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Ein perfektes Dinner?

Juli 2, 2012

Kennen Sie „Das perfekte Dinner“? Diese Sendung läuft allabendlich auf VOX. Fünf Menschen laden sich reihum ein, bewirten einander und am Ende bekommt der beste von allen 1500 Flocken ausgezahlt. Das ganze gibt es auch am Wochenende in der Promi-Version. Da sind es aber nur vier Menschen, die der breiten Masse weder aus Funk noch Fernsehen bekannt sind, aber irgendwann mal in einer Schmuddelshow bei RTL eine Rolle gespielt haben.

Letztens fand das perfekte Dinner in Hannover statt. In einem gediegenen Reihenhaus in Hannovers Zoo-Viertel erwartete Gerd S. seine beiden Freunde Silvio B. und Wladimir P. zum Dinner. Freudig stürmte er zur Haustür, als es klingelte.

Silvio, du oller Mafioso! Fein, dass du es bis hierher geschafft hast.“

War nicht einfach, Gerd. Also: Wo sind Mädchen?“, fragte Silvio. Dann ließ er seine Hüften kreisen, „Bunga-Bunga! Du versteh’n?“

Immer noch der Alte, was Silvio. Die Mädchen holen wir später. Jetzt wollen wir erstmal einen nehmen, nech!“

Gerd führte Silvio zum Wohnzimmer, blieb jedoch wie angewurzelt im Türrahmen stehen. Verwundert starrte er auf den Mann im dunklen Anzug, der keine Miene verziehend auf dem Sofa saß.

Wladi, alter Sack!“, rief er schließlich. „Wie kommst du denn hier rein.“

Enttäuscht zog Wladimir die Mundwinkel nach unten. „Ach, Gerrd! Du weißt doch: Ein Rrusse immer findet Wek.“

Is ja auch egal, nech! Nun sind wir alle da, dann können wir auch einen trinken.“ Gerd schlenderte zur Hausbar. „Jetzt gibt’s das hannoversche Nationalgetränk: Lütje Lage. Lecker, sach ich euch.“

Mit einem Tablett voller kleiner Gläser ging er zur Couch zurück. Dann nahm er eines der mit dunklem Bier gefüllten Gläser zwischen Daumen und Zeigefinger, klemmte das Kornglas mit den anderen Fingern darüber und trank. „So macht man das.“

Als nächstes versuchte sich Silvio am Getränk, doch wie bei jedem Neuling floss ihm der Schnaps am Bierglas vorbei auf das Hemd.

Iiihhhh!“, machte Silvio. „Das schmeckt ja ekelhaft. Hast du nicht Ramazotti für mich.“

Junge“, sagte Wladimir. „Trrinkst du Wodka. Wodka gutt. Schmeckt immerr und zu allem.“

Das Essen ist da!“, erscholl eine Frauenstimme aus der Küche.

Dann bring mal rein, meine Stute!“, sagte Gerd.

Auf einem Tablett balancierte Doris vier Pappteller mit dem Essen herein. Als alle saßen, starrten Wladimir und Silvio auf das Essen. „Was ist das?“, fragte Silvio.

Das ist ein Meisterwerk deutscher Küchenkunst“, antwortete Gerd. „Kanzlerfilet an scharfer Soße mit in heißem Öl gebackenen Kartoffelstreifen.“

Filet? Wo ist Fleisch? Ich seh hier nur labberige Wurstscheiben?“

Doris kicherte. „Ich hab dir doch gesagt, Gerd, dass du die Currywurst nicht so hochtrabend betiteln sollst.

Ach was. Passt schon. Hauen wir erst mal rein, nech!“

Und wo ist Besteck? Wie soll ich essen?“, jammerte Silvio weiter.

Hiermit!“ Gerd zeigte auf den Holzpieker in der Wurst. „Ein traditionelles Essen muss auch traditionell gegessen werden.“

Vorsichtig probierte Wladimir ein Stück von der Wurst. „Sieht aus wie Borrschtsch. Schmeckt aberr schlimmerr.“

Silvio!“, rief Gerd plötzlich. „Nimmst du die Finger von meiner Doris?“

Scusi! Hast du keine Bunga-Bunga-Mädchen, muss ich nehmen, was da ist.“

Sach ich doch: oller Schwerenöter! Wie ist das jetzt eigentlich für dich so ohne Amt?“

Ach, ist schwer. Leute immer wollen Geld von mir. Machen Probleme.“

Na dann gib doch mal ordentlich Gas, damit du wieder in Amt und Würden kommst, ha, ha!“

Wenn mirr Leute machen Prrobleme“, mischte sich Wladimir ein, „ich nicht geben Gas. Ich drrehe Gashahn zu!“ Und nach einer kurzen Pause: „Winterr in Rrussland sehrr kalt!“

Als Gerd aufgegessen hatte, schaute er erwartungsvoll in die Runde. „Das war doch lecker, oder? Will noch einer ’n Eis zum Nachtisch? Ich schick Doris noch mal gegenüber in die Eisdiele.“

Danke, nein“, sagte Wladimir. „Ich muss noch zurr Botschaft. Und Silvio kommt mit. Kann err lerrnen, wie Angelegenheiten gerregelt werden in Rrussland. Dawai, dawai!“

Fast fluchtartig verließen die beiden das Haus, wurden aber von einem Reporter vor der Tür abgefangen: „Sie waren eben zu Gast bei Herrn S. Wie bewerten Sie den heutigen Abend?“

Silvio: „Was soll ich bewerten? Essen war furchtbar. Keine Mädchen, nur diese entsetzlich dürre Frau. Aber Gerd ist Freund. Deshalb ich ihm geben einen Punkt.“

Wladimir: „Nix Wodka. Essen schlechterr als in Rrussland. Ich gebe keine Punkte. Werrde aberr Gerrd kürrzen das Gehalt!“

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