Archive for Juni, 2019

Grüße aus dem Irrenhaus

Juni 3, 2019

Mal wieder Nachrichten geschaut. Sollte man das tun? Ich weiß es nicht, aber ich wollte erfahren, ob es außer dem Klimawandel noch andere weltbewegende Themen gibt. Aber aus der Glotze schaut mich Greta mit traurig-zornigen Augen an. Das Bild wechselt. Der einsame Eisbär, der es seit den 80ern nicht von seiner Scholle geschafft hat, treibt durch das Bild. Im Hintergrund liest Claus Kleber mit brüchiger Stimme vor, dass eine Million Tierarten vom Aussterben bedroht sind – als Folge des Klimawandels.

Eigentlich nichts neues. Der Club of Rome hat uns schon in den 70er Jahren versprochen, dass die Hälfte aller Tierarten bis 2010 ausgestorben sein wird. Jetzt haben wir 2019. Und was ist passiert? Inzwischen tauchte ein Meeresforscher auf den Grund des Marianengrabens und entdeckt zwei neue Tierarten. So wird das nichts! Immerhin hat er auch eine Plastiktüte gefunden. Das macht Hoffnung.

Äääähhh – Moment!

Nein. Natürlich müssen wir etwas tun. Es kann so nicht weiter gehen, denn wir leben über unsere Verhältnisse und schaden unserer Umwelt.

Das Monster unserer Zeit ist das CO2, ein unsichtbares Gas, dass zu 0,038% in unserer Atmosphäre dümpelt, wovon 96% natürlichen Ursprungs aus den Weltmeeren stammt. Ich will jetzt nicht die alte Rechnung aufmachen, wie viel Anteil an der Atmosphäre wir überhaupt beeinflussen, wenn wir unseren CO2-Ausstoß reduzieren (und an China verkaufen). Nein, ich bleibe beim allgemeinen Konsens, dass wir unseren CO2-Ausstoß reduzieren müssen.

Nur wie? Auf das Auto kann ich leider nicht verzichten. Ich arbeite viel nachts und am Wochenende – wenn unsere Straßenbahnen ihren Betrieb extrem eingeschränkt haben. Unter der Woche und am Tage nutze ich natürlich das Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs.

Und dazu kommt gerade die persönliche Katastrophe: Seit einigen Tagen ist unser Aufzug defekt und meine CO2-Bilanz im Ar… Wir wohnen im fünften Stock. Das ist nicht witzig, liebe Leser! Man lacht nicht über Dicke!

Also das mit dem CO2 und dem Klima überlasse ich dann lieber anderen, zum Beispiel unserer Jugend. Die haben schon bewiesen, dass sie es können. Am Freitag, dem 3. Mai, marschierte „Friday for future“ durch die deutschen Innenstädte. Unter anderem hatte ein Mädchen ein Pappschild mit der Aufschrift: „Oma! Zeig mir einen Schneemann!“ dabei. Samstag, den 4. Mai, fuhr vielerorts der kommunale Räumdienst durch die Gegend, um die Straßen zu pökeln.

Geht doch!

Während in China ein Kohlekraftwerk nach dem nächsten aus dem Boden gestampft wird, haben Umweltaktivisten und Berufsdemonstranten in Deutschland den Hambacher Forst gerettet. Hambi! Ein klitzekleines Wäldchen am Rande eines Braunkohleabbaus. Aber ein Riesensymbol für die Umwelt- und Klimaschützer. Dass RWE am anderen Ende des Abbaugebietes bereits das Mehrfache wieder aufgeforstet hat – völlig irrelevant.

Dass in Deutschland 2018 die dreifache Fläche des Hambi an Wald gerodet wurde, will auch keiner wissen. War ja auch für den guten Zweck der CO2-Vermeidung. Dort hat man Windräder aufgestellt! Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen: Anstatt die Pflanzen, die CO2 verarbeiten und in lebenswichtigen Sauerstoff verwandeln, zu erhalten, werden sie umgeholzt, um CO2-vermeidende Windräder zu installieren. Krass!

Jetzt kann mir so ein Öko-Verfechter gerne vorrechnen, dass ein Windrad mehr CO2 vermeidet, als das kleine Stückchen Wald, das es braucht, verarbeiten kann. Aber der lässt wieder den Brasilien-Faktor außer acht.

Das ist hip und machen unsere Europa-Grünen auch. Einer ihrer Slogans lautet: „Wer die Welt retten will, muss auf dem eigenen Kontinent anfangen.“ Deswegen ist es für sie auch nur dezent relevant, dass für europäische CO2-Vermeider hektarweise brasilianischer Urwald brandgerodet wird. Die neuen Balsaholz-Plantagen sind eben zwingend notwendig für Windräder.

Das konnten wir früher schon. Für den Bioethanol! Plantagen auf Borneo und Sumatra. Das muss der Orang-Utan verstehen. Wir wollen die Welt retten! Also weiche von uns! Stirb endlich aus, so wie es der Club of Rome gesagt hat! Ist doch für einen guten Zweck. Und für Nutella!

Inzwischen glaube ich, dass das Klima gar nicht unser Problem ist. Unser Problem ist der Fachkräftemangel – vor allem in der Politik. Wenn wir den beseitigt haben … ich möchte da gar nicht drüber nachdenken.

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