Archive for April, 2012

Werbung

April 2, 2012

Werbung ist allgegenwärtig. Keine Zeitung, die sich nicht zum großen Teil aus Anzeigen finanziert. Halb verhungerte Models schauen uns von Litfaßsäulen herab lasziv-verstört an. Bushaltestellen erklären uns, dass geil einfach geil ist oder dass sie nicht blöd sind. Auch sonst werden unsere schönen Städte mit Plakaten zugekleistert, die einen auffordern, dieses oder jenes Produkt zu kaufen.

Im Radio ertönt stündlich Werbung, gefolgt von einem Jingel, der mir klar macht, welchen Sender ich gerade eingeschaltet habe und vor allem, warum? Und das meist noch in einem grauenvollen deutsch.

Doch die wahre Werbehölle ist und bleibt das Fernsehen. Aufgefallen ist es mir neulich beim Boxen. Früher konnte man noch zwischen den Runden verfolgen, wie der Trainer seinen Schützling ob der schlechten Leistung zur Sau macht. „Lass ihn nicht an dich ran!“ oder „Hau doch auch mal zu!“ waren die Bonbons einer jeden Box-Übertragung.

Heute muss ich mir anhören, dass eine alkoholfreie Plörre immerhin Vitali-sierend ist oder ich versagt habe, weil ich mir noch nicht alle Autos gekauft habe, die ich mir jemals wünschte, obwohl doch eine Website über eine Million Fahrzeuge anbietet.

Spaß macht da höchstens der Spot, in dem Dieter Bohlen von einem unbeholfenen Handwerker einen Balken an den Kopf geschlagen bekommt. Aufgrund der kurzen Kampfpausen hat auch das Wegzappen keinen Zweck, also schau ich mir die Spots zwangsweise an, wenn ich nicht gerade damit beschäftigt bin, mir ein weiteres Bier aus dem Kühlschrank zu holen.

So mancher Werbespot bleibt sogar im Gedächtnis haften. So habe ich gelernt, dass Koffein gut für den Haarwuchs sein soll. Ich habe schon darüber nachgedacht, meinen Kaffee morgens nicht mehr zu trinken. Da auch mein Haupthaar immer lichter wird, könnte ich ihn ja kalt werden lassen und mir dann über die Haare kippen. Vielleicht hilft’s und ich muss mir dieses teure Shampoo nicht kaufen. Denn wenn ich immer alles kaufen würde, was laut Werbung gut ist, wäre ich ein armer Mann oder hätte diverse easy-Kredite und am Ende den Zwegart im Haus.

Außerdem geht’s ja um das Koffein – sagt zumindest dieser komische Professor an seinem Computer.

Werbung kann nicht nur lehrreich sein, sie ist zudem auch in der Lage, Massen zu bewegen. Sie kennen sicherlich den Spot, in dem Dirk Nowotzki eine Metzgerei betritt. Die zunächst in Ehrfurcht erstarrte Metzgersfrau („Jessas, der Dirk!“) reicht dem Profi schließlich eine Scheibe Schinkenwurst mit der Frage „Was haben wir früher immer gesagt?“ „Damit du groß und stark wirst“, antwortet der Dirk.

Nun kann man geteilter Meinung sein, ob eine Schinkenwurst, von der wahrscheinlich nur der Schlachter weiß, was wirklich drin ist, gesund ist oder nicht. Ob man davon groß und stark wird, mag vielleicht auch dahingestellt sein. Ich finde den Spot auf jeden Fall witzig. Tausende Vegetarier und Veganer waren da anderer Meinung. Sie bombardierten die für den Spot verantwortliche Bank mit empörten Mails, so dass diese ihren Internetauftritt kurzzeitig vom Netz nehmen musste. Und warum?

Wahrscheinlich, weil der Gemüsehändler versagt hat. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich als kleiner Stepke vom Schlachter immer eine Scheibe Wurst bekommen habe. Hatte er gute Laune, gab’s auch schon mal ’ne Wiener auf die Hand. Das war so üblich, ist es heute teilweise noch. Das können auch Millionen Vegetarier nicht ändern. Woran ich mich nicht erinnern kann, ist der Umstand, dass mir der Gemüsehändler ’ne Möhre in die Hand gedrückt und gesagt hat „Damit du später mal keine Brille brauchst.“

Aber Werbung kann nicht nur lehrreich oder bewegend sein. Werbung klärt auch auf. So kommen wir nun zu meinem Lieblingswerbespot für ein angeblich gesundheitsfördernden Yoghurt. Sie kennen den sicherlich auch: Da ist diese komische Frau, die so tut, als richte sie ihre eigene Kamera aus. Dann stellt sie sich vor und kommt gleich zur Sache, denn sie muss uns etwas gaaaaaaanz privates erzählen. Und sie berichtet, dass sie sich manchmal so unwohl fühlt, so aufgebläht. Dabei verzieht sie die Nase derart, dass sie Ähnlichkeit mit einem wohlschmeckenden rosa Tierchen bekommt. Aber das nur nebenbei. Sie dachte auf jeden Fall immer, dass sei normal.

Und ich bin um eine Erkenntnis reicher, denn ich dachte immer, die Frau sei dick und nicht nur aufgebläht. Da bin ich doch froh, dass sie uns das endlich mal gesagt hat.

Advertisements