Archive for Februar, 2016

Heinz, der Straßenfeger

Februar 29, 2016

Es war einmal ein Straßenfeger, der hieß Heinz. Seine Aufgabe war es, bei einem großen Wohnblock in der Stadt die Gehwege und Innenhöfe sauber zu halten. Heinz machte seine Arbeit gern. Jeden Morgen begann er zur gleichen Zeit. Die Bewohner freuten sich, dass es Heinz gab. Sie begrüßten ihn immer wieder freundlich, und wenn sie Zeit hatten, hielten sie noch einen kleinen Plausch mit ihm.

Doch mit der Zeit wechselten die Bewohner des Blocks und damit änderten sich auch Gewohnheiten. Ältere Menschen zogen aus, jüngere zogen ein. Menschen mit wenig Zeit, die den ganzen Tag gestresst durch die Gegend liefen und zu Hause ihre Ruhe haben wollten. Auch sie schätzten die Arbeit des Straßenfegers. Wenn da nicht diese eine Kleinigkeit gewesen wäre: Heinz benutzte für seine Arbeit einen alten Reisigbesen, mit dem es ihm möglich war, auch den hartnäckigsten Schmutz aus den Fugen zwischen den Pflastersteinen herauszukehren. Die jüngeren Bewohner störte jedoch das morgendliche Kratzen der Reiser auf dem Pflaster und so gingen sie eines Tages zur Hausverwaltung, um sich darüber zu beschweren.

An einem der nächsten Tage hatte Heinz einen Termin bei der Hausverwaltung und ein Manager erklärte ihm die Situation. „Aber mach dir keine Sorgen, Heinz!“, sagte der er. „Wir haben schon eine Lösung gefunden.“ Mit diesen Worten präsentierte er Heinz einen neuen High-Tech-Besen, mit weichen Borsten, die kein Kratzgeräusch mehr auf dem Pflaster verursachten. „Und dazu haben wir dir auch eine neue Schaufel mit einer Gummi-Lippe gekauft. Auch sie ist extrem leise“, sagte der Manager stolz.

Am nächsten Morgen begann Heinz mit neuem Equipment seine Arbeit. Leider waren die Borsten des Besens sehr weich, so dass er länger brauchte, um den Schmutz aus den Fugen zu fegen und auch die neue Schaufel hatte ihre Nachteile. Schon bald war die Gummi-Lippe kaputt und eine neue musste beschafft werden.

Natürlich bemerkten die Bewohner irgendwann, dass Heinz nun länger für seine Arbeit brauchte. Sie sparten nicht mit Tipps, wie er effizienter arbeiten könne, schließlich hatten sie schon unzählige Straßenfegerserien und -filme im Fernsehen geschaut. Heinz quittierte die Ratschläge meist mit einem Lächeln und fuhr in seiner Tätigkeit fort.

Irgendwann wurde ein neuer Hausmeister eingestellt. Auch dieser versah seine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen. Sein Hauptaugenmerk lag darauf, dass in dem Block alles seinen Vorstellungen von Ordnung entsprach. So geriet auch Heinz irgendwann in den Fokus seiner Aufmerksamkeit.

Dem Hausmeister war aufgefallen, dass Heinz den Dreck, den er von den Wegen kehrte, immer in den gleichen Behälter warf, ohne eine Sortierung vorzunehmen. Das entsprach nicht der Auffassung des Hausmeister und er begann, immer wenn Heinz seine Arbeit beendet hatte, den Dreck zu sortieren. Leider blieb es dabei nicht aus, dass ein Teil des Drecks wieder auf den Boden fiel und vom Wind in alle Richtungen verstreut wurde.

Von den Bemühungen des Hausmeisters bemerkten die Bewohner nichts. Ihnen fiel nur auf, dass es am Abend, wenn sie von der Arbeit nach Hause kamen, wieder dreckig vor ihrem Haus war. Sie beschwerten sich wieder bei der Hausverwaltung, mit dem Hinweis, sich eine neue Verwaltung zu suchen, wenn die alte dies nicht in den Griff bekäme.

Der Manager bestellte Heinz erneut und erklärte ihm die neue Situation. „Leider ist es uns nicht möglich, einen weiteren Straßenfeger einzustellen. Das ist zu teuer. Heinz, du musst nun auch abends noch einmal los und fegen.“

So kam es, dass Heinz von nun an zwei Mal am Tag seiner Arbeit bei dem Wohnblock nachging, um die Bewohner zufrieden zu stellen. Doch dann wurde Heinz stutzig. Immer wieder entdeckte er Sachen, die er entweder am Morgen oder abends zuvor schon einmal aufgekehrt hatte.

Wie konnte das sein? Schnell kam Heinz dahinter, dass nur der neue Hausmeister dafür verantwortlich sein konnte und stellte ihn zur Rede. „Du boykottierst meine Arbeit!“, warf er ihm vor. Das ließ der Hausmeister nicht auf sich sitzen und beschwerte sich bei der Hausverwaltung.

So hatte Heinz den dritten Termin und der Manager warf ihm vor: „Dir als Straßenfeger steht es nicht zu, die Arbeit des Hausmeisters in Frage zu stellen. Tust du dies noch einmal, hat das unweigerlich Konsequenzen für dich!“ Heinz nahm es zur Kenntnis und ging am nächsten Morgen wieder zur Arbeit.

Sie denken, die Geschichte sei an den Haaren herbeigezogen? Machen Sie doch aus dem Straßenfeger einen Polizeibeamten, aus dem Hausmeister vielleicht einen Staatsanwalt … Besser?

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Die Winter-Verschwörung

Februar 1, 2016

Neulich saß ich mit meiner Frau bei uns in der Markthalle. Wir genossen einen leckeren Lambrusco, als plötzlich jemand an der Tür rief: »Alter, schau dir das an! Geht die Scheiße schon wieder los?«

Ich warf einen Blick aus dem Fenster und sah, dass es zu schneien begonnen hatte. »Es ist halt Winter. Da muss man mit rechnen«, sagte ich laut.

»Winter? Man, du hast ja überhaupt keine Ahnung!«, sagte der Typ und kam zu unserem Tisch. »Aber vom Klimawandel hast du schon gehört, oder?«

»Yepp! Aber es ist dennoch Winter!«, beharrte ich auf meiner Meinung.

»Pass auf! Ich erklär’ dir jetzt mal was«, sagte der Typ, setzte sich an unseren Tisch und nahm einen kräftigen Schluck von meinem Lambrusco.

»Den Winter gibt es schon seit Jahren nicht mehr.«

»Aber es schneit. Wasser kristallisiert aufgrund der Kälte in den Wolken, fällt als Pulver auf die Erde, ist kalt, und wenn du es in die Hand nimmst, schmilzt das Zeug wieder zu Wasser.«

»Das da draußen«, mit dem Daumen deutete er über seine Schulter zum Fenster, »ist kein Schnee, kein Wasser.« Dann beugte er sich nach vorne, legte verschwörerisch seine Hand an den Mund und flüsterte: »Das ist die neue Waffe!«

Aha, dachte ich. Jetzt wird’s aber wirklich verrückt.

»Ich seh’ schon«, sagte der Typ und trank meinen Lambrusco aus, »dir fehlen ein paar Hintergrundinformationen.« Er winkte dem Kellner zu: »Der Herr hier«, dabei deutete er auf mich, »hätte gern noch einen Lambrusco!« Dann lehnte er sich zurück und fragte: »Du hast doch sicherlich schon von Chemtrails gehört, oder?«

Chemtrails! So langsam ahnte ich, in welche Richtung das Gespräch laufen würde.

»Schon zu Kohls Zeiten waren Chemtrails im Gebrauch«, fuhr er fort. »Hätten sich die Bundesdeutschen gegen die Wiedervereinigung gestemmt, wären ihnen die Chemtrails zum Verhängnis geworden. Eine elegante Waffe gegen Regime-Gegner. Und das da draußen ist die Weiterentwicklung!«

»Also wenn das eine Waffe gegen Regime-Gegner ist«, entgegnete ich, »warum schneit es dann hier und nicht in Dresden? Laufen da nicht jeden Montag Tausende auf der Straße herum, die gegen die Merkel sind?«

»Ach, es geht doch schon lange nicht mehr um die Merkel«, winkte er ab und griff nach dem Glas, das mir der Kellner gerade hingestellt hatte. »Die ist doch nur eine Marionette der NWO. Glaubst du wirklich, dass eine ehemalige FdJ-Funktionärin soweit in der Hierarchie hätte aufsteigen können, dass man sie zur Kanzlerin wählt? Alles ein abgekartetes Spiel. Kannste alles im Internet nachlesen.«

Bestimmt. Im Internet kann man eine Menge lesen, das muss aber nicht immer richtig sein.

»Es gibt den Plan der UN, dass die Bevölkerung in Europa, vor allem in Frankreich, Großbritannien und Deutschland, ausgetauscht werden muss. Deswegen kommen jetzt die ganzen Flüchtlingsströme. Und weil wir nicht freiwillig weichen, werden wir halt nach und nach vergiftet.«

»Ein Plan der UN? – Ach was!«, sagte ich.

»Na klar! Das hat der Ulfkotte doch aufgedeckt. Lies den Artikel!«

Ausgerechnet den musste er ins Spiel bringen. Einen Enthüllungsjournalisten, der mehr Fantasie entwickelt als sämtliche Schreiberlinge des großen Springerschen Boulevard-Blattes zusammen.

»Und wir haben halt keine Möglichkeit, uns zu wehren. Weil uns der Status eines legitimen Staates fehlt. Die BRD ist ja eigentlich nur eine GmbH. Frag den Xavier! Der weiß das schon lange.«

»Aber die Waffe würde doch auch gegen die Flüchtlinge wirken, die schon hier sind«, startete ich eine letzten Versuch.

»Nein, nein!« Er schüttelte entschieden den Kopf. »Die wirkt nur im Zusammenhang mit den Impfungen, die man uns aufzwingt!«

Jetzt wurde es richtig schwurbelig. Ich warf einen verstohlenen Blick zu meiner Frau. Rann da schon ein kleiner Blutfaden aus ihrem Ohr? Auch mein Hirn fühlte sich ob des verbreiteten Schwachsinns nur noch wie eine breiige Masse an. Da half nur eines: Flucht!

Ich schob dem Typen mein Glas zu, schnappte meine Frau, rief dem Kellner ein »Er zahlt!« zu und wir verließen fluchtartig die Halle.

Am nächsten Tag erzählten meine Kollegen, dass sie einen Zechpreller festgenommen hatten. Sein Basecap war mit Alu ausgeschlagen und er weigerte sich partout, als Reichsbürger die Gesetze der »angeblichen« Bundesrepublik anzuerkennen.