Gesundheit

Juni 5, 2017

Das höchste Gut, das wir besitzen, so propagieren es zumindest unsere Politiker, ist die Freiheit. Nur was nützt es mir, frei zu sein, wenn ich nicht gesund bin und meine Freiheit genießen kann?

Dann haben Sie immerhin die Freiheit, Ihren Arzt zu wählen“, würde jetzt ein Politiker antworten. Ach ja? Ob das so stimmt?

Neulich ereilte mich eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse. Erst wurde sie dick, dann fing sie an, weh zu tun. Ich fuhr also zu meiner Hausärztin, die ich mir immerhin frei gewählt hatte, um mich untersuchen zu lassen. Nur leider war sie nicht da, so dass ein anderer Arzt der Gemeinschaftspraxis sich meiner annahm.

Das ist entzündet!“, stellte er fachkundig fest und verschrieb mir als erstes ein Antibiotikum und Ibuprofen. Dann stellte er mir noch eine Überweisung an einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aus und trug seiner Sprechstundenhilfe auf, mir sofort einen Termin dort zu verschaffen.

Der Wunsch-HNO des Arztes hatte natürlich geschlossen, so dass sie mich an einen anderen verwies, mit der Auflage, sofort dort vorzusprechen, weil die Praxis auch gleich schließen würde – so in etwa fünf Minuten.

Etwa zwanzig Minuten später stand ich dann vor der dortigen Sprechstundenhilfe, die mir sagte: „Das dauert aber mindestens zwei Stunden, bis Sie dran sind.“

Auf die Frage, ob ich zu Hause warten könne, keine zwei Minuten Fußweg von hier entfernt, antwortete sie mir: „Nein, wir schließen ja gleich ab. Wenn Sie rausgehen, kommen Sie heute nicht mehr rein.“ Also ergab ich mich meinem unfreiwilligen Schicksal.

Nach etwa zweieinhalb Stunden wurde ich aufgerufen und stand – der eigentliche Arzt dieser Praxis hatte Urlaub – vor einer Vertretungsärztin, die mit fachkundiger Miene feststellte: „Das ist entzündet!“

Ach was!

Danach tastete sie ein bisschen auf der Schwellung herum und meinte dann: „Das könnte ein Stein sein oder eine Zyste. Genaueres kann ich erst nach einer Ultraschallaufnahme sagen. Ich stell‘ Ihnen mal eine Überweisung aus und dann müssen Sie ein bisschen rumtelefonieren, damit das so schnell wie möglich erledigt wird.“

Gesagt, getan! Es gibt ja einige radiologische Praxen in der Umgebung. Das sollte zu schaffen sein. Am Ende des Tages hatte ich dann die Gewissheit: Der früheste Termin für eine Ultraschallaufnahme war in sechs Wochen!

Immerhin sprach das Antibiotikum an und die Entzündung ging zurück. Bis letzte Woche, da flammte sie wieder auf und wurde sogar noch ein bisschen schlimmer. Also wieder zum Arzt. Aber kann der Hausarzt helfen? Soll ich gleich beim HNO anrufen und mir sagen lassen: „Kommen Sie übermorgen vorbei!“

Ich entschied mich für die Ambulanz der HNO-Klinik in unserer Nähe. Nach nur viereinhalb Stunden – es war wenig los – stand ich einer jungen Ärztin gegenüber, die völlig verblüfft war, dass mein Spezialist zu Hause nicht in der Lage ist, eine Ultraschalluntersuchung zu machen.

Das machen wir gleich“, sagte sie mir.

Also muss ich dann rüber in die Radiologie?“, fragte ich.

Nein, nein“, sagte sie lachend. „Wir gehen nach nebenan. Da steht das Ultraschallgerät.“

Nach fünfzehn Minuten war ich im Bilde: Eine Zyste hatte sich in der Ohrspeicheldrüse gebildet und dann entzündet. Und weil sie sich zum zweiten Mal entzündet hatte, wurde ich auch gleich stationär aufgenommen: Drei Tage lang bekam ich nun das Antibiotikum intravenös verabreicht, morgens, mittags, abends. Wahrscheinlich konnte man mit meinem Blut einen ganzen Watussi-Stamm von Ebola heilen.

Tja, und irgendwann kommt dann die operative Entfernung der Zyste. Das hätte vielleicht auch schon eher erfolgen können, wenn … Tja, wenn!

Liebe Politiker, anstatt als Reaktion auf einen durchgeknallten Unifomträger mit unschönen Plänen in völliger Freiheit jeglicher Sachkenntnis eine ganze Truppe zu verurteilen und Bilder eines verdienten Bürgers als Namensgeber einer Bundeswehr-Universität abzuhängen, weil sich jemand an der Uniform stoßen könnte: Wir wäre es mal mit einer wesentlichen Verbesserung unserer Gesundheitsversorgung? Mehr Ärzte, mehr Diagnose-Technik. Da muss dringend was getan werden.

Und am Krankenhaus-Kaffee könnte man auch arbeiten. Der ist extrem verbesserungswürdig.

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