Interview mit Santa

Dezember 1, 2016

Irgendwo am Nordpol. Eine kleine Hütte, in deren Wohnzimmer das Feuer im Kamin prasselt. Aus der Küche erklingen geschäftige Geräusche. In den beiden Sesseln vor dem Kamin sitzen der Weihnachtsmann und ein Reporter.

Herr Weihnachtsmann“, beginnt der Reporter.

Ho, ho, ho! Nennen Sie mich doch einfach Santa“, lacht der Weihnachtsmann.

Okay, Santa“, erwidert der Reporter. „Bald beginnt ja Ihre große Zeit. Wie bereiten Sie sich darauf vor?“

Die Vorbereitungen mache ich nicht. Dafür habe ich meine Wichtel.“

Claus?“, tönt eine weibliche Stimme aus der Küche, „Warst du mit Rudolf schon beim Veterinär-Wichtel?“

Natürlich!“, ruft der Weihnachtsmann zurück. „Also ein paar Kleinigkeiten muss ich schon selbst erledigen“, sagt er dann zum Reporter.

Was motiviert Sie, jedes Jahr in einer Nacht um die ganze Welt zu reisen?“

Haben Sie sich schon mal das Gesicht eines Kindes gesehen, dass die ganze Nacht auf mich gewartet hat und dann am Morgen ein Geschenk unter dem Weihnachtsbaum findet?“

Nein. Sie?“

Nein! Wie soll ich denn? Ich muss ja weiter! Aber ich stell es mir einfach vor.“

Also haben Sie nie diese leuchtenden Kinderaugen gesehen?“

Doch, doch! Ab und an fahre ich hinaus in die Welt und schaue mir Kinder an ihren Geburtstagen an. Da sehe ich dann …“

Claus?“, tönt es aus der Küche, „Hast du deinen Mantel aus der Reinigung geholt?“

Hab ich!“, brummelt der Weihnachtsmann.

Aber in einer Nacht um die ganze Welt zu reisen, bedeutet doch sicherlich auch Stress, oder nicht?“, fragt der Reporter.

Na ja“, antwortet Santa Claus, „die Weihnacht hat ja etwas magisches. Und soll ich Ihnen was verraten?“

Gerne! Was denn?“

Natürlich benutze ich Magie! Oder dachten Sie, Rentiere können wirklich fliegen? Hohoho! Überlegen Sie mal, wie ein so beleibter Mann wie ich durch einen Kamin rutschen kann.“

Da haben Sie Recht. Das ist mit Physik nicht zu erklären.“

Claus?“, tönte es wieder aus der Küche, „hast du auch alle Wunschzettel gelesen? Erinnere dich an den kleinen Kevin im letzten Jahr!“

Ja doch!“, rief Santa Claus zurück. „Verdammt noch mal! Das war auch eine Sauklaue von dem Jungen – und voller Fehler. Oder wissen Sie was eine Blehsteeschen ist?“

Santa Claus! Du bist ein braver Mann. Und als solcher sollst du nicht fluchen!“, keift es aus der Küche.

Ja, doch!“, seufzt Santa. „Na, ja, vielleicht muss ich im nächsten Jahr nicht mehr die ganze Welt bereisen.“

Warum das?“

Schauen Sie doch mal in die USA! Wer weiß denn schon, was diesem neuen Präsidenten so alles einfällt?“

Aber Sie! Santa Claus! Sie sind doch eine ur-amerikanische Figur!“, erwidert der Reporter.

Ich wohne aber am Nordpol. Nachher hält mich dieser Typ für einen illegalen Einwanderer. Oder befürchtet einen Luftangriff. Weiß man das?“

Na ganz so schlimm wird es wohl nicht kommen“, wendet der Reporter ein.

Claus? Hast du den Schlitten geputzt?“, erschallt die Frage aus der Küche.

Ja! Verd … „

Claus! Du sollst nicht fluchen!“

Kommen Sie mal mit“, sagt der Weihnachtsmann, steht auf und geht zur Tür. „Ich muss Ihnen draußen was zeigen.“

Draußen angekommen holt Santa Claus tief Luft: „So! Jetzt mal Klartext. Sie haben es ja eben erlebt: Claus, mach dies. Claus mach das. Hast du schon! So geht das das ganze Jahr. Tagein, tagaus. Und deswegen freue ich mich auf Weihnachten. Das hat nichts mit Helfersyndrom oder leuchtenden Kinderaugen zu tun. Ich will einfach nur eine Nacht im Jahr meine verdammte Ruhe haben!“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: