Eine Weihnachtsgeschichte

November 30, 2020

„Also, dann füllen se ma‘ det Zettelchen hier aus“, sagte der Wirt und klopfte mit der flachen Hand auf ein Blatt Papier, „und denn schau ick ma‘, ob’s noch ’n Zimmerchen jibbet.“

„Das wäre schön“, antwortete der Gast, „meine Verlobte ist nämlich schwanger.“

„Schwanger?“ Der Wirt zog die Augenbrauen hoch. „Dit nenn‘ ich mutich. In der Pandemie, im Mutti-Regime, in diesen heiklen Zeiten? Aber wann waren schon jute Zeiten? Meine Ilse hat och immer jesacht: ‚Lass ma‘ auf bessere Zeiten warten!‘ Und nu‘ isset zu spät.“

„Der Herr hat meine Verlobte auserkoren …“

„Ach! Denn sind se jar nich‘ der Vater? Respekt, mein Lieber! Dit se mit der noch durch die Jejend tingeln.“

„Ich muss doch sehr bitten“, empörte sich der Gast. „Meine Verlobte wird den neuen Heiland zur Welt …“

„Jetzt sagen se nich, dit se so’n Schwurbel-Otto sind“, unterbrach der Wirt ihn. „Anhänger von’ne Hirse-Hitler oder det Jammerlappen aus Mannheim sind hier nich‘ willkommen. Hat mich jenuch Kraft jekostet, meene Tochter wieder jrade zu biejen, als dieset Wendler-Dingens einjeknickt is‘! Rotz und Wasser hat se jeheult.“

„Sagten Sie nicht gerade, dass sie keine Kinder hätten?“

„Mit de Ilse nich’“, antwortete der Wirt. „Aber jibt ja noch andere Frauen. Jott sei Dank sind wa nich‘ im Paradies!“

Feixend klopfte er sich auf die Schenkel. „Der war jut, wa?“

Und nach einer kurzen Pause: „Okay. Ick seh‘ schon, viel Humor haben se wenich. Also? Sind se so’n Schwurbel-Otto?“

„Was meinen Sie?“, fragte der Gast.

„Sind se Reichsbürger? Corona-Leugner? Globen se och, dat Bill Gates uns alle chippen will und wir mit der abgewählten Meerschweinchen-Frisur in Amerika unsere letzte Chance gegen den Deep State verlor’n ham? “

„Ich glaube an Gott, unseren Herrn!“

„Okay, dit will ick ma‘ durchjehen lassen. Obwohl der ja och nich‘ jreifbar is’“

„Sie müssen ihn nur vorbehaltlos annehmen, dann werden Sie ihn bemerken.“

„Det eenzije, wat ick annehm‘, sind Penunse, wa? Zaster rejiert dat Pflaster!“ Der Wirt rieb Daumen und Zeigefinger seiner Rechten gegeneinander.

Und nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Apropos, sind se ejentlich privat hier oder jeschäftlich? Weil privat müsste ick se jleech wieder an’ne Luft setzen. Wegen det Corona! Verstehen se, oder?“

„Eher geschäftlich. Das Einwohnermeldeamt hat mich bestellt.“

„Det Einwohnermeldeamt. An Weehnachten!“ Irritiert schaute der Wirt über seine halbe Brille. „Ick meen, Berlin is schon verrückt, wa. Aber dit hier ’n Amt oofmacht an’nen Feiertach?“

„Der Termin ist bereits verstrichen“, sagte der Gast. „Aber zu unserer Entschuldigung: Wir sind mit der Deutschen Bahn angereist.“

„Dit wa hier ’nen neuen Fluchhafen ham, is‘ aber bekannt, oder?“

„Wir sind schon vor der Eröffnung losgefahren. So ist halt die Bahn.“

„Also wissen se, det is‘ mir bisschen heikel mit ihnen zwe beeden. Zimmer kriejen se nich‘ von mir. Aber wenn se wollen, können se den Schuppen im Hinterhof belejen. Da jibbet ne Couch. Und wenn se de Geruch von’ne Trecker nich‘ stört …“

„Das ist sehr freundlich von Ihnen.“

„Und Pfoten wech von’ne Drahtesel. Dit is meener und soll’s auch bleeben.“

So zogen Maria und Josef am 24. Dezember 2020 in einen Hinterhofschuppen einer billigen Absteige in Berlin. Und das Weihnachtswunder vollzog sich erneut. Nur ohne Ochs‘ und Esel, sondern mit Trecker und Fahrrad.

Es gab auch keinen Engel, der die umliegenden Hirten zusammenrief. Nur einen verängstigten Wirt, der die 110 wählte. So erschienen statt der Schafhüter Rettungsdienst, Polizei und Jugendamt auf der Bildfläche.

Auch die die Heiligen Drei Könige werden diesmal nicht dabei sein. Die Drei Weisen aus dem Morgenland wurden bei der Einreise nach Österreich abgefangen. Aber das ist eine andere Geschichte.


Erinnerungen

November 2, 2020

Unser Gehirn ist das wohl erstaunlichste Organ, dass in der oberen Hälfte unseres Schädels herum dümpelt. Gerade mal ein Viertel größer als eine herkömmliche Milchtüte erfüllt es so viele Funktionen, dass Alexa und Siri sich als ausgemachte elektronische Stümper vorkommen müssten.

Gut, bei so manchem hat es auch nicht mehr Funktion als die besagte Milchtüte, nämlich nicht unkontrolliert irgendwo Flüssigkeit zu verlieren, aber bei den meisten funktioniert das Teil – mehr oder weniger.

Schon im Mutterleib fängt es an zu arbeiten. Es nimmt Eindrücke wahr und prägt damit schon die ersten Grundzüge einer Persönlichkeit. Mit der Geburt wird es dann von Reizen überflutet, positiven wie negativen. Je mehr Reize auftreten, desto mehr Synapsen bilden sich, Verbindungen zwischen den einzelnen Gehirnzellen, die – einfach ausgedrückt – die Leistung, die Intelligenz, die Aufnahmefähigkeit des Organs bestimmen.

Nach zwei Lebensjahren endet dieser Prozess. Dann ist entschieden, ob das Oberstübchen eine Gartenlaube, ein Einfamilienhaus oder eine Luxusvilla geworden ist.

Danach werden zwar weiterhin Eindrücke verarbeitet, aber die führen nicht zu neuen Synapsen, sondern bestimmen mehr, ob aus der Gartenlaube ein behagliches Heim mit Anschluss an die Stadtbücherei wird, oder ob die Luxusvilla lediglich mit Matratze und Fernseher in RTL2-Dauerschleife ausgestattet ist.

Warum schreibe ich das hier eigentlich? Ah! Jetzt fällt es mir wieder ein: Ich hab an meinem Schreibtisch gesessen und über Erinnerungen nachgedacht. Auch so eine tolle Einrichtung unseres Gehirns. So werden uns schöne Augenblicke im Leben für immer bewahrt. Leider auch die unschönen Dinge, aber an die muss man ja nicht denken.

Leider ist die Kapazität irgendwann erschöpft und für neue Eindrücke gehen ältere verloren. Oder aber man nimmt keine neuen Eindrücke mehr auf und lebt in der Vergangenheit, was häufig bei älteren Menschen der Fall ist.

Ich hatte mal einen Kollegen, der war ein wahrer Fleischberg, über zwei Meter groß. Wenn er sich in einen Türrahmen stellte, wurde es im Raum dunkel. Damit das auch so blieb, aß er. Ständig. Ich glaube seine innerdienstliche Kalorienaufnahme lag so bei Zehn- bis Zwölftausend pro Schicht. Das einzige, was bei ihm als störend empfunden werden konnte, war das starke Schnaufen, wenn er sich bewegte, denn er war zudem auch starker Raucher. Wie es sich für einen anständigen Schutzmann gehört, war er auch verheiratet, mit einer absolut zierlichen Dame, die es auf gerade mal auf 165 cm brachte.

Eines Tages saß dieser Kollege im Aufenthaltsraum und sagte zu mir: „Mike! Heute geht es mir so richtig gut!“

„Warum das?“, fragte ich.

„Ich bin heute vor dem Dienst noch meinen ehelichen Pflichten nachgekommen!“ Sprach’s und ein Quarkbällchen, drapiert auf einer halben Puddingschnecke, verschwand nebst dieser in seinem Rachen.

Für dieses Bild vor Augen starb in mir eine schöne Kindheitserinnerung. Es brannte sich in mein Hirn und irgend etwas musste dafür weichen. Was? Keine Ahnung! Die Erinnerung ist ja weg. Unwiederbringlich.

Und ich bin der festen Überzeugung, dass auch Quarkbällchen und Puddingschnecke eine weitere Erinnerung aus unbedarfteren Tagen ausgelöscht haben.

So ist das: Besonders eindrucksvolle Bilder brennen sich ein, andere, nicht so intensive Bilder sind futsch. Eben konnte man sich noch dran erinnern, dass man als Bengel für eine geklaute Tafel Schokolade vom Vater den Arschvoll seines Lebens bekommen hat. Und fünf Minuten später erzählt man seinem Kumpel: „Mein Papa hat nie die Hand gegen mich erhoben.“ Was noch nicht mal gelogen ist. Man hat es halt nur vergessen. Nur weil der Kumpel gerade ’ne Zote gerissen hat.

Aber warum sollte das nur Kindheitserinnerungen betreffen? Könnten nicht auch jüngere Ereignisse aufgrund intensiver Erlebnissen einfach verschwinden? Wie intensiv muss ich mir die Erlebnisse eines Andi Scheuer vorstellen, dass er den Hinweis „Wir können auch warten mit der Unterschrift.“ einfach vergessen hat? Oder erinnern Sie sich noch an Helmut Kohls Blackout? Wenn ja, war Ihr Leben vielleicht nicht so spannend. Was hat der Mann kurz vor der Befragung erlebt? Vollständiger Blackout! Unvorstellbar, aber möglich.


Neulich am Baggersee

September 7, 2020

Was für ein Sommer! Tauwetter für Dicke! Temperaturen jenseits der 30 Grad, bei denen man sich nicht einmal mehr bewegen muss, damit die Suppe den Schädel runter läuft. Da möchte man sich am liebsten den ganzen Tag ins Wasser legen. Ab ins Schwimmbad! Aber als Langschläfer habe ich in diesem Jahr ein Problem: Zugangsbeschränkung aufgrund der Pandemie.

Da ist der Gartenbesitzer besser dran. So ein eigener Pool ist was feines, den gibt es von Luxus in Beton bis hin zu billig für einen Sommer – Hauptsache Wasser zum Reinlegen. Wer noch keinen hat, kann sich jetzt noch überteuert einen aus dem Baumarkt holen und hoffen, dass er den im nächsten Jahr auch noch befüllen darf.

Auf meinem 9-Quadratmeter-Balkon reicht es gerade mal für ein kleines Plantschbecken. Vorausgesetzt ich entferne den Tisch und die beiden Stühle. Aber wo will ich dann abends sitzen? Im Plantschbecken könnte es dann doch ein bisschen kalt für die Blase werden. Und krank werden möchte ich bei diesem tollen Wetter auch nicht.

Da bleibt wohl nur der Baggersee. Schnell die Sachen zusammen gesucht und das Fahrrad aus dem Keller geholt, was mir einen weiteren Liter kostbare Flüssigkeit aus dem Körper trieb und losgeradelt.

Endlich am See angekommen musste ich dann jedoch feststellen, dass noch viel mehr Menschen die gleiche Idee wie ich hatten. Wo ich auch hinschaute: Menschen über Menschen. Abstände? Fehlanzeige. Und das in diesen Zeiten. Unglaublich.

Ich hatte wenig Lust, mich da noch irgendwo zwischen zu quetschen und suchte daher erst einmal die Strandbar auf, um wenigstens den eigenen Flüssigkeitshaushalt wieder auf Vordermann zu bringen. Mit einem kühlen Bier in der Hand setzte ich mich auf einen Hocker und beobachtete die Leute am Strand.

Den Poser! Mit aufgeblähter Brust und vorgehängter überdimensionaler Goldkette, stolzierte er zwischen den Damen auf und ab. Immer darauf erpicht einen Blick unter den Bikinistoff werfen zu können.

Etwas weiter hockte, stand, lag eine Gruppe Jugendlicher. Sie waren mit dem neuen Ferienspiel „Wer wird Tagesvollster?“ beschäftigt. So unsicher, wie die Flasche Hochprozentiger weitergereicht wurde, schien man auch schon in der finalen Runde zu sein. Jedenfalls stand der Favorit bereits fest: jener junge Mann, der gerade seinen Mageninhalt via Würfelhusten auf seinem T-Shirt drapierte.

Dann sah ich die beiden Mädchen. Nein, nicht was Sie jetzt wieder denken. Die beiden lagen in trauter Zweisamkeit nebeneinander, aber irgendwas stimmte nicht. Die hatten kein Handy in der Hand. Stattdessen waren ihre Blicke in diese komischen Dinger vertieft, die Sie bestimmt auch kennen. Diese Pappdeckel mit den Blättern dazwischen. Wie heißen die noch? Becher! … Ach, ne! Bücher!

Das interessiert mich und ging zu den beiden Mädels hin. Ich räusperte mich und fragte: „Sagt mal, was macht ihr beiden denn da?“

„Wir lesen“, sagten beide wie aus einem Mund.

„Das sehe ich“, antwortete ich. „Aber warum? Habt ihr keine Smartphones?“

„Doch“, sagte das eine Mädchen, „aber warum soll ich auf dem ollen Teil rumtippen, wenn ich doch ein spannendes Buch lesen kann?“

„Und lesen bildet doch auch“, ergänzte das andere Mädchen. „Das sagen unsere Eltern auch immer.“

„Guckt ihr denn wenigstens ab und an RTL 2 zu Hause?“, fragte ich.

„Ne, wir gucken kein Privatfernsehen. Lieber eine schöne Dokumentation auf 3sat oder Arte.“

Verdammt!, dachte ich. Auch das noch. Zerrütte Verhältnisse. Möglicherweise spielen die Eltern auch noch Schach oder so.

„Aber wie wollt ihr euch denn auf das Leben vorbereiten?“

„Ist Bildung keine gute Vorbereitung?“, fragte die eine.

Nachdenklich schaute ich zu dem Favoriten hinüber, der gerade versuchte, sich von seinem T-Shirt zu befreien und dabei den Auswurf in seinen Haaren verteilte. Hätte ihm Bildung helfen können? Irgendwie hatten die Mädels recht: Lesen bildet. Wer liest, besäuft sich nicht. Und wer nicht besoffen ist, hat eigentlich auch mehr vom Leben und weniger Kopfschmerzen.


Internet und Social Media

August 3, 2020

Wir leben in tollen Zeiten. Gut, mit Einschränkungen. Dieses Jahr 2020 ist irgendwie gebraucht. Würde ich gerne zurück geben, nur das geht leider nicht.

Aber sonst? Wir können weltweit kommunizieren – außer mit Nordkorea; das gestaltet sich schwieriger. Und wir können uns aus der ganzen Welt Wissen heranschaffen. Wir sind keiner endlosen Propaganda wie unsere Vorväter und -mütter (nur wegen der Gleichbehandlung erwähnt) ausgesetzt, sondern wir können uns völlig frei informieren. Bequem vom Wohnzimmer aus – dank Internet.

Irgendjemand hat auf einem Sachgebiet Ahnung, schreibt eine Abhandlung und stellt sie in das Internet. Sie haben Interesse an diesem Thema und können sich anhand dieser Abhandlung weiterbilden. Die wohl größte Sammlung solcher Abhandlungen nennt sich Wikipedia und hat seit Jahren das 24bändige Universallexikon abgelöst. Es ist zwar nicht alles richtig, was man da zu lesen bekommt, manches fehlt auch, aber man muss ja auch nicht alles wissen.

Die neueste Form sogenanntes Wissen zu verbreiten, ist das Meme. Memes sind Bilder, auf denen man einen kurzen, prägnanten Text – meist nur ein Satz – platziert. Ob es dann ein Faktum, ein Sinnspruch oder nur ein Witz ist, wird anhand des Machers und der eigenen Bildung entschieden.

Beispiel: Ich nehme ein Bild von Harald Juhnke und schreibe drauf: Glaube nicht alles, was du im Internet liest, nur weil ein Foto und ein Zitat dabei sind. – Dieter Thomas Heck, Lead-Sänger von Dschinghis Khan.

Wenn ich dieses Bild bei Facebook einstelle, verschafft mir das mindestens 40 Lach-Smilies. Aber nur die Hälfte haben den Witz und die Aussage dahinter verstanden. Der Rest lacht mich aus unterschiedlichen Gründen aus. Ein Teil von diesem Rest erkennt auf dem Bild Gerd Fröbe. Den muss man kennen, der war doch mal Bundesaußenminister! Andere erkennen den ehemaligen Formel-1-Piloten Klaus Kinkel. Der nächste kennt zwar den Typen auf dem Bild nicht, weiß aber ganz genau, dass Dieter Thomas Heck blond ist und seit Jahr und Tag in der Öffentlichkeit eine dunkle Sonnenbrille trägt.

Und der letzte denkt: Ach guck! Das ist also Dieter Thomas Heck. Aber der war doch kein Sänger? Der war doch Nachrichtensprecher bei der Tagesschau! Hätte der Schliekau ja auch erkennen können. Guckt der keine Nachrichten? Bei den komischen Ansichten, die der hat, bestimmt nicht. Und lacht mich aus.

Wie dem auch sei. Im Internet verbreitet sich viel Wissen und auch viel Unwissen. Auf Attila und die vegane Corona-Kombo möchte ich jetzt nicht eingehen.

Wenn Sie also etwas wissen möchten, suchen Sie im Internet. Auch wenn Sie nur eine Anleitung brauchen. Sie werden sie finden. Nur einen Gefallen sollten Sie sich tun: Fragen Sie nicht nach Wissen!

User 1: Ich muss ein Achter Loch bohren. Sollte ich da mit einem kleineren Bohrer vorbohren?

User 2 (der Normalo): Jo. Am besten mit nem 5er.

User 3 (Spaßvogel 1): Und dann mit nem 3er hinterher rutschen. Lol.

User 4 (Spaßvogel 2): Oder du nimmst zwei 4er. Dann musste nicht mal umspannen. Rofl!

User 5 (der Schlaumeier): Ein 8er-Loch kann man nicht mit nem 5er vorbohren. Der 8er ist doch viel länger als der 5er. Sieht man doch auf den ersten Blick.

User 6 (der Schmutzfink): Meiner ist auch länger.

User 1: Hallo! Es geht um ein Loch in der Wand!

User 7 (Typ Hausmotz): Solange du nicht nach 19 Uhr bohrst, kannst du das machen, wie du willst.

User 6: Loch in der Wand? Ist doch langweilig!

User 8 (der Analytiker): Wozu brauchst du denn das Loch?

User 1: Ist das nicht egal?

User 9 (der Internet-Philosoph): Niemand in der Welt braucht ein 8er-Loch, außer der Golf-Spieler, den der braucht 18 Löcher.

User 8: Also, wenn du mir nicht sagen willst, wofür du das Loch brauchst, kann ich dir nicht richtig helfen. Ich muss doch wissen worum es geht, damit ich dir die richtige Antwort geben kann.

User 10 antwortet auf User 9: Hast recht! Mein Alter ist Handwerker. Der hat mal nen 8er Dübel in ein 6er Loch geschlagen. Ging auch!

Sind Sie ein normaler Mensch, dann platzt Ihnen spätestens hier der Kragen. Infolge werden Sie für eine Woche auf Facebook gesperrt, müssen sich einen Handwerker suchen, der mit einer schweren Hilti für 76,29 Euro plus Mehrwertsteuer plus Anfahrtkosten das Loch bohrt und gleichzeitig großflächig den Putz von der Wand bröckelt.

Also, stellen Sie keine Fragen!


Experten

Juli 7, 2020

Es ist ein kaum beachtetes Phänomen, dass das deutsche Volk offensichtlich nur aus Experten besteht. Schon zur Fußballweltmeisterschaft zeigte sich, dass wir zwar nur einen Bundestrainer haben, aber mindestens achtzig Millionen Bundesbürger, die diesen Job besser gemacht hätten.

Gerade in der heutigen Zeit ist der Rat des Experten gefragt. Virologen, Epidemiologen und was der Fachkräfte mehr auf dem Markt ist. Und alle haben sie eine Meinung, nämlich die eigene, die von der anderer natürlich abweicht.

Auch wer nicht studiert oder promoviert hat, gibt gerne seinen Senf dazu, meist ungefragt. Schließlich informiert sich der aufmerksame Bürger in dem täglich erscheinenden Wissenschafts-Fachjournal aus dem Springer-Verlag, welches auf Seite 1 mit so existentiellen Sachverhalten aufwartet wie „Corona! Was Sie jetzt über das Virus wissen müssen!“ Auf Seite 3 lesen wir dann, dass Philipp Amthor vor dem Bundestag keinen Parkplatz findet, gefolgt von der Spitzeninformation auf Seite 4, dass der Wendler pleite ist. Nur über das Virus steht da nichts.

Trotzdem redet der geneigte Leser, den es eigentlich gar nicht gibt (Niemand hat die Absicht, diese Zeitung zu kaufen!) mit.

Damit unterscheidet er sich wenig von unseren politischen Eliten, die sich in diversen Talkshows die Klinke in die Hand und das Wort aus dem Mund nehmen. Manchmal frage ich mich allerdings, wer diese Politiker zu den Talkshows einlädt? Oder laden die sich selbst ein? Nach dem Motto: Ich habe schlechte Umfragewerte. Ich muss mal wieder ins Fernsehen?

Wie muss ich mir ein solches Casting vorstellen?

Für die nächste Talkrunde brauchen wir einen Rechtsexperten.“

Wie wär‘s mir dem Gauland?“

Einen Rechtsexperten, keinen rechten Experten!“

Ach, so!“

Außerdem möchte diesmal nicht so viele Politiker in der Runde.“

Dann nimm den Markus Lanz! Der hat doch immer recht.“

Der soll die Runde schon moderieren.“

Wir könnten den Pfeiffer fragen, ob der Zeit hat.“

Der ist Kriminologe, kein Jurist! Haben wir denn keinen Juristen in der Kartei?“

Äh …, die sind alle im Urlaub.“

Irgendjemanden müssen wir doch noch greifbar haben.“

Da wäre noch Anton Schneidbrenner.“

Welche Qualifikation?“

Wird ständig wegen verschiedener Delikte von der Kriminalpolizei vernommen.“

Ich soll einen Straftäter in die Show einladen? Kommt gar nicht in Frage!“

Das ist ja das schöne: Er ist noch nie verurteilt worden. Kennt sich also mit dem Rechtssystem aus. Und heißt es nicht ‚In dubio pro libido‘?“

Reo!“

Wie?“

Egal! Noch jemand?“

Ah! Hier: Frau Dr. Hiltrud Dingeldei!“

Hört sich gut an. Juristin?“

Äh, nein.“

Aber studiert hat sie, als Frau Doktor. Was macht sie beruflich?“

Also studiert hat sie jetzt nicht. Sie ist die Ehefrau von einem Landarzt und wird deshalb in ihrem Ort Frau Doktor genannt.“

Das ist doch keine Qualifikation. Was hat die mit Recht zu tun.“

Die Dame ist Putzfrau am Amtsgericht und liest im Richterzimmer immer die Fallakten. Also wenn die sich nicht auskennt, dann weiß ich auch nicht weiter.“

Ich kann doch keine Putzfrau in die Talkrunde nehmen.“

Wieso nicht? Mit der Kramp-Karrenbauer ging das doch auch.“

Es hilft nichts: Wir nehmen die üblichen Teilnehmer: Roth, Hofreiter, Merz, Lindner und die Weidel. Soll der Lanz zusehen, was er daraus macht.“

Und jetzt wird uns auch klar, warum immer die gleichen Gesichter in den Talkrunden zu sehen sind, egal um welches Thema es sich handelt.


Neulich an der Markthalle

Juni 1, 2020

Vor ein paar Wochen sahen unsere Innenstädte noch wie Geisterstädte aus. Kaum ein Mensch auf den Straßen. Wer nicht unbedingt irgendwohin musste, blieb zu Hause. So nach und nach nähern wir uns der Normalität. Die Geschäfte dürfen wieder öffnen und seit kurzem auch die Restaurationen. Das haben meine Frau und ich letzte Woche genutzt, uns ein sonniges Plätzchen an der Markthalle gesucht, um ein leckeres Getränk zu genießen.

Doch anstatt unsere erste Bestellung entgegen zu nehmen, legte uns die Kellnerin Zettel und Stift auf den Tisch. „Das müssen Sie erst mal ausfüllen“, sagte sie. „Ist neue Vorschrift!“

Klar, um nachvollziehen zu können, wer sich möglicherweise durch Kontakt im Restaurant infiziert hat, soll man seinen Namen und seine Erreichbarkeit hinterlassen. Das hat Sinn!

Ich nahm den Stift zur Hand, als ich ein „Pst!“ hörte. Irritiert drehte ich mich um.

Schreiben Sie bloß nicht Ihren richtigen Namen auf den Zettel!“, raunte mir ein Mann vom Nachbartisch zu.

Warum nicht?“, fragte ich zurück. „Ich will doch informiert werden, falls es in diesem Lokal einen Corona-Fall gibt und ich mich möglicherweise angesteckt habe.“

Papperlapapp! Corona!“, wiegelte der Mann ab. „Damit hat das überhaupt nichts zu tun.“

Aber es steht doch auf dem Zettel“, antwortete ich.

Sie glauben offensichtlich auch, was in der Tageszeitung steht“, sagte mein Gegenüber.

Hören Sie!“, setzte er kurz darauf erneut an. „Das alles dient lediglich der staatlichen Überwachung. Mit diesem Zettel helfen Sie den Behörden, ein Bewegungsbild von Ihnen zu erstellen.“

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es den Staat interessiert, ob ich Pizza oder Steak bevorzuge.“

Da haben Sie möglicherweise recht, aber er will wissen, welche Restaurants sie bevorzugen.“

Aber warum?“, fragte ich.

Wegen Bill Gates!“

Hä?“

Der hat doch die WHO gekauft, um alle Menschen zwangsimpfen zu können. Doch hier in Deutschland klappt das nicht.“

Wegen unseres Grundgesetzes“, warf ich im Brustton der Überzeugung ein.

Ach was, Grundgesetz! Pff! Hier sind einfach schon zu viele Menschen erwacht. Deswegen! Und daher versucht man nun die Chips als Nanoroboter in unserer Nahrung zu verabreichen, damit er endlich die Kontrolle über die Menschen zurück erlangt.“

Warum sollte er das wollen?“, fragte ich.

Sie wissen doch sicher, dass Bill Gates einer der letzten Atlanter ist“, sagte der Mann.

Äh, ja. Und Angela Merkel ist seine Schwester.“

Quatsch! Das ist reine Verschwörungstheorie von irgend so einem Wirrkopf. Angela ist die Cousine zweiten Grades von Bill Gates“, erwiderte er mit erhobenen Zeigefinger.

Wie dem auch sei“, fuhr er fort, „die Menschheit wurde damals in geheimen Gen-Labors auf Atlantis gezüchtet. Deshalb suchen wir auch vergeblich nach dem Missing Link. Das gibt es gar nicht. Und nun ist die Menschheit außer Kontrolle geraten und muss wieder zur Räson gebracht werden.“

Mit Nanobots, die in meine Pizza eingebacken werden …“

Genau!“, nickte der Mann. „Schauen Sie mal da drüben den Kellner an!“

Ich drehte mich zur anderen Seite.

Nicht so auffällig, Mann!“, schrie er entsetzt flüsternd. „Was glauben Sie, was er da macht?“

Er tippt die Bestellung des Gastes in sein Gerät und übermittelt sie an die Kasse“, antwortete ich.

Blödsinn! Die Bestellung kann er sich so merken. Er scannt die Hirnfrequenz des Gastes und übermittelt die Daten an die CIA!“

Nicht an Microsoft?“, fragte ich lächelnd.

Kopfschüttelnd stand der Mann auf. „Bei Ihnen ist Hopfen und Malz verloren. Ich hoffe für Sie, dass Sie eines Tages erwachen, bevor es zu spät ist.“

Das hoffe ich auch. Irgendwann muss wieder Normalität eintreten. Die Menschen werden immer verwirrter durch diese Situation. Das dachte wahrscheinlich auch die Kellnerin, als ich statt eines Aperol-Spritz eine Rolle Alufolie bei ihr bestellte.


Die Corona-Verschwörung

Mai 4, 2020

Offiziell begann alles mit einer nicht ganz durchgekochten Fledermaus. Und nun hat es uns alle im Griff, die ganze Welt. Glauben Sie nicht? Ich auch nicht! Der Chinese neigt zwar dazu, jedes lebende Tier in Essbares zu verwandeln, aber das eine Fledermaus das Ganze nun ausgelöst haben soll, erscheint mir nicht plausibel.

Anderen auch nicht, die dann behaupten, der Chinese habe dieses Virus bewusst in die Welt gesetzt, um die führende Rolle im Weltwirtschaftssystem zu übernehmen. So wird es zumindest von einigen führenden Professoren der Youtube-Universität gelehrt. Klingt auf den ersten Blick plausibel. Aber welcher Geschäftsmann killt seine Handelspartner, um seine Umsätze zu steigern? Das kann sich vielleicht ein Bestattungsunternehmer leisten, aber auch nur eine gewisse Zeit, dann fliegt er auf und ist ruiniert.

Letztendlich wissen wir noch nicht, wo dieses Virus herkommt. Ist es eine Züchtung? Oder eine Mutation? Keine Ahnung. Aber es ist da! Und wir sollten verdammt nochmal anfangen, damit zu leben. Denn dieses Ding ist viraler als ein Instagram-Video. Wir kennen nur die Zahlen von getesteten Menschen, aber nicht die von Menschen, die die Krankheit mit minimalen Symptomen durchgemacht haben und nicht getestet wurden. Also plädiere ich dafür, erst einmal die Füße still zu halten.

Das sagen auch andere, die der festen Überzeugung sind, dass das Virus eine Erfindung der Regierung ist. Es gibt kein Corona! Oder haben Sie schon mal ein Virus gesehen? Nein? Na, bitte! Die Pharma-Lobby will uns in Zusammenarbeit mit Mutti nur ausbeuten – und impfen! Damit wir endlich alle diesen Kontroll-Chip bekommen. Und wer das nicht glaubt, ist ein Schlafschaf!

Doch hier spaltet sich die Gemeinde der fröhlichen Leichtmetall-Kopfbedeckten. Während die einen nicht an das Virus glauben, sind die anderen fest davon überzeugt, dass dieses fiese kleine Ding gezielt ausgebracht wurde.

Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, dass es kaum noch Kondensstreifen am Himmel gibt? Das liegt nicht etwa daran, dass der Flugverkehr fast komplett zum Erliegen gekommen ist, sondern schlicht und ergreifend daran, dass nicht mehr gesprüht wird. Was HARP, 5G und Chemtrails nicht geschafft haben, erledigt jetzt das Virus.

Nach neuesten Erkenntnissen der Kurzfilm-Akademie hat sich eine Gruppe aus Ärzten, Richtern und Polizisten verschworen, mit Hilfe von Corona unnützes Leben, also Rentner und Drogensüchtige, zu dezimieren. Ob Sie weiter leben dürfen, oder doch aus dem Einwohnermelderegister gestrichen werden, entscheidet übrigens Ihr Zahnarzt anhand Ihres Gebisses. Also beim nächsten Loch im Zahn, lieber zum Baumarkt und ’ne Tube Spachtelmasse holen, anstatt zum weißbekittelten Richter über Leben und Tod.

So, so. Polizisten sind also an einer Verschwörung beteiligt. Man kann uns ja vieles nachsagen, aber das? Das geht zu weit. Obwohl – wenn ich recht überlege … Das ist eigentlich so schräg, dass man sich das gar nicht ausdenken kann. Also muss was dran sein.

Äh, Moment! Was schreibe ich da? Hätte ich vorhin beim Streichen der Holzdielen auf dem Balkon doch lieber eine Atemmaske tragen sollen? Oder sollte ich mal das Bier weglassen, den Wein oder den Gin?

Ich habe natürlich sofort mit meinen neuen Beratern gesprochen. Sowohl meine beiden medizinischen Fachkräfte, Professor Dr. Müller-Thurgau und Dr. Riesling als auch mein höchst eloquenter Experte für Gesellschaftsfragen Baron von und zu Blauburgunder waren der einhelligen Meinung: „Nö!“ Muss also doch an den Dämpfen liegen.

Apropos Dampf und schlechte Luft: Haben Sie in der letzten Zeit mal wieder was von Greta gehört? Also ich nicht! Ich kann Ihnen auch sagen, warum: Sie war es, sie hat das Virus in die Welt gesetzt. Der Beweis ist einfach: Das Wort Corona hat 6 Buchstaben. Wenn Sie die Buchstaben durch Zahlen der Alphabet-Reihenfolge ersetzen und zusammen zählen kommen Sie auf 66, haben also 3 x die 6. Und was ist die 6 im Alphabet? Das F – FFF = „Fridays for Future“! Tatsächlich verhält es sich so, dass wir durch den Lock down zum ersten Mal unsere Klimaziele in Deutschland erreichen werden. Der Eisbär kann also auf seiner Scholle sitzen bleiben, und Greta ist zufrieden, weil die Welt gerettet wurde. Durch ein Virus!

So. Genug geschwurbelt. Ich werde mir jetzt mit meinen beiden neuen Freunden Jack Daniels und Jim Beam Gedanken machen, ob ich mich nach der Krise zuerst bei den Weight Watchers oder den Anonymen Alkoholikern anmelde. Ach, ich darf ja nur einen einladen. Immer diese Entscheidungen, die man treffen muss …

Also, kommen Sie gut durch die Krise und vor allem: Bleiben Sie gesund!


Der Untergang des Abendlandes

April 6, 2020

Gestern morgen ist bei unserem Penny-Markt ein Lastwagen vorgefahren. Ausgeladen wurden zwei große Paletten mit Toilettenpapier. Zum Glück hat unser Einkaufscenter, in dem auch der Penny integriert ist, einen eigenen Sicherheitsdienst. Die Gestalten, die in der Nähe der Laderampe rumlungerten, waren schon nicht ganz koscher.

Ehrlich gesagt, habe ich das gar nicht mitbekommen. Bin aber dennoch an diesem Tag früh morgens einkaufen gegangen. Unter anderem brauchte ich auch Toilettenpapier. Und es spielten sich Dramen im Discounter ab:

Eine völlig überforderte Angestellte versuchte gerade, die Regale aufzufüllen. Doch sobald sie ein oder mehrere Pakete in die Hand nahm, wurden ihr diese von verzweifelten Menschen aus der Hand gerissen. Menschen, deren Einkaufswagen schon bis zum Rand mit Mehl, Nudeln und Konserven gefüllt waren.

Wie durch ein Wunder gelang es mir, eine Packung der heiß begehrten Kack-Tapete zu ergattern. Dabei war ich sogar freundlich, grinste die Angestellte an und fragte leise: „Darf ich?“ Zitternd überreichte sie mir ein Paket meine bevorzugten Marke. Ich weiß nicht, was in der Dame vorging, aber ich war froh, dass ich das 240er Schmirgelpapier aus dem Baumarkt wieder in den Keller bringen konnte.

Gefeiert habe ich Kassiererin, die dem Herrn vor mir acht Packungen Klopapier vom Band nahm, hinter sich schmiss und brüllte: „Handelsübliche Mengen, du Spacken!“

Heute schrieb uns ein Bekannter, dass er bei Aldi Konserven kaufen wollte. Es gab nur noch Erbsensuppe. Alles andere an Konserven war weg.

Vor meinem geistigen Auge habe ich das Bild eines Industriekomplexes mitten in der Pampa. Ein drei Meter hoher Stahl-Maschendraht-Zaun umschließt das Gelände. Durch den Zaun fließen Fünftausend Volt. Die grellen Leuchtfinger der Suchscheinwerfer zerschneiden das Gelände, auf dem schwerbewaffnete Wachen patrouillieren. Im Gebäude schöpfen Mini-Jobber … Klopapier!

Okay, jetzt wird’s schräg! Aber immerhin schreiben wir heute Freitag, den 13. März 2020.

Am Sonntag fliege ich nach Portugal, einem Land, das derzeit noch etwas entspannter mit diesem kleinen, höchst ansteckenden, aber dennoch eigentlich wenig schlimmen Virus umgeht. Irgendwie wünsche ich mir, dass in diesen 14 Tagen, die ich dort verbringe, Deutschland ein vierwöchiges Einreiseverbot verhängt – die Grenzen einfach schließt. Natürlich ist das böse, aber es würde meinen Urlaub verlängern, und ich muss mir diesen Driss hier nicht mehr antun.

Aber was kommt bei der Rückkehr? Am Flughafen Hannover sind diverse Scheiben eingeschlagen. Am Gate 12 liegt eine Maschine, deren Vorderrad abgebrochen ist. Oberhalb der Tragfläche klafft ein rußgeschwärztes Einschussloch. Das Klopapier wurde geplündert!

Auf ein Taxi warten wir vergebens. Der öffentliche Personennahverkehr ist aus Angst vor dem Virus eingestellt worden. Irgendwann fährt ein Mann in einem abgewrackten Opel Corsa vor und bietet an, uns für 300,- Euro fünf Kilometer weit zu transportieren. Fast bis nach Hause. Bis zur Haustür verlangt er zusätzlich eine Rolle Klopapier, die ich verspreche ihm aus der Wohnung zu holen.

Am nächsten Morgen will ich einkaufen, einfach nur das notwendigste für die nächsten Tage. In einer leeren Fußgängerzone treibt der Wind Tumbleweeds vor meine Füße. Vor dem Penny steht ein Wachmann mit Schutzweste und schaut mich grimmig an.

Was?“, fragt er mich brüllend.

Essen, trinken, verdauen?“, frage ich zögernd zurück.

Hast du Geld?“ fragt er mich.

Hundert Euro – so in etwa“, antworte ich.

Na dann, viel Erfolg!“, grinst er mich an.

Wie Vincent Vega im Wohnzimmer von Mia Wallace streife ich durch einen leer gefegten Discounter. Ich finde eine verschrumpelte Holland-Gurke für 3,90 Euro. Eine halb ausgedrückte Zahnpasta-Tube wird mir für 6,70 Euro angeboten. Und ich finde eine Rolle meiner bevorzugten Kack-Tapete. 12,99 Euro – eine Rolle. Bin ich im falschen Film?

Offensichtlich. Denn inzwischen las ich eine Meldung, dass in China die Zahl der Genesenden die Zahl der Neuinfizierten übersteigt. Eine gute Nachricht, die mir zeigt, dass nichts so heiß gegessen wie es gekocht wird. Also lasst uns mit Zuversicht in die Zukunft blicken, schleppt die 200 Konservendosen und 12 Groß-Kartons Klopapier in den Keller und denkt daran: Die nächste Apokalypse liegt in schon in den Redaktionen bereit!


Intelligenz und andere Einschränkungen

März 2, 2020

Leiden Sie auch an Allergien? Heutzutage kann man gegen alles mögliche allergisch sein: Hausstaub, Tierhaare, Gräser, Gluten. Alles Dinge, denen man kaum aus dem Weg gehen kann. Wer nicht allergisch ist, legt sich wenigstens eine ordentliche Intoleranz zu, zum Beispiel gegen Laktose.

Ich bin allergisch gegen unsere Katze. Nicht weil dieses Biest absolut nervig ist, sondern ein Hautarzt hat das mal bei mir festgestellt. Dazu kommen noch einige Pollenarten, die mir im Frühjahr und Sommer das Leben erschweren.

Allerdings kann ich jetzt nicht behaupten, dass ich darunter sehr leide. Eine andere Allergie macht mir viel mehr zu schaffen: die Intelligenz-Allergie so mancher Mitmenschen. Da entwickel ich auch manches mal eine Intoleranz.

Inzwischen schießen diese Bonsai-Gehirne fast wie Pilze aus dem Boden. Früher hatte man mal vereinzelt einen, der im Glauben lebte, Deutschland sei eine GmbH oder der Bilderberger-Theorie anhing. Heute vermehrt sich die Zahl der Flat-Earther, Chemtrail-Gläubigen, Lichtgestalt-Anhängern, Reptiloiden-Hörigen oder Homöopathen mit atemberaubender Geschwindigkeit.

Und das, obwohl es noch nie so einfach war, sich Informationen und Wissen zu verschaffen. Nicht Deutschland ist eine GmbH. Die Deutschen selbst entwickeln sich zu einer GmbH – zu einer Gesellschaft mit beschränkter Hirnleistung.

Doch es sind nicht nur diese Auswüchse, die einen verzweifeln lassen. Auch allgemein macht sich ein gewissen Trägheit der Denkmuskulatur breit.

Stellen Sie sich vor, sie sind Landwirt und gerade auf dem Weg zu ihren Feldern, um Kartoffeln zu roden. Für Sie sicherlich eine sinnvolle Tätigkeit, sorgt diese doch nicht nur dafür, dass viele Menschen satt werden, sondern auch, dass ihre Tasche sich mit Geld füllt, wenn auch nur geringfügig.

Sie sitzen also gerade auf Ihrem Traktor, der Kartoffelroder ist angespannt, doch plötzlich springt aus Ihrem Feld eine Meute Demonstranten hervor und schreit: „Keine Rodung heute! Das verhindert unsere Meute!“

Zugegeben, das ist jetzt nicht der intelligenteste Slogan, aber als Landwirt sind Sie erstmal baff.

Ein aufgebrachter Schafswoll-Pullover hält Ihnen ein Schild mit der Aufschrift „Kartoffeln sind Leben!“ entgegen (Kartoffel auch gerne nur mit einem „f“).

Auf einem weiteren Transparent prangt der Slogan „Blattgrün bindet CO2!“

Dass dieses Blattgrün einfach zum Winter hin vergammelt, wenn nicht gerodet wird, ist den Demonstranten schlichtweg egal. So weit haben sie nicht gedacht. Wozu auch. Es geht ums das Jetzt.

Dazu wird Ihnen ein Flugblatt überreicht, dass Ihnen erklärt, dass Ihre Monokulturen das größtdenkbare ökologische Desaster darstellen, Sie nur ein Knecht der Konsumgesellschaft sind, die Sie mit ihren Monsanto-Produkten selbst vergiften und eigentlich komplett enteignet gehören.

Undenkbar?

So ähnlich wie Ihnen als Landwirt geht es gerade Elon Musk. Wir rekapitulieren: Weil wir so gerne Elektroautos fahren wollen, uns aber immer wieder mit Vorschriften und anderen Aktionen gegenseitig Knüppel zwischen die Beine werfen, hat sich Elon gedacht, ich helfe dem armen Deutschen mal und baue schnell eine Fabrik für tolle E-Autos.

Also erwarb er unweit von Berlin ein Grundstück und ließ mit der Abholzung beginnen, was sofort die Grünen auf den Plan rief. Die Rodung wurde gestoppt.

Jedoch: Es handelt sich nicht um einen Wald, sondern um eine Nutzholz-Plantage. Die Bäume waren eh dafür vorgesehen, zu Möbeln und Brennholz verarbeitet zu werden.

Stattdessen werden bei uns alte, natürlich gewachsene Wälder abgeholzt, um Windräder aufzustellen. Damit diese den Strom erzeugen, den wir für die E-Autos brauchen, die gar nicht erst gebaut werden können.

Willkommen in Beklopptistan!

Ich habe mich jetzt der DGIA angeschlossen, der Deutschen Gesellschaft der Intelligenz-Agnostiker. Wir glauben, dass es die deutsche Intelligenz gibt, aber der Nachweis ist leider nicht möglich.


Vorsätze-Check

Februar 3, 2020

Die ersten Wochen des neuen Jahres sind ins Land gezogen. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Eigentlich ist das Jahr gut angelaufen. In Australien hat es angefangen zu regnen. Sie haben es sicherlich bemerkt, die Lage dort ist zwar immer noch dramatisch, aber da es jetzt weniger brennt, wird auch weniger – bis gar nicht – berichtet.

Der Klima-Gipfel in Davos ist angelaufen. Auch Greta ist dort – und viele ihrer prominenten Anhänger, die eigens mit ihren Privatjets angeflogen sind, um sie im Kampf gegen das Klima zu unterstützen … ach ne, gegen den Klimawandel. Das war’s.

Auch persönlich scheint es bei einigen Menschen gut zu laufen. Zum Beispiel bei Robert Habeck, der von unserer Presse seit neuestem als „Politik-Gigant“ gefeiert wird, weil er die Rede von Blondschopf Donald für „das Dümmste, was er jemals gehört hat“ hielt. Anscheinend war er nie im Bundestag anwesend, wenn jemand von der AfD eine Rede gehalten hat. Aber wenn ein 2. Vorsitzender einer Oppositionspartei im Bundestag auf eine Stufe mit dem Präsidenten der mächtigsten Nation der Erde gestellt wird? Das ist ein Erfolg. Respekt!

Und bei Ihnen persönlich? Wie sieht es aus? Halten die Vorsätze noch? Oder sind die meisten schon abgearbeitet?

Haben Sie weniger geraucht oder gar aufgehört? Löblich!

Nie wieder Alkohol? Kommen Sie, das will doch eigentlich keiner. Ich hab mir sagen lassen, dass dieser Vorsatz meist nur bis zur nächsten Party hält, also eigentlich überflüssig ist.

Ich habe eine Kollegin, die das mit den Vorsätzen ganz geschickt gelöst hat, zumindest mit einem. Sie fängt erst zum Februar mit dem Sport an. Das hat den Vorteil, dass die meisten Schnupper-Verträge mit Beratungsstunde und Selfies an der Hantelbank und dem Crosstrainer schon durch sind und man selbst wieder nahezu ungestört trainieren kann.

Mehr Sport war auch mein Vorsatz für das Jahr. Ich hab da schließlich noch so einen ungenutzten Vertrag mit ’nem Fitness-Studio vom letzten Mal. Der ist zwar weiterhin ungenutzt, aber immerhin versuche ich, mehrmals in der Woche Schwimmen zu gehen. Manchmal scheitert es am Dienstplan, aber meistens klappt es.

So auch gestern. Ganz in Ruhe zog ich meine Bahnen, bis … Ja, bis auf einmal eine Gruppe Kinder die Halle stürmte, ins Wasser sprang und eine übermotivierte Trainerin einen Haufen kleiner Bälle ins Wasser warf, die die Kinder einsammeln sollten.

Vorbei war das ruhige Ziehen von Bahnen. Die Bälle breiteten sich immer weiter aus und trieben kurz darauf durch das ganze Becken. Selbst ein Ausweichen oder Schwimmen im Zickzack half nicht mehr, denn immer wieder tauchte vor einem ein Junge oder Mädchen auf, bemüht sich einen der Bälle zu holen.

Okay!, dachte ich. Bevor du jetzt deinen zweiten Vorsatz, dieses Jahr niemanden zu töten, brichst, hörst du lieber auf. Morgen ist auch noch ein Tag.

Sie mögen diesen zweiten guten Vorsatz vielleicht übertrieben finden, weil man nicht so einfach daher geht und einem das Genick bricht, nur weil das Gesicht nicht gefällt oder das von diesem Menschen gesprochene Wort. Aber die Möglichkeit hätte jeder und manche machen das sogar. Deswegen, finde ich, sollte dieser Vorsatz auf keiner Liste fehlen. Ich habe diesen Vorsatz seit über 10 Jahren auf meiner Liste. Es funktioniert! Probieren Sie es aus!

Es ist für jeden ein positives Erlebnis, das einen auch mit Glücksgefühlen überschütten kann, wenn man zum Ende des Jahres zu sagen vermag: „Hab ich mir vorgenommen! Hab ich mich auch dran gehalten!“

Ihre Mitmenschen freut das sicherlich auch.

Meine dritte Intention Anno 2020, mich allgemein verständlicher auszudrücken, werde ich am Ende des ersten Drittels vom zweiten Quartal evaluieren. Bis dahin werde ich versuchen, innert eines intensiven Personality-Coachings meine Ideologie disloziert zu verbalisieren, bis das Feedback der Interaktionspartner einen positiven Duktus einnimmt.

Hä?

Also ich werde mich fürderhin bemühen, verständlicher zu schreiben. Zum Beispiel auf Facebook, damit auch Grün-Ideologen verstehen, was ich meine – oder AfD-Wähler.

Und natürlich auch Sie, liebe Leser. Schließlich möchte ich Sie auch weiterhin mit Anekdoten, Bonmots oder gar ganzen Geschichten erfreuen.