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Eine Stadt im Taumel

Juni 20, 2016

Es war einmal ein nubischer Prinz, der nicht müde wurde, die Errungenschaften seines zivilisierten Reiches in alle Welt zu tragen, auf dass es den Menschen besser ergehe. Und so bestieg er eines schönen Tages seinen fliegenden Teppich um einer fernen Provinz und seiner holden Herrscherin seine Aufwartung zu machen.

Die Prinzessin aus der Provinz, nicht weniger müde anderen zu gefallen, versammelte ihrerseits sämtliche Gelehrten ihres Landes und anderer Reiche um sich, um den Nubier gebührend zu empfangen und mit allerlei Ausgeklügeltem zu beeindrucken.

Als der Prinz dann seinen Teppich in der fernen Provinz zu Boden gleiten ließ, jubelte das Volk ihm zu und alle waren glücklich.“

So oder ähnlich müsste es klingen, hätte Wilhelm Hauff die Ereignisse beschrieben, die sich kürzlich in unserer beschaulichen Landeshauptstadt Hannover abgespielt haben. Barack Obama, die am besten geschützte Person der Welt, gab sich ein Stelldichein, um mit Mutti die Industrie-Messe zu eröffnen.

Na ja, holde Prinzessin ist in diesem Rahmen vielleicht übertrieben, aber den nubischen Prinzen kann man Barack durchaus abkaufen.

Und die Stadt war im Taumel, die einen bekamen sich vor Begeisterung nicht mehr ein, andere waren der Ohnmacht nahe. Wie sollte man das nur bewerkstelligen? Schon Monate vorher traten die ersten Planungsstäbe zusammen. Hinter verschlossenen Türen machte man sich Gedanken, wie diesem Ereignis zu begegnen sei. Pläne wurden geschmiedet, wieder verworfen, neu entwickelt, um am Ende vom Secret Service abgelehnt zu werden.

So auch bei der Polizei. Unter den gestrengen Augen des Polizeivizepräsidenten von Hannover, trat der Stab zusammen und begann Einsatzszenarien zu entwerfen, Sperrzonen einzurichten und mehr oder weniger hilfreiche Informationsschreiben für die Bevölkerung zu entwickeln. Das Ganze natürlich so geheim, dass selbst ich, der seinen Dienst im Nebenraum des Stabes versieht, bis zum Tag X nicht mitbekam, was da geplant wurde, obwohl es auch meine Arbeit unmittelbar berührte.

Selbst die BILD-Zeitung benötigte doch mehr als acht Stunden, um in Erfahrung zu bringen, in welchem Hotel El Presidente nun zu nächtigen gedachte.

Apropos Zeitung. Natürlich waren auch die Medien voll von diesem Ereignis. Wochenlang schien es kein anderes Thema in Schrift, Ton und Film zu geben.

Am Ende die Ernüchterung. Zwar gelang es noch vielen Plane-Spottern das heißbegehrte Foto vom Einflug der Airforce One zu ergattern, doch das war’s dann auch. Die heroische Maschine auf einem Provinzflughafen neben einer Baugrube abgeparkt, das Wetter scheiße und das Empfangskomitee angeführt von unserem Ministerpräsidenten in einem schlecht sitzenden alten Mantel. Hat Barack das wirklich verdient? Immerhin gelang ihm beim Aussteigen noch ein Lächeln.

Der Rest war wie immer: Reden, Essen, Fahren, Reden, Essen, Schlafen, wieder Fahren, Reden, Essen und Abflug. So langsam ging es dem Bürger auch auf die Nerven. Man beschwerte sich, dass man nicht weiterkam, weil Strecken oder ganze Areale abgesperrt waren. Aber die Krönung dessen war folgendes Telefonat:

Polizei, Notruf!“

Ja, Meier, guten Tag. Sagen Sie mal, warum fliegen denn hier seit einer halben Stunde Hubschrauber über meinem Garten in Alt-Garbsen. Das nervt so langsam.“

Schauen Sie Nachrichten, Herr Meier?“, fragte ich.

Nein! Warum?“

Barack Obama ist in der Stadt!“

Schweigen

Wer?????“

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama eröffnet heute die Industrie-Messe Hannover. Und er hält sich gerade in Ihrer Nähe auf. Deswegen die Hubschrauber.“

Aber da hätte man mich ja mal informieren können.“

Herr Meier, seit Wochen berichten die Medien über nichts anderes. Wenn Sie das nicht mitbekommen, kann ich Ihnen leider auch nicht helfen.“

Was hatte er sich vorgestellt? Dass 1000 Polizisten Tage vorher durch die Stadt stromern und bei jedem Klingeln, um ihn zu informieren.

Okay, vielleicht beim nächsten Mal. Dann ist es ja auch nicht mehr Obama sondern eventuell Trump. Da könnte es sogar sinnvoll sein, jeden zu warnen.

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