Archive for März, 2013

Anleitungen

März 26, 2013

Ein Eimer ist ein runder oder eckiger, oben offener Behälter aus Kunststoff oder Metall, der zur Aufnahme von flüssigen oder festen Stoffen bestimmt ist.

Finden Sie diesen Satz auch völlig bescheuert? Obwohl er inhaltlich korrekt ist, ist dieser Satz eigentlich komplett überflüssig. Jeder Mensch weiß doch, was ein Eimer ist. Da muss man doch keine Worte drüber verlieren. Und dennoch: Neulich erzählte mir mein Sohn, dass er gerade eine Belehrung über den korrekten Umgang mit Eimern unterschrieben habe. Und so ähnlich wie mein Text beginnt, dürfte auch diese Belehrung begonnen haben.

Warum aber kommt man auf die Idee, eine Belehrung über den korrekten Umgang mit Eimern zu verfassen? Mit der Information, dass die Firma, in der mein Sohn seine Ausbildung macht, us-amerikanischen Ursprungs ist, ist die Frage eigentlich beantwortet. In den USA ist es ja ein beliebter Trend, die eigenem Unzulänglichkeiten mit einer Klage gegen Unschuldige zu kaschieren. Man denke nur an legendäre Klage gegen eine bekannte Burger-Schmiede, weil Madame sich die Zunge am frisch zubereiteten Kaffee verbrüht hat. Dass das Zeug heiß ist, konnte ja kein Mensch ahnen.

Zurück zu der Belehrung: Ein Hauptteil dieses Schriftstücks dürfte demnach das korrekte Befüllen eines Eimers beinhalten. Also: Öffnung nach oben, nicht mehr als reinpasst und so weiter. Natürlich darf auch das korrekte Anheben und Tragen des Eimers nicht fehlen.

Während ich kopfschüttelnd über den Inhalt einer solchen Belehrung nachdachte, holte mein Sohn schon zum nächsten Schlag aus. „Das ist bei uns ja noch entspannt!“, sagte er. Bei seinen nächsten Worten habe ich folgendes Szenario vor dem geistigen Auge:

Ein Mann in Anzug steht vor einer Gruppe Auszubildenden und sagt: „Meine Damen und Herren, dies ist ihr erster Tag in unserer Firma und ich hoffe, dass sie sich bei uns wohl fühlen werden. Damit die Risiken des Arbeitsalltages möglichst klein gehalten werden, beginnen wir heute damit, Ihnen die Einrichtungen dieses Hauses zu zeigen und ihnen den korrekten Umgang damit zu erklären.“ Der Mann dreht sich um, hebt den Arm und sagt dann: „Was Sie hier sehen, ist die Einrichtung, um von einer Etage in die nächste zu gelangen. Man nennt es Treppe. Ich darf Sie nun bitten vorzutreten, damit ich Ihnen zeigen kann, wie Sie diese Treppe korrekt bewältigen.“

Äh … Jetzt werden Sie glauben, dass ich Ihnen einen Bären aufbinden will. Aber nein! Das gibt es tatsächlich. In manchen Firmen us-amerikanischen Ursprungs wird den Angestellten am ersten Tag das korrekte Begehen der Treppe erklärt. So ’ne Treppe hat man ja auch nicht jeden Tag vor sich …

Eigentlich kann man über die Amis nur lachen, wenn man solche Geschichten hört. Aber sollte man das auch? Sind uns die Amis nicht vielleicht nur einen Schritt voraus? Lesen Sie folgende wahre Begebenheit und Sie werden mir Recht geben:

Letztens waren wir auf einen Kurztrip an der Nordsee. Meine Lebensgefährtin wollte dann ihrer Nichte ein kleines Andenken mitbringen und hatte sich für ein Bilderbuch entschieden, in dem in wunderschönen Zeichnungen von einer Möwe und einem Raben den Kindern erklärt wird, wie Ebbe und Flut entstehen. Die Verkäuferin sollte uns das Buch einpacken und sie fragte: „Für einen Erwachsenen?“

Natürlich für ein Kind“, sagte meine Lebensgefährtin.

Na ja, so natürlich ist das nicht“, sagte die Verkäuferin und begann zu erzählen.

Sie sei neulich im Morgengrauen spazieren gegangen. Sie mache das gerne, weil es morgens am Strand noch so herrlich einsam sei.

Auf dem Deich habe sie ein junges Pärchen getroffen, das dort auf einer Bank gesessen und auf’s Meer hinaus geschaut habe.

Nach einigen Stunden, inzwischen sei es 9.00 Uhr gewesen, sei sie zum Deich zurück gekommen und das Pärchen habe noch immer dort gesessen. Der Blick der beiden sei immer noch zum Meer gerichtet.

Da sich die Verkäuferin über die beiden gewundert habe, habe sie sie angesprochen und gefragt, was sie denn hier machten.

Und die beiden antworteten: „Ach, wissen Sie, gestern Abend ist hier die Sonne so schön groß und rot im Meer versunken. Und jetzt warten wir darauf, dass sie wieder auftaucht.“

Unglaublich, aber wahr!

Vielleicht ist es also gar nicht so verkehrt, gewissen Menschen Anleitungen für den Umgang mit Selbstverständlichkeiten zu schreiben. Gar nicht auszudenken, was so alles bei einer falschen Eimer-Handhabung passieren kann.

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Neulich im Supermarkt

März 4, 2013

Letztens haben sie mich aus dem Supermarkt geschmissen. Und das kam so:

Für unser Mittagessen wollte ich Gulasch kaufen und fand tatsächlich im Kühlregal eine Packung mit schönem dunkelroten Fleisch. Ich nahm sie aus dem Regal und suchte die nächste Verkäuferin auf.

Entschuldigen Sie“, begann ich. „Können Sie mir wohl sagen, was da drin ist?“

Sie sah mich irritiert an. „Ich versteh‘ Sie nicht“, sagte sie. „Es steht doch auf der Packung, dass das Rinder-Gulasch ist.“

Was drauf steht, kann ich selbst lesen. Was drin ist, will ich wissen.“

Na, was drauf steht!“, antwortete sie schnippisch.

Das behaupten Sie!“, entgegnete ich. „Aber wer kann das schon so genau sagen.“

Ich hol Ihnen mal den Marktleiter. Der wird Ihnen das erklären.“ Kopfschüttelnd zog die Verkäuferin ab. Kurz darauf stand der Marktleiter vor mir.

Was kann ich für Sie tun?“, fragte er.

Ich wollte eigentlich nur wissen, was in dieser Packung ist?“

Guter Mann! Sie wollen doch wohl nicht behaupten, dass wir hier minderwertige Ware verkaufen?“, echauffierte sich der Marktleiter. „In diesem Geschäft gibt es nur ausgesuchte Ware. Was Sie dort in der Hand halten ist beispielsweise bestes Rinder-Gulasch.“

Ach!“, rief ich. „Das ist also Rindfleisch?“

Natürlich. Steht doch drauf!“, sagte der Marktleiter. „Alle unsere Produkte werden sorgfältig ausgewählt und kontrolliert.“

Sagen Sie“, fuhr ich ihm in die Parade. „Gibt es nichts besseres als Pferdehaltung? Kein Nutztier wird so sorgfältig gehalten wie das Pferd.“

Aber stellen Sie sich vor, es wäre ein Rennpferd. Die kriegen doch dieses Schmerzmittel, Phenabu… irgendwas. Da ist eine Gesundheitsgefährdung nicht auszuschließen.“

Sie meinen Phenylbutazin. Um an die Grenzwerte zu kommen, müsste ich ein ganzes Jahr jeden Tag Rennpferd essen. Wer will das schon? Und was heißt hier eigentlich Gesundheitsgefährdung? Die ist auch nicht auszuschließen, wenn ich vom Sofa aufstehe. Ich könnte mir das Knie am Couchtisch aufschlagen. Soll ich deswegen ewig sitzenbleiben?“

Nein, natürlich nicht“, versuchte der Marktleiter zu beschwichtigen. Inzwischen hatte sich einen kleine Traube aus Kunden um uns gebildet, die gebannt dem Gespräch folgten.

Auf jeden Fall halten Sie jetzt Rindfleisch in Ihrer Hand“, bekräftige er.

Aha!“, sagte ich. „Wahrscheinlich aus England und deshalb der Wahnsinns-Preis!“

Die Gesichtsfarbe des Marktleiters wurde ein wenig dunkler. „Also wenn Sie Pferd wollen, müssen Sie drei Straßen weiter gehen. Dort ist ein Pferdeschlachter!“, fuhr er mich an.

Der hat zugemacht!“, rief ein Mann aus der Kundentraube. „Konnte der Konkurrenz nicht mehr standhalten. Gibt ja jetzt überall billig Pferdefleisch. Außer beim Döner-Mann – da hat man Schwein!“

Der Marktleiter schwieg einen Moment und dann erhellte sich sein Gesicht. Anscheinend hatte er ein Stichwort bekommen. „Wenn Sie wert auf gutes Fleisch legen, dann kann ich Ihnen unser Schweine-Gulasch empfehlen. Bestes Bio-Produkt von Schweinen aus Freilandhaltung.“

Freilandhaltung?“, fragte ich. „Sie sind anscheinend auch nicht mehr auf dem neusten Stand.“ Ich informierte ihn über die letzte Studie zu Schweinen aus Freilandhaltung, nach der mehr als 70% der Tiere eine Salmonellen-Infektion erlitten hatten. Dazu hatte man bei mehr als der Hälfte der Tiere einen gefährlichen Katzen-Parasiten entdeckt. „Auf die Gesundheit Ihrer Kunden legen Sie wohl auch keinen großen Wert, was?“, schloss ich meinen Vortrag.

Mein Gott!“, rief er. „Dann nehmen Sie doch Hähnchenfleisch.“

Ach, Sie meinen wegen der vielen Antibiotika wäre das meiner Gesundheit förderlicher?“

Der Marktleiter stöhnte auf. „Guter Mann, wir haben kein Pferdefleisch. Und wenn Sie an den anderen Fleischsorten so viel auszusetzen haben, dann steigen Sie doch um auf Fisch.“

Fisch?“ Ich sah ihn leicht entsetzt an. „Da kann ich ja gleich mein Fieberthermometer auslutschen.“

Der Marktleiter wand sich vor mir. Hatte ich jetzt den Bogen überspannt?

Und wahrscheinlich empfehlen Sie mir noch als Kompromiss Fischstäbchen, weil darin möglicherweise Seepferdchen verarbeitet wurde“, versuchte ich mit einem Scherz die Situation zu entspannen.

Das war zu viel für ihn. „Raus!“, schrie er mich an. „Verschwinden Sie aus meinem Laden! Sie machen mich wahnsinnig!“

Tja! Nun muss ich mir einen neuen Supermarkt suchen. Aber eines ist mir bei dieser Diskussion klar geworden: Es ist inzwischen egal, was wir essen – irgendwas ist immer, aber noch lange kein Grund, so einen Aufstand davon zu machen.