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Ostern ökologisch

April 7, 2014

Es gibt Menschen, die haben mit Traditionen nicht viel am Hut. Vielmehr sind sie darauf bedacht, ihren ökologischen Fußabdruck auf der Welt so klein wie möglich zu halten. Je geringer ihre CO2-Bilanz, desto glücklicher sind sie. Aber wie feiern solchen Menschen Ostern?

Irgendwo, in irgendeinem Wohnzimmer in Deutschland:

Er: „Sag mal, meinst du nicht, dass wir in diesem Jahr unseren Kindern ein normales Osterfest bescheren sollten?“

Sie: „Wie kommst du denn jetzt darauf? Du weißt doch, dass ich von diesen kirchlichen Festen nichts halte.“

Ich meinte jetzt ja auch nicht, dass wir mit ihnen in die Kirche gehen sollten.“

Und was meinst du dann?“, fragte sie.

Naja, Manuel-Joaquin kam gestern aus der Schule nach Hause und hat mir erzählt, dass sein Freund Kevin-Pasquale sich schon auf den Osterhasen freut.“

Osterhase?“, fragte sie entsetzt. „Bist du verrückt? Wir sind Vegetarier! Oder isst du etwa heimlich Fleisch?“

Mein Gott, dass du mir das zutraust.“ Er schüttelte den Kopf. Aber so eine Currywurst ab und an, dachte er im Stillen. „Der Osterhase soll nicht gebraten werden, sondern der versteckt die Eier für die Kinder im Garten.“

Im Garten!“, stellte sie fest. „Womöglich noch zwischen den Mohrrüben, die er nebenbei genüßlich knabbert.“

Oh, man!“, stöhnte er. „Der Osterhase ist doch nur ein Symbol. Natürlich verstecken wir die Eier für unsere Kinder. Allerdings müssten wir die vorher noch färben.“

Wie färben?“

Na, mit Lebensmittelfarbe. Gibt’s doch extra zu kaufen.“

Bist du verrückt. Ich kauf‘ doch keine Eier vom Ökobauern, um sie dann mit Lebensmittelfarbe zu vergiften. Denkst du eigentlich auch mal an unsere Kinder?“

Natürlich. Deswegen frage ich doch, ob wir Ostern traditionell begehen wollen.“

Ach, Traditionen sind mir doch schnuppe“, erwiderte sie.

Wir können ja auch Schokoeier nehmen“, schlug er vor.

Aber nur, wenn sie aus Fair-Trade-Kakaobohnen hergestellt wurden. Und nicht so viele. Du weißt doch, dass Lisa-Evelyn gerade eine Laktose-Intoleranz entwickelt.“

Ja, doch!“, antwortete er. Ich frage mich, wann ich eine Intoleranz gegen dich entwickele?, dachte er bei sich.

Und an was für traditionelle Dinge hast du sonst noch gedacht?“, fragte sie.

Wir könnten zum Osterfeuer am Samstag gehen“, schlug er vor.

Osterfeuer!“ Sie musterte ihn mit einem mitleidigen Blick. „Hast du denn gar nichts gelernt?“

Warum?“

Warum? Ein solches Feuer ist doch ökologischer Wahnsinn!“, ereiferte sie sich. „Hast du dir mal überlegt, wieviel CO2 durch so ein Feuer freigesetzt wird? Und dass alles nur zu unserem Vergnügen? Abgesehen vom Rauch und der Asche, die dabei in die Luft geblasen wird. Das erhöht doch nur die Feinstaub-Belastung.“

Sie schüttelte den Kopf. „Manchmal hab ich echt das Gefühl, dass du nur rücksichtslos auf dein Vergnügen aus bist.“

Können wir denn wenigstens den Ginster im Garten österlich schmücken?“, fragte er kleinlaut.

Klar!“, antwortete die schnippisch. „Womöglich noch mit Plastikeiern, die von irgend so einem Chemiekonzern unter einer erschütternden Ökobilanz hergestellt werden.“

Kommt gar nicht in Frage!“, sagte sie nach einer kurzen Pause.

Tja, so wie es scheint, wird’s bei dieser Familie ein trostloses Osterfest – aber immerhin CO2-neutral.

Also da bin ich doch lieber von der traditionellen Sorte. Ich hab für meine Kinder Plastikeier in irgendeinen Strauch gehängt und Eier mit Lebensmittelfarbe „vergiftet“. Sie haben es trotzdem überlebt. Und auch die Feinstaub-Belastung beim Osterfeuer hat ihre Entwicklung nicht beeinträchtigt. Dafür haben sie sich auf das Osterfest gefreut, nicht nur wegen der damit einhergehenden Ferien.

Zum Ausgleich verzichte ich auf das Tanken von E10. Für den Tankinhalt unseres Autos wird kein Regenwald auf Borneo gerodet, was ich jetzt auch irgendwie total ökologisch finde.

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