Was wird werden?

Januar 8, 2018

Schon wieder ist ein Jahr vorüber, das neue hat begonnen. So mancher wird sich fragen: „Was bringt mir das neue Jahr?“ Jeder macht sich Gedanken. Einige haben auch Angst vor 2018 – obwohl es aufgrund neuester Experten-Einschätzungen völlig unbegründet ist. 2019 wird schlimmer! Und wenn Sie das überlebt haben, kommt auch noch 2020.

Also kein Grund zur Sorge, trotz allem, was man immer lesen muss: Fluglinien fliegen in die Pleite. Ein ICE vergisst einen Halt auf der Strecke – das sogar mehrmals. Ein Regionalzug biegt falsch ab, weil der Lokführer ein seltenes Pokemon entdeckt hat. Alles schlimm!

Dazu kommen die ganzen weltpolitischen Probleme: Ein tumber Blondschopf aus Amerika setzt neue diplomatische Maßstäbe. Ein kleiner, korpulenter Diktator schießt Raketen durch die Gegend. Auf dem Bosporus, verdreht jemand demokratische Grundwerte und droht mit Konsequenzen, wenn wir ihm nicht die Füße küssen. Das ist herb!

Jetzt hat auch noch unsere Nachbarland Österreich einen neuen Dik … äh … Kanzler. Unsere Presse läuft Amok: „Kann der das überhaupt? Der ist doch erst 31 – viel zu jung, um Erfahrung zu haben!“ Es wird gefragt, warum die Österreicher so gewählt haben. Dabei ist die Antwort ganz einfach: Weil sie es können! Das nennt man Demokratie und ist nicht gefährlich!

Machen Sie sich lieber Gedanken über Ihre eigene Umgebung. Was wird sich ändern? Nichts, wenn Sie es nicht wollen. Also genießen Sie das neue Jahr.

Schauen Sie nach Berlin. Da ändert sich auch nichts. Unsere Bundesregierung dümpelt vor sich. Es ändert sich nichts. Auch der Schönefelder Flughafen bleibt weiter in Betrieb. BER verschlingt immer noch Unsummen. Alles bleibt beim Alten.

Na ja, vielleicht entdecken sie irgendwo in Kreuzberg noch ein Pärchen, das gerne auf dem Kopf stehend pinkelt und man wird eine neue öffentliche Toilette installieren, weil Unisex- und Transgender-Toiletten nicht die Möglichkeit bieten.

Aber hat das Auswirkungen auf Ihr persönliches Leben? Nein! Das Geld für die öffentliche Toilette hätten Sie sowieso nie zu Gesicht bekommen, weil es entweder nie da war, oder anderweitig verbrannt werden würde.

Auch im Süden unseres Landes wird alles beim Alten bleiben. In Stuttgart wird weiterhin am Bahnhof gebaut. Solch eine Panne wie Anfang 2017 in Hamburg, dass plötzlich ein öffentliches Großbauprojekt beendet und eröffnet wird, passiert so schnell nicht wieder. Zum Glück konnte bereits im April mit der Sanierung begonnen werden. Nicht dass sich da noch öffentliche Gelder ungenutzt ansammeln.

Nein, wir befinden uns auf einem guten Weg und deshalb sollten Sie voller Hoffnung auf das Jahr 2018 blicken.

Selbst unsere Innenstädte werden sich wieder beleben. Nachdem der Online-Handel den Einzelhandel systematisch ausgerottet hat, plant Amazon, in den leerstehenden Geschäften eigene Shops zu installieren. Das ist zwar nicht konsequent durchdacht, weil der typische Amazonkunde immer noch online bestellen wird, aber die Post wird in einer beispiellosen Kooperations-Personal-Einsparungs-Aktion erwirken, dass sich zumindest in der Vorweihnachtszeit die Amazon-Shops mit Paketabholern füllen.

Da können Sie vielleicht mit einem kleinen Glühweinstand vor dem Laden etwas vom Kuchen abgreifen.

Also grämen Sie sich nicht – planen Sie einen längeren Urlaub. Keine Bange vor den Kosten, auch wenn die Billigflieger von AirBerlin oder Niki nicht mehr unterwegs sind. Es gibt noch Stehplätze bei Ryan Air.

Auch Türkei-Urlaube sind wahnsinnig preiswert geworden. Buchen Sie ein Wochenende und sprechen Sie am Flughafen Antalya die richtigen Worte aus. Werden Sie gehört, wird Ihr Urlaub automatisch auf Staatskosten um mindesten drei Monate verlängert. Mit ein bisschen Glück können Sie aus dem vergitterten Fenster Ihrer Unterkunft sogar das Meer sehen. Und die Anteilnahme unserer Bundesregierung ist Ihnen gewiss.

Sie sehen, die Möglichkeiten sind auch 2018 nahezu unbegrenzt.

Ich selbst habe mir einen Selbstfindungsprozess für 2018 vorgenommen. Ich werde mich selbst suchen. Sollten Sie mich 2018 also antreffen, bevor ich von meiner Suche zurückgekommen bin, dann sagen Sie mir doch bitte, dass ich auf mich warten soll, bis ich wieder da bin.

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Vater-Sohn-Gespräch

Dezember 4, 2017

Neulich saß Jesus auf einer Wolke. Mit trüben Blick starrte er hinunter auf die Erde. Er seufzte.

Mein Sohn!“, hallte eine Stimme durch das Firmament. „Was bist du so traurig?“

Ach Vater“, antwortete Jesus, „in wenigen Tagen habe ich Geburtstag.“

Aber ist das nicht ein Grund zur Freude?“, fragte Gott. „Auch die Menschen freuen sich auf deinen Geburtstag und feiern ihn.“

Die freuen sich nicht auf meinen Geburtstag“, antwortete Jesus verbittert. „Für die meisten Menschen ist das Weihnachtsfest doch nur Kommerz. Und wehe die Geschenke sind nicht ausreichend. Wer geht denn noch in die Kirche?“

Na, ein paar sind es ja noch.“

Ho, ho, ho! Hat da jemand von Geschenken gesprochen?“

Klappe, Claus!“, riefen Jesus und Gott wie aus einem Mund.

Die Weihnachtszeit sollte eine Zeit der inneren Einkehr und Besinnlichkeit sein“, beschwerte sich Jesus. „Und was machen die Menschen stattdessen? Liegen ausgekotzt und besinnungslos am Glühweinstand.“

Mal ehrlich, Sohn: Was hast du erwartet?“

Hab ich den Menschen nicht meine Lehren mit auf den Weg gegeben? Meine Jünger sind in die ganze Welt gezogen und haben meine Geschichte erzählt. – Und es hat funktioniert!“

Eine Zeit lang. Und jetzt? Ich hab’s dir damals gesagt: Mit Glaube, Liebe, Hoffnung, ziehst du eines Tages keine Wurst mehr vom Teller. Ich hab es dir gesagt!“

Ja, Vater!“, entgegnete Jesus genervt.

Und dass du dich damals für dieses Pack ans Kreuz hast nageln lassen, war eine Schnapsidee!“

Vater!“ Empört schaute Jesus auf. „Es sind deine Geschöpfe!“

Eben. Ich kenne die Menschen 4000 Jahre länger als du. Ich habe sie gemacht – nach meinem Ebenbild. Ich weiß, wie sie ticken.“

Ja, ja. Jetzt kommt wieder die alte Leier: Hör auf deinen Vater! Bla, bla, bla!“

Richtig, mein Sohn! Hättest du damals auf mich gehört, hättest du eine schöne Zeit auf der Erde gehabt, ein paar Prophezeiungen und Wunder raus gehauen, und gut wär’s gewesen. Aber nein, du dachtest ja, mit 30 Jahren bist du klüger als der Herr Papa. Warum hast du nichts mit Maria Magdalena angefangen? War doch eine tolle Frau.“

Die Menschen sind mir gefolgt. Sie haben meine Geschichte aufgeschrieben. Ihren Glauben an Gott erneuert. Ist das nichts?“

Und?“, fragte Gott zynisch. „Wie lange hat es gehalten?“

Was wäre denn deine Alternative gewesen?“, fragte Jesus schnippisch.

Eine zweite Sintflut, zum Beispiel?“

Natürlich. Was man nicht mehr braucht, einfach wegspülen.“

Hat doch beim ersten Mal wunderbar funktioniert. Noah und seine Nachkommen hatten wieder Respekt vor mir. Sie wussten: Wenn du nicht gehorchst, ist Schluss mit lustig.“

Aber das geht doch jetzt nicht mehr. Du bist zwar der Allmächtige, aber auch der liebe Gott. Du kannst nicht mehr alles wegspülen, was dir nicht gefällt.“

Kann ich nicht? Pass mal auf!“ Gott hob seine Hände.

Vater! Bitte!“, rief Jesus.

Ist ja gut“, sagte Gott beschwichtigend. „Ich mach es nicht noch einmal – obwohl ich es könnte!“

Eine Zeit lang herrschte Schweigen im Firmament.

Und?“, fragte Gott nach einer Weile, „was willst du jetzt unternehmen, mein Sohn?“

Jesus stützte die Ellbogen auf die Knie und legte seinen Kopf auf die Hände.

Ich weiß es auch nicht, Vater“, seufzte er.

Dann geh hinunter in die Häuser, in denen man noch an dich glaubt. Genieße die Ehre und feiere deinen Geburtstag. Vielleicht ist es ja auch der letzte.“

Aber du versprichst mir, nicht wieder alles wegzuspülen?“

Mein Ehrenwort, Sohn! Inzwischen sind die Menschen viel geschickter geworden, was Vernichtung angeht. Schau dir den blonden Irren in Amerika an, oder seinen kleinen dicken Gegenspieler aus Nordkorea. Die werden es schon richten. Außerdem gibt es ja noch andere Verrückte da unten.“


Neulich bei Bares für Rares

Oktober 3, 2017

Herbert Meier ist auf dem Weg zum Puhlheimer Walzwerk, um den Händlern ein echtes Kleinod deutscher Kulturgeschichte anzubieten. Doch vor die Händler hat der Regisseur die Vorsprache bei den Experten gesetzt, die bewerten sollen, was das Feilgebotene Wert ist.

Oh, da haben wir ja einen neuen Kandidaten. Mein Name ist Horst Lichter. Und wie darf ich Sie nennen?“

Meier. Herbert Meier. Für Sie Herr Meier!“

Na, ja. Ich bin immer noch der Horst. Und Sie haben uns da ja was ganz tolles mitgebracht. So etwas sieht man heutzutage kaum noch.

Mein lieber Sven, was kannst du uns denn zu diesem Stück sagen?“

Sven pustet die Backen auf. „Schwierig!“

Wo haben Sie das überhaupt her, wenn ich fragen darf?“, wendet sich Horst wieder an Herrn Meier.

Von meinem Vater.“

Aha, also quasi ein Familien-Erbstück. Und der hat es wahrscheinlich von seinem Vater, oder?“

Da geh ich mal von aus – ja.“

Sven, nun sag doch auch mal was“, spricht Horst den Experten an.

Na ja, also ich würde es auf die späten 50er, frühe 60er Jahre datieren. Es hat aber auch Elemente aus einer noch früheren Zeit“, antwortet Sven.

Und was ist es wert?“, fragt Horst.

Früher gab es das ja fast überall. Da hätte man dafür nichts bekommen. Aber heute kommt es so selten vor. Da würde ich sagen: das ist unbezahlbar!“

Unbezahlbar?“, staunt Horst. „Das nenn ich mal eine Herausforderung für unsere Händler.“

Er zückt das Händlerkärtchen und reicht es Herrn Meier.

Da vorne geht es zum Händlerraum. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, Herr Meier.“

Wenig später im Händlerraum.

Ein interessantes Stück haben Sie uns da mitgebracht“, sagt Wolfgang und schaut in die Runde. „Wer will anfangen?“

Tu mich den Prügel mal rüber. Ich muss mir das mal angucken“, sagt Walter.

Er schaut über den Rand seiner Brille. „Braucht heute kein Mensch mehr. Aber ich sage mal achtzisch Euro.“

Ich biete Ihnen zwoahundertfuffzige“, sagt Ludwig von der anderen Seite des Tisches.

Susanne, was sagst du?“, fragt Wolfgang.

Ich kaufe nur Schmuck“, antwortet sie.

Fabian, was ist mit dir?“, fragt Wolfgang zur anderen Seite.

Ich steh zwar auf Antikes, aber ich glaube, das passt nicht in mein Schloss. Ich bin raus.“

Walter? Sagst du noch was?“

Mit Zwohundertfuffzisch ist das Teil schon mehr als gut bezahlt. Ich bin raus.“

Verkaufen Sie es dem Ludwig für Zweihunderfünfzig?“, fragt Wolfgang den Anbieter.

Was ist denn mit Ihnen?“, fragt Herr Meier zurück.

Ich?“ Wolfgang schüttelt den Kopf. „Da muss ich passen. Wenn ich mir das zulege, bin ich als Händler und Auktionator ruiniert. Ich kaufe es auf keinen Fall!“

Plötzlich betritt Horst Lichter den Raum. „Na, meine Lieben? Wo stehen wir denn?“

Der Ludwig hat Zweihundertfünfzig Euro geboten“, sagt Wolfgang.

Du lieber Himmel“, sagt Horst erschrocken. „Da hat unser Experte aber einiges mehr an Wert genannt. Bedenkt doch bitte, dass man so etwas heutzutage kaum noch bekommt.“

Du musst aber auch bedenken“, sagt Walter, „dass das kein Mensch mehr braucht.“

Aber das gibt es doch nicht. Es wird da draußen noch ein paar Menschen geben, die das haben, und auch ein paar, die das noch haben wollen.“

Horst, du bist nen Träumer“, entgegnet Walter. „Kein Mensch da draußen will noch Anstand haben. Damit kommste doch nicht vorwärts.“


Stammtisch-Experten zur Wahl

September 4, 2017

Was meinst du? Macht Sie‘s nochmal?“

Wer?“

Na, Mutti!“

Was soll deine Mutter nochmal machen? Pfannkuchen? Bratkartoffeln?“

Doch nicht meine Mutter – die Merkel!“

Ach, so! Die! – Was soll die nochmal machen?“

Na, ob sie die Wahl gewinnt?“

Was für eine Wahl?“

Mensch, die Bundestagswahl. Du bist heute aber schwer von Begriff!“

Dann wäre sie ja an der Regierung. Ob das so toll ist?“

Ist sie doch jetzt auch, Mann!“

Echt?“

Vor Jahren gab es mal eine Umfrage, in der 70% Prozent der Befragten die Merkel toll fanden. In der gleichen Umfrage waren 70% von der Arbeit der Regierung enttäuscht. Wahrscheinlich waren es die gleichen 70% der Befragten. Die haben die Merkel gar nicht mit der Regierung in Verbindung gebracht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass das heute noch der Fall ist.

Na, klar. Die hat uns doch das alles eingebrockt. Die Flüchtlinge, und Europa und so weiter.“

Alter, Europa haben wir doch schon länger. Aber abgesehen davon, wer soll‘s denn machen?“

Wie wär‘s mit dem Schulz?“

Der von der SPD?“

Genau! Vielleicht ändert sich dann was.“

Ich hab zwar nicht viel Ahnung von Politik, aber mit dem wird es auch nicht besser.“

Wieso?“

Überlege doch mal. Die SPD hat den vor Jahren nach Europa entsorgt. Dann haben sie ihn zurückgeholt, damit er die Partei rettet. Und was ist passiert?“

Na, ja. Steht nicht gerade zum Besten mit denen.“

Siehste! Da könnte man auch den Middelhoff aus dem Knast holen, damit er den Bau vom BER-Flughafen vorantreibt.“

Der Vergleich hinkt aber.“

Na, und? Lass ihn hinken. Ist doch eigentlich auch egal, was man wählt. Kommt doch am Ende immer das gleiche bei raus. Auf uns kleine Leute hört man sowieso nicht.“

Hey, jetzt hörst du dich an wie ein AfD-Wähler.“

Noch so‘n Spruch – Kieferbruch!“

Was willst du denn sonst wählen?“

Gegenfrage: Würdest du Boris Becker fragen, ob er deine Finanzen verwaltet?“

Was hat das denn nun wieder mit der Wahl zu tun? Außerdem hab ich nichts auf der hohen Kante.“

Eben. Aber wenn du sagst, die Mutti hat uns das alles eingebrockt, dann kannst du doch nicht die Partei wählen, die jetzt an der ganze Misere beteiligt ist. Oder?“

Aber wen soll man wählen, die Grünen vielleicht!“

Nur über die Leiche meines Diesel, Alter.“

Hä?“

Willst du dir so einen Elektro-Hobel zulegen? Alle 300 Kilometer an die Steckdose?“

Aber wenn es doch der Umwelt hilft …“

Ich mag zwar von Politik keine Ahnung haben, aber in Physik hab ich damals aufgepasst. Wo soll denn der ganze Strom herkommen?“

Na, zum Beispiel aus Solarenergie.“

Klar – weil hier auch so oft die Sonne scheint.“

Windenergie?“

Und wenn kein Wind weht, bleiben wir alle zu Hause, oder was?“

Das wäre toll …“

Spinner! Komm, lass uns jetzt noch ein Bier wählen. Pils oder Export?“

Du kannst aber auch schwierige Fragen stellen.“

Wieso ich? Du hast doch damit angefangen.“


Omas Topflappen mit Pommes

August 4, 2017

Es ist allgemein bekannt, dass die EU-Kommission unermüdlich auf der Suche nach Möglichkeiten ist, unser aller Leben zu verbessern, bequemer zu machen und vor allem gesünder zu gestalten.

So bescherte sie uns schon vor einigen Jahren mit einem umweltfreundlichen Licht, das keine Energie in Wärme verschwendet. Gut, dass Quecksilber in den neuen Lampen ist hochgradig giftig, aber Sie sollen die ja auch nicht essen.

In diesem Jahr greift dann auch endlich die Verbrauchsobergrenze für Staubsauger. Ihre Wohnung wird mit den neuen Geräten zwar nicht sauber, aber immerhin fühlt sich Ihr Nachbar durch Ihre Hausarbeit nicht mehr so belästigt, was das Verhältnis zu ihm wesentlich entlasten dürfte.

Fast unbemerkt blieb der letzte Eingriff in die europäischen Haushalte: die Verbannung von Omas Topflappen.

Wer hat sie nicht, diese schön gehäkelten Stoffquadrate, mit denen uns Oma jahrein jahraus eine Freude machte?

Aber damit ist jetzt Schluss! Der Topflappen unterliegt nunmehr einer EU-Norm. Größe, Form und Hitzebeständigkeit sind genauestens vorgegeben, damit man sich nicht mehr die Flossen verbrennt, wenn man die Pizza aus dem Ofen holt.

Pech für Oma, muss sie sich halt ein anderes Hobby suchen.

Und es geht weiter. Vor wenigen Wochen veröffentlichte die EU-Kommission ein 21-seitiges Papier, das sich mit der korrekten Zubereitung von Pommes Frites beschäftigt. Sie schreiben die Kartoffelsorten vor, bei welcher Temperatur Tiefkühl- oder frische Pommes gebacken werden sollen. Und natürlich auch, wie lange die Kartoffelstäbchen im heißen Fett bleiben dürfen.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Menschen, für die Kartoffeln schälen und würfeln ein und der selbe Arbeitsgang ist, befinden darüber, wie gesunde Pommes zubereitet werden müssen.

Und warum? Weil der EU-Kommission unsere Gesundheit am Herzen liegt. Pommes, vor allem wenn sie zu knusprig sind, können Krebs verursachen. Also nicht die Pommes selbst, sondern das Acrylamid, welches beim Backen im heißen Fett entsteht.

Es ist zwar nachweislich noch kein Mensch durch Acrylamide an Krebs erkrankt, aber bei Laborratten hat es funktioniert. Denen hat man jeden Tag ihr eigenes Körpergewicht an Kartoffel-Chips zu fressen gegeben. Und siehe: Bei einigen Tieren bildete sich ein Karzinom.

Ich erwähnte es schon an anderer Stelle: Wenn Sie täglich ihr eigenes Körpergewicht an Pommes oder Chips zu sich nehmen, dann haben Sie ein gesundheitliches Problem. Das wird Ihnen auch Ihr Hausarzt bestätigen. Aber wenn es Sie beruhigt: Krebs wird es vermutlich nicht sein!

Was soll also diese neue Vorschrift? Wie schon erwähnt soll auch sie unsere Lebensqualität steigern. Gut, labberige Pommes sind nicht gerade ein Genuss, werden Sie sagen. Aber da denken Sie einfach zu kurz.

Die Steigerung der Lebensqualität erfolgt erst im nächsten Schritt. Der Imbiss, der zukünftig Pommes nach EU-Norm anbietet, wird sie leider nicht verkaufen, denn labberige Pommes sind nicht nur kein Genuss sonder einfach ekelig.

Infolgedessen bleiben die Kunden weg. Wer will schon weiche Pommes essen, wenn er nicht Engländer ist? Der Imbiss geht pleite und muss schließen.

Jetzt ist die Steigerung der Lebensqualität erreicht – für die Nachbarn, die bis dato ständig den Geruch von verbranntem Fett in den Gardinen hatten. Endlich wieder das Fenster öffnen und frei durchatmen zu können, ist doch einfach toll. Auch der Ehemann der Pommesbuden-Angestellten wird sich freuen, dass seine Frau nicht mehr nach Currywurst und Schaschlik riecht.

Na gut, werden Sie denken, wenn es dann den Imbiss nicht mehr gibt, mach ich mir die Pommes halt im Backofen.

Doch auch da steckt der Teufel im Detail.

Stellen Sie sich vor, sie haben Besuch. Die Pommes brutzeln im Ofen. Sie sind gerade dabei, den Tisch zu decken, haben alle Hände voll, und plötzlich steigt Ihnen der Geruch von Verbranntem in die Nase. Natürlich wollen Sie jetzt nicht das gute Geschirr aus den Händen gleiten lassen und bitten Ihren Besuch, schnell die Pommes aus dem Ofen zu ziehen. Der greift zu Omas Topflappen, den Sie als gesetzestreuer Bürger natürlich nur noch zu Deko-Zwecken in der Küche hängen haben, und verbrennt sich am heißen Backblech die Flossen.

Gott sei Dank haben Sie eine gute Haftpflicht.

Wie bitte? Haben Sie nicht? Keine Sorge, ich denke die EU-Kommission wird uns auch irgendwann vorschreiben, welche Versicherungen wir abzuschließen haben.


Der Hunde-Retter

Juli 3, 2017

Eigentlich wissen wir es ja alle: Wenn es draußen sonnig und heiß ist, lässt man seinen Hund nicht im Auto, während man anderweitig beschäftigt. Gleiches gilt übrigens auch für andere Tiere und nicht zuletzt für Menschen. Ausnahme ist vielleicht noch die Schwiegermutter – Drachen mögen Hitze.

Wenn es nicht so warm ist, kann man durchaus mal für kurze Zeit einen Hund im Auto lassen. Nur leider gibt es immer wieder Menschen, die glauben, es besser zu wissen. So einen hatte ich Anfang des Jahres am Telefon.

Notruf, Polizei!“

Ja, hallo. Ich hab hier ein Auto gefunden, in dem ein Hund eingeschlossen ist. Dem scheint es nicht gut zu gehen.

Ich überlegte kurz, schaute aus dem Fenster und dachte: An der Wärme kann es nicht liegen. Es ist bewölkt, und es sind gerade mal 10 Grad draußen.

Wie kommen Sie darauf, dass es dem Hund nicht gut geht?“, wollte ich wissen.

Na, der sitzt da und bellt die ganze Zeit, seit ich hier stehe.“

Aber wenn er bellt, dann scheint er doch ganz munter zu sein“, entgegnete ich.

Am besten kommen Sie mal hierher. Dann zeige ich Ihnen das“, sagte der Mann.

Nein, ich komme nicht zu Ihnen.“

Wie? Sie kommen nicht? Wollen Sie dem Tier nicht helfen? Sie sind doch als Polizist verpflichtet, sich um solche Dinge zu kümmern.“

Na, prima, dachte ich, wieder einer, der mir erklären will, wie ich meinen Job zu machen habe.

Freundlich sagte ich ihm: „Natürlich will ich dem Tier gerne helfen, aber ich sitze hier in der Notrufzentrale und kann nicht zu Ihnen rauskommen.“

Ach so! Dann schicken Sie mir also einen Kollegen?“

Nein, auch das werde ich nicht tun“, sagte ich.

Also, das ist doch …“, brauste er am Telefon auf.

Jetzt hören Sie mir bitte mal zu!“, unterbrach ich ihn. „Es ist bewölkt draußen. Wir haben gerade mal 10 Grad. Da kann es dem Hund eigentlich nicht schlecht gehen. Das Auto wird sich nicht überhitzen.“

Aber der Hund bellt doch. Der ist die ganze Zeit mit der Schnauze an dem kleinen Spalt der Seitenscheibe, den der Fahrer offen gelassen hat.“

Und sie stehen da auch an der Seite?“, fragte ich.

Ja, natürlich. Sonst wäre mir das ja gar nicht aufgefallen.“

Dann ist es kein Wunder, dass der Hund bellt“, sagte ich. „Haben Sie selbst einen Hund? Oder schon mal einen gehabt?“

Nein“, antwortete der Mann. „Da ist man ja zu sehr gebunden.“

Okay. Der Mann hatte also keine Ahnung von Hunden beziehungsweise deren Verhalten.

Aber dennoch weiß ich, dass das hier Tierquälerei ist! Und das ist strafbar! Sie müssen was tun!“, setzte er fort.

So gesehen hatte er Recht. Bei einem Fall von Tierquälerei sind Polizeibeamte verpflichtet, etwas zu tun. Nur wer war der „Tierquäler“?

Passen Sie auf, guter Mann“, begann ich, „Sie werden sich jetzt von dem Auto entfernen.“

Auf keinen Fall!“, schimpfte er. „Ich bleibe hier so lange stehen, bis Ihre Kollegen endlich hier sind.“

Hören Sie! Um die Situation richtig einschätzen zu können, möchte ich Sie bitten, sich nur ein klein wenig von dem Auto zu entfernen. Dann sehen wir weiter.“

Na gut! Wie weit soll ich denn weg?“

Etwa 10 bis 15 Meter“, antwortete ich ihm.

Kurz darauf sagte er: „Also ich bin jetzt ein paar Meter weg. Aber der Hund hat aufgehört zu bellen.“

Ich weiß“, sagte ich grinsend.

Hä?“

Na, ja. Sie sind weitergegangen, nun muss der Hund sein Eigentum nicht mehr verteidigen. So gesehen, haben wir jetzt gemeinsam Ihre Tierquälerei beendet.“


Gesundheit

Juni 5, 2017

Das höchste Gut, das wir besitzen, so propagieren es zumindest unsere Politiker, ist die Freiheit. Nur was nützt es mir, frei zu sein, wenn ich nicht gesund bin und meine Freiheit genießen kann?

Dann haben Sie immerhin die Freiheit, Ihren Arzt zu wählen“, würde jetzt ein Politiker antworten. Ach ja? Ob das so stimmt?

Neulich ereilte mich eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse. Erst wurde sie dick, dann fing sie an, weh zu tun. Ich fuhr also zu meiner Hausärztin, die ich mir immerhin frei gewählt hatte, um mich untersuchen zu lassen. Nur leider war sie nicht da, so dass ein anderer Arzt der Gemeinschaftspraxis sich meiner annahm.

Das ist entzündet!“, stellte er fachkundig fest und verschrieb mir als erstes ein Antibiotikum und Ibuprofen. Dann stellte er mir noch eine Überweisung an einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aus und trug seiner Sprechstundenhilfe auf, mir sofort einen Termin dort zu verschaffen.

Der Wunsch-HNO des Arztes hatte natürlich geschlossen, so dass sie mich an einen anderen verwies, mit der Auflage, sofort dort vorzusprechen, weil die Praxis auch gleich schließen würde – so in etwa fünf Minuten.

Etwa zwanzig Minuten später stand ich dann vor der dortigen Sprechstundenhilfe, die mir sagte: „Das dauert aber mindestens zwei Stunden, bis Sie dran sind.“

Auf die Frage, ob ich zu Hause warten könne, keine zwei Minuten Fußweg von hier entfernt, antwortete sie mir: „Nein, wir schließen ja gleich ab. Wenn Sie rausgehen, kommen Sie heute nicht mehr rein.“ Also ergab ich mich meinem unfreiwilligen Schicksal.

Nach etwa zweieinhalb Stunden wurde ich aufgerufen und stand – der eigentliche Arzt dieser Praxis hatte Urlaub – vor einer Vertretungsärztin, die mit fachkundiger Miene feststellte: „Das ist entzündet!“

Ach was!

Danach tastete sie ein bisschen auf der Schwellung herum und meinte dann: „Das könnte ein Stein sein oder eine Zyste. Genaueres kann ich erst nach einer Ultraschallaufnahme sagen. Ich stell‘ Ihnen mal eine Überweisung aus und dann müssen Sie ein bisschen rumtelefonieren, damit das so schnell wie möglich erledigt wird.“

Gesagt, getan! Es gibt ja einige radiologische Praxen in der Umgebung. Das sollte zu schaffen sein. Am Ende des Tages hatte ich dann die Gewissheit: Der früheste Termin für eine Ultraschallaufnahme war in sechs Wochen!

Immerhin sprach das Antibiotikum an und die Entzündung ging zurück. Bis letzte Woche, da flammte sie wieder auf und wurde sogar noch ein bisschen schlimmer. Also wieder zum Arzt. Aber kann der Hausarzt helfen? Soll ich gleich beim HNO anrufen und mir sagen lassen: „Kommen Sie übermorgen vorbei!“

Ich entschied mich für die Ambulanz der HNO-Klinik in unserer Nähe. Nach nur viereinhalb Stunden – es war wenig los – stand ich einer jungen Ärztin gegenüber, die völlig verblüfft war, dass mein Spezialist zu Hause nicht in der Lage ist, eine Ultraschalluntersuchung zu machen.

Das machen wir gleich“, sagte sie mir.

Also muss ich dann rüber in die Radiologie?“, fragte ich.

Nein, nein“, sagte sie lachend. „Wir gehen nach nebenan. Da steht das Ultraschallgerät.“

Nach fünfzehn Minuten war ich im Bilde: Eine Zyste hatte sich in der Ohrspeicheldrüse gebildet und dann entzündet. Und weil sie sich zum zweiten Mal entzündet hatte, wurde ich auch gleich stationär aufgenommen: Drei Tage lang bekam ich nun das Antibiotikum intravenös verabreicht, morgens, mittags, abends. Wahrscheinlich konnte man mit meinem Blut einen ganzen Watussi-Stamm von Ebola heilen.

Tja, und irgendwann kommt dann die operative Entfernung der Zyste. Das hätte vielleicht auch schon eher erfolgen können, wenn … Tja, wenn!

Liebe Politiker, anstatt als Reaktion auf einen durchgeknallten Unifomträger mit unschönen Plänen in völliger Freiheit jeglicher Sachkenntnis eine ganze Truppe zu verurteilen und Bilder eines verdienten Bürgers als Namensgeber einer Bundeswehr-Universität abzuhängen, weil sich jemand an der Uniform stoßen könnte: Wir wäre es mal mit einer wesentlichen Verbesserung unserer Gesundheitsversorgung? Mehr Ärzte, mehr Diagnose-Technik. Da muss dringend was getan werden.

Und am Krankenhaus-Kaffee könnte man auch arbeiten. Der ist extrem verbesserungswürdig.


Wählen Sie die 110

April 3, 2017

Es ist immer wieder spannend, wen man bei der Entgegennahme eines Notrufs an die Strippe bekommt. Mal erfordert es absolutes Fingerspitzengefühl und Sensibilität, um der schluchzenden Anruferin wenigstens einen kleinen Sachverhalt zu entlocken, mit dem die Kollegen draußen arbeiten können, und mal muss man einen Geschichtenerzähler auch schroff abwürgen, damit das Gespräch wegen einer Bagatelle nicht zu lange dauert.

Es gibt den Drama-King, dessen Lebenstraum auf vier Rädern in einem Akt sinnloser und brutaler Gewalt komplett zerstört wurde, bei dem die Kollegen vor Ort einen Verkehrsunfall mit leichten Lackschäden aufnehmen. Und den Bauern, der sich den halben Arm im Kartoffelroder abgerissen hat und für 18 Uhr einen Rettungswagen bestellt, weil er vorher noch die Ernte einfahren muss.

Dann gibt es noch die, die so ein bisschen einen an der Schüssel haben, aber absolut harmlos sind. Wie jener Herr aus Springe, der sich einmal täglich mit „Guten Tag! Ich hab mich verwählt!“ bei uns meldet. Wünscht man ihm ebenfalls einen guten Tag, ist er glücklich und zieht friedlich seiner Wege. Oder die Dame aus Hannover, deren imaginärer Nachbar in der Nebenwohnung eine Maschine betreibt, wodurch ihr Bett anfängt zu vibrieren. Sie möchte nicht, dass die Polizei kommt. Sie möchte die Geschichte nur jemandem ganz im Vertrauen erzählen und fragt am Ende immer, ob sie noch mal anrufen darf, wenn es wieder los geht. Bejaht man dies, kann sie zufrieden schlafen und ruft nicht mehr an.

Vor einiger Zeit rief uns auf einem Samstag eine Dame an und erzählte unglaubliche Geschichten, bei denen man sofort merkte: Das stimmt nicht! Das ist keinen Einsatz der Kollegen wert. Doch die Dame blieb hartnäckig und wählte immer wieder die 110. Auch das mehrmalige Vorsprechen der Kollegen vor Ort, sie möge das doch bitte unterlassen, half nicht. Immer wieder blockierte sie die Notrufleitung mit ihren Phantasien.

Nach dem zweihundertsechsundsiebzigsten (in Zahlen: 276.) Notruf, wurde es den Kollegen zu bunt. Sie fuhren hin und nahmen ihr die sechs Telefone, die sie benutzte, ab. Das veranlasste die Dame, über ihre Nachbarin den 277. Notruf zu starten, man möge ihr doch ihre Telefone wiedergeben. Die brauche sie schließlich.

Unsere Pressestelle brachte diesen Vorfall in die Zeitung. Das wiederum löste auf Facebook einen Shitstorm selbsternannter Stuhlkreis-Altruisten aus: Wie kann die Polizei nur so reagieren? Die arme Frau! Die braucht doch ihre Telefone! Was, wenn sie wirklich mal in Not ist? Es gipfelte schließlich in der völlig realitätsfernen Behauptung, niemand, der nicht in Not sei, würde die 110 anrufen.

Doch! Wie eingangs schon geschildert, gibt es alle möglichen Anrufer bei uns, so dass in unseren Köpfen schon eine Art Notruf-Bingo schwirrt, weil so mancher Ausspruch mehrmals täglich zu hören ist.

Notruf, Polizei!“

Also, das ist jetzt kein Notruf, aber …“

Wenn es kein Notruf ist, warum wählt er dann die 110?

Notruf, Polizei!“

Guten Tag, können Sie mich mal mit Herrn … verbinden?“

Nein kann ich nicht. Ich bin nicht die Vermittlung.“

Oder: „Notruf, Polizei!“

Guten Tag, ich brauche mal die Telefonnummer Ihrer Kollegen in Berlin!“

Die Auskunft erreichen Sie unter 11880 oder 11833!“

Man könnte auch im Internet schauen, aber die 110 ist halt schneller gewählt.

Ebenfalls mehrmals täglich höre ich: „Guten Tag! Ich hab da mal ’ne Frage …“ Der Hinweis, für Erklärungen die örtliche Polizeidienststelle anzurufen, endet dann meist mit der Bitte: „Können Sie mich da nicht eben mal verbinden?“

Wie man sehen kann, entsteht aus einem Notruf nicht immer ein Einsatz, weil kein tatsächlicher Notfall vorliegt.

Auch das Fahrrad, das im Laufe des Tages am Bahnhof gestohlen wurde, erfordert nicht das sofortige Erscheinen der Polizei vor Ort. Da kann man selbst zum Revier stiefeln und Anzeige erstatten.

Anders verhält es sich vielleicht, wenn der Anrufer eigentlich nur mal die Kollegen durchbeleidigen möchte und dabei eines vergisst: Wir machen auch Hausbesuche!


Bahnfahren 1. Klasse

März 9, 2017

Neulich bin ich mal wieder mit der S-Bahn unterwegs gewesen. Ein schönes Verkehrsmittel, das einen im Großraum Hannover schnell von A nach B bringt und dabei trotzdem an fast jeder Milchkanne hält.

So wie früher halt – nur eben moderner und mit Strom, Öko-Strom, um genauer zu sein. Wobei ich mich immer frage, woher der ganze Ökostrom kommt, der so angeboten und verbraucht wird. Aber das ist ein anderes Thema.

Die S-Bahn zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass es nur Großraum-Abteile gibt, in denen man mit vielen Menschen zusammen sitzt – ob man will oder nicht. Wer schon mal an einem heißen Sommertag zur Feierabendzeit in so einem Abteil gesessen hat, weiß, was ich meine.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Ganz vorn im Zug sind sechs Sitzplätze mittels einer Glastür abgetrennt. Auf dieser Glastür prangt ganz groß eine 1, um klar zu machen, dass es sich hierbei um die 1. Klasse im Zug handelt.

Meistens sind diese Plätze nicht besetzt. Wie denn auch? Wer die S-Bahn nutzt, fährt mit einem Ticket des Großraumverkehrs Hannover. Das ist nur für die 2. Klasse.

Neugierig, wie ich nun mal bin, habe ich versucht, auf bahn.de ein Ticket erster Klasse für die S-Bahn zu buchen. Was soll ich sagen? Es geht nicht. Nach Auswahl von Start und Ziel und des Zuges kann ich zwar noch das Feld „1. Klasse“ anwählen, aber dann ist Schluss. Danach streikt die Web-Seite der Bahn. Bezahlen und Ausdrucken des Tickets ist nicht möglich.

Warum also gibt es in der S-Bahn eine 1. Klasse, wenn ich kein Ticket dafür bekomme? Wahrscheinlich eines der großen Rätsel der Menschheit, größer noch als das deutsche Steuerrecht.

Tatsächlich waren bei der nächsten Fahrt zwei dieser sechs Plätze besetzt. Und wie es der Zufall wollte, war auch ein Fahrkartenkontrolleur anwesend.

Nachdem er sich die Fahrkarten der beiden angeschaut hatte, blaffte er: „Das ist hier 1. Klasse. Da haben sie keinen Fahrschein für. Setzen Sie sich da drüben hin oder Sie müssen den erhöhten Fahrpreis zahlen!“

Missmutig trollten sich die beiden Fahrgäste.

Ich aber nutzte die Gelegenheit, um den Kontrolleur anzusprechen: „Sagen Sie, warum ist das hier die 1. Klasse?“

Weil es an der Tür steht!“, kam die knappe, nicht sehr hilfreiche Antwort.

Und was ist an diesen sechs Plätzen 1. Klasse?“, bohrte ich weiter.

Er schaute mich verwundert an. „Ich verstehe die Frage nicht“, sagte er dann.

Na, schauen Sie sich doch mal die Sitze an!“, erwiderte ich.

Was soll mit den Sitzen sein?“

Das sind die gleichen Sitze wie in der 2. Klasse, nur halt ein bisschen sauberer, weil dort keiner sitzt. Kein bisschen bequemer, kein bisschen mehr Komfort.“

Ich konnte genau sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete.

Und wo ist der Service?“, fragte ich weiter. „In der 1. Klasse sollte es doch einen Service geben, wie beispielsweise in einem ICE, wo Ihre Kollegen einem den Kaffee an den Platz bringen.“

Das sind keine Kollegen, das ist ein Caterer!“, korrigierte er mich. „Hier in der S-Bahn gibt es keinen Kaffee.“

Sehen Sie? Also kein Service.“

Aber wir haben eine Zeitschriften-Box in der ersten Klasse, konterte er.

Stimmt. Hinter einem der Sitze war eine solche Box angebracht. Nur war sie leer.

Und die Zeitschriften?“

Wie? Und die Zeitschriften.“

Na, wo sind die? Da ist doch nichts drin.“

Was weiß denn ich?“, erwiderte der Mann angesäuert. „Ich kontrollier‘ hier nur die Fahrkarten.“

Apropos, Fahrkarten“, da hatte er mir ein gutes Stichwort geliefert. „Wo kriege ich denn ein 1.-Klasse-Ticket für die S-Bahn?“

Zum Beispiel im Internet.“, antwortete er.

Als ich ihm dann erklärte, dass das nicht funktioniert, wurde er pampig: „Sie glauben ja auch, dass das hier keine richtige 1. Klasse ist. Was wollen Sie dann mit so einem Ticket?“

Wollte ich gar nicht. Eigentlich wollte ich nur wissen, warum in einem Zug, der oftmals überfüllt ist, Plätze existieren, für die man kein Ticket kaufen kann. Doch das wird wohl weiterhin ein Rätsel bleiben.


Reformen? – Bitte politisch korrekt!

Februar 6, 2017

Herr Müller, Sie sind Mitglied des Verkehrsausschusses des Bundestages, der heute umfassende Reformen des Verkehrsrechts beschlossen hat. Auf was dürfen wir uns als Autofahrer einstellen?“

Wie Sie vielleicht wissen stammt unser heutiges Verkehrsrecht aus einer Zeit, in der wir – sagen wir mal – noch kein so großes Geschichtsbewusstsein wie heute hatten. Wir sind daher zu dem Schluss gekommen, dass bestimmte Grundsätze neu beziehungsweise moderner gestaltet werden müssen.“

Und was bedeutet das im Einzelnen?“

Nun zum einen möchten wir natürlich auf die Eigenverantwortung des Verkehrsteilnehmers hinaus. Er soll in bestimmten Fällen selbst entscheiden, wie er sich verhält.“

Und Sie glauben, dass das gut ist? Die Regelungen sind doch dazu da, Gefahren zu minimieren.“

Das ist richtig. Aber wir sollten darauf vertrauen, dass die Verkehrsteilnehmer auf sich selbst achten.“

Welche Regel wollen Sie beispielsweise ändern?“

Als erstes werden wir die Vorfahrtregel ,Rechts vor Links‘ streichen.“

Also sollen alle Kreuzungen zukünftig beschildert werden?“

Um Gottes Willen, nein. Das ist doch viel zu teuer. Wie wollen Sie das dem Steuerzahler und vor allem Herrn Schäuble vermitteln? Ich sagte doch: Der Verkehrsteilnehmer soll selbst entscheiden.“

Und was passiert, wenn jemand im Vertrauen auf die anderen in so eine Kreuzung hineinfährt und dann von einem BMW-Fahrer von der Straße gefegt wird?“

Haben Sie was gegen BMW-Fahrer?“

Nicht grundsätzlich. Aber wer zahlt den Schaden?“

Na der, der nicht aufgepasst hat.“

Also der BMW-Fahrer!“

Sie haben doch was gegen diese Leute, oder?“

Nein, natürlich nicht. Aber ich finde, dass die Rechts-vor-Links-Regel ganz hilfreich in solchen Fällen ist.“

Wissen Sie eigentlich, was Sie da sagen?“

Äh, wieso?“

Sie können doch in der heutigen Zeit nicht mehr rechts bevorzugen! Wie sieht das denn aus? Überlegen Sie, was sie vor allem unseren jungen Mitbürger mit dieser Aussage vermitteln: Rechts geht vor!“

Dass es unter bestimmten Umständen Regeln geben muss, an die man sich halten sollte?“

Ja, Regeln müssen unter bestimmten Umständen sein, aber bitte politisch korrekt abgefasst. Keine Richtung – vor allem nicht die!“

Dann hätten Sie die Regel ja auch in Links-vor-Rechts umändern können. Oder wir steigen ganz auf den Linksverkehr um – wie in Großbritannien.“

Damit geben Sie der anderen Richtung den Vorzug. Das wollen wir gerade nicht.“

Links ist doch in der heutigen Zeit nicht verkehrt.“

Heute schon. Aber was ist morgen? Was wenn sich der Trend verändert? Plötzlich ist die Mitte das Maß aller Dinge. Was dann? Nein, wir wollen schon zukunftsweisend mit unseren Änderungen sein.“

Also auf keinen Fall festlegen – ganz so, wie sich der Trend in der Politik abzeichnet.“

Richtig! Die letzten Jahre haben gezeigt, dass es funktioniert.“

Verstehe! Haben Sie noch weitere Änderungen beschlossen?“

In der Tat wollen wir uns auch von alten Begrifflichkeiten, wie etwa dem Fahrzeugführer verabschieden. Führer! Das hatten wir mal – und es ging nicht gut! Fahrzeuglenker trifft es genauso, ist aber nicht negativ belastet.“

Und was ist mit dem Führerschein?“

Der fällt selbstverständlich der Reform zum Opfer. Der Verkehrsteilnehmer erwirbt zukünftig einen Kraftfahrzeug-Lenker-Berechtigungs-Nachweis!“

Mein Gott! Geht das auch kürzer?“

Natürlich: KraftfahrLenkBeNa!“

Hä???“

Genial, oder? KraftfahrLenkBeNa. Auf so etwas kommt kein normal denkender Mensch.“