Ein Zeichen setzen!

November 4, 2019

Manchmal habe ich das Gefühl, ich lebe in einem Irrenhaus. Bewohnt von hysterischen Menschen, die reflexartig zu jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit Floskeln wiederholen. Und die, die das abstellen könnten, also quasi die behandelnden Ärzte, haben offenbar vergessen, selbst ihre Medikamente zu nehmen.

Der Donald ist gerade dabei, seine GIs aus Syrien abzuziehen. Das nimmt der Irre vom Bosporus nun zum Anlass, den Genozid an den Kurden zu vollziehen. Und was passiert hier? Ein Aufschrei! „Wir müssen ein Zeichen setzen gegen den Krieg!“

Unsere Führung beschließt, künftig keine Waffenexporte in die Türkei mehr zu genehmigen. Die bereits genehmigten werden natürlich geliefert. Hä? Was ist das denn für eine Moral?

Leute, so ein Geschäft kann man auch stornieren!

Aber die Waffen sind zum Teil ja schon gebaut, der Rest in Auftrag gegeben.“

Dann gebt sie der Bundeswehr! Ich hab gelesen, die hätten Probleme mit ihrer Ausrüstung.

Vor einigen Tage lief ein irrer Psychopath durch Halle und wollte mit selbstgebauten Waffen eine Synagoge überfallen. Das hat er zum Glück nicht geschafft, aber zwei Menschen sind ihm dennoch zum Opfer gefallen.

Und wieder geht ein Aufschrei durch das Land: „Wir müssen ein Zeichen setzen gegen Rechts!“

Ich weiß nicht, ob das nur mir so geht, aber ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass wir diese Zeichen andauernd setzen? Nach dem Mord an dem Regierungspräsidenten Walter Lübke, nach den NSU-Morden, nach den Wahlsiegen der AfD im Osten und, und, und …

Irgendwie erscheint mir „Zeichen setzen!“ nicht das richtige Instrument zu sein.

Vor einigen Wochen forderte ein knödelnder Sänger, der schon lange in London lebt, man müsse der Gesellschaft ihre Meinung „diktieren!“ Und die Presse jubelt. Liebe Presse, diktieren und Diktatur haben nicht nur zufällig den gleichen Wortstamm! Schon mal darüber nachgedacht? Für mich ist das übrigens auch ein Zeichen. Leider kein gutes!

Aber ich will nicht unfair sein. Natürlich wird auch etwas getan. Die Bundesregierung will jetzt beschließen, dass der Datenschutz aufgeweicht wird, dass die Netzüberwachung auch auf Gaming-Portale ausgeweitet wird. Und Beleidigung im Internet soll härter bestraft werden.

Fehlt da nicht noch was? Richtig. Diesmal musste ich jedoch vier Tage warten, bis Frau Krampf-Knarrenbauer es endlich ausgesprochen hatte: „Wir müssen das Waffenrecht verschärfen!“

Das ist genau mein Humor! In Deutschland sterben zwei Menschen durch eine illegal beschaffte Waffe, die durch eine Verschärfung des Waffenrechts immer noch illegal ist, und in Syrien sterben Tausende Kurden durch legal verkaufte deutsche Waffen.

Stellen Sie sich mal vor, ein Satiriker käme auf eine solche Idee. Dem würde doch das Publikum weglaufen.

Auch zu anderen Themen werden bei uns Zeichen gesetzt, für die Umwelt beispielsweise oder das Klima.

Nach Greta und „Fridays for future“ macht nun eine neue Gruppierung auf sich aufmerksam: Extinction Rebellion! In einer weltweiten Aktion wurden in vielen großen Städten Hauptverkehrsknoten oder -adern besetzt und über Stunden blockiert. Dabei gab man sich fröhlich und ausgelassen. Es wurde gesungen, geklatscht, stellte allerlei Kleinkunst zur Schau oder drehte sich einfach wie ein bekifftes Känguruh in einem Steinkreis.

Was für ein Zeichen! Allein auf dem Berliner Alexanderplatz war es 11,5 Kubikmeter groß! Soviel Sperrmüll hatten die Jungs und Mädels den Berliner Stadtwerken bereits am ersten Tag ihrer Aktion hinterlassen. Alles für das Klima!

So etwas verwirrt mich. Ich bin angehalten, meinen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten, soll weniger oder besser noch gar kein Fleisch essen. Ich soll mein Plastik nicht ins Meer schmeißen, obwohl ich gar nicht am Meer wohne, und CO2 einsparen durch weniger Autofahren.

Angesichts dieser Berliner Aktion bin ich überfordert. Was ist richtig? Was ist falsch?

Doch Hilfe naht durch unsere Bundesregierung und ihr Klimapaket. Mutti hat es wie immer gerichtet: Das Paket spart zwar nicht eine einzige Tonne CO2 ein, aber es generiert Geld. Geld, das man dann in wichtige Projekte stecken will. Ich hätte da sogar zwei Ideen: Polizei und Justiz. Mehr Personal und bessere Sachausstattung. Dann müsste man nicht immer nur ein Zeichen gegen Rechts setzen – man könnte auch etwas tun.

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