Archive for Juni, 2015

Überwachungsstaat

Juni 28, 2015

Spätestens seit dem jüngsten BND-Skandal, bei dem sich unser Geheimdienst laut Medien als unbedeutende Filiale der NSA entpuppte, wissen wir: Wir leben in einem Überwachungsstaat. Glaubt man den Anhängern des linken Spektrums, ist es inzwischen völlig egal, ob wir Volumen und Konsistenz unseres täglichen Stuhlganges auf Facebook verbreiten oder nicht – die NSA weiß sowieso Bescheid.

Aber wie ist das Leben sonst in einem solchen Staat? Machen wir uns mal ein Bild, zum Beispiel anhand eines Notrufes, den Sie absetzen, weil sie gerade überfallen worden sind.

Polizei, Notruf!“

Hallo? Ich bin gerade überfallen worden!“

Sagen Sie mir bitte Ihren Namen und wo Sie sich aufhalten.“

Meier. Peter Meier und ich bin zu Hause.“

Und wo ist Ihr zu Hause.“

Na, da wo ich wohne. – Mein Gott. Ich bin so verwirrt.“

Okay, das haben wir gleich. Ich orte Sie eben. Ah, da hab ich Sie: Kästnersraße 32, erstes Obergeschoss links im Wohnzimmer.“

Ja, ja, da bin ich …“

Moment, ich sehe gerade: Sie haben im letzten Monat mit jemanden in den Arabischen Emiraten telefoniert.“

Das war mein Bruder, der ist dort Ingenieur.“

Und ich lese hier, dass sie am 24. Februar bei Facebook gepostet haben, alle Bullen sind Schweine.“

Ja, und? Ich brauche Hilfe.“

Also ich weiß nicht so recht …“

Was wissen Sie nicht?“

Ob ich das jetzt moralisch verantworten kann. Wäre es nicht verwerflich? Und würde ich nicht Ihre Ehre verletzen, wenn ich Ihnen eine Horde Schweine in die Wohnung schicke?“

Aber man hat mich überfallen!“

Ja, das sagten Sie schon. Ich bin ja nicht taub.“

Der Typ hat mir eine über den Schädel gezogen. Schicken Sie mir wenigstens einen Rettungswagen. Mir tut der Kopf weh!“

Na, Sie sind lustig!“

Wieso?“

Letztens sind Sie doch auf zwei Rettungssanitäter losgegangen, die sich bei einer Demonstration um einen verletzten Polizeibeamten kümmern wollten. Glauben Sie ernsthaft, dass die Jungs Lust haben, Sie zu behandeln?“

Und was ist mit meinem Kopf?“

Das ist natürlich ein Problem, zumal Sie auch diese Paracetamol-Unverträglichkeit haben.“

Woher wissen Sie das denn?“

Ich studiere gerade Ihre Krankenakte. Ich muss mir doch ein Bild machen, zu wem ich meine Kollegen schicke.“

Sie studieren meine Krankenakte? Woher …?“

Ah! Jetzt ist auch Ihr Profil-Scan fertig.“

Mein Profil-Scan?“

Natürlich! Während wir hier so nett geplaudert haben, habe ich die NSA-Schlüssel-Liste über Ihre Mails und Messenger-Verläufe laufen lassen. Und was ich da jetzt lese …“

Wie?“

Sie verwenden häufig das Wort Bombe.“

Ja, und?“

Und dann diese Anti-Amerika-Sprüche. Also wirklich.“

Man wird ja wohl noch seine Meinung sagen dürfen, oder?“

Natürlich, natürlich. Und deshalb meine ich, Sie sollten schon mal Ihren Hausverwalter anrufen und ihm sagen, dass gleich das SEK die Tür bei Ihnen eintreten wird.“

Aber wieso denn …“

Rufen Sie ihn einfach an.“

Es ist 2 Uhr nachts, da wecke ich den doch.“

Tun Sie nicht. Um diese Zeit guckt er immer noch diese Schmuddelfilmchen im Fernsehen. Vertrauen Sie mir einfach.“

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An der Gender-Ampel

Juni 9, 2015

Bislang habe ich in diesem Rahmen immer wieder über den Autofahrer geschrieben. Dass etwa neunzig Prozent von denen einen an der Waffel haben, könnte man durchaus denken. Vor ein paar Tagen jedoch, musste ich feststellen, dass auch Fußgänger hochgradig einen an der Marmelade haben können.

Da bin ich zu Fuß – und in zivil außerhalb des Dienstes – unterwegs. Und plötzlich stehe ich vor einer Fußgängerampel an der Straßenbahnlinie.

Diese Ampel zeichnet sich aus, denn sie hat zwei rote Lichter. Links erscheint das normale Ampelmännchen, das jeder (West-)Deutsche kennt. Auf der rechten Seite leuchtet das stilisierte Bild einer Frau mit Rock. (Ich hätte jetzt auch Ampelweibchen schreiben können, aber das hätte nur wieder Ärger mir der örtlichen Emanzen- … äh … Frauengruppe gegeben.)

Ich habe mich auch nicht informiert, ob diese Ampel dem derzeit üblichen Gender-Wahnsinn geschuldet ist, oder ob unsere örtlichen Verkehrsbetriebe einfach vorausschauend mit der Unfähigkeit und Ignoranz des gemeinen Fußgängers gerechnet haben. Frei nach dem Motto: Rot gilt für alle!

Wie dem auch sei, ich kam fußläufig (wie es im Beamtendeutsch so schön bescheuert heißt) an diese Ampel und konnte beobachten, wie eine Mutter mit ihrer Freundin gerade die Schienen überquerte. Ihr Sohn war ein bisschen langsamer, und bevor er die Schienen erreichte sprang die Ampel an und zeigte für beide Geschlechter rot!

Wundersamerweise radelte Sohnemann nicht einfach hinterher, sondern blieb stehen und rief: „Mama, warte! Ich hab es nicht geschafft!“

Mama hielt sofort an, drehte sich zu ihrem Sohn und rief: „Kein Problem! Ich warte! Hast du gut gemacht!“

Das fand ich bemerkenswert: Ein Kind, das sich an Verkehrsregeln hält – und das auch noch im Beisein der Mutter. Neben mir stand allerdings ein älterer Herr, den diese Szene wohl wenig interessiert hatte. Kaum hatte die Straßenbahn unseren Überweg passiert, trat er auf die Gleise.

Ich rief: „ Hey, können Sie nicht wenigstens warten, bis die Ampel sich ausschaltet? Seien Sie dem Jungen da drüben mal ein Vorbild!“

Ich geh doch gar nicht rüber“, sprach der Mann auf den Schienen. „Ich wollte doch nur gucken, ob mein Bus kommt.“ Die Busspur war nur ein paar Meter entfernt und auch von meinem Standpunkt aus gut einsehbar. „Da müssen Sie mich doch nicht gleich so anmaulen.“

Ich finde das gut“, mischte sich die Mutter ein, „ dass auch jemand anderes mal was sagt. Sonst bin ich immer nur am Maulen.“

Genau!“, rief eine zweite Frau aus dem Hintergrund. „Wenn wir als Frauen schon warten müssen, dann haben die Kerle auch anzuhalten. Wir leben schließlich in Gleichberechtigung.“

Ich maule Sie nicht an“, sagte ich zu dem Mann, „ich möchte nur, dass sie nicht vor den Augen des Jungen da drüben vor die Straßenbahn laufen.“

Der arme Junge“, flüsterte eine Dame neben mir.

So jung“, fiel die nächste mit ein, „und schon ohne Vater!“

Das’s’n Tragödje“, mischte sich ein Typ mit Baccardi-Pulle in der Hand ein.

Mein Gott!“, stieß ich hervor. „Es geht hier nicht um Gleichberechtigung oder den vielleicht nicht vorhandenen Vater des Jungen. Es geht darum, dass mal jemand ein Vorbild für unsere Kinder ist. Ist das denn so schwer zu begreifen?“

’s dis Ihr Junge?“, fragte der Baccardi-Typ.

Nein!“

Na also“, sagte der Mann, den ich anfangs angesprochen hatte. „Dann müssen Sie hier auch jetzt nicht den Oberwächter rauskehren. Und überhaupt: Wer sind Sie eigentlich?“

Es war offensichtlich. Als normaler Bürger kann man in solchen Situationen wohl wenig ausrichten. Also zog ich meinen Dienstausweis hervor und zeigte ihn rum.

Oh!“ entfuhr es dem Mann. „Na, dann …“

Das ist ja wieder typisch“, mischte sich die Frau von eben wieder ein. „Auf dem kleinen Manne rumhacken! Aber das Schicksal des Jungen ist Ihnen egal.“

Nein, war es mir nicht. Deswegen hatte ich den Mann ja angesprochen.

Und Gleichberechtigung scheint Ihnen wohl auch egal zu sein“, fuhr sie fort.

Gute Frau“, sagte ich, „von mir aus dürfen Sie mit diesem Herrn hier gleichzeitig auf die Schienen treten und auch gleichberechtigt vor die nächste Straßenbahn laufen. Ich nehme den Unfall dann auch gerne auf und hole jemanden, der die Sauerei wieder wegwischt. Nur eine Bitte habe ich: Tun Sie es nicht vor den Augen von Kindern.“

Jetzt warte ich wieder auf die nächste Beschwerde.