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Partyvorbereitungen

Dezember 30, 2013

Was wäre Silvester ohne eine zünftige Party? Dafür braucht man natürlich Gäste. Grundsätzlich bin ich zwar in der Lage, ’ne Schachtel Wicküler allein zu vernichten, aber das macht nur halb so viel Spaß und irgendwann auch melancholisch, was einer ausgelassenen Stimmung eher abträglich ist.

Da mir die katastrophalen Auswirkungen von Party-Einladungen via Facebook dienstlich hinlänglich bekannt sind, beginne ich etwas spät, aber frohgelaunt und zuversichtlich, nach altmodischer Art, mein Adressbuch abzutelefonieren.

Hi! Was machst du Silvester?“ – „Bin auf ’ner Party. Warum?“ – „Ach, nur so!“

Zweiter Anruf: „Hi, Meister! Wie schaut’s? Bock auf ’ne Silvester-Party?“ – „Alter! Scheiß! Muss arbeiten!“ – „Mist!“

Dritter bis fünfter Anruf: ebenfalls Absagen. Beim sechsten endlich Erfolg: „Geil! Wann geht’s los?“ – „Wann du willst!“ – „Soll ich was mitbringen?“ – „Gute Laune! Den Rest mach ich schon!“

Immerhin gelingt es mir, acht Leute zu aktivieren. Genau richtig für unser kleines Heim.

Außerdem ist es 16 Uhr durch, mach ich mir doch erstmal ’ne Hülse auf. Prost, Mike! Super Einfall!

Nach der zweiten Flasche kommt mir die nächste tolle Idee. Ich sag meiner Frau nichts davon. Überraschungen sind doch das Salz in der Suppe des Lebens. Da wir noch ein paar Tage versetzt Dienst haben, steht der Vorbereitung im Geheimen nichts im Wege, was ich mit der dritten Pulle begieße.

Am nächsten Tag fahre ich zum örtlichen Getränkemarkt und freue mich wie Bolle: Die Hausmarke (also meine) ist im Angebot. Da lade ich doch gleich mal 10 Schachteln auf. Dazu Prosecco für die Damen, eine Kiste Cola und destillierten Büffelpansen (Bourbon! Anmerk. der Red.). Das muss reichen. Zum Anstoßen schlummert noch eine Kiste Rotkäppchen im Keller.

Wieder zu Hause setze ich mich ans Telefon und rufe Horst an. „Wie sieht’s denn so mit Feuerwerk aus?“ „Mach dir da mal keine Gedanken“, antwortet er. „Ich hab schon was in petto!“

So ist Horst: immer geniale Einfälle. Wie vor ein paar Jahren, als der Mülleimer angetrieben von sechs Super-Sonic-Raketen quer über die Straße flog. Okay, das mit dem Auto seines Nachbarn war Pech. Aber Horst hatte ja trotz aller Fairnisse immer noch eine gute Haftpflicht. Damals zumindest!

Vorsichtshalber frage ich nach. „Ach, weißt du? Da hatte ich doch letztes Jahr diese Idee mit der großen bengalischen Fackel. Also für Günthers Auto musste ich einen Kredit aufnehmen. Aber dieses Jahr hab ich alles im Griff! Keine Sorge!“ In Gedanken mache ich mir eine Notiz: Lass Horst nicht ans Feuerwerk!!!

Einen Tag vor der großen Party habe ich endlich Gelegenheit, mich um das Essen zu kümmern. Meine bessere Hälfte verabschiedet sich zum Spätdienst und ich marschiere zum Discounter, um die Zutaten für ein leckeres Chili zu holen. Derlei Eintöpfe sind für Partys ideal und scharf sorgt bekanntlich für Durst, was dann am Ende die Stimmung hebt.

Nach einigen Stunden in der Küche ist das Werk vollbracht. Aber irgend etwas fehlt. Nicht scharf genug, stell ich nach einem Probeteller fest. Im Kühlschrank finde ich eine halbe Flasche Sriracha-Soße, 75.000 Scoville. Das passt, denke ich bei mir, und haue das Zeug in den Topf. Noch mal aufkochen lassen und probieren.

Hölle!“, krächze ich. Mein Rachen fühlt sich an, als hätte ich gerade eine Flasche Cillit-Bang auf Ex genommen. Nach einem Liter Milch und zwei Wicküler beruhigt sich mein Hals wieder. Da muss ich wohl noch dran arbeiten. Morgen. Gleich kommt Frauchen nach Hause.

Abends auf dem Sofa schwärmt meine Süße: „Eigentlich müssten wir mal wieder so richtig zünftig Silvester feiern. Meinst du nicht auch?“

Innerlich beginne ich zu grinsen. „Haste Recht“, sage ich. „Aber das kriegen wir jetzt wohl nicht mehr hin.“

Schade eigentlich“, sagt sie und steht auf. „Ich hol mir was zu trinken. Möchtest du auch was?“

Bring mir ein Bier mit“, antworte ich und starre wieder auf den Fernseher.

Oh!“, höre ich sie plötzlich aus der Küche. „Das ist ja eine Überraschung! Chili!“

Ich springe vom Sofa und fliege förmlich in die Küche. Bloß nicht probieren, denke ich noch und sehe, wie sie sich gerade einen vollen Löffel in den Mund schiebt – und rot wird.

Miiiillllllchhhhhh!“, haucht sie dann und fuchtelt hektisch mit den Armen, während sie nach Luft schnappt. Ich reiße den Kühlschrank auf und reiche ihr ein Tetrapak, das sie in einem Zug leert.

Warum … hast … du … das … getan?“, japst sie schließlich.

Kleinlaut erzähle ich ihr von der Überraschungsparty, die ich geplant habee. „Leider ist die Überraschung ja jetzt dahin.“

Tu mir einen Gefallen: Überrasch‘ mich nie wieder!“ Dann schnappt sie sich einen Zettel und beginnt zu schreiben. „Und das hier kaufst du morgen ein, damit wir dein Chili für die Party retten können.“

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