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Besondere Tage

Januar 8, 2013

Herzlichen Glückwunsch, liebe Leser. Wenn Sie diese Zeilen vor sich sehen, haben Sie nicht nur Silvester und die Folgen sowie Weihnachten nebst buckliger Verwandtschaft überstanden. Nein, Sie sind auch noch einigermaßen heil durch den Weltuntergang gerutscht, der ja bekanntermaßen am 21. 12. des letzten Jahres unwiderruflich alles Leben auf der Erde auslöschen sollte.

Und was wurde uns nicht alles prophezeit? Zwei Tage vor der Katastrophe las ich noch auf der Website eines sich den Anschein von Seriosität gebenden Nachrichtenmagazins, dass der südkoreanische Rapper Psy (Gangnam Style) in Wirklichkeit die Inkarnation eines apokalyptischen Reiters sein soll und just in dem Moment, da er den neunten Kreis schließen wird (gemeint war der ein-milliardste Klick auf Youtube) den Weltuntergang einläutet.

Da hab ich mich natürlich umgehend drauf vorbereitet: ein paar Kumpel angerufen und ab zum Weihnachtsmarkt. Letzte Gelegenheiten sollte man ausnutzen. Leider wurden meine Erwartungen herbe enttäuscht. Die Rückkehr der Mayas blieb aus. Es kamen auch keine Außerirdischen, die mir mit ihrer Hyper-Ultraschall-Desintegrations-Impuls-Laserkanone den Glühwein aus der Hand und die Rübe vom Hals pusteten. Stattdessen begegnete ich einem mehr schlecht als recht verkleideten Studenten, der sich als Weihnachtsmann ausgab und entdeckte ein paar Anzeichen für den Untergang des Abendlandes in Form von sturzbetrunkenen, sich in Würfelhusten ergehenden Typen mit albernen Leuchtsternmützen auf dem Kopf. Vom Weltuntergang keine Spur!

Um so schöner ist es, dass das neue Jahr begonnen hat. Denn dieses wird uns wieder mit vielen besonderen Tagen erfreuen. Damit meine ich nicht nur die traditionellen Feierlichkeiten, wie Ostern, Pfingsten und Schützenfest, sondern auch solche Tage, an denen denkwürdige Veranstaltungen stattfinden oder besondere Dinge oder Umstände geehrt werden.

Es beginnt schon am 20. Januar, an dem wir in Niedersachsen aufgerufen sind, zur Wahl zu schreiten. Mit einem oder mehreren Kreuzen dürfen wir uns entscheiden, ob wir alles so lassen wollen, wie es ist, wofür uns noch mehr Geld aus den Taschen gezogen wird, oder ob wir mehr Steuern zahlen wollen, damit alles so bleibt wie es ist. Man kann diesen Tag auch als niedersächsischen Tag der Polit-Philosophie bezeichnen, denn ab 18 Uhr, werden uns Politiker erklären, warum man durch einen Verlust gewonnen hat, wieso fünfundzwanzig Prozent der Stimmen die Mehrheit der Bevölkerung sind und warum es von Vorteil ist, den derzeitigen Stillstand durch blinden Akionismus zu ersetzen. Pure Philosophie! Aber unterhaltsam.

Schon zwei Wochen später dürfen wir uns am 2. Februar über den Weltfeuchtgebietetag freuen. Nein, das ist nicht der Geburtstag von Charlotte Roche, sondern dieser Tag soll an die Konvention zur Erhaltung bedeutender Feuchtgebiete erinnern.

Es folgt der Welttag der Floristen, im Volksmund auch Valentinstag genannt. Am 8. März feiern wir den internationalen Tag der Frau (oder auch nicht) und am 26. April ist der sogenannte Girls Day, der Mädchen-Zukunftstag, an dem Dank Gender-Mainstreaming auch Jungs teilnehmen können, wenn sie denn die Arbeitsststelle ihrer Mutter aufsuchen, was in so manchem Fall bedeutet: Sie bleiben zu Hause!

Am gleichen Tag ist übrigens auch der Welttag des geistigen Eigentums. Ein Tag, an dem so mancher Politiker vielleicht in sich gehen sollte, um zu überlegen, ob er den Schwachsinn, der ihm gerade durch den Kopf geht, nicht doch für sich behält!

Es folgt der Tag der Arbeit, der Welttag des Meeres, der internationale Kindertag, der Tag des afrikanischen Kindes und viele, viele Tage mehr, die man in besonderer Weise begehen kann.

Bei diesen ganzen Welttagen freue ich mich schon auf den 19. November. Der ist nicht nur Welttoilettentag sondern auch internationaler Tag des Mannes. Zwei Dinge die allein gottgegeben bereits miteinander kompatibel sind.

Anlässlich dieser Begebenheiten hatte ich im letzten Jahr gegenüber meiner Frau erwähnt, dass an einem solchen Tag es dem Manne gestattet sein müsste, im Stehen zu pinkeln. „Meinst du wirklich?“, fragte sie zurück, während das Santoku-Messer in ihrer Hand am Ende eines geschickten Hiebes eine Gurke in zwei Teile schnitt. Irgendwie brachte mich das von meiner Idee ab, und ob ich in diesem Jahr noch einmal so einen Vorstoß wage, weiß ich nicht.

Das einzige, was ich für dieses Jahr noch vermisse, ist der Weltuntergang. Da müssen wir wohl wieder einige Zeit warten. Nach Nostradamus beispielsweise bis zum Jahre 5352, denn dann enden seine Weissagungen. Und ehrlich gesagt: Soviel Zeit hab ich auch nicht!

Wäre es nicht toll, wenn die UNO den 21. Dezember generell zum Welt-Untergangstag bestimmt? Dann müssten all die Spinner nicht so lange auf die nächsten Anzeichen warten und könnten sich regelmäßig an ihrer Hysterie ergötzen. Und all diejenigen, die immer auf den letzten Drücker Weihnachtsgeschenke einkaufen, hätten eine fantastische Ausrede: „Ich musste erst mal den 21. abwarten!“

In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern einen guten Start ins neue Jahr. Und falls die Welt nicht unangekündigter Weise untergeht, lesen Sie mich im nächsten Monat wieder.

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