Gleich und gleich

März 1, 2010

Heute schon gegendert (sprich: gedschendert)? Gender Mainstreaming ist ein Trend, der vor einiger Zeit auf den Markt der Gleichberechtigung geworfen wurde und sich immer größerer Beliebtheit erfreut, liebe LeserInnen. Ausgehend von These, dass MännerInnen und FrauInnen grundsätzlich gleich sind, wird dies sogar in die Welt der KinderInnen übertragen. So musste vor einiger Zeit ein Pixi-Buch, das Kindern die Welt der Schule erklären sollte, in Hamburg vom Markt genommen werden, weil PolitikerInnen (kann in diesem Fall auch mit kleinem i geschrieben werden) aufgefallen war, dass die Aspekte des Gender Mainstreaming eklatant missachtet worden waren. Gab es doch beispielsweise lediglich Schuldirektoren in diesem Buch aber keine Schuldirektorinnen.
Natürlich bin ich ein Freund der Gleichberechtigung. Ich begrüße ausdrücklich, dass unser mittlerweile etwas angestaubtes Grundgesetz die gesetzliche Gleichheit von Mann und Frau in den Grundrechten festgeschrieben hat, auch wenn dies in Teilbereichen noch nicht konkret umgesetzt wurde. Vor einigen Wochen konnten wir der Presse entnehmen, dass fast ausschließlich Frauen outgesourct und lohngedumpt in den Arbeitsmarkt geschickt werden. Oder haben Sie in bestimmten Drogeriemärkten schon mal männliche Verkäufer gesehen? Dass hier dringend etwas getan werden muss, dürfte jedem von uns klar sein.
Ich frage mich allerdings, ob „Gleichberechtigung“ wirklich in allen Bereichen sein muss? Und bevor mir jetzt die Frauen Gleichstellungsbeauftragte auf ’s Dach steigt, will ich das erläutern.
In Einzelfällen gibt es zwar Haushalte, in denen die Frau das Bier kalt und ansonsten den Mund zu halten hat, aber in der Masse begegnet Mann der Frau mit ausgewiesenem Respekt und Höflichkeit.
Dabei kann es vorkommen, dass Mann plötzlich die Welt nicht mehr versteht. Gerade hat er als Zeichen seines Respekts der Dame vor dem Supermarkt die Tür aufgehalten und fängt sich dafür von der eingefleischten Emma-Leserin eine verbale Klatsche ein, dass ihm Hören und Sehen vergeht, bis hin zur Unterstellung rein sexistischer Motivation. (Bei diesem Szenario entsprang lediglich das Lesen der Emma der Phantasie des Autors).
Auch meine Frau musste sich schon dem Unmut ihrer Bekannten aussetzen. Sie hatte vor einigen Jahren ein Namensschild für unser Haus bestellt. Weil sie nach den allgemein gültigen Regeln des menschlichen Miteinanders erzogen war und der Esel sich immer zuletzt nennt, unterlief ihr der Lapsus, ihren eigenen Vornamen hinter meinen, also ans Ende zu setzen, was einer Gleichberechtigten eigentlich egal sein könnte, komischerweise aber nicht ist.
Ganz ehrlich: Hier muss in Sachen gesunder Menschenverstand dringend nachgebessert werden.
Ob dies allerdings mit dem Gender Mainstreaming geschafft werden kann, wage ich zu bezweifeln. Diese Theorie geht in ihren extremen Auswüchsen davon aus, dass ein jedes Menschenwesen zunächst geschlechtslos auf die Welt kommt. Dabei ist es völlig egal, ob dem Kind ein Schniepelchen zwischen den Beinen hängt oder nicht. Zum Manne wird es erst durch seine Umwelt. Höchstwahrscheinlich durch den biersaufenden Fußballfan, der als Erzeuger zeichnet und sich Vater nennt. Wird es ein Mädchen, hatte die Mutter den größeren Einfluss. Doch wie sieht das eigentlich aus, wenn die alleinerziehende Mutter einen Jungen groß zieht? Hat sie ihn zu sehr der Umgebung ausgesetzt? Hat sie sich selbst bei der Erziehung falsch verhalten? Oder zahlt am Ende die Krankenkasse das Entfernen des Schniepelchens, weil Frau sich im falschen Körper wähnt? So richtig durchdacht erscheint mir das Extrem-Gendering noch nicht.
Unlängst war Gender Mainstreaming auch Thema in einer Mitarbeiter-Konferenz unseres Aus- und Fortbildungsdezernats. Die einzelnen MitarbeiterInnen sollten sich Gedanken machen, wie Aspekte des Genderings in ihren speziellen Bereichen umgesetzt werden können.
Einer der Schießausbilder regte daher an, neue Filme als Zieldarstellung für das Schusswaffen-Einsatztraining zu drehen. In seinen Augen ist es sehr auffällig, dass in den dargestellten Situationen ausschließlich Männer als Täter auftreten. Allein die Praxis zeige doch, dass auch Frauen durchaus kriminelle Energie aufweisen. Sie können sich wahrscheinlich denken, dass dieser Vorschlag nicht die ungeteilte Zustimmung der Dezernatsleiterin fand.
Fazit: Gleichberechtigung ist ein Muss – aber nicht um jeden Preis.

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5 Antworten to “Gleich und gleich”

  1. mgernhardt Says:

    Gleich vorab: ich bin eine Frau, die sich freut, wenn ihr jemand die Tür aufhält – geschlechterunabhängig. Ich selbst halte schwer beladenen Menschen die Tür auf – geschlechterunabhändig. Ich finde das schlicht höflich und rücksichtsvoll.

    Natürlich habe ich mich mal wieder beim Lesen königlich amüsiert und möchte gern eine kleine Story vom Mittagstisch mit meinen Kollegen einstreuen. Mein Mann und ich fahren regelmääßig mit dem Wohnwagen in Urlaub. Einige meiner Kollegen tun das auch, wir befanden uns im Erfahrungsautausch. Ein Kollege erzählte, wie seine Frau und er im Auto auf einer sehr hohen Brücke irgendwo in den Alpen im Stau zum Mittelmeer standen. Es stürmte ziemlich heftig und die Frau bekam Angst, dass der Wohnwagen umkippt, weil er schon sehr heftig schwankte. Darauf sagte ein weiterer männlicher Kollege: „Warum hast Du Deine Frau nicht zum Beschweren in den Wohnwagen gesetzt.“ Alle lachten. Ich auch. Ich hatte nämlich just in dem Moment die Fantasie, wie ich meinen Mann in den Wohnwagen scheuche, um selbigen zu beschweren, und hatte diesen Witz deshalb gar nicht als geschlechterabhängig begriffen.

    Aber wir bekamen alle eine Kopfwäsche von der Frauenbeauftragten – ich ganz besonders, als Verräterin an der Sache der Frauen. Muss ich mich jetzt schlecht fühlen?

    Ganz ehrlich, man kann es auch übertreiben. Wenn mir ein Mann mit dem Spruch kommt „Schönes Kleid!“ kontere ich mit „Schöne Hose!“ Danach kann man miteinander einen trinken gehen und spart sich den ganzen Aufwand mit der Empörung. Vielleicht liegt es daran, dass ich immer mit mehr oder minder derben Männern zusammengearbeitet habe im Leben. Ich habe mich damit immer wohlgefühlt – bei frauenfeindlichen Witzen gab es einen männerfeindlichen zurück und dann kann man wieder die wichtigen Dinge des Lebens besprechen.

    In diesem Sinne mach ich mir jetzt mal Mittag – mit meiner Salzstreuerin und meiner Kochlöffelin. 😉


    • Es gibt gewisse Dinge, die darf man nicht mit den Augen der Gleichberechtigung ansehen. Leider haben bestimmte Gruppen aber inzwischen jedes Augenmaß verloren.
      Ist es tatsächlich eine Form männlicher Unterdrückung, wenn ich einer Frau die Tür aufhalte? Will ich dann nur mit ihr ins Bett? Was würde meine Frau am Ende dazu sagen???

      Ich hatte in meinem anderen Blog auch schon das Thema, zu welchen Abgründen dieser Trend führen kann (siehe Alice Schwarzer über Käßmanns Rücktritt). Das ist einfach zu viel des Guten, was sich am Ende schlecht auswirkt. Wie heißt es so schön: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

      Wenn wir alle ein bisschen mehr Hirn und Herz einsetzen, dann erübrigt sich am Ende eine Diskussion um die angeblichen Vorzüge des Gender Mainstreamings.

      • mgernhardt Says:

        Ich drücke es mal so aus: wenn ich mit jedem Menschen ist Bett wollte, dem ich die Tür aufhalte, dann hätte ich viel zu tun. Wenn ich dazu noch mit allen Kerlen was am laufen hätte, die ich aus Nettigkeit/Kollegialität/Freundschaft mit meinem Auto von A nach B transportiere, dann käme ich zu nichts anderem mehr – schon gar nicht dazu, so schöne Blogbeiträge zu lesen.

        Letzteres war ein kleiner Seitenhieb auf einen extremen Christen, der in einem Forum zum Thema „Margot Käßmann“ aus dem ominösen und unbewiesenen Begleiter etwas sehr Unschönes konstruiert hat und das mit noch unschöneren Worten belegt hat.

        Von daher unterschreibe ich das mit Herz und Verstand voll und ganz. Wer von beidem genug hat, braucht sich auch keinem extremen Gedankengut hinzugeben, um zu wissen, was er denken soll. Weder in Bezug auf den Alltag, noch in Bezug auf auf zurückgetretene Bischöfinnen. (Der ich im Übrigen ganz geschlechterunabhängig wünsche, dass sie jetzt zur Ruhe kommt und dann frisch gestärkt aus all dem wieder auftaucht. Man wird ihr zuhören, das ist sicher. Auch ohne Amt und ganz geschlechterunabhängig!)

  2. elfie Says:

    „Fazit: Gleichberechtigung ist ein Muss – aber nicht um jeden Preis.“

    deinem fazit stimme ich zu, michael, und möchte ergänzen: gemeinsam erreicht mann und frau mehr als allein.

    was meinst du dazu?


    • Da gebe ich dir völlig Recht. Ist es nicht immer so, dass man gemeinsam mehr erreicht als allein? Und gerade in einer Beziehung ist dies so. Denn hier ergänzen sich die Menschen, wenn die Beziehung stimmt. Allerdings bedingt eine Ergänzung natürlich auch die Gleichberechtigung.


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