Du hast die Wahl

August 29, 2016

Am Sonntag, dem 11. 09. 2016, ist es wieder so weit: Jeder Niedersachse im wahlfähigen Alter ist aufgefordert, sein Kreuzchen auf einen Zettel zu machen und diesen dann in einer Urne zu versenken.

Vielen geht es dabei wie den beiden Fischen, die sich irgendwo im Meer treffen. Da fragt der Walfisch den Thunfisch: „Was soll ich tun, Fisch?“ Und der Thunfisch sagt zum Walfisch: „Du hast die Wahl, Fisch!“

Mancher wird sich sagen: „Es ist ja nur eine Kommunalwahl.“ Aber so einfach ist das nicht. Bei einer Landtagswahl kann man als eingefleischter CDU-Wähler auch weiterhin seine Partei wählen. Bei der Bundestagswahl ist es sogar noch einfacher: Egal, wie man sein Kreuz setzt, es wird sowieso die Mutti aus der Uckermark.

Bei unseren Kommunalpolitikern ist das jedoch etwas anderes. Sie unterliegen nicht unbedingt den Zwängen ihrer Partei. Und so wird aus einem CDU-Mann plötzlich ein Linker und aus einem grünen Bürgermeister ein akzeptabler Linksaußen der CDU. Man will ja schließlich nur das beste für seinen Ort.

Und diesmal hat auch die FDP erkannt: „Deutschland wird vor Ort entschieden!“ Als ob die FDP in der Lage wäre, Entscheidungen mitzugestalten. Erinnern Sie sich noch an diesen Splitterverein? Da war mal was, ja. Doch das ist lange her.

Damit wir uns entscheiden können, haben die Parteien, die sich zur Wahl stellen, natürlich weder Kosten noch Mühen gescheut, um uns über ihre Programme und Planungen aufzuklären. In erster Linie erfolgt das über Plakate. Schon Loriot wusste: „Der beste Platz für Politiker ist das Wahlplakat. Dort ist er tragbar, geräuschlos und leicht zu entfernen.“

So lächeln uns von diesen Plakaten Menschen an, denen wir das Schicksal unserer schönen Stadt in die Hände legen sollen, aber jederzeit den Zutritt zu unserer Wohnung verwehren würden. Verrückt!

Genauso verrückt wie so mancher Slogan, der uns von den Plakaten entgegenschlägt. So wird zum Beispiel eine Alternativ-Partei in Langenhagen mit „Wir sind gegen die Arroganz des Rates!“ Okay. Das kann ich akzeptieren. So mancher Ratsherr kommt einem tatsächlich etwas überheblich daher. Aber der Spruch geht noch weiter. Man ist nicht nur gegen die Arroganz des Rates sondern auch gegen „die Ignoranz des Bürgerwillens!“

So, so! Die geneigten Damen und Herren dieser Partei halten mich also für ignorant und wollen trotzdem, dass ich sie wähle? Was wollen die gegen meine Ignoranz unternehmen? Mich zu Ratssitzungen zwingen? Unter Polizeibegleitung in den Ratssaal führen? Oder meinen die doch etwas anderes, sind aber des Deutschen nicht so ganz mächtig? Man weiß es nicht. Aber auch diese Partei wird ihre Wähler haben.

So reiht sich derzeit Slogan an Slogan. Der eine oder andere ringt mir dann auch ein Lächeln ab. Neulich wurde es allerdings gefährlich. Man kann ja gar nicht umhin, als ständig auf irgendwelche Plakate zu schauen. Sie ziehen die Blicke magisch an.

Neulich fuhr ich an einem Wahlplakat der Piraten vorbei. Da stand drauf: „Für mehr Fachkompetenz in der Kommunalpolitik!“ Meine Gedanken reisten zurück in jenes Jahr, als die Fraktion der Piraten im Rat der Stadt Berlin allen Ernstes die kleine Anfrage startete, inwieweit die Stadt auf eine Zombie-Apokalypse vorbereitet sei. Da fragte ich mich: „Welche fachliche Kompetenz ist da gemeint? Okay. Politik kann manchmal der reine Horror sein, aber so?“

Am Ende war es nur der Aufmerksamkeit und des wilden Hupens eines anderen Verkehrsteilnehmers zu verdanken, dass ich keinen Unfall gebaut habe. Aber ich war dem Bordstein schon verdammt nahe gekommen. Auf einer stark befahrenen Straße sollte man vielleicht doch das plakatieren verbieten.

Wie dem auch sei, es ist mal wieder spannend in den Städten. Nicht nur plakat-mäßig. Info-Stände schießen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Wer also immer noch nicht weiß, wen oder was er wählen soll, kann sich da informieren. Vielleicht wird ihm ja geholfen.

Zum Schluss noch ein kleiner Tipp: Auch wenn Ihnen diese Wahl wieder mal auf die Nerven geht, gehen Sie trotzdem hin. Denn nur wer wählt, darf sich auch über die Politiker, die er nicht gewählt hat, beschweren – meinetwegen auch über die, denen er seine Stimme gegeben hat.

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