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Urlaub mit Hund

November 8, 2010

„Brauchst du einen Freund, kauf dir einen Hund!“, besagt ein altes Sprichwort. Auch älteren Alleinstehenden oder kontaktscheuen Menschen wird häufig empfohlen, sich einen Hund zuzulegen, damit sie unter Menschen kommen. Tatsächlich bekommt man mit dem Vierbeiner auch einen der treuesten Freunde, den man sich vorstellen kann – sofern man mit ihm umzugehen weiß.

Allerdings hat das Ganze auch eine Kehrseite.

Vor einiger Zeit bin ich mit einem Freund, der ebenfalls Hundebesitzer ist, in den Urlaub gefahren. Schon das Buchen der Ferienwohnung gestaltete sich schwierig. Bei vielen Angeboten sind Hunde und sonstige Tiere von vornherein ausgeschlossen. Und bei Annoncen, bei denen man dies nicht sofort erkennen kann, erhält man häufig eine Absage.

„Ach, Sie haben einen Hund? Dann geht das natürlich nicht!“

Oder: „Ein Hund ist gar kein Problem.“

„Ich habe aber zwei“, antwortete mein Freund.

„Müssen Sie die beide mitnehmen?“

„Nein, nein, keine Sorge. Den einen kann ich über die Woche zu Hause verhungern lassen.“ Was für eine bescheuerte Frage!

Schließlich ist es aber doch gelungen, eine Ferienhaus zu mieten, in dem für uns beide und die Hunde ausreichend Platz war. Dem Wanderurlaub stand nun nichts mehr im Wege.

Während unserer Wanderungen durch den Schwarzwald bekamen wir dann das zweite Manko zu spüren, das einem mit Hund widerfahren kann. Es zeigte sich nämlich, dass gut die Hälfte der Hundebesitzer gar nicht so kontaktfreudig sind, wie es behauptet wird.

Nun sind zwei Rhodesian Ridgebacks mit einer Widerristhöhe von 70 cm schon ein imposanter Anblick. Und wären diese auch noch agil und griffig, bestimmt auch furchteinflößend. Aber gerade diese beiden Hunde sind derart zahm und gutmütig, dass man als Herrchen oder Frauchen eines anderen derartigen Getiers eigentlich erkennen müsste, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht.

Doch weit gefehlt. Am ersten Tag begegnete uns eine ältere Dame, die krampfhaft bemüht war, ihre heiser kläffende Fußhupe zu halten und uns schon von weitem „Machen Sie gefälligst Ihre Hunde fest!“ entgegen rief. Natürlich kam mein Freund der Aufforderung nach, leinte die beiden Ridgebacks an und ging mit einem freundlichen Nicken an der Dame vorbei. Dino allerdings, der Rüde, blieb kurz stehen, schaute sich den kleinen Kläffer zu seinen Füßen an und gab ein kurzes, missbilligendes „Wuff!“ von sich, woraufhin der Terriermischling winselnd hinter Frauchens Beinen verschwand.

Auch jener Herr mit seiner Schäferhündin, der uns ein paar Tage später begegnete, entlockte uns ein Schmunzeln. Anstatt den Tagesgruß zu entbieten, fragte er schon aus fünfzig Metern Entfernung: „Rüde?“

„Guten Morgen“, entgegnete mein Freund. „Ja, einer der beiden ist ein Rüde.“

„Dann leinen Sie ihn an. Meine Hündin ist heiß, hat aber noch keine Lust.“

Während Dino völlig desinteressiert an der Schäferhündin vorbei spazierte, erwiderte mein Freund: „Mein Rüde auch nicht, wie sie sehen.“

„Das kann ich doch nicht wissen“, keifte der Herr.

„Ist aber nicht schwer zu erkennen.“

Angesichts der Tatsache, dass eine heiße Hündin jedesmal sämtliche nicht kastrierten Rüden in der Nachbarschaft wild macht und anlockt, haben wir später noch darüber nachgedacht, ob der Herr eventuell in einem Ort wohnt, in dem es erstaunlicherweise keine weiteren Hunde gibt. Vielleicht war aber auch die ca. fünf Jahre alte Schäferhündin zum ersten Mal heiß. Nichts ist unmöglich.

Im Grunde genommen sind diese Begegnungen zum Schmunzeln. Wenn ich allerdings überlege, wie wenig so mancher Hundebesitzer über sein eigenes Tier weiß, ist es eher erschreckend.

Doch richtige Beklemmungen bekomme ich, wenn ich darüber nachdenke, dass viele Menschen in unserem Land zu Hunden immer noch freundlicher sind als zu Kindern. Da kann ich richtig froh sein, dass meine beiden zu Hause geblieben sind. Was ich mir möglicherweise alles hätte anhören müssen …

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