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Lebenselixier

August 5, 2019

Jeder hat diese eine Person im Bekanntenkreis, die da sagt: „Oh! Für einen richtig guten Tee, könnte ich sterben.“

Abgesehen davon, dass dieser Satz völlig sinnbefreit ist, frage ich mich jedesmal: Was stimmt mit diesen Menschen nicht? Um etwas Gutes zu bekommen, gleich sterben, heißt doch nichts anderes, als es nicht genießen zu können. Und dann auch noch für Tee?

Für einen guten Kaffee könnte ich töten!“ Ja! So hat der Satz einen Sinn! Und morgens muss der Kaffee noch nicht mal gut sein – Hauptsache, es ist Kaffee!

Vor einiger Zeit hatte ich mich dazu überreden lassen, einen sogenannten „nachgezogenen Frühdienst“ zu machen – ein Frühdienst, bei dem man drei Stunden später anfängt und vier Stunden später aufhört. Bekloppt – ich weiß! Aber was tut man nicht alles, um seine Vorgesetzten zufrieden zu stellen.

Ich stehe also kurz vor Dienstbeginn in der Küche und werfe die Senseo an, da kommt ein Kollege rein, guckt mich an und sagt: „Gute Idee! Ich glaube, ich mach mir auch mal ’nen schönen Kaffee.“

Wir unterhalten uns weiter und beiläufig erwähnt der Kollege, dass das sein erster Kaffee heute sei. Da wäre mir meiner fast aus der Hand gefallen. Der hat schon drei Stunden Dienst hinter sich gebracht, ohne einen einzigen Kaffee zu trinken? Wie ist der überhaupt hierher gekommen? Ich hab schon zwei Kaffee getrunken, bevor ich losgefahren bin. Ohne morgendlichen Kaffee würde ich noch nicht mal meine Wohnungstür finden – von innen!

Bei den jetzigen sommerlichen Temperaturen fragte mich neulich ein Kollege: „Wie kannst du dir bei diesem Wetter nur so’n heißes Zeug in den Balg schütten?“ Dieser Kollege hat Kaffee definitiv nicht verstanden!

Außerdem schütte ich nicht – ich genieße!

Leider gibt es auch Kritiker dieses wunderbaren Lebenselixiers. Die hauen solche Sätze raus wie: „Zuviel Kaffee ist ungesund!“ Aber das wusste schon Paracelsus: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.“

Da war ich sehr froh, dass vor kurzem eine neue Studie über Kaffee veröffentlicht wurde, die in ihrem Kern folgende Aussage trifft: Bis zu 25 Tassen Kaffee am Tag, schaden der Gesundheit nicht!

Das nimmt den Kritikern den Wind aus den Segeln. Und 25 Tassen Kaffee am Tag schaffe selbst ich nicht. Dann wäre bei mir auch der Eichhörnchen-Modus erreicht: Auf Zack, andauernd in Bewegung, aber ich vergesse ständig, was ich eigentlich machen wollte!

Bei aller Liebe zum Kaffee, jeden Trend mache ich dennoch nicht mit. „Coffee to go“ zum Beispiel finde ich ganz grausam. „Coffee to sit“ ist viel besser. Wie gesagt: Ich will mir das Getränk nicht rein schütten, sondern in jedem Zug genießen. Okay, nicht in jedem. Der Kaffee der Deutschen Bahn ist ungenießbar!

Und bei einem dieser amerikanischen Pappbecher und Plastikdeckel-Verschwender kriegt man einen Chai-Vanille-Latte mit gerösteten Curcuma-Samen für 8,- Euro, der bestenfalls so schmeckt, als hätte er mal neben einem richtigen Kaffee gestanden. Also wirklich, muss das sein?

Oder kennen Sie Kobi Luwak? Das ist eine Kaffeesorte aus Indonesien und wahrscheinlich die teuerste der Welt. Da wird die Kaffeebohne zunächst von einer bestimmten Affenart gefressen und durch die Verdauungsenzyme fermentiert. Ich bin ja schon froh, dass man den Affen erst einmal die Gelegenheit gibt, die Bohne wieder auszuscheiden, und nicht den Affen mit der Bohne in die Kaffeeemühle … Möchte ich gar nicht dran denken.

Und wie müssen die Menschen drauf sein, die die Köttel dieser Affen aufsammeln und da die Bohnen wieder raus … Oder hauen die die Bohnen mit den Kötteln in die Mühle? Nicht drüber nachdenken! Für den Geschmack kommt der Mensch ja auf die komischsten Ideen.

Fair Trade Kaffee ist auch so eine neumodische Erscheinung, an die die Menschen glauben. Der Kaffeebauer bekommt 20 bis 50 Cent mehr für den Sack Bohnen, und wir zahlen 2,- Euro mehr pro Pfund. Geil, oder? Wir werden verarscht und dem Kaffeekonzern ist das völlig Latte, weil er mehr Kohle macht. Absolut fair, sowohl für den Bauern als auch für den Verbraucher.

Und neulich fand ich in einem Supermarkt „Bio-Kapselkaffee“! Was ist an Kaffeekapseln umweltverträglich? Sind die Kapseln aus Öko-Plastik? Oder aus Bio-Aluminium? Aber es ist egal. Der Kunde, der Mensch, kauft das. Weil da „Bio“ drauf steht und der Verbraucher an sich doof ist! Darauf mache ich mir erst einmal einen Kaffee – aber diesmal mit Schuss!

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