Archive for August, 2013

Die Grenzen der Überwachung

August 5, 2013

Nun ist also der Sack geplatzt: Was wir eigentlich schon immer gewusst haben, ist durch den Fall Snowden Tatsache geworden. Der Ami hört uns ab. Er weiß alles: Was ich esse, was ich trinke, wann ich auf’s Klo gehe. Ich muss es halt nur bei Facebook posten oder sonst im Internet verewigen.

Sauerei!“, schreien jetzt viele in unserem Lande. „Das darf der doch gar nicht!“, schreien sie weiter. „Was geht Obama die morgendliche Köttel-Konsistenz meines Hundes an?“ Nichts, natürlich. Ehrlich gesagt, interessiert ihn das auch gar nicht. Und ich bin der festen Überzeugung, dass Obama ganz andere Dinge zu erledigen hat, als ständig irgendwelche Facebook-Profile zu lesen oder Handy-Gespräche mitzuhören.

Trotzdem ist diese Art der Spionage natürlich eine Riesen-Sauerei und nach unseren Gesetzen nicht rechtmäßig. Man diskutiert sich hierzulande auch schon die Köpfe heiß, wie die Kuh vom Eis zu kriegen ist – was den Ami herzlich wenig interessiert.

Und unsere Freunde von der politisch weiter links orientierten Fakultät nehmen diesen Vorfall natürlich auch gleich zum Anlass, die angeblichen Missstände des Überwachungsstaates Deutschland nochmal auf’s Tableau zu bringen. Dafür werden Statistiken falsch gelesen und auch gerne mal Tatsachen verdreht. Nur um uns allen zu zeigen, dass wir eigentlich in einer Diktatur leben. Denn Freiheit gibt es ja nur noch auf Cuba, wo man den ganzen Tag mit dem Fahrrad Sozialromantik verbreiten kann.

Das führt dann zu solchen komischen Szenarien, wie letztens bei uns in der Wache. Ich öffnete die Tür, als es klingelte und ein Typ in Camouflagehosen und Flanellhemd mit langen Haaren und Rauschebart trat an den Tresen und sagte:

Ich bin ja eigentlich kein Freund der Polizei, aber jetzt könntet ihr mir wirklich helfen, ne!“

Wie kann ich Ihnen denn helfen?“, fragte ich zurück.

Ich meine, ihr macht das ja irgendwie jeden Tag, ne?“

Ich schaute ihn etwas verwundert an. „Was machen wir täglich?“

Na ja, diesen technischen Überwachungskram“, antwortete er. „Ihr ortet doch täglich irgendwelche Handys und lest private Daten, ne?“

Ähh, tja eigentlich …“

Und ich hab‘ doch mein Handy verlegt“, unterbrach er mich. „Und das wäre echt voll nett von euch, wenn ihr das mal eben orten könntet, damit ich es wiederfinde, ne!“

Also so einfach, wie sie sich das vorstellen, ist das nicht“, entgegnete ich.

Aber ihr könnt das doch – und macht das ja auch, ne. Das weiß doch jeder!“

Können schon“, sagte ich, „aber die Frage ist ja auch, ob wir das dürfen?“

Jetzt sah mich der Typ doch etwas verwundert an. „Eyh, seit wann interessiert es den Staat, ob er was darf? Ihr fragt doch sonst auch nicht, ne!“

Wir halten uns aber an die bestehenden Gesetze“, antwortete ich ihm. „Und die erlauben die Ortung nur bei einer Gefahr für Leib oder Leben.“

Na ja, so gesehen hängt da schon mein Leben von ab, ne. Ich hab das bestimmt bei irgend ’nem Kumpel liegen gelassen. Und wenn da einer von denen rein guckt. Oh, Mann! Dann bin ich echt reif, ne.“

Das ist damit aber nicht gemeint“, sagte ich. „Der Besitzer des Handys müsste in unmittelbarer Lebensgefahr stecken. Das scheint bei Ihnen ja nicht der Fall zu sein.“

Aber …“

Und dann dürfte ich das noch nicht mal anordnen. Schon mal was vom Richtervorbehalt gehört.“

Ach komm, eyh!“, maulte der Mann jetzt. „Soll ich jetzt extra deswegen zum Amtsgericht latschen?“

Wie wäre es denn, wenn Sie einfach ihre Freunde aufsuchen und dort nach Ihrem Handy fragen?“, machte ich den Vorschlag.

Sie wollen mir also nicht helfen, ne?“, fragte er zurück.

Ich darf es nicht!“, betonte ich nochmals.

Also das ist ja mal wieder typisch für euch, ne! Den ganzen Tag überwacht ihr einen, aber wenn man euch mal braucht, dürft ihr das angeblich nicht.“ Sprach’s und verließ, angesäuert die Wache. Ich selbst konnte nur mit dem Kopf schütteln. Eigentlich war es aber auch nicht verwunderlich. Wer so von unserem Unrechtsstaat überzeugt ist, lässt sich durch Tatsachen nicht verwirren.

 

Advertisements