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Stadtfest-Survival

August 1, 2014

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Doch nicht jeder kann auch in den Urlaub fahren, sei es, weil sein Chef ihn nicht lässt oder der Geldbeutel in diesem Jahr zu schmal für eine Reise ist. Für diese Menschen wurde das Stadtfest erfunden. Da bin ich fest von überzeugt, zumal Stadtfeste inzwischen überall zu finden sind.

Aber wie funktioniert nun so ein Stadtfest? Zunächst bedarf es eines armen Tropfes, der in völliger Selbstüberschätzung seiner eigenen Fähigkeit den Arm hebt und sagt: »Ich übernehme die Verantwortung und organisiere das!« Was wiederum zur Folge hat, dass diejenigen, die ein bisschen Ahnung von der Organisation solcher Feste haben, sich still lächelnd zurücklehnen und denken: Jo! Lass den mal machen!

Allen Unkenrufen zum Trotz gelingt jedoch dem Organisator das Unerwartete: Pünktlich zum Termin sind Bühnen aufgebaut, auf denen allerlei künstlerische Darbietungen stattfinden, und die Straßen sind übersät mit Fressbuden und Bierständen, so dass ein jeder auf seine Kosten kommen mag.

Was übrigens nicht organisiert werden muss, aber dennoch jedes Jahr dabei ist, ist der Stiesel. Jener unangenehme Patron und Anwohner des Stadtfestes, der spätestens am zweiten Abend bei der Schmiere anruft, man möge sich endlich einmal darum kümmern, dass diese Hottentotten-Musik abgestellt wird. Gerne auch mit dem Hinweis, dass er schließlich Steuern bezahlt.

Somit ist also die Kulisse geschaffen. Kommen wir daher nun zum gemeinen Stadtfest-Besucher. Auch für ihn gilt es, ein paar Dinge zu beachten, damit das Fest ein Erfolg wird.

Die Grundregel lautet: Niemand feiert gern allein! Zwar sind die Straßen bei so einem Fest überfüllt, aber ein bekanntes Gesicht zu treffen, mit dem man vielleicht auch noch ein Bier trinken möchte, gestaltet sich dennoch manchmal schwierig. Also sucht man sich ein paar Freunde zusammen. Die Altmodischen unter uns machen das per Telefon: »Alder, kommst du Stadtfest?« Der moderne Stadtfest-Gänger schreibt via Facebook: »Ich geh Stadtfest!« Da sieht er auch gleich, wer sich noch so alles angekündigt hat.

Eine zweite wichtige Voraussetzung für ein gelungenes Stadtfest ist das sogenannte Vorglühen. Bei den heutzutage üblichen Preisen für ein frisch gezapftes Bier ist es nahezu unmöglich, sich an einer Bierbude zu betrinken. Sollten Sie das dennoch schaffen, gibt es nur zwei Deutungsmöglichkeiten: Entweder Sie vertragen nichts oder aber ihr Portmonee war so gefüllt, dass sie auch bequem in den Urlaub hätten fahren können.

Nach dem Vorglühen kann es dann endlich auf die Festmeile gehen. Dabei ist zu beachten, dass ein ständiges Hin- und Herflanieren unbedingt zu vermeiden ist. Wie leicht kann man dabei auf die Schwiegereltern oder den Chef, bei dem man sich krank gemeldet hat, stoßen. Damit wäre der Abend verdorben. Das beste ist, sich gleich einen festen Platz zu suchen. Wirklich etwas Neues gibt es sowieso nicht zu sehen.

Der ideale Standort wird durch die Stadtfestformel X = (Bühne x gewünschte Biersorte x Erreichbarkeit des Bratwurststands) : Entfernung zum nächsten Dixie-Klo bestimmt. Wobei der Parameter »Bühne« beliebig ist. Anfangs ist das Programm dort relativ egal, weil man ja noch in der Lage ist, sich zu unterhalten. Zu fortgeschrittener Stunde ist das Programm dann völlig egal, weil zu allem lautstark mitgesungen wird.

Ist der richtige Standort gefunden, wird rundenmäßig abgetrunken. Niemand kauft sein Bier nur für sich, das gehört sich einfach nicht. Also wird für alle Umstehenden mitbestellt, auch wenn das eine oder andere Gesicht völlig unbekannt ist, was natürlich auch am eigenen Zustand liegen könnte.

Leider geht so ein Festtag irgendwann zu Ende und so mancher muss mit Entsetzen feststellen: »Mist, es gibt nichts mehr zu trinken!«

Wer jetzt nicht in Form einer Kiste Bier im eigenen Kühlschrank vorgesorgt hat, kann nur darauf hoffen, dass einer seiner Freunde auf die Idee gekommen ist. Richtig vorbereitet ist allerdings nur der, der auch noch eine Lore Bratwurst vorzuweisen hat, die er mal eben schnell auf den Grill legen kann. Trinken macht schließlich hungrig.

So lässt sich dann bequem bis in die frühen Morgenstunden durchfeiern. Und den Kater am Nachmittag bekämpft man am besten mit einem frischen Bier. Es ist ja Stadtfest.

Wenn Sie nun der Meinung sind, Sie hätten beim diesjährigen Stadtfest etwas falsch gemacht, so kann ich Ihnen versichern: Das nächste Stadtfest kommt bestimmt. Und dann sind auch Sie gewappnet.

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