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass es nur Großraum-Abteile gibt, in denen man mit vielen Menschen zusammen sitzt – ob man will oder nicht. Wer schon mal an einem heißen Sommertag zur Feierabendzeit in so einem Abteil gesessen hat, weiß, was ich meine.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Ganz vorn im Zug sind sechs Sitzplätze mittels einer Glastür abgetrennt. Auf dieser Glastür prangt ganz groß eine 1, um klar zu machen, dass es sich hierbei um die 1. Klasse im Zug handelt.

Meistens sind diese Plätze nicht besetzt. Wie denn auch? Wer die S-Bahn nutzt, fährt mit einem Ticket des Großraumverkehrs Hannover. Das ist nur für die 2. Klasse.

Neugierig, wie ich nun mal bin, habe ich versucht, auf bahn.de ein Ticket erster Klasse für die S-Bahn zu buchen. Was soll ich sagen? Es geht nicht. Nach Auswahl von Start und Ziel und des Zuges kann ich zwar noch das Feld „1. Klasse“ anwählen, aber dann ist Schluss. Danach streikt die Web-Seite der Bahn. Bezahlen und Ausdrucken des Tickets ist nicht möglich.

Warum also gibt es in der S-Bahn eine 1. Klasse, wenn ich kein Ticket dafür bekomme? Wahrscheinlich eines der großen Rätsel der Menschheit, größer noch als das deutsche Steuerrecht.

Tatsächlich waren bei der nächsten Fahrt zwei dieser sechs Plätze besetzt. Und wie es der Zufall wollte, war auch ein Fahrkartenkontrolleur anwesend.

Nachdem er sich die Fahrkarten der beiden angeschaut hatte, blaffte er: „Das ist hier 1. Klasse. Da haben sie keinen Fahrschein für. Setzen Sie sich da drüben hin oder Sie müssen den erhöhten Fahrpreis zahlen!“

Missmutig trollten sich die beiden Fahrgäste.

Ich aber nutzte die Gelegenheit, um den Kontrolleur anzusprechen: „Sagen Sie, warum ist das hier die 1. Klasse?“

Weil es an der Tür steht!“, kam die knappe, nicht sehr hilfreiche Antwort.

Und was ist an diesen sechs Plätzen 1. Klasse?“, bohrte ich weiter.

Er schaute mich verwundert an. „Ich verstehe die Frage nicht“, sagte er dann.

Na, schauen Sie sich doch mal die Sitze an!“, erwiderte ich.

Was soll mit den Sitzen sein?“

Das sind die gleichen Sitze wie in der 2. Klasse, nur halt ein bisschen sauberer, weil dort keiner sitzt. Kein bisschen bequemer, kein bisschen mehr Komfort.“

Ich konnte genau sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete.

Und wo ist der Service?“, fragte ich weiter. „In der 1. Klasse sollte es doch einen Service geben, wie beispielsweise in einem ICE, wo Ihre Kollegen einem den Kaffee an den Platz bringen.“

Das sind keine Kollegen, das ist ein Caterer!“, korrigierte er mich. „Hier in der S-Bahn gibt es keinen Kaffee.“

Sehen Sie? Also kein Service.“

Aber wir haben eine Zeitschriften-Box in der ersten Klasse, konterte er.

Stimmt. Hinter einem der Sitze war eine solche Box angebracht. Nur war sie leer.

Und die Zeitschriften?“

Wie? Und die Zeitschriften.“

Na, wo sind die? Da ist doch nichts drin.“

Was weiß denn ich?“, erwiderte der Mann angesäuert. „Ich kontrollier‘ hier nur die Fahrkarten.“

Apropos, Fahrkarten“, da hatte er mir ein gutes Stichwort geliefert. „Wo kriege ich denn ein 1.-Klasse-Ticket für die S-Bahn?“

Zum Beispiel im Internet.“, antwortete er.

Als ich ihm dann erklärte, dass das nicht funktioniert, wurde er pampig: „Sie glauben ja auch, dass das hier keine richtige 1. Klasse ist. Was wollen Sie dann mit so einem Ticket?“

Wollte ich gar nicht. Eigentlich wollte ich nur wissen, warum in einem Zug, der oftmals überfüllt ist, Plätze existieren, für die man kein Ticket kaufen kann. Doch das wird wohl weiterhin ein Rätsel bleiben.

Vorsätze

Januar 9, 2017

Sie kennen das sicher auch: Draußen ist es nass und kalt. Die Weihnachtsbeleuchtung der Nachbarn haut einen auch nicht gerade vom Hocker. Also macht man es sich auf dem Sofa gemütlich. Und während man so aneinander gekuschelt da liegt, fragt sie plötzlich: „Sag mal, hast du dir für das nächste Jahr schon was vorgenommen?“

Ja, natürlich!“, antwortete ich. „So oft es geht mit dir nach La Gomera fahren, zum Beispiel.“

Nein, das meinte ich nicht.“

Was denn?“

Na, gute Vorsätze“, antwortete sie. „Macht doch jeder so im Angesicht des neuen Jahres.“

Ich bin nicht jeder!“

Könnte aber nicht schaden“, konterte sie mit einem Blick auf meinen Bauch. „Du könntest dir zum Beispiel vornehmen, weniger zu essen.“

Wenn ich Hunger habe, muss ich was essen. So einfach ist das!“, sagte ich.

Das ist kein Hunger. So viel Hunger kann kein Mensch haben. Und außerdem könntest du ja auch mehr Gemüse essen.“

Mach ich doch!“

Wann?“

Naja, aus zweiter Hand sozusagen. Kuh und Schwein essen Grünzeug, ich ess‘ Kuh und Schwein.“

Das zählt nicht!“

Außerdem hatten wir letztens erst Grünkohl. Das zählt doch wohl! – Hey, ich bin ja ein kleiner Poet“, lachte ich.

Zu dem du dir noch die fetten Bregenwürste reingezogen hast. Und lenk‘ nicht vom Thema ab.“

Den Bauch hatte ich aber schon, als wir uns kennen gelernt haben. Und du hast mal gesagt, dass du den magst.“

Da war der aber noch kleiner“, entgegnete sie schnippisch.

Also wenn Gutes mehr wird, kann das doch nicht verkehrt sein.“

Blödmann!“

Was hast du dir denn vorgenommen?“, fragte ich sie nach einer Weile.

Abnehmen!“

Warum wollt ihr Frauen eigentlich immer abnehmen?Akzeptiert euch doch mal, so wie ihr seid!“

Machen wir doch!“, antwortete sie.

Und warum willst du dann abnehmen?“

Das verstehst du nicht.“

Nein!“, entgegnete ich. „Das verstehe ich wirklich nicht.“

Sie schwieg.

Und hast du dir noch was vorgenommen?“, fragte ich nach einer Weile.

Auf jeden Fall mehr Bewegung, sportlicher werden“, antwortete meine Frau.

Da fällt mir was ein“, lächelte ich. „Wir können gleich damit anfangen.“

Du denkst auch immer nur an das eine!“, sagte sie.

Das stimmt nicht!“

Stimmt. Manchmal denkst du auch ans Essen!“

Plötzlich musste ich lachen.

Was ist denn jetzt los?“, fragte meine Frau.

Ist dir nicht aufgefallen“, antwortete ich. „Das wir letztes Jahr um diese Zeit eine ähnliche Diskussion geführt haben.“

Und so ist es tatsächlich. Eigentlich bei fast allen. Jedes Jahr kurz vor Silvester, fängt man an zu überlegen, was man im nächsten Jahr besser machen könnte. Gute Vorsätze für das neue Jahr fassen. Gesünder Leben, mehr Sport, kein Alkohol. Viele dieser guten Vorsätze haben eine Halbwertzeit von wenigen Wochen. Der Vorsatz, keinen Alkohol zu trinken, sogar noch weniger. Der hält gerade mal bis kurz nach dem Aufstehen an Neujahr, wenn man mit dem Konterbier den Wahnsinns-Kater von der Silvestersause bekämpft.

Aber das ist auch gut so. Man muss sich dann am kommenden Jahresende nicht nochmal neue Dinge überlegen, die man unbedingt ändern will. Die alten guten Vorsätze sind ja immer noch aktuell.

Interview mit Santa

Dezember 1, 2016

Irgendwo am Nordpol. Eine kleine Hütte, in deren Wohnzimmer das Feuer im Kamin prasselt. Aus der Küche erklingen geschäftige Geräusche. In den beiden Sesseln vor dem Kamin sitzen der Weihnachtsmann und ein Reporter.

Herr Weihnachtsmann“, beginnt der Reporter.

Ho, ho, ho! Nennen Sie mich doch einfach Santa“, lacht der Weihnachtsmann.

Okay, Santa“, erwidert der Reporter. „Bald beginnt ja Ihre große Zeit. Wie bereiten Sie sich darauf vor?“

Die Vorbereitungen mache ich nicht. Dafür habe ich meine Wichtel.“

Claus?“, tönt eine weibliche Stimme aus der Küche, „Warst du mit Rudolf schon beim Veterinär-Wichtel?“

Natürlich!“, ruft der Weihnachtsmann zurück. „Also ein paar Kleinigkeiten muss ich schon selbst erledigen“, sagt er dann zum Reporter.

Was motiviert Sie, jedes Jahr in einer Nacht um die ganze Welt zu reisen?“

Haben Sie sich schon mal das Gesicht eines Kindes gesehen, dass die ganze Nacht auf mich gewartet hat und dann am Morgen ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum findet?“

Nein. Sie?“

Nein! Wie soll ich denn? Ich muss ja weiter! Aber ich stell es mir einfach vor.“

Also haben Sie nie diese leuchtenden Kinderaugen gesehen?“

Doch, doch! Ab und an fahre ich hinaus in die Welt und schaue mir Kinder an ihren Geburtstagen an. Da sehe ich dann …“

Claus?“, tönt es aus der Küche, „Hast du deinen Mantel aus der Reinigung geholt?“

Hab ich!“, brummelt der Weihnachtsmann.

Aber in einer Nacht um die ganze Welt zu reisen, bedeutet doch sicherlich auch Stress, oder nicht?“, fragt der Reporter.

Na ja“, antwortet Santa Claus, „die Weihnacht hat ja etwas magisches. Und soll ich Ihnen was verraten?“

Gerne! Was denn?“

Natürlich benutze ich Magie! Oder dachten Sie, Rentiere können wirklich fliegen? Hohoho! Überlegen Sie mal, wie ein so beleibter Mann wie ich durch einen Kamin rutschen kann.“

Da haben Sie Recht. Das ist mit Physik nicht zu erklären.“

Claus?“, tönte es wieder aus der Küche, „hast du auch alle Wunschzettel gelesen? Erinnere dich an den kleinen Kevin im letzten Jahr!“

Ja doch!“, rief Santa Claus zurück. „Verdammt noch mal! Das war auch eine Sauklaue von dem Jungen – und voller Fehler. Oder wissen Sie was eine Blehsteeschen ist?“

Santa Claus! Du bist ein braver Mann. Und als solcher sollst du nicht fluchen!“, keift es aus der Küche.

Ja, doch!“, seufzt Santa. „Na, ja, vielleicht muss ich im nächsten Jahr nicht mehr die ganze Welt bereisen.“

Warum das?“

Schauen Sie doch mal in die USA! Wer weiß denn schon, was diesem neuen Präsidenten so alles einfällt?“

Aber Sie! Santa Claus! Sie sind doch eine ur-amerikanische Figur!“, erwidert der Reporter.

Ich wohne aber am Nordpol. Nachher hält mich dieser Typ für einen illegalen Einwanderer. Oder befürchtet einen Luftangriff. Weiß man das?“

Na ganz so schlimm wird es wohl nicht kommen“, wendet der Reporter ein.

Claus? Hast du den Schlitten geputzt?“, erschallt die Frage aus der Küche.

Ja! Verd … „

Claus! Du sollst nicht fluchen!“

Kommen Sie mal mit“, sagt der Weihnachtsmann, steht auf und geht zur Tür. „Ich muss Ihnen draußen was zeigen.“

Draußen angekommen holt Santa Claus tief Luft: „So! Jetzt mal Klartext. Sie haben es ja eben erlebt: Claus, mach dies. Claus mach das. Hast du schon! So geht das das ganze Jahr. Tagein, tagaus. Und deswegen freue ich mich auf Weihnachten. Das hat nichts mit Helfersyndrom oder leuchtenden Kinderaugen zu tun. Ich will einfach nur eine Nacht im Jahr meine verdammte Ruhe haben!“

Urlaub mit Hindernissen

August 1, 2016

Man stelle sich vor: Endlich hat man das Urlaubs-Domizil gefunden, was einen bis an das Lebensende begleiten wird. Man hat ein Ziel gefunden, dass einem quasi die Heimat ersetzt. So geht es mir mit La Gomera. Eine traumhafte Insel. Manche Menschen fahren dorthin, um ihre innere Reinigung zu erfahren – mit Bongo-Trommeln, Ayurveda und Joga. Manchmal auch zum Wandern und Singen. Ich reise zu dieser Insel, um mich zu entspannen. Innere Reinigung? Mit so ’nem esoterischen Scheiß kann ich nix anfangen.

Und was passiert? Ich fahre nach La Gomera und unterziehe mich einer inneren Reinigung. Anders als erwartet – zugegeben. Aber gebraucht hätte ich es nicht.

Über zwei Stunden hat Dr. Francisco an mir geschnippelt. Nur weil mein Blinddarm sich gedacht hat, er könne sich mal eben verabschieden und das gesamte Bauchfell entzünden. Und weil ich einer der wenigen glücklichen Menschen bin, die nichts merken, habe ich das zunächst für einen quer sitzenden Furz gehalten. So fand er dann eine „grande porceria“ in meinem Bauchraum vor, die er zu beseitigen hatte.

Tja, da lag ich nun. In einem der modernsten Krankenhäuser Europas. Kompetenter Arzt, freundliche Schwestern. Aber mal ehrlich: Ich habe nicht ein Wort verstanden. Die haben alle spanisch gesprochen. Kann man das als deutscher Tourist ahnen? Umgekehrt ging es meiner Frau, die ein wenig Spanisch kann, und von dem freundlichen Mitarbeiter der Notrufzentrale immer wieder darauf hingewiesen wurde: „Sie können auch deutsch mit mir sprechen!“ Kann man ja auch nicht ahnen.

Okay. Verstanden habe ich die Mitarbeiter im Krankenhaus schon irgendwie. Was nicht sprachlich funktionierte, hat man halt mit Händen und Füßen geregelt. Aber was ich da alles unterschrieben habe? Einverständniserklärungen, Formulare, die mich auf die Gefahren von irgendwelchen Allergien hingewiesen haben und eventuell auch noch das Formular für den Verkauf einer Niere? Vielleicht sollte ich hier zu Hause mal zu einem Internisten gehen. Möglicherweise fehlen mir auch noch fünf Meter Darm? Der Typ, der jeden Tag auf der Terrasse des Nebenzimmers telefoniert hat, kam mir schon ein bisschen suspekt vor.

Apropos Zimmer: Das war mit Meerblick! Was ich allerdings erst nach zwei Tagen bemerkt habe, als ich mich endlich vom Bett trennen konnte. Mit dem Tropf-Ständer in der Hand auf die Terrasse und den Ausblick auf einen kleinen Hafenausschnitt genießen, war so ziemlich der Höhepunkt meines „Urlaubs“. Eigentlich sollte das mein dritter Hochzeitstag sein, doch der ging mit einer Rose im Wasserglas so ziemlich klanglos vorüber.

Aber ich will mich ja nicht beschweren. Es waren alle immer sehr nett zu mir, auch der Krankenhaus-Pfarrer, der eines Abends bei mir im Zimmer stand. Verdammt! Letzte Ölung? Nein, er wollte einfach nur freundlich sein, hat mich aber schon erschreckt.

Der Tropf war auch so eine Sache. Die Flüssigkeit, die einem da zugeführt wird, muss ja auch wieder raus aus dem Körper. Das wurde überprüft. Solange ich ans Bett gefesselt war, kein Problem. Da musste ich in so eine Ente pieseln, die dann in einen Messbehälter ausgeschüttet wurde. Als ich wieder aufstehen durfte, war das vorbei. Endlich wieder normal auf Toilette gehen! Die Quittung bekam ich dann am Abend, als drei Schwestern in meinem Zimmer erschienen, den Messbehälter prüften und lautstark schrien: „Pipi?“ Jetzt versuch mal diesen Damen zu erklären, dass du auf Toilette gegangen bist. Ich hab’s versucht und jeden Abend ein riesen Gezeter geerntet. Erst am letzten Tag, als ich sagen konnte: „Tomorrow I go home!“ Da war Ruhe.

Aber kann man dann den Rest-Urlaub genießen? Natürlich fühlt man sich erst mal so richtig Kacke. Mit zwölf Tacker-Nadeln auf dem Bauch kannst du auch nicht baden gehen. Also war Schattenparken angesagt.

Dazu hatte ich jeden Tag im Centro de Salud zur Wundversorgung aufzuschlagen, was der Dame von der Autovermietung schon ein Grinsen ins Gesicht zauberte, als wir zum dritten Mal den Vertrag für den Wagen verlängerten.

Aber auch einer der Ärzte, die die Wundversorgung übernahmen, bewies seinen Sinn für Komik, als er mich fragte: „Vacaciones?“

Als ich das bejahte, grinste er und sagte: „Muy bien! Enjoy!“

Kino-Abend

Mai 16, 2016

Neulich überlegten meine Frau und ich, wie wir unseren freien Samstag gestalten wollten. Das Wetter war nicht so toll, um auf’s Motorrad zu steigen, aber in der Wohnung zu hocken, hatten wir auch keine Lust.

Wir könnten ja ins Kino gehen“, schlug meine Liebste vor.

Gute Idee. Ich gehe gern ins Kino. So mancher Film kommt doch erst auf der großen Leinwand zur Geltung. Dazu haben wir in Hannover ein richtig tolles Kino mit Bedienung am Platz. Das macht Spaß!

Welchen Film wollen wir denn schauen?“, fragte ich.

Weiß nicht“, antwortete sie. „Was läuft denn?“

Wie gut, dass es Internet gibt. Bei Google kennen sie sogar das Kinoprogramm einer so unbedeutenden Provinzhauptstadt wie Hannover.

Batman vs. Superman läuft“, sagte ich.

Hör mir auf mit diesem Marvel-Sch…“, schimpfte meine Frau.

Marvel? Batman ist doch nicht Marvel. Batman ist DC. Ganz andere Baustelle.Außerdem mochtest du die letzten Batman-Filme.“

Ich will aber keine Superhelden gucken!“, schmollte meine Frau. „Und schon gar nicht Marvel!“

Das ist nicht …“ Ruhig bleiben, Michael, dachte ich. Nicht aufregen.

Dschungelbuch läuft auch“, sagte ich. „Ist eine Neuverfilmung von Disney.“

Der ist bestimmt ganz witzig“, entgegnete sie.

Ich hab schon ein bisschen darüber gelesen. Soll teilweise ganz schön gruselig sein.“

Zeichentrick von Disney – gruselig?“

Ist ja kein Zeichentrick. Sind animierte Echtaufnahmen.“

Ach, diese Animationsfilme mag ich auch nicht.“

Okay. Keine Helden, keine Animation. Also kann ich Zoomania auch gleich streichen.

Ich erinnerte mich gerade an meinen letzten Versuch, mit meiner Liebsten ins Kino zu gehen. Der letzte Film von Quentin Tarantino. Den Regisseur findet sie auch nicht schlecht. Dummerweise hat er einen Western gedreht. Ohne Christoph Waltz.

Den möchte ich unbedingt im Kino sehen!“, hab ich damals gesagt. „Kommst du mit?“

Ja, können wir uns anschauen“, war die wenig begeisterte Antwort.

Hey!“, sagte ich. „Django fandest du doch toll.“

Da hat ja auch der Waltz mitgespielt. Den mag ich sowieso.“

Lange Rede – kurzer Sinn! Nach mehreren Anläufen hab ich’s dann aufgegeben. Habe mir jetzt die DVD bestellt und hoffe auf einen Abend, an dem sie Dienst hat, damit ich den Film in Ruhe schauen kann.

Also rätselte ich weiter über dem aktuellen Programm, was man denn am Samstag anschauen könnte.

Wir müssen das ja nicht heute entscheiden“, sagte meine Frau schließlich. „Sind ja noch ein paar Tage hin.“

So blieb mir noch ein bisschen Zeit, das Kino-Programm zu studieren – und zwar von allen Kinos in der Gegend. Man muss ja flexibel sein.

Superhelden und Animation schieden von vornherein aus. Liebesfilm? Nicht meins! Komödie? Ist das Leben nicht eine einzige Komödie? Dafür muss ich nicht ins Kino. Action? Muss ich meiner Liebsten nicht mit kommen. Drama? Bitte nicht. Ich möchte unterhalten werden. und nicht bis zur Mitte des Films darüber nachdenken, warum der Protagonist in den ersten Minuten gestorben ist.

Es war nicht leicht, etwas für uns beide zu finden.

Wir müssen auch nicht ins Kino gehen“, sagte meine Frau dann am Freitag. „Wir waren ja gerade erst.“

Hallo? Das war letztes Jahr vor Weihnachten!“

Sag ich doch! Ist noch gar nicht so lange her.“

Aber du wolltest doch ins Kino!“

Ja, wollte ich“, sagte sie schnippisch. „Wir müssen aber nicht.“

Und so sah unser Samstagabend am Ende aus: Puschen-Kino mit Pizza-Bringdienst, Bier aus dem Kühlschrank, Shopping-Queen und DSDS. Schön war’s. Machen wir wieder!

Von der reinigenden Wirkung neuer Möbel

April 4, 2016

Sie kennen das bestimmt noch von früher, von den Großeltern: „Das ist noch gut. Das kann man bestimmt noch mal gebrauchen. Das heben wir auf!“ Aus der Not geboren, aus den Zeiten, in denen es nichts gab, entstand diese Marotte, die dazu führte, dass Schränke am Ende mit Dingen vollgestopft waren, die man eigentlich bedenkenlos auf den Müll schmeißen konnte.

Diese Tradition hat sich in etwas veränderter Form bis in die Neuzeit gerettet. Man schafft etwas an, weil man glaubt, dass es unheimlich nützlich ist, benutzt es vielleicht ein- oder zweimal, und stopft es dann in irgendeinen Schrank, wo es über Jahre hinweg unsichtbar ist. Aus den Augen – aus dem Sinn.

Eines Tages hat man das Teil wieder in der Hand und fragt sich: „Was war das nochmal? Wo kommt das her?“ Und weil man diese Frage nicht beantworten kann, stellt man es wieder zurück. So fristet dieser Gegenstand sein nutzloses Dasein. Egal, frisst ja kein Brot und kostet nichts.

Anders wird es jedoch, wenn man sich neue Möbel anschafft. So haben wir uns letztens ein neues Schränkchen für die Küche zugelegt, um ein voll gestaubtes Regal loszuwerden. Im Zuge dessen hat sich meine Liebste dann auch gleich an die anderen Schränke gemacht und förderte schließlich eine kleine gelbe Schale mit einer Erhebung in der Mitte zu Tage.

Fragend sah sie mich an: „Was ist das?“

Keine Ahnung“, antwortete ich.

Sieht aus, wie so eine Art Zitronenpresse“, sagte meine Frau.

Könnte man aber auch als Aschenbecher benutzen“, entgegnete ich.

Brauchen wir das?“

Nein!“ Und weg!

Bei dieser Aktion kamen noch einige Küchengeräte zum Vorschein, die ich in den vergangenen sechs Jahren nie gesehen hatte, geschweige denn, dass ich überhaupt wusste, dass wir so etwas besitzen.

Und die Fritteuse kommt auch weg“, sagte meine Frau am Ende. „Die benutzen wir ja auch nie.“

Aber die steht immer noch im Schrank. Die geht ja noch. Könnte man eventuell noch mal gebrauchen.

Die anderen Dinge stehen erstmal im Keller. Wer weiß …

Im Kleiderschrank ist dieses Phänomen übrigens auch häufig anzutreffen. Nicht beim Mann! Der hat zwei Hosen, ein paar Hemden und T-Shirts, die passen. Das wird so lange getragen, bis etwas kaputt geht. Dann kauft Mann sich was neues und schmeißt das alte Teil weg.

Bei einer Frau ist Mode zeitlos. Das heißt: Alles kommt einmal wieder. Also hebt man die Bluse mit Rüschenkragen und 60er-Jahre-Blumenmuster auf. So füllt sich der Schrank bis zum Bersten und Frau steht davor, findet nichts Anziehbares. Also geht sie shoppen. Mit den alten Teilen kann sie ja nicht mehr rumlaufen.

Sie glauben, das ist ein Klischee?

Dann kaufen Sie einen neuen Kleiderschrank! Sie werden sehen, wie recht ich habe.

Auch das haben meine Frau und ich neulich getan: einen neuen Kleiderschrank beschafft.

Während ich meine Klamotten quasi eins zu eins vom alten in den neuen Schrank übertragen konnte, begann meine Liebste – man höre und staune – mit dem Aussortieren alter Kleidung, die sie seit Jahren nicht mehr getragen hatte.

Und siehe: Sie hatte plötzlich wieder Platz im Schrank! Was sie auch sogleich kommentierte: „Hurra, ich kann wieder shoppen gehen!“

In dem riesigen Berg alter Kleidung, den ich dann zu entsorgen hatte, fand ich auch zwei Hosen, die meine Frau bis dahin nie getragen hatte, unschwer an den Etiketten zu erkennen, die noch daran baumelten.

Auf die Frage, warum sie die Hosen niemals getragen hatte, antwortete sie: „Du hast damals so komisch geguckt, als ich sie dir gezeigt habe.“

Ich erinnerte mich. Sie führte mir die Hosen vor und ich nickte anerkennend. Was hatte ich doch für eine tolle Frau. Sie sah wirklich super aus.

Ihre Interpretation des Nickens: „Donnerwetter! Dass du mit deiner Figur da überhaupt reingekommen bist.“ Weil Frauen allgemein sich als eigentlich immer zu dick betrachten.

So verschwanden die Hosen ungetragen im Schrank – vom Umtausch ausgeschlossen, denn irgendwann … Sie wissen, was ich meine!

Die Winter-Verschwörung

Februar 1, 2016

Neulich saß ich mit meiner Frau bei uns in der Markthalle. Wir genossen einen leckeren Lambrusco, als plötzlich jemand an der Tür rief: »Alter, schau dir das an! Geht die Scheiße schon wieder los?«

Ich warf einen Blick aus dem Fenster und sah, dass es zu schneien begonnen hatte. »Es ist halt Winter. Da muss man mit rechnen«, sagte ich laut.

»Winter? Man, du hast ja überhaupt keine Ahnung!«, sagte der Typ und kam zu unserem Tisch. »Aber vom Klimawandel hast du schon gehört, oder?«

»Yepp! Aber es ist dennoch Winter!«, beharrte ich auf meiner Meinung.

»Pass auf! Ich erklär’ dir jetzt mal was«, sagte der Typ, setzte sich an unseren Tisch und nahm einen kräftigen Schluck von meinem Lambrusco.

»Den Winter gibt es schon seit Jahren nicht mehr.«

»Aber es schneit. Wasser kristallisiert aufgrund der Kälte in den Wolken, fällt als Pulver auf die Erde, ist kalt, und wenn du es in die Hand nimmst, schmilzt das Zeug wieder zu Wasser.«

»Das da draußen«, mit dem Daumen deutete er über seine Schulter zum Fenster, »ist kein Schnee, kein Wasser.« Dann beugte er sich nach vorne, legte verschwörerisch seine Hand an den Mund und flüsterte: »Das ist die neue Waffe!«

Aha, dachte ich. Jetzt wird’s aber wirklich verrückt.

»Ich seh’ schon«, sagte der Typ und trank meinen Lambrusco aus, »dir fehlen ein paar Hintergrundinformationen.« Er winkte dem Kellner zu: »Der Herr hier«, dabei deutete er auf mich, »hätte gern noch einen Lambrusco!« Dann lehnte er sich zurück und fragte: »Du hast doch sicherlich schon von Chemtrails gehört, oder?«

Chemtrails! So langsam ahnte ich, in welche Richtung das Gespräch laufen würde.

»Schon zu Kohls Zeiten waren Chemtrails im Gebrauch«, fuhr er fort. »Hätten sich die Bundesdeutschen gegen die Wiedervereinigung gestemmt, wären ihnen die Chemtrails zum Verhängnis geworden. Eine elegante Waffe gegen Regime-Gegner. Und das da draußen ist die Weiterentwicklung!«

»Also wenn das eine Waffe gegen Regime-Gegner ist«, entgegnete ich, »warum schneit es dann hier und nicht in Dresden? Laufen da nicht jeden Montag Tausende auf der Straße herum, die gegen die Merkel sind?«

»Ach, es geht doch schon lange nicht mehr um die Merkel«, winkte er ab und griff nach dem Glas, das mir der Kellner gerade hingestellt hatte. »Die ist doch nur eine Marionette der NWO. Glaubst du wirklich, dass eine ehemalige FdJ-Funktionärin soweit in der Hierarchie hätte aufsteigen können, dass man sie zur Kanzlerin wählt? Alles ein abgekartetes Spiel. Kannste alles im Internet nachlesen.«

Bestimmt. Im Internet kann man eine Menge lesen, das muss aber nicht immer richtig sein.

»Es gibt den Plan der UN, dass die Bevölkerung in Europa, vor allem in Frankreich, Großbritannien und Deutschland, ausgetauscht werden muss. Deswegen kommen jetzt die ganzen Flüchtlingsströme. Und weil wir nicht freiwillig weichen, werden wir halt nach und nach vergiftet.«

»Ein Plan der UN? – Ach was!«, sagte ich.

»Na klar! Das hat der Ulfkotte doch aufgedeckt. Lies den Artikel!«

Ausgerechnet den musste er ins Spiel bringen. Einen Enthüllungsjournalisten, der mehr Fantasie entwickelt als sämtliche Schreiberlinge des großen Springerschen Boulevard-Blattes zusammen.

»Und wir haben halt keine Möglichkeit, uns zu wehren. Weil uns der Status eines legitimen Staates fehlt. Die BRD ist ja eigentlich nur eine GmbH. Frag den Xavier! Der weiß das schon lange.«

»Aber die Waffe würde doch auch gegen die Flüchtlinge wirken, die schon hier sind«, startete ich eine letzten Versuch.

»Nein, nein!« Er schüttelte entschieden den Kopf. »Die wirkt nur im Zusammenhang mit den Impfungen, die man uns aufzwingt!«

Jetzt wurde es richtig schwurbelig. Ich warf einen verstohlenen Blick zu meiner Frau. Rann da schon ein kleiner Blutfaden aus ihrem Ohr? Auch mein Hirn fühlte sich ob des verbreiteten Schwachsinns nur noch wie eine breiige Masse an. Da half nur eines: Flucht!

Ich schob dem Typen mein Glas zu, schnappte meine Frau, rief dem Kellner ein »Er zahlt!« zu und wir verließen fluchtartig die Halle.

Am nächsten Tag erzählten meine Kollegen, dass sie einen Zechpreller festgenommen hatten. Sein Basecap war mit Alu ausgeschlagen und er weigerte sich partout, als Reichsbürger die Gesetze der »angeblichen« Bundesrepublik anzuerkennen.

2016 – ein kleiner Ausblick

Januar 3, 2016

Das alte Jahr ist zu Ende. Für viele Menschen ein Grund zu feiern, für andere wiederum ein Grund, sich sorgen zu machen. Was wird das neue Jahr bringen? Wird es gut? Wird es schlecht? Gott sei Dank kann niemand in die Zukunft sehen und somit bleibt die Zukunft für jeden eine Überraschung. Wirklich niemand?

Es gibt da immerhin die Wirtschaftsweisen, die mit einem gebrauchten Teebeutel über einem ausgedienten C64 pendelnd mehr oder weniger treffsicher das Wirtschaftswachstum prognostizieren können.

So ähnlich müsste es also funktionieren! Da ich keinen Tee trinke, habe ich den Kaffeesatz der letzten drei Wochen gesammelt und über ein umgestülptes Kristallglas verteilt – und tatsächlich: die wichtigsten Ereignisse des Jahres 2016 lagen glasklar vor mir.

Januar: Ein von Maden zerfressener Schweinskopf wird von einer überragenden Mehrheit der RTL-Zuschauer zum neuen Dschungelkönig gewählt. In einer anschließenden Reportage werden ein paar Begründungen genannt. „Naja, der sah eben so ähnlich aus, wie die eine Tussi, die da mitgemacht hat. Das kann man schon mal verwechseln.“ – „Also das was der Schweinskopf so von sich gegeben hat, war weitaus intelligenter als das von den übrigen Promis.“

Daniel Hartwich heiratet Sonja Zietlow.

Februar: Rainer Calmund erklärt, fortan in allen deutschen TV-Kochshows als Juror aufzutreten. Auf die Frage, ob das nicht zu anstrengend sei, antwortet er: „Ich darf halt die regelmäßigen Mahlzeiten, also Frühstück, zweites Frühstück, Mittag, Kaffee und Abend-Buffet nicht vergessen. Ewiges Wachstum hat nun mal seinen Preis.“

März: Bayern macht die Grenzen dicht. In einem Interview erklärt Horst Seehofer: „Bayern ist ein weltoffenes und tolerantes Land. Wir sind ohne Vorurteile. Aber auf das, was derzeit um uns herum passiert, müssen wir reagieren. Aus diesem Grund wurden heute die Übergänge nach Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen und Sachsen geschlossen.“

Als er sich wenige Wochen später zum Prinzregenten des Freien Königreichs Bayern auf Lebenszeit ausrufen lässt, sind seine Ärzte ratlos. Das Volk kommentiert diesen Umstand in etwa mit: „Solang‘ die Moas no‘ voll is‘ – egal.“

April: Nach zähen Verhandlungen gelingt es Gerhard Schröder, für Putin in Ankara eine Tochterfirma der Gazprom AG ins Leben zu rufen: ERDOGAS!

Mai: Der Autor dieses Textes hat Geburtstag. Da sich dieses sinnlose Ereignis zum fünfzigsten Mal jährt, wird er diesen Tag nicht zu Hause verbringen, sämtliche Facebook-Kommentare ignorieren und mit ein bis zweiunddreißig Hopfen-Smoothies in sich selbst versinken.

Juni: Joachim Llambi hat die Schnauze voll. Mit den Worten „Ich kann es nicht mehr hören!“ springt er im Halbfinale von „Let’s Dance“ auf und umwickelt den Kopf von Jorge Gonzalez in Mundhöhe mit mehreren Lagen Gaffa-Tape. „Dieser unsägliche Akzent ist allenfalls mit null Punkten zu bewerten“, sagt er vor laufender Kamera. Anschließend bildet er Jorge zu seiner Tanzpartnerin aus und lässt sich von Motsi Mabuse zum Gewinner dieser und der kommenden Shows küren. „Dann hört endlich dieses talentlose Gehopse von den Möchtegern-Kandidaten auf. Das kann man sich auf Dauer nicht ansehen“, gibt er später gegenüber der GALA an.

Daniel Hartwich heiratet Sylvie Meis. Sonja Zietlow ist stinksauer. In einem „Hart-aber-fair!“-Promi-Spezial findet Frank Plasberg nur eine Lösung: Günther Jauch! Dieser schafft es in einer dreistündigen Life-Diskussion, Pastor Jürgen Fliege als Eheberater einzusetzen. Fliege rät Hartwich, zu den Mormonen zu konvertieren, falls ihm nochmal eine Moderatorin gefallen sollte. Daniel Hartwich lässt seinen Bart wachsen.

November: Donald Trump verliert mit Pauken und Trompeten die Präsidentschaftswahlen in den USA. Als Folge gründet er die FSA, die Freien Staaten von Amerika und erklärt Washington den Krieg. Da die US-Armee allerdings im Nahen Osten beschäftigt ist, einigt man sich auf eine Runde Schach, die Donald Trump mit Pauken und Trompeten verliert. Er schreibt eine Eingabe an den Weltschachverband und fordert die Freigabe von Schusswaffen während eines Turniers.

Dezember: Dieter Bohlen und Bruce Darnell gründen Modern Talking II und gewinnen das Finale vom Supertalent. Thomas Anders ist stinksauer – Frank Plasberg, Günther Jauch und Jürgen Fliege ratlos.

Daniel Hartwich heiratet Inka Bause.

31. Dezember: Am Strand von Puntilla, La Gomera, trifft sich eine Wandergruppe um bei mehreren Flaschen Vino tinto halbesoterische Protestlieder zur Gitarre zu singen. – Alles wird gut!